Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 1 (29.12.1863)
- Date
- 1863-12-29
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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Gedichte als die „eines polilischcn Juden" 177! erschienen und von Göthe vccciifirt wurden, vermehrt, in Berlin im Berlage von Julius Springer erschienen ist. Wir können dieses Schristchcn als einen werthvollen Beitrag .zur Geschichte der deutschen Literatur überhaupt, der jüdischen insbesondere, dringend empfehlen. Wir sagen: der jüdischen, denn in der Biographie Kuh'S tritt sein Verhältnis; zum Jndenthume, zumal dem damaligen, immer wieder bestimmend hervor. — Angekommen: Von der bereits mehrfachen neuen Ausgabe des Talmuds in Gr. Lepikonformat, besorgt durch A. Salomon in Tilsit u. Berlin, r^sn, nbw: und a^bpia in einem. Bande und ebenso nror; und Der rasche Fortgang dieses auf Eorrectheit, schöne Ausstattung und Handlichkeit im Gebrauche, ohne der Vollständigkeit zu nahe zu treten, berechneten Unternehmens ist ein erfreuliches Zeichen der allseitigen Theilnahme, die. es gefunden. N Bonn, 16. December. (Das unterirdische Jerusalem.) Vor kurzem ist ein neues Reisewerk über Jerusalem und das heilige Land von Or. Sepp erschienen (Cchasfhausen, Hnrter), in welchem für eine richtige Ermittelung von Oertlichkeiten in Jerusalem viel gelhau ist. Sein Werk liefert für die neue Knnstanschauung einen ungeahnten Gewinn. Es führt zu der Gewißheit, daß der allkirchliche Stil, welcher jetzt der byzantinische heißt, sich in Jerusalem nach der Natur des Landes entwickelt hat. Auch der Basilikenstil ist in Palästina gießartig vertreten; lh\ Sepp hat entdeckt, daß der Spitzbogen schon in den Werken der Herodicr vorherrscht und Jerusalem in den Tagen derselben Bauten in einem Stile sah, der noch die heutige Metropole wie aus einem Gusse erscheinen läßt. Endlich hat er die Thatsache constatirt, daß die Grabmäler im Thale Josaphat in bie Periode der Hyksos hinaufreichen. Die Topographie des alten Jerusalems festzustellen unterliegt großen Schwierigkeiten. Die bedeutendsten bestehen in der Absperrung mancher Gebäude und Oertlichicitcn durch ihre heutigen türkischen Besitzer und in der zweirnaligen Zerstörung der Stadt durch Chaldäer und Römer. Man darf sich die Verwüstung indessen nicht so denken, als ob alles bis zur Unkenntlichkeit entstellt worden wäre. Eine Nohrstadt wie Sardes, oder eine Lehmsladt wie Jericho kann nach einer Eroberung verschwunden, nicht eine Hauptstadt mit anderthalbhunderttausend Einwohnern wie Jerusalem, zu deren Bau man! die Werkstücke aus gewaltigen Steinbrüchen über und unter der Erde erhoben hat. Nehmen wir Ninive als Beispiel. Diese älteste Stadt Assyriens wurde (;?-<) v. Chr. von den Medern und Babyloniern, wie es heißt, bis auf den Grund geschleift, und docb haben Botta und Layard in unfern Tagen noch Palast auf Palast ausgcgraben und die Erbauer eines jeden nach Inschriften und Bildern mit Namen bestimmt, ja eine förmliche Revolution in die Kunstgeschichte gebracht. Selbst in den Erdwalleu, welche die Umhegung des heutigen Nimrud gegen Norden bezeichnen, kann man noch fünfuudachtzig Thürme genau unterscheiden. Ebenso hat sich in Jerusalem über der Erde manches erhalten, was topographische Anhalte bietet; doch ist so vickes durch Zerstörungen und Neubauten verändert worden, daß man die Entdeckungen, die in den letzten Jahren unter der Erde erfolgt sind, höchst willkommen heißen muß. Hier hat sich wenig geändert und man kann nach dem, was sich unter der Erde zeigt, die Lage mancher zweifelhaften Oertlichkeiten mit Sicherheit bestimmen. Bor allen ist es dieses unterirdische Jerusalem, welches mit seinen Grotten und Cisterneu, Quellen und Canälen das Bild von der Stadt Salomons erst vervollständigt. Die geheimnißvollen Tiefen des Tempelberges sind von Kanälen und Gangen durchzogen und bergen Wasserbehälter und Quellen. Als man vor ein paar Jahren an der Ostseite der Aksa-Moschee ein halb in den Boden gesunkenes Capital entfernte, stand man plötzlich vor der Mündung eines unterirdischen Ganges. Man gelangte durch ihn zu einer Treppe von vierundvierzig Felsenslusen und diese führte zu einer Wasserfläche von 736 Fuß Umfang und 42 Fuß Tiefe. Es ist der alte Tempelteich, in dem d.ie dienstthnenden Priester des Tempels baden mußten. Felsenpfciler tragen das Dach der künstlichen Grotte, der Zugang zu der Treppe ist jetzt mit einer Marmorplatte geschlossen. Geheimer Ansgänge unter dem Tempel und Altar gedenkt Joscphus, der bekannte Geschichtschreiber des Kriegs, in dem Titus Jerusalem eroberte und zerstörte. Als Johannes Gischala während des Osterfestes Männer mit verborgenen Waffen in den Tempel schickte und sich so des Heiliglhums bemächtigte, flüchteten viele Zeloten in die unterirdischen Gänge und retteten sich so. Jerusalem war gefallen, Titus abgezogen; da stieg eines Tages an dem Platze, wo der Tempel gestanden hatte, eine Gestalt aus der Erde. Es war Simon Goria, der die Oberstadt vertheidigt und. in einer Grotte eine