Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 4 (19.1.1864)
- Date
- 1864-01-19
- Page
- Seite 47 (sequence 3)
- Language
- German
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47 Raum, trat lichtvoller und leuchtender aus jedem Kampfe hervor und mit jeder neu anbrechenden Morgenröthe einer neuen Zeit streifte es seine Umhüllungen ab und trat am Himmel der Menschheit in ewigem Glanze hervor. Wie willst du also widerstehen? Wie dich diesem entziehen? Streife selbst, wer du auch seiest, das Dunkel von dir und erkenne, was es dir darbietet, was du an ihm habest oder von ihm haben könntest! Auf seinem Fundamente wirst du ein ganzer Mensch und alles in dir ganz und eines; aber darum mußt du ihm auch ganz gehören. Gabriels Andenken.*) Hoch im Triumph, mit stolzen Siegesfahnen, Bewundert von der Völker dichter Schaar, Ein Kämpfer für die Ehre seiner Ahnen, Ein Retter für das Haupt im Silberhaar Wie für das Kind, das später erst soll ahnen, Wie seiner harrten Leiden und Gefahr, Zieht hin ein Held im wogenden Gedränge Und: Lebe hoch! ruft ihm die trunkne Menge. Und aufgelöst in tiefster Wonne Beben Seht eine Frau ihr unbeweglich dort: Ihr Athem stockt und ihre Lippen streben, Doch dem halboffnen Mund entströmt kein Wort — Die Mutter ist's! sie gab ihm einst da« Leben, Ihr Schooß war feines Daseins Ursprungsort. Gefühle, die in ihrer Brust sich drängen. Sie dröhn den schwachen Rahmen zu zersprengen. Und wieder seh' ich einen Trauerzug- Der Sieger wird zur frühen Gruft getragen! Sein gutes Schwert, die Waffe, die er trug, Liegt auf dem Sarg, in Trauerflor geschlagen; Die edle Hülle deckt ein schwarzes Tuch Und leise flüstern der Begleiter Klagen — Ein Schmerzgefühl beugt jeden Nacken nieder: Welch ein Verlust! hallt ringsumher es wieder. *) In einem am jüngsten Sylvesterabend versammelten Familienkreise zu Hamburg recitirt, wo Rießer seit dreißig Jahren mitgefeiert hatte. Und ach, wie damals, lautlos hingesunken Sehn wir die treue Mutter heute stehn; Als schwände hin ihr letzter Lebensfunken, Kann sie nicht Worte leihen ihren Weh'n. Sie denkt der Zeit, da sie noch wonnetrunken Ihn könnt' umarmen, führen, hören, sehn. Vergebens sucht sie Trost in ihrer Trauer, Ein Fluch scheint ihr des eignen Lebens Dauer. So stehen wir vor Rießers frühem Grab, Wir Söhne Deutschlands, die vom Jordan stammen — Wir schauen schmerzvoll in die Gruft hinab, Wo jäh erloschen seines Lebens Flammen; Sohn, Bruder, Freund, Vertreter, Stütze, Stab, In ihm verloren alles wir mitsammen- Die Hoffnung, einen Gleichen je zu haben, Auch diese Hoffnung ist mit ihm begraben. Denn er war unser! jeder Tropfen Bluts In seiner Brust erglühte unsrer Sache. Die erste Regung seines Jugendmuths, Sie war ein Schrei nach Recht, nach Licht, nach Rache. In Gleichheit Freiheit! dieses höchsten Guts Erwerb, durch ihn erhöht ins tausendfache, War ihm das Ziel; denn eh' er noch erkannt Der Unfern Recht, war schon sein Herz entbrannt. Fragt denn der Sohn, der seinen greisen Vater Mißhandelt sieht von böser Feindeshand, Erst zweifelnd, wägend, schwankend den Berather: Wie kam's, daß dieser jenen überwand? Erkundigt er sich erst: Was sprach, was that er? Wie wird hier Unrecht, wie das Recht erkannt? Nein! rasch mit Kraft stürzt er der Kraft entgegen Und widersetzt mit Schlägen sich den Schlägen! Heil ihm und uns! es dürft' ihn nicht gereuen Der kühnen Jugend glutherzeugte That, Des Jünglings Kampf dürft' er als Mann erneuen Und keimen, reifen sehn die edle Saat. Er brauchte die Erinn'rung nicht zu scheuen, Auch als ein größeres Schlachtfeld er betrat, Für Recht und Licht; den Kampf um diese Zweie Hat er gelernt in unsrer schwachen Reihe. Wie war er stark, wenn er die Fackel schwang, Um finstre Drachenbrut ans Licht zu ziehen! 4*