Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 5 (26.1.1864)
- Date
- 1864-01-26
- Page
- Seite 65 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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65 lichung, gegenüber den durch die Gewohnheit und Anschauung des Volkes geschaffenen Hindernissen, herbeigeführt werden sollte. Wenden wir dies auf den Opfercultus an, so würde er nach der Ansicht des Maimonides eine Accommodation an die Gewohnheit ohne alles Princip, ohne allen selbständigen Zweck, ohne jeden einwohnenden Gedanken sein und hiermit des Gesetzgebers gänzlich unwürdig, besonders aber jedem Begriff einer göttlichen Offenbarung, wie diesen Maimonides mit so vieler Innigkeit und Glaubenstreue festhält, widersprechen. *) Erklären können wir uns dies nur aus der dem Maimonides, wie seinem ihn so vielfach bestimmenden Vorgänger Aristoteles eigenen einseitigen Verstandesschärfe, die, wo er keine vom Verstände allein zu fassende Erkenntniß findet, wo Phantasie und Gemüth zur Hilfe genommen werden müssen, eben nichts findet. Wie haben wir aber nun den mosaischen Opfercultus wirklich zu fassen? (Fortsetzung folgt.) Literarischer Wochenbericht. Bonn, 17. Januar. Die diesjährigen Instituts- Schriften werden innerhalb einiger Wochen zur Versendung kommen. Sie bestehen diesmal im 1) achten Bande von Gr ätz, Geschichte der Juden (32 Bogen); 2) Philippson's Neues israelitisches Gebetbuch (35*/2 Bog.); 3) Wiesner, Der Bann in seiner geschichtlichen Entwickelung auf dem Boden des Judenthums (7 Bogen); 4) Herzfeld, Die Kunstleistungen der Hebräer (4 Bg.); 5) Ph. Philippson's Biographische Skizzen, 1. und 2. Heft (14 Bogen); 6) L. A. Frankl's Ahnenbilder (10 Bogen); 7) Abonnenten-Verzeichniß (4E/2 Bogen). Also zusammen 1063/* Bogen. Wir glauben deshalb, daß die Theilnehmer des Instituts durch eine so reiche Gabe sich befriedigt fühlen werden. Außerdem sind zwei Werke unter der Presse, welchen das Institut Subvention zukommen läßt. *) Genauer haben wir dies in unserm Bibelwerke Bd. I zu 2 Mos. 20, 22. ausgeführt. Kurz gesagt, erklärt Maimonides das ganze Cultusrituale, das vom 2ten bis 5ten Buche Mos. hindurchgeht, für ein heidnisches Element, das der Gewöhnung halber beibehalten und nur mäßig modificirt wurde. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Aus Würtemberg, im Januar. (Privatmitth.) Sie haben zwar die Resultate der Verhandlungen unserer Abgeordnetenkammer über die völlige Gleichstellung unserer Glaubensgenossen mitgetheilt, sind aber noch nicht in das Detail derselben eingegangen. Und doch sind sie wohl wichtig und charakteristisch genug, um einen Blick darauf zu rechtfertigen. Unsere Nachkommen, wenn sie die Geschichte der letzten vier Jahrzehende beachten und erforschen werden, wird der Entwickelungsgang in unserer Angelegenheit höchlichst überraschen. Wenn sie die Verhandlungen lesen, werden sie erstaunen, wie in so kurzer Zeit die Gesinnung, das Urtheil und der ganze Tenor sich mngewandelt haben. Welche krasse Urtheile über die Juden, welche Anschuldigungen und Verdächtigungen wurden noch vor zwanzig Jahren und darunter über die Juden ausgesprochen, sobald sie Gegenstand von Kammerverhandlungen in irgend einem Lande wurden; wie floß z. B. der Mund der geistlichen Herren davon über, daß die Juden die Träger eines göttlichen Fluches seien, die von den Folgen dieses Fluches zu befreien eine gotteslästerliche Handlung sei; wie wußten die Gegner nicht genug uns als die Schmarotzer- und Wucherpflanzen am Baume der Gesellschaft zu bezeichnen. Und wie hat sich dies gänzlich geändert! Der einzige Standpunkt, in welchen sich die Gegnerschaft zurückgezogen, ist nicht mehr der Angriff auf die Juden, sondern die Vertheidigung des Christenthums. Sie glaubt, daß das Christenthum und die christliche Kirche durch die Einbürgerung der Juden, durch die völlige Gleichstellung derselben von Staatsseiten gefährdet und richtet ihre Geschosse nur noch aus diesem Winkel hervor. Wir können hiermit sehr zufrieden sein, denn abgesehen von allen Principien, läßt sich diese Furcht einer ungeheuren Majorität vor einer so verschwindenden Minorität, wie die Juden sie ausmachen, gar zu leicht widerlegen und ist zu sehr ein Zeugniß der Schwäche, als daß sich die Einsichtsvollen lange damit aufhalten werden. Ja, wir können sogar beobachten, daß jetzt in derartigen Verhandlungen den Juden allzuoft Lob gespendet wird. Nun wollen wir uns nicht in soweit täuschen, als ob Vorurtheil und Gehässigkeit wirklich in so hohem Grade