Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 1 (29.12.1863)
- Date
- 1863-12-29
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/3224737-3226418-3226420--21810-3259045- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
8 einer gewölbten Hehle. Tobler, der sich hmablicß, fand | die Steine der Schachtwände so gewichen, daß ein bal-! diger Einsturz zu befürchten ist. Während Sepp's Anwesenheit in Jerusalem hatte der Winterregen den Brunnen so hoch angeschwellt, daß daö Wasser eine Strecke unterhalb wie eine Springflnth aus dem Boden brach. Das galt als Vorzeichen eines fruchtbaren Jahres und wurde mit großem Bolksjubel ausgenommen. Auch zwischen Neujahr und Ostern floß der Brunnen drei Wochen lang über, während sein Wasser im Herbst zuweilen blos Manustiefe hat. An namhaften Teichen zählt Jerusalem zwölf, die Eisternen lassen sich kaum zählen. Sie erstrecken sich noch weit außerhalb der Mauern, namentlich im Norden, wo einst die Landhäuser der Bewohner lagen. Von den alten sind viele verschüttet. Eine Rieseneisterne, ganz in Felsen gehauen und mit Gement bekleidet, ist die Helenacistcrne. Sie ist ein unterirdischer See von wohlschmeckendem, Rcgenwasser, und das Felscugewölbe gibt einen merkwürdigen Widerhall. Die umfangreichste und merkwürdigste Aushöhlung i unter der Erde haben wir noch zu erwähnen. Sie war in Europa so gut wie vergessen und galt beinahe fürsagenhaft, als im Juli 1854 bei dem Einsturze eines Theils der Stadtmauer ein Eingang in die Tiefe sich aufthat und von einem Hunde durch Scharren erweitert wurde. Der preußische Consul Weber stieg zuerst hinab, nach ihm haben viele Europäer diese Unterwelt besucht. Der'Eingang ist so verschüttet, daß man zuerst kriechen muß, doch gelangt man bald zu breiten Felsentreppen und steigt auf ihnen zu tiefen Grotten nieder. Die Absenkung beträgt bis zum Ende der Höhle wohl 100 Fuß, die Breite bis zu 050, die Länge etwa 700 Fuß. .Zyklopische Pfeiler, ja, riesige Felsphramiden stützen die ober» Wände. Der Stein, in den: diese ungeheure Grotte ausgemeißelt wurde, ist derselbe Kreidefels, der am Montmartre vorkommt. Es laßt sich leicht erkennen, daß die Höhle ein Sleinbruch äst, dem die Quadern für die städtischen Bauten entnommen wurden. Noch sieht man die Wandnischen, die von den Lampen der Steinbrecher geschwärzt worden sind, Werkstücke, die aus dem Felsen aussitzeu, und Topsscherben. Die Art des Steiubrechens läßt sich noch genau verfolgen. Man hieb um das Werkstück, das vom Felsen getrennt werden sollte, keilförmige Löcher ein, schlug trockene Holzkeile ein und brachte diese durch zugegossenes Wasser zum Quellen, wodurch die Sprengung herbeigeführt wurde. So haben die Aegvpter, Karthager und Phönizier gearbeitet uno so sprengen unsere Steinbrecher noch hemte. Man sieht auch noch viele Merkzeichen der Arbeiter für den Umfang der Quadern. In diesen Steinbrüchen wurden die Steine serrig behauen und daun durch Ocfsnungen in der Decke, die man noch nicht aufgesunden hat, in die Höhe gewunden. Dieses ganze unterirdische Jerusalem erklärt sich ans den Bedürfnissen der Stadt. Sie war der einzige große Ort der bekannten Welt, dem ein fließendes Wasser fehlte. Man faßte also die wenigen Quellen sorgfältig ein, leitete sie auf weite Entfernungen' hin uno grub Teiche und Eisternen ans. Großer Steinbrüche bedurfte man, da die Stadt an Holzmangel litt. In den auf diese Weise entstandenen Höhlen konnte ein bedeutender Theil der Bewohner bei assyrischen Ueberfällen eine Zuflucht finden. Wahrscheinlich schützte die Unterwühlung der Erde nicht blos die Bewohner, sondern auch ihre Häuser und Mauern. „Ein Hauptzweck derselben war", meint Sepp, „in diesen furchtbar vulkanischen Strichen die Wirkung der Erdbeben zu vereiteln, denn diesen Ventilen verdankt die Stadt ihren Fortbestand, daß die Mächte der Tiefe sie nicht überwältigten, während z. B. die Mauern von Tiberias mehr als einmal wie Kartenhäuser übereinander geworfen wurden." Zeitungsnachrichten. Deutschland. Gießen, im December. tPrivatmiub.) Wer unfern Gottesdienst besucht, wird sich wundern, zu vernehmen, daß an uns so ziemlich alle Reformen, die sich im Schoße anderer Gemeinden segensvoll entwickelt haben, spurlos vornbergegangen sind; die von rabüinischen Autoritäten eingeführten Kürzungen der Gebete werden hier ignorirt uno die jeden Israeliten' mit Pietät erfüllende hebräische Sprache wird von dem mit dürftiger Q-rgelbegleitttug exeeutirlen Eher in einer Weise gesungen und redlivt, daß hierbei der ästhetische 2 um eines jeden gebildeten Menschen auf das Unangenehmste berührt wird. Wie ist unter solchen Berhältnissen möglich, sich zu erbauen und zu erheben? Was sollen unsere Kinder für einen Begriff von Gottesverehrung bekommen, wenn wir sie in die Synagoge sich-