Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 1 (29.12.1863)
- Date
- 1863-12-29
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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o Cb bu beut Seefahrer gleich über den weiten Rücken Kv Occaitö sckisfesi — dein Fahrzeug ist wohlgebaut, dein B<ast gerade gerichtet, dein Segel gespannt, dein Steuer in fester Hand, dein Blick ist auf den Kompaß gerichtet und die Sterne des Himmels sind deine Leiter ■— nicht bleibt die See ruhig, nicht gleiten die Wellen an deinem Schiffe immer leise und gleichförmig vorüber, der Sturm erwacht, die Wegen thürmen sich, aus den schwarzen Welken fahrt der Blitzstrahl hernieder, tückisch lauert die verborgene Klippe, die unsichtbare Sandbank, von den Wellen bedeckt, die schäumende Brandung kann dich ergreifen und an den kantigen Felsen schleudern — ob du dem Seefahrer gleich die fernen Nationen mit ihren Sprachen und Literaturen verbinden, die weiteutlegenen Zeiten der Vergangenheit mit ihren Trümmern und verwitterten Denksteinen vereinigen, die getrennten Religionen und Philosopheme durch klare Erkenntnis; vermitteln willst — wahre dich wohl, denn die Fahrt ist schwierig, der Tiefen wtd Abgründe viele, leicht kannst du irregehcn und den Hasen der eigenen Ueberzeugung verfehlen; Kampf und Feindschaft triffst du allerorten und deine Absicht wird verkannt und verhöhnt — frischen Muth bedarfst du, daß deine Hand das Steuer nicht verliere' und dein Auge den Pfad in der Dunkelheit; frischer Kraft, um dein Fahrzeug auszubessern, wenn es int Wogendrange leck geworden, und neue Segel zu hissen, wenn der Sturm die alten herabgeschleudert. llnd was uns dieser Muth und diese Kraft zu verleihen vermag? Soferu wir wissen, daß wir im Dienste der Wahrheit stehen, daß wir zum Frommen unserer Mitmenschen uud Glaubensgenossen kämpfen, daß. wir in Gottesfurcht zur Verherrlichung seines heiligen Namens, zur Verbreitung seiner Erkennung und Anbetung arbeiten, kann uns der frische Mnth nicht fehlen und die frische Kraft nicht mangeln! Bis wohin wir es zu führen haben, wann die Stunde Wut tu:, die uns zuruft: Nicht weiter! wo aus der erstarrten Hand der Stab, aus dem gebrochenen Auge das Licht weicht, wissen wir nicht — „niemandem ist es gegeben, zu vollenden, und niemandem gestartet, sich zu entziehen" — doch das Ziel ist uns gesteckt, dahin schaut sicher das Auge, wandelt fest der Fuß, denn das Vertrauen auf Gott ist der immer frische Muth und die Zuversicht auf seine Leitung die immer frische.Kraft! Ginig»* kritische Sticke auf Zweck u:;ö Srund der (besetze wach Mainwnides.!. Mit dem fünfundzwanzigsteu Abschnitt des dritten Buches seines )k>n-h Nolmchim geht Maimouideö auf . die Auseinandersetzung seiner Ansichten über Zwecke und Ursachen der Ge- und Verbote in der heiligen Schrift über. Er erörtert und erweist zuerst, daß in der ganzen Schöpfung Gott in allen Gebilden einen bestimmten Zweck gehabt und verwirklicht hat und folgert daraus, daß auch die Gesetze als ein Werk Gottes bestimmte Zwecke haben mußten, denen er nachforschen will. Er weist diejenigen zurück, welche die Gesetze nur als einen Ausfluß des göttlichen Willens augesehen wissen wollten, ohne daß ein bestimmter Zweck zu erkennen sei, und beruft sich dabei auf die Anssprüche der Schrift selbst sowie auf die Meinung der Weisen, die z. B. von Salomon gesagt, er habe die Gründe aller Verordnungen gekannt außer für das Gesetz von der rothen Kuh, womit sie zugleich ausdrucken, daß die Verordnungen Grund und Ursache haben und daß, da die Schrift selbst sich nur' bei wenigen darüber ausläßt, sie uns unbekannt und der Discusunterworfen sind. Bekanntlich nennt man diejenigen Gesetze, deren Nutzen selbst dem gewöhnlichen Menschen cinleuck'tet, z^zviz, diejenigen, bei denen dies nicht der Fall ist, z^pn* Maimonides behauptet nun, bis auf einige von allen Gesetzen Zweck und Absicht angeben zu können, unterscheidet dann aber die näheren Bestünmuugcn eines Gesetzes, nach deren Zweck zu fragen er für thöricht hält.' Da nämlich das Gesetz nähere Bestimmungen enthalten müsse, Liese aber sehr verschiedentlich sein könnten, so wäre für sie eine Wahl getroffen, die aber nur unter vielen Möglichkeiten eine heraushebt, weil überhaupt eine herausgehobeu werden mußte. Er sagt: „Das Gebot, Opfer darzubringen, hat einen sehr wichtigen Zweck; daß aber das eine Opfer ein Lamm, das andere ein Widder, und daß deren Anzahl genau bestimmt ist, dafür läßt sich durchaus kein Grund angeben, und wer sich abniühet, für solche und äliuliche Bestimmungen einen Grund zu entdecken, der begeht die größte Thorheit. Du fragst z. B., warum ein Lamm, warum nicht ein Widder? Dieselbe Frage würde aber bleiben, wenn statt eines Widders ein Lamm geboten wäre.; eine Art mußte es doch jedenfalls sein. Ferner, warum sieben Lämmer, warum nicht acht? Dasselbe.hätte man auch