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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1863-12-29 · Heft 1 (29.12.1863) · p. Seite 7

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 1 (29.12.1863)
Date
1863-12-29
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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7 •^ujliid)! gesucht hatte, auö der ihn jetzt der Hunger vermied. Diese verborgenen Asyle müssen noch vorhanden i:\n. Die Wände des Tempelteichs geben an verschie- ^'uen Stellen einen hohlen Klang, wenn man mit der .nmrd daran klopft. Deshalb rief der Imam, welcher p>:>0 den Konsul Rosen hinabführte: „Wahrhaftig, dies ist der schwebende Fels Gottes." Längst bekannt war ein unterirdischer Ansgang vom Berge Sion nach der Quelle Siloa. Um auö diesem Brunnen schöpfen zu können, machten die Inden während der großen Belagerung häufige Ausfälle durch diesen Gang, und als die Stadt gefallen war, fanden die Römer rartu zweitausend Leichen von geflüchteten Zeloten. Am Abhange deS TempelbergeS südlich von dem Stadtthore cl Magrcbi öffnet sich ein Hauptkanal, mannshoch und zwei Fuß breit, in dem Tobler ,o weit vorgedrungen ist, daß er innerhalb der Stadt sein mußte. In dieser selbst zeigt man einen Eingang. Consul Rosen hat kürzlich den in Europa nur sagenhaft bekannten, offenbar aus der alten Königszeit stammenden Abzugskanal zur nähern Kunde gebracht, welcher von der Davidöburg der Davidsstraße entlang nach dem Nathhause läuft. Die Orientalen hatten ihn nicht vergessen. Als die arabischen Fellahö sich 1834 gegen die ägyptische Herrschaft auflehurcn, drangen sie durch diesen Kanal nachts in die Stadt und eroberten sie. Ein anderer Kanal läuft unter zertrümmerten Felsengräbern dicht neben der Quelle Siloa aus. Er ist ein schöneö Werk, durchaus gewölbt, mit viereckigen Platten gepflastert und acht Fuß hoch. Barclay ist in diesen: Gange bis in die Nähe der Tempel- und Stadtmauer vorgedrungen, wo ihn der Schutt aufhielt. Den Bang, deuHerodes von der Burg Antonia bis zur Ostpforte tes Tempels unterirdisch brechen ließ und dessen Auseang er durch einen Thurm schützte, um sich bei einem Bolksaufstande retten zu können, hat man im October!d00, beim Neubau des französischen Nonnenklosters, wi Eccehomobogen wieder aufgefunden. Der Gang beucht aus lauter behauenen Quadern und hat bei drei- P.g Fuß Höhe zwanzig Fuß Breite. Lebendige Quellen exisüren in Jerusalem nur drei: Bechesda, Siloa und Rogel. Den Betheöda glaubten uc Pilger in dem Teiche des Serai's zu erkennen, der ^shalb Bethesoa-Teich genannt wurde; aber 1838 hat --Einsen die Identität der Quelle mit der, welche die -Auhamedaner Heilquelle nennen, nachgewiescn. Der ^ethesda war der priesterliche Weih- und Gnadenborn, Siloa der KönigLbrunncn, Nogel der Bell>.l cnnnen. Znn: Bethesda stieg zu gewissen Zeiten ein Engel des Herrn herab, um das Wasser zu bewegen, und wer dann zuerst hineinstieg, der wurde gesund. An der Quelle Siloa ließ David den Salomo zun: König salben, am Brunnen Rogel fanden die Volksversammlungen statt, und. noch heute ist dort-der Tummelplatz für die Bolksspiele. Der Bethesda ist ein verborgener Quell. Treppen führen zu einem Thürmchen, das die Brunnenösfnung überragt und in dem man das Wasser aus einem ungefähr hundert Fuß hohen Schacht cmporzieht. Läßt man sich an einem Seile in diesen glattgemauerten Schacht hinunter, so gelangt man unten zu einem zehn Fuß hohen, von Säulen gestützten Felsengewölbe mit einem Wasserbehälter, von dem ein zwei Fuß breiter und über sechzig Fuß langer Kanal zur Quelle selbst führt. Das Wasser des Betheöda enthält salzsaure Soda, schmeckt deshalb salzig und läßt sich nicht trinken. Die Quelle ist eine außsetzende, und daher stammt die Volks sage, unten auf dem Grunde liege ein Drache, der das Wasser verschlinge, so daß es nur dann fließen könne, wenn er schlafe. Die Sileaquelle, jetzt Marienbrunnen genannt, wird von der Sage zu einem Sabbatbrunnen gemacht, der sechs Tage fließe und am siebenten ruhe. In der That hat sie eine merkwürdige Ebbe und Fluth, schwill: in zehn Minuten um einen halben oder ganzen Fuß und fällt eine Stunde lang wieder. Regelmäßig ist Liese Bewegung nicht; zuweilen wiederholt sie sich in einem Tage zwei- oder dreimal und tritt dann in zwei oder drei Tagen nur einmal ein. Sie entspringt umer einem in Kalkfelsen gehauenen, von Alter schwarzen Gang und wird durch einen Stollen im Rande des Tempelberges nach dem Siloa-Teiche geleitet. Dieser Felsengang von mehr als siebzehnhundert Fuß Lange, aber geringer Breite und Höhe, ist ein wahrhaft eyklopisches Werk von roher, offenbar vorisraeliüscher Arbeit. Der Siloareich liegt in einem schattenreichen Thale, welches die alten Königsgärten enthielt. In der Mitte des Wassers erhebt sich ein Säulenstrunk, fast wie der Nilmesser in Kairo anzusehen. Vielleicht rührt er von einer alten Basilika her, unter der gesonderte Bäder für die beiden Geschlechter eingerichtet waren. Der Brunnen Rogel, jetzt NehemiaS- oder HiobSbrunnen genannt, ist die tiefste Quelle. Sie liegt hnudertdreizehn Fuß unter dem Boden und entspringt in

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