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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1863-12-29 · Heft 1 (29.12.1863) · p. Seite 9

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 1 (29.12.1863)
Date
1863-12-29
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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vcn? Unser Rabbiner Dr. Lcvi, der bekanntlich ein trefflicher und gefühlvoller Redner, predigt in ganz unregelmäßigen, möglichst großen Zwischenräumen und werden hierdurch diesenigen Genieindcaugchörigcu, welche namentlich eine Predigt hören wollen, gar nicht gewahr, wenn eine solche überhaupt gehalten wird. Unsere Synagoge ist allerdings in Bezug auf ihren Platz ein der Religion spottendes Gebäude; sie steckt in einer schmutzigen Gasse zlvischen Oekonoiniegcbänden, worin, Dank unserein energischen Geinciudeoorstande, während des Gottesdienstes Frucht gedroschen oder die DiSloeation von Rindvieh vorgenonuuen wird; cö entstehen hierdurch die scandalösesten Störungen. Inzwischen ist die gegründete Hoffnung vorhanden, daß im nächsten Jahre mit dem Neubau einer Synagoge begonnen wird, wozu bereits ei» passender Platz gekauft ist, und wenn wir auch dermalen noch kein ivürdigcö Gotteshaus besitzen, so dürften und müßten roch seitens deö BorstandcS und des Rabbinen ernstliche Maßregeln vorgenommcn werden, um dem gegenwärtig wahrhaft jännnerlichen Zustande der Cultusangclegenheiten ein Ende zu machen. Es ist durchaus nicht richtig, mit der Einführung einer zeitgemäßen Liturgie bis zur Lcllendnng der neuen Synagoge zu warten; Reformcn sind um so wirksamer, wenn sic vorbereitet werden; mit der Abschaffung von ganz unpassenden, spceifisch christlichen Melodien hat man nicht zu zögern und andere, von nationalem Charakter getragene, zu substitniren. Ich verweise hierbei auf die ivrrthvollcn Arbeiten des Herrn Weintranb. Der Grund, daß auch bei einem rcformirtcn Gottesdienste dessen Besuch ein schwacher bleibt, ist eine überwundene Phrase. Wie dem auch sei, der gegenwärtige Cultuszustaud muß gründlich resormirt werden, wenn der größte Thcil der Gemeinde nicht den Sinn für das Religiöse und für, eine öffentliche AndachtSübnng ganz und gar verlieren soll. Mögen diese Zeilen die Berufenen aniunren, die religiösen Berhältnisse von Grund aus zn heben und zu bessern! Es soll mich freuen, Ihnen bald von einer Aendcrung Anzeige machen zu können. Preußen. Koblenz, 15. December. (Privatmitth.) Eine hochherzige Dame, die Frau Witwe Fulda Herz, hat im Sinne und Geiste ihres verewigten Mannes ein Capital von 3000 Thalern zu einer Stiftung bestimmt, indem von den Zinsen dieser 2'imtmc jüdische Waisenknaben, zunächst aus dem Waisenhause zn Paeerborn, dann aus Rheinland und Westphalen, welche besondere Begabung und Lust für wissenschaftliche Studien zeigen, auf dem Gymnasium und der Universität unterstützt werden sollen. Die Statuten sind bereite entluorfeu und die Stiftung soll mit dem Beginne deö Jahres 1864 ihre Wirksamkeit anheben. Wir behalten unS nähere Mittheilung über diese, besonders durch den hiesigen Rabbiner, Herrn Ben-Israel, geförderte wohlthätige Anstalt, von der vorausgesetzt wird, daß ihre Fonds und Mittel bald durch Beiträge und Schenkungen erhöht werden würden, Näheres nntzutheilen. Lyck (Ostpreußen), 9. December. (Privatmitth.) Vor noch wenigen Jahren fand hier der Gottesdienst in einer kleinen Dberftubc statt, so daß mitunter an den hohen Festtagen der Raum zu klein war; überhaupt waren alle Einrichtungen sehr mangelhaft. Nachdem vor 4 Jahren eine Synagoge nach neuestem Stile erbaut worden ist, wozu die Mittel ans der zur Zeit 20 Mitglieder zählenden Gemeinde größtencheilö aufgebracht wurden, sind gleichzeitig zwei Enltusbeanue angestellt, ein musikalisch gebildeter Eantor, der den Gottesdienst der Jetztzeit angemessen leitet, und ein sehr tüchtiger Prediger, Nr. Silberstein, der auch ReligionSlehrer ist, welcher sehr oft durch sein beredtes Wort die zur Andacht Versammelten erbaut. Ina vorigen Jahre wurde ein BeerdigungSlChcbra-Üedischa) und mankenpflegeverein ins Leben gerufen. Ja, auch die Frauen blieben nicht zurück, auch sie stifteten einen Verein von gleicher Tendenz. Jetzt hat nun die p"n die Umfriedigung deS BegrabnißplatzeS mir einer steinernen Mauer beschlossen. Die Gemeinde zählt gegenwärtig 30 Mitglieder und belauft sich der jährliche Etat auf iOoo Thaler; cS haben daher Einzelne große Opfer zn bringen. Sie können hieraus entnehmen, welcher Geist in nuferer Gemeinde herrscht. Zn Gemeindezwecken fxciicvt jeder gerne bei. Möge dieser Geist sich erhallen und immer weiter verbreiten; namentlich möge der Friede und die Eintracht nie gestört werden! X.' O c st e r r c i ch i j ch c r K a i sc r st a a r. Krakau, tm December. (Privatmitth.) In rer hiesigen Gemeinde macht eö bei der ärmeren Klasse gre- 1

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