Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 1 (29.12.1863)
- Date
- 1863-12-29
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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chic ijererjtc unb bald auch fciubfdicjc gegen ftc wird, so daß sic ihr Ziel gänzlich verfehlt und die errungenen Vorthelle wieder verliert. Könnte die RA'artion es über sich gewinnen, in gemäßigter Weise die Position zu bewelche ihr die Gunst der Verhältnisse und Persönlichkeiten auf einige Zeit gewährt hat, und den Forderungen der Zeit und Entwickelung in etwas zu genügen, so würde sie bei der Unentschiedenheit der großen Mehrzahl der Menschen einen dauernden Einstuß gewinnen. Die Wahrheit dieser Bemerkung zeigt sich z. B. jetzt wieder in Frankreich, wo die Bewegung gegen den Ultramontanismns, der durch Napoleon UL neue Stützen erhallen, ja, gegen alle kirchliche Gläubigkeit eine außerordentlich lebhafte geworden und in alle Schichten des Volkes, in alle Geschlechter und Alter cingedrungcn ist. Es lagen uns jüngst Briefe vor, welche die große Theilnahmc, die selbst Frauen an der antipathischen Aufregung nehmen, erwiesen und zugleich vcrrietheu, daß auch ein Theil der Geistlichkeit selbst der Bewegung, wenn auch insgeheim, zugethan ist und Borschub leistet. So erschien vor kurzem ein Roman „Le maudii“ in Paris von einem hochgestellten Geistlichen, der gegen die Jesuiten gerichtet ist und in diesen die eigentlichen Beherrscher der katholischen Kirche nachweist, neben welchen der Papst nur den äußern Schein besitzt. Man.weiß, wie in Frankreich eine solche Gesinnung und Anschauungsweise nicht eher wieder verschwindet, als bis sie sich in einer schneidenden That verkörpert hat. Die Ardi. isr. beklagen sich in ihrem jüngsten Hefte, daß ein sranzösisches Journal, „Le Journal pour Tous“, einige Artikel aus ihnen entlehnt habe, ohne die Duelle anzugcben. Aus der folgenden Seite aber entnehmen sie einen Artikel aus unserer Zeitung, ohne die Duelle anzngeben. Es ist dies ein Beispiel für viele. Mau wird uns dergleichen schwerlich jemals Nachweisen können, aber die jüdischen Journale sind trotz unserer oft wiederholten Aufforderung noch nicht dahin gelangt, diese gegenseitige Gerechtigkeit im vollen Maße zu üben. Wie oft begegnete es uns schon, wörtliche Entlehnungen in einem englischen Blatte zu finden, ans welchem diese dann in ein italienisches Blatt übergingen, wo das englische Blatt als Duelle angeführt war. Wie oft wird der Inhal: unserer Correspondenzen in anderen jüdischen Blättern überarbeitet, als Originalartikel wiedergegeben, ohne'daß sie vermögen, wörtliche Ausdrücke zu verwischen, welsch ans der Eorrcctnr unserer Redaction hervorgegangeu waren. Die jüngst begonnene zweite Gesaumckansgabe von Berthold Auerbach's Schriften ließ uns einige seiner imurer frischen Dorfgeschichten lesen. Wir stießen dabei ans einige Irrungen, die dem geehrten Schriftsteller aus der Feder gestoßen. So läßt er Band l, S. 25<; Hannah ihren Sohn Samuel dem Hohenpriester im Tempel zu Jerusalem bringen, während bekanntlich Jerusalem damals noch nicht den Israeliten gehörte und der Tempel erst mehr als ein Jahrhundert später erbaut wurde, vielmehr Eli Hoherpriester in der Sristshütte zu Sitoh war. — Ebenso falsch ist es, wenn er Band!l. S. bebehauptet, nur die Deutschen hätten das Volkslied, „die Griechen hätten dies nicht gehabt". Vielmehr ist eö bekannt, daß in Griechenland alle Volksstände und Familienverhältnisse ihre Lieder halten und gesellschastüche Freuden, Spiele und Gefühle ihren 'Ausdruck in kunstlos freien Tafelgesängen fanden; so die Skolien, Erotiken, Paidiken, Paignien, Partheniken, Epithalamien, Threnen, die unmittelbar aus dem Volke stoffen, den ganzen Eharaktcr desselben wiederspiegelten und erst spater künstlichere Weisen annahmen. In Schicken waren „Hirteulieder" im Volke allverbreitet, so daß sie sogar aus einen mythischen Ursprung zurückgeführt wurden. Dt c r a r i sch c r o ch eilten d) t. Bonn, 7. December. In dem diesjährigen Jahrgänge des „Jüdischen Volksblattes" befindet sich eine ausführliche biographische und lilerärhislorische Skizze über den jüdischen Dichter Ephraim Kuh von hr. :ih\ ,u o u - serling. Das bnuerege, welches denl poeupbea Sonderling, dem Zongeuoffen Mendelssohns, umewohnte und das der Biograph in angemessenster Weise zu beleben verstünden und durch passend eingestreute Gedichte t-tuh's, deren Gesamnuausgabe so selten geworden, bedeutend erhöhte, motivirte genugsam eine besondere Herausgäbe der gedachte:: 'Abhandlung, die soeben, nckt Erweitermrgen versehen und durch eine biographische Skizze über de:: gleichzeitigen Dichter üsachar Falkensohn Aehr, dessen