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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-01-05 · Heft 2 (5.1.1864) · p. Seite 22

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 2 (5.1.1864)
Date
1864-01-05
Page
Seite 22 (sequence 10)
Language
German
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22 angegangen, seine im vorigen Jahre zahlreich besuchten Vorträge in ausgedehnterem Maße fortsetzen, und wird er wahrscheinlich darin von dem rühmlichst bekannten Gelehrten Herrn I. Misses, der seit einiger Zeit an unserem Orte verweilt, bereitwilligst unterstützt werden. Der Ertrag für diese Vorträge soll zu Gunsten jüdischer Studirender verwendet werden. Mit Bedauern bemerken wir, daß für einen Gegenstand, der nicht minder der Unterstützung würdig ist, eine solche sich nicht finden kann. Wir meinen nämlich den seit einiger Zeit hierorts ins Leben getretenen Tempelchor. Ein Antrag, denselben aus Gemeindemitteln zu stützen, hat nicht die nöthige Zustimmung erlangen können. Daß der Chorgesang wesentlich zur Hebung und Regelung des Gottesdienstes beiträgt, braucht hier nicht näher erörtert zu werden. Freilich konnte man dies nicht in vollem Umfange von dem unserigen sagen, da er oft durch künstlerisch sein sollende Productionen, die unseres Erachtens nach zu Anfang nicht am rechten Orte sind, seinen genannten Zwecken nicht entsprochen hat. Doch wäre es ein Leichtes gewesen, aus dem Zuviel und Zuwenig das rechte Maß zu ermitteln. Vielleicht gelingt es noch, sein Dasein zu erhalten, da er bisher aus Privatmitteln unterstützt wurde, so daß man auch hierbei nicht an dem regen Sinn unserer Gemeindemitglieder für das religiöse Interesse zu zweifeln brauchte. Aus dem Posenschen, 2Ü.December. «Privatmitth.) Wie aus einem im Besitze der Chewrak Bikkur-Cholim in Grätz sich befindenden alten Buche zu ersehen, so war dieser Verein allda schon vor mehr als hundert Jahren gestiftet, seine Wirksamkeit aber infolge eines damaligen großen Brandes, der einen bedeutenden Theil der Stadt in Asche legte und sehr viele Gemeindemitglieder zur Aufsuchung anderer Wohnsitze nöthigte, wieder gänzlich eingestellt worden. Erst in Mitte des Jahres 5524 war es — nach dem noch vorhandenen und mit dem?rat katon -':2b versehenen Statute — möglich, die Thätigkeit des Vereins wieder aufzunehmen resp. denselben von neuem ins Leben zu rufen. Da nun aber seit jener Reorganisation des Instituts jetzt gerade 100 Jahre verstrichen, sö war von dem zeitigen Vorstande in Uebereinstimmustg mit dem Herrn Ortsrabbiner die Veranstaltung eijier angemessenen Säcular-Feier beschlossen und dieselbe auf heu 8. Kislew (19. November) dieses Jahres festgesetzt worden. Die Feier wurde in erhebender Weise auf dem Friedhof, in der Synagoge und bei einem Festmahle begangen. — Aus andern Gemeinden des Großherzogthums ist für heute nur zu berichten, daß nicht blos in Lissa sondern auch in Rawitsch, Schönlanke und Gnesen das erledigte Rabbinat mit einem zeitgemäß gebildeten (d. h. studirten) Rabbiner besetzt werden soll. In Rawitsch und Schönlanke sind bereits Candidaten mit Probepredigten aufgetreten; ob auch schon in Lissa und Gnesen, ist dem Referenten bis zu diesem Augenblicke nicht bekannt geworden. In jeder dieser Gemeinden erwartet den anzustellenden Seelsorger ein nicht unbedeutender Wirkungskreis, der dadurch um so schöner und angenehmer werden muß, als überall mehr oder weniger Intelligenz vorhanden und es nirgends fehlt an Sinn und Herz für zweckmäßigen Fortschritt und gesunde Aufklärung. Von einem Ihrer andern Correspondenten aus dem Posenschen wird in No. 49 wieder einmal die in dieser Zeitung schon genugsam ventilirte Schulinspectionsfrage aufs Tapet gebracht und u. a. mitgetheilt: „daß bei der am 9. October in einer israelitischen Elementarschule durch den christlichen Geistlichen abgehaltenen Schulprüfung nach wie vor in Religion und Religionsgeschichte geprüft und von demselben Fragen gestellt wurden, ohne daß seitens des von den intelligentesten Mitgliedern der Corporation zusammengesetzten Schulvorstandes irgenv Widerspruch erhoben oder von ihm selbst einige Fragen an die Kinder gerichtet worden wären, obgleich demselben u. s. w." Der Herr Berichterstatter hebt hier 4 Momente tadelnd hervor, und zwar: 1) es sei in Gegenwart des christlichen Geistlichen — unter welchem er doch gewiß keinen andern als den von der Regierung eingesetzten Schulinspector meint — in Religion und Religionsgeschichte geprüft worden; 2) dieser Geistliche hätte sich hierbei einige Fragen an die Kinder erlaubt; 3) der intelligente jüdische Schulvorstand hätte hiergegen keinen Widerspruch erhoben; 4) der Schulvorstand hätte seinerseits nicht eine einzige Frage an die Kinder gerichtet. Ad I fragen wir, was es denn eigentlich auf sich habe, wenn unsere Kinder vor Andersglaubenden in

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