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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-01-19 · Heft 4 (19.1.1864) · p. Seite 49

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 4 (19.1.1864)
Date
1864-01-19
Page
Seite 49 (sequence 5)
Language
German
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49 ertheilte er dem Sir Moses Schreiben an die maurische Regierung, welche den Wunsch der spanischen Regierung aussprachen, daß die beiden unglücklichen Gefangenen zu Saffi ebenfalls entlassen würden. Mit diesen Schreiben begab er sich zu Sid. Mohammed Bargasch, dem maurischen Minister für die auswärtigen Angelegenheiten zu Tanger, der seine Zufriedenheit mit dem Inhalte des spanischen Schreibens aussprach und es sofort durch einen besonderen Courier an den Sultan nach Marokko sandte. Allerdings würde aber ein Monat verfließen, ehe er die Antwort erhalten könnte. Der britische Minister fügte ein gleiches Schreiben von seiten seiner Regierung bei. Sir Moses besuchte auch die Residenten von Frankreich, Nordamerika, Italien, Portugal u. s. w., an welche sämmtlich er Schreiben hatte. Nach seiner Rückkehr vom maurischen Minister fand er bei sich eine Deputation von 50 Mauren und ihren Häuptlingen aus einer fernen Gegend des Landes, welche ihn um seine Zwischenkunft für die Befreiung eines ihres Stammes baten, der unter dem Verdachte, zwei Juden getödtet zu haben, 2^/2 Jahre im Gefängniß saß, ohne daß auch nur eine Untersuchung eingeleitel worden war. Er war so glücklich, diese zu erlangen, und die Häuptlinge verbürgten sich fortan für die Sicherheit der Juden, die bei Tage durch ihr Land reisten; bei Nacht vermöchten sie dies nicht. Sir Moses schreibt, daß er die sichere Kenntniß erlangt habe, wie freundlich der Sultan gegen seine jüdischen Unterthanen gesinnt sei, und glaubt daher an die Versicherungen der fremden Residenten zu Tanger, daß die Juden in Marokko einer besseren Zukunft entgegengingen. Darum ist er auch entschlossen, eine Audienz bei dem Sultan zu erzielen. Ueberzeugt von der Unschuld der beiden zu Saffi Hingerichteten Juden tröstete er sich mit der Hoffnung, daß aus diesem Vorgänge für die halbe Million Juden in Marokko Gutes entstehen werde. — Nach dem „Gibraltar Chronicle" vom 28. war Sir Moses nach einem Aufenthalte von wenigen Tagen nach Saffi, einem der Häfen der westlichen Berberei, abgegangen, um zum Sultan zu gelangen. Die spanische Regierung hat an ihre Consuln und Agenten in Marokko ein Circular erlassen, in welchem sie ihr großes Mißfallen über die, wie sie sagt, groben Verleumdungen ausspricht, als ob die spanischen Consuln in Marokko einen Kreuzzug gegen die Juden unternommen hätten. Zur besten Widerlegung dieser Anklagen sollten die Consuln ihre Fürsorge für das Wohl der Juden verdoppeln und ihren Einfluß ausüben, um jedem Acte der Grausamkeit seitens der marokkanischen Regierung gegen die Juden zuvorzukommen. Aus Süddeutschland. (Eingesandt.) Ueber die Frauenplätze in der SMagoge. So viele Berichte wir auch über die Einweihung neuer Synagogen in diesen geschätzten Blättern fanden, niemals ist uns eine Erörterung der keineswegs nebensächlichen Frage zu Gesichte gekommen: Wo bringt man am zweckmäßigsten die Plätze für das weibliche Geschlecht hin? Solange letzteres von der Betheiligung am Gottesdienste, wenn auch nicht ausgeschlossen, so doch fast dispensirt war, sah man nur an hohen Feiertagen eine größere Zahl verheiratheter Frauen die Synagoge besuchen; Mädchen fast niemals. Die obige Frage hatte daher keine Bedeutung, weil die Räumlichkeit einer kleinen Tribüne, an der westlichen Seite der Synagoge, dem Bedürfnisse vollständig genügte. Später, als man jene Tribüne für die Chorsänger benutzen wollte, begann man auch an den beiden Langseiten der Synagogen Emporbühnen für die Frauen zu errichten, auf welchen der Länge nach mehrere Bänke hintereinander herlaufen. Einige größere Gemeinden haben sogar zwei Gallerten übereinander gebaut. — Ist diese Einrichtung eine zweckmäßige? — Wir verneinen dieses auf das entschiedenste und zwar aus folgenden Gründen: 1. Obgleich die Bänke jener Seiten-Emporbühnen sich gewöhnlich amphitheatralisch erheben, so ist doch nur die der Brüstung zunächst sitzende Reihe der Frauen (und selbst diese nicht immer) im Stande, die heiligen Ceremonien zu sehen, ohne vom Sitze aufzustehen. Thut dieses aber die erste oder zweite Reihe, so sind alle Hinteren Bänke völlig isolirt und können dem Gottesdienste höchstens mit dem Ohre, aber nicht mit dem Auge folgen. Hieraus entsteht nothwendig Unaufmerksamkeit, Theilnahmlosigkeit, Langeweile. 2. Die Beaufsichtigung der Frauen und die Wahrung der nöthigen Ruhe ist unmöglich, weshalb gar oft profane Gespräche aller Art geführt und sogar diejenigen gestört werden, welche gern andächtig beten möchten.

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