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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-01-19 · Heft 4 (19.1.1864) · p. Seite 55

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 4 (19.1.1864)
Date
1864-01-19
Page
Seite 55 (sequence 11)
Language
German
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83 dies immerhin auch der öffentlichen Andeutung würdig. In diesen Tagen feierte der hiesige Rabbiner, Dr. Joel, seine silberne Hochzeit. Es war dies völlig unbekannt geblieben, da Herr Dr. Joel es absichtlich zu verschweigen gedachte. Erst am Abend vorher wurde es durch ankommende Verwandte bekannt und sofort versammelten sich die Gemeindebehörden, um zu berathen, wie sie ihre Liebe ihrem geistlichen Lehrer bezeugen könnten. Dies bethätigte sich denn auch am andern Tage, wo die Vertreter der Gemeinde im Namen dieser, dann das Lehrerpersonal und endlich fast alle einzelne Gemeindemitglieder vor dem Jubelpaare mit den herzlichsten Ansprachen und werthvollen Geschenken erschienen, was eben dadurch eine höhere Bedeutung erhielt, als es unvorbereitet, also rein aus dem Herzen gekommen. Oesterreichischer Kaiserstaat. Lundenburg (Mähren), im December. Bei dem hiesigen Landesgerichte wurde gegen den Rabbiner der jüdischen Gemeinde Lundenburg, Herrn Dr. Miller, eine Klage wegen Ehrenbeleidigung durch die Presse anhängig gemacht. Es handelt sich um eine von Dr. Miller verfaßte Broschüre. Wien, 2. Januar. Der Ober-Cantor Salomo« Sulz er hat den ottomanischen Medschidje-Orden 4. Classe, der Nell. Dr. Joseph Hirschfeld in Wien denselben Orden 5. Classe erhalten. Aus Südungarn, 1. Januar. (Privatmitth.) Beim Jahresbeginn erachten wir es für Pflicht, Ihnen nachträglich noch einige Mittheilungen über die wichtigsten Vorfälle des abgelaufenen Jahres zu machen. — Vor allem wollen wir also hier den Bericht des P. L. folgen lassen. „Am 27. d. M. fand eine General-Versammlung des Vereins zur Beförderung der Handwerke und des Ackerbaues unter den Israeliten in Ungarn statt, deren wir hier ausführlicher erwähnen wollen, weil der in derselben durch den Vereinsvorstand, Herrn I. Kern, zur Sprache gebrachte Antrag von großer sittlicher und volkswirthschaftlicher Bedeutung, letzteres für die Juden nicht allein, zu werden verspricht. Der Verein, der seit 20 Jahren besteht, hat durch sein nachhaltiges wohlthätiges Wirken — es wurden gegen 450 Lehrlinge von ihm unterstützt — in der jüngsten Zeit auch in Debreczin eine aus mehreren 100 Mitgliedern bestehende Gesellschaft zur Bildung eines analogen Vereins für das Alföld angespornt, dessen Statuten von der dortigen städtischen Behörde bereits begutachtet, nunmehr der hies. Statthalterei zur Genehmigung unterbreitet sind. Mit diesem Erfolge begnügt sich jedoch Herr Kern nicht, er möchte, daß ähnliche Bestrebungen allenthalben ausgenommen würden. In den Städten, meint er, wäre die Ergreifung der Handwerke den Söhnen armer Israeliten zu erleichtern, die angehenden Meister zu unterstützen; in den Landgemeinden aber wäre die Verwendung armer Kinder zum Feldbaue auf jede mögliche Weise zu fördern und zu unterstützen. Herr K. schloß mit dem Vorschläge: „Die General-Versammlung möge den leitenden Vereinsausschuß ermächtigen, daß er die bedeutenderen Gemeinden unseres Vaterlandes durch Wort und That auffordere, die hier mit manchem günstigen Erfolge gediehene Bestrebung allenthalben aufzunehmen und zu verfolgen." Dieser Antrag wurde auch von der Versammlung einstimmig angenommen. Das Buch des Herrn Renan macht in Oesterreich fast noch mehr Aufsehen als in Frankreich und wird von der Lesewelt verschlungen. Bereits drei Auflagen einer in Wien erschienenen Uebersetzung sind vollständig vergriffen und soeben bereitet daselbst eine andere Buchhandlung eine sehr billige — fl. 1 — Volksausgabe vor, die in wenigen Tagen die Presse verlassen wird. Das Buch Renans ist ein wahres Volksbuch geworden, heißt es in der Ankündigung — und die Presse thut auch das Ihrige zur Verbreitung des gewiß höchst merkwürdigen und romanhaften Buches. Die vorzüglichsten wiener Blätter: Wanderer, Ostdeutsche Post, Wiener und Pesther Lloyd rc. brachten Recensionen, Berichte, Auszüge, die oft noch freisinniger als Renan selbst waren. Dabei ist die clericale Partei wiederum höchst rührig und das „Leben Jesu" wird von den Kanzeln und in Hirtenbriefen verketzert und verflucht; aber trop tard! Frankreich. Paris, im Januar. Die Arch. isra6l. enthalten zwei Schreiben, welche als Antwort aus die Bemühungen der Alliance isr. unir. sehr entmuthigend sind. 4 **

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