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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-01-19 · Heft 4 (19.1.1864) · p. Seite 56

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 4 (19.1.1864)
Date
1864-01-19
Page
Seite 56 (sequence 12)
Language
German
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56 Das eine ist vom serbischen Minister an den türkischen CommissariuS zu Belgrad, worin jener sich beruft, daß die Beschränkung der Juden auf Belgrad ein Botum der serbischen Nationalversammlung sei, gegen welches er weder handeln könne noch wolle; das zweite vom Staatssecretär Polens, in welchem dieser die Gründung eines Zweigvereins der Alliance als gesetzwidrig untersagt und bemerkt, daß die volle Emancipation der Juden Sache der Regierung sei und auswärtiger Einwirkung nicht bedürfe. Großbritannien. London, l. Januar. (Jew. dir.) Als Sir Moses Montefiore in Madrid weilte, wurde er mit einer Audienz bei der Königin und dem Könige beehrt und sehr wohlwollend vom Marquis von Montafleures, dem Haupt des spanischen Ministeriums, empfangen, von welchem er die dringlichsten Empfehlungsschreiben nach Marokko empfing. Man hofft, daß seine Anwesenheit nicht blos die Befreiung der 4 bis 5 gefangenen Juden, sondern auch eine bessere Behandlung der marokkanischen Juden in dauernder Weise bewirken werde. Amerika. Hamburg, im December. (Privatmitth.) Wenn Sie eine Charakteristik des nordamerikanischen Judenthums in der Gegenwart von mir wünschen, so ist mir eine solche jetzt, wo ich den Boden Amerikas verlassen habe, möglicher als früher, da unsere Glaubensgenossen in der neuen Welt sehr empfindlich sind, sich zwar gern loben lassen, jedem aber, der es wagt, einen Tadel auszusprechen, ausdauernd mit ihrem Hasse vergelten. Allein ich scheue es stets, ein allgemeines Urtheil auszusprechen, wo sich so vieles nach Oertlichkeiten und Umständen modificirt. Ich darf mir daher nur einzelne Züge gestatten. Im allgemeinen hat das nordamerikanische Judenthum in den beiden letzten Jahrzehnten bedeutend gewonnen. Die Menge der aus Europa Hinzugeströmten veränderte und befruchtete den früher dürren Boden, brachte größere Verwickelung und darum auch kräftigere Entwickelung mit sich und zog so manche schöne geistige Kraft über den Ocean hinter sich her. Aber die stattftndende Verwirrung ist noch weit von dem Zustande der Klärung entfernt und wir müssen hier der Energie völliger Freiheit vertrauen, daß sie die schweren Hindernisse zu überwinden vermögen werde. Vor allem muß man erwägen, daß in Amerika das Judenthum an etwas laborirt, was dem ganzen Nordamerikanismus eigen ist, nämlich daß es sich dort überall und in allen Dingen mehr um die concrete Sache handelt als um die einwohnende Idee, und daß es daher den Dortigen viel gleichgiltiger erscheint, ob jene dieser entspreche, als daß sie nur da sei. Es muß Gemeinde, Tempel, Rabbiner, Prediger u. s. w. vorhanden sein, es muß die Reform oder die Orthodoxie bestehen und sich in den bekannten äußeren Merkmalen darthun. In wieweit dieses alles aber dem Gedanken entspricht, innerlich dem Wesen congruirt, ist gleichgiltig. Lassen Sie mich dies an einem Beispiele darlegen, für dessen Richtigkeit ich einstehe, dessen Oertlichkeiten ich aber verschweige, da ich ja nicht verletzen, sondern vielleicht bessern will. Eine ansehnliche Gemeinde wollte einen englischen Prediger anstellen und wählte ohne weitere Bedenken hierzu einen Mann, der an sich sehr achtenswerth, auch ein tüchtiger Redner ist, aber zugleich als Buchhalter in einem Geschäfte fungirt und als Humorist öffentliche Vorträge hält. Der Mann versieht diese dreifachen, soweit voneinander entlegenen Aemter noch heute frisch weg. Oft ist es schon gekommen, daß er mit dem Reisesack zum Tempel kam und denselben, bis der Gottesdienst zu Ende war, einem Gemeindediener in Verwahrung gab, weil er entweder soeben von einer Geschäftsreise kam oder nach beendigter Predigt sich zur Eisenbahn begeben wollte, um am Abend eine Zuhörermenge durch sprudelnden Humor zum Lachen zu bringen. Dabei ist dieser Mann ohne alle Kenntniß des Judenthums und es kam vor, daß er auf der Kanzel ein christliches Dogma vortrug, wodurch er alle Zuhörer zu äußerster Entrüstung brachte und man sich genöthigt sah, den Prediger zu verpflichten, seine Kanzelvorträge sich erst von kompetenter Seite revidiren zu lassen. Der gute Mann wundert sich daher selbst, daß man ihm ein solches Amt überträgt, was aber nicht verhindert, daß er in demselben verbleibt und daß man ihn darin läßt. — So gibt es auch in Amerika Gemeinden, welche in ihrem Cultus die strengste Orthodoxie festhalten und deren Mitglieder allesammt oder fast allesammt am Sabbath ihr Geschäft und Gewerbe betreiben, während es reformirte Gemeinden gibt, deren Mitglieder in der Mehrzahl den Sabbath

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