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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-12-25 · Heft 52 (25.12.1896) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 52 (25.12.1896)
Date
1896-12-25
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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Ovationen zu Theil. Deputationen des Magistrats, der Stadtverordneten und des Synagogenvorstandes sowie zahlreiche Vereine überbrachten Glückwünsche, während der Landrath v. Lamprecht dem Jubelpaar persön- lich das Geschenk des Kaisers, eine goldene Medaille, überreichte. t- Der jüdischen Gemeinde in Glogau ist zur Annahme der Zuwendung, welche ihr der in Breslau verstorbene Sanitätsrath Dr. Samuel Meyer mit seinem Nachlasse von ungefähr 30 000 Mark letztwillig gemacht hat, die landesherrliche Genehmigung ertheilt worden. K. Hannover, 13. Dezember. Bei den am 7. d. Mts. stattgehabten Gemeindewahlen wurden die ausscheidenden Herren Emil L. Meyer und S. Oppenheimer zu Vorstehern und die Herren Kommerzienrath G. Herzfeld, B. Löwenstein und S. Neuberg zu Repräsentanten, Erster« auf die Dauer von drei. Letztere von vier Jahren wiedergewählt. Die Aufstellung neuer Kandidaten bei Neuwahlen ist ein unbestreitbares Recht der Gemeindemitglieder, und es ist dem Gemeindewesen unter Umständen nur förderlich, wenn neue Kräfte in die Vertretung gewählt werden. Es wird dabei niemals an Wahlmanövern fehlen, bei denen es als erste .Regel gelten muß, Anstand und Sitte zu wahren; als ein Unfug sondergleichen muß es jedoch öffentlich einmal gebrandmarkt werden, wenn aus dem sicheren Versteck der Anonymität Flugblätter mit Schmähungen und Drohungen, wie sie nur persönlicher Neid und Haß eingeben kann, versandt werden; das sollte in unserer Gemeipde am wenigsten Vorkommen. — Der bereits über 20 Jahre wirkende M albisch-Arumim- Verein hat am ersten Tage Chanuka wiederum mehr als sechzig Knaben und Mädchen mit Winterkleidern und sonstigen nothwendigen Bekleidungsstücken versehen. Die zur Anschaffung erforderlichen Gelder werden zum größten Theil aus wöchentlichen Sammlungen, an denen sich Kinder betheiligen, bestritten. — Die Vorsteherinnen des Damenkomitees, das sich mit so vieler Aufopferung und Hingabe der Sorge um die Oekonomie und innere Einrichtung und Führung der israelitischen Erziehungsanstalt in Ahlem widmet, Frau L. Fischer, Frau Baurath Oppler und Frau Reinhold, bereiteten in Verbindung mit mehreren anderen Damen den Zöglingen ein durchaus gelungenes Chanukafest. Durch eine Sammlung, die eine mehr als ausreichende Summe ergab, waren sie in den Stand gesetzt, alle Zöglinge ihrem Alter angemessen zu beschenken. Die Feier trug den Charakter eines Familienfestes, zu dem nur die Mitglieder des Vorstandes und des Kuratoriums nebst ihren Familien eingeladen waren, wodurch ihr alles Verletzende und Beschämende genommen war. — Die Damen der Mitglieder der Zion-Loge haben ihre Arbeit zur Anfertigung von Kleidern, Hemden und dergleichen Dingen für arme Kinder gleichfalls wieder ausgenommen, und sie werden auch in diesem Winter, wie in den vorangegangenen, durch ihre Spenden manches Kinderherz erfreuen. — Auf einen Bericht des Herrn Landrabbiners Dr. Gronemann hat der Oberprästdent entschieden, daß nichts dagegen einzuwenden sei, wenn die Mittel für die Unterhaltung von Friedhöfen aufgelöster Synagogengemeinden im Nothfalle aus den Landrabbinatskassen getragen würden. Zur Einstellung entsprechender Beträge in das Budget der Landrabbinatskassen läge indeß kein Bedürfniß vor; es müsse vielmehr den Landrabbinern überlassen bleiben, sich mit geeigneten Anträgen an die Regierungspräsidenten zu wenden. Diese hätten auch darüber zu bestimmen, ob die Einstellung einer entsprechenden Position nicht von dem Eintritt eines bestimmten Bedürfnisses abhängig zu machen sei. Der Oberpräsident hält es für selbstverständlich, daß die Polizeibehörden sich für den Zustand solcher verlassenen Friedhöfe mteressiren und gegebenenfalls die Landrabbiner benachrichtigen werden. — Die Schwierigkeiten, welche der Mangel eines eigenen Begräbnißplatzes in kleinen Gemeinden verursacht, hat eine jüdische Familie in Kreiensee in leichtfertigster Weise gehoben. Anstatt sich der Mühe zu unterziehen, die Leiche des Familienhauptes nach einem einige Stunden entfernten jüdischen Begräbnißplatze zu bringen, haben die Hinterbliebenen bei der christlichen Gemeinde um Ueberlassung eines Platzes auf dem Kirchhofe nachgesucht. Die Bereitwilligkeit, mit der die Bitte gewährt wurde, ist gewiß anzuerkennen, nicht minder als die Zustimmung des, Geistlichen, der nur die Bedingung stellte, daß die üblichen jüdischen Gebete am Grabe nicht gesprochen würden. n. Freiburg i. 19. Dezember. Professor juris Dr. Heinrich Rosin (Mitglied des Groß herzoglichen Oberrathes der Israeliten) ist zum Prorektor der Universität für das Studienjahr 1897/98 gewählt worden. — Sicherem Vernehmen nach ist zum Sitze des Friedrichs- Heims für israelitische Sieche und arme Greise, welcher Anstalt vor wenigen Wochen auch die Körperschaftsrechte verliehen worden sind, Gailingen bestimmt und soll im Frühjahr mit dem Bau begonnen werden. * Oesterreich-Ungarn. Bl. Budapest, 10. Dezember. Die für das jüdische Gemeindeleben so, wichtigen Fragen, die der Kultusminister Wlassics in seiner Csaktornyaer Programmrede berührte, scheinen einer baldigen Lösung entgegenzugehen. Denn in der königlichen Thronrede, mit welcher der neue Reichstag eröffnet wurde, heißt es nach Aufzählung der in Aussicht genommenen Gesetzentwürfe: „Eine besondere Vorsorge der Negierung wird auch die Aufbesserung der materiellen Lage der Seelsorger bilden. Bei den Katholiken beider Riten wird dies unter Mitwirkung des Episkopats auf Grund der Regelung der Kongrua geschehen können, während in Betreff der Ergänzung der Bezüge der Seelsorger der übrigen rezipirten Konfessionen unsere Regierung, bei Wahrung der Rechte der autonomen Kirchen, eine Vorlage unterbreiten wird." Die Tendenz dieser Vorlage ist schon aus der Programmrede des' Kultusministers bekannt. Es wird nämlich geplant, daß jeder Seelsorger ein Einkommen von mindestens 800 fl. haben soll. Die Ergänzung des'Gehaltes ist aber an Bedingungen geknüpft, welche dieses Benefizium nur einem kleinen Bruchtheile der Rabbiner zugänglich machen, denn nur jene Seelsorger haben auf die Unterstützung des Staates einen Anspruch, die eine „höhere theologische Lehranstalt besucht Haben. Wer die Verhältnisse in Ungarn kennt, weiß es wohl, daß unter bert £>00 bis 600 Rabbinern kaum 50 eine „höhere theologische Lehranstalt" absolvirt haben. Es erwächst den Vertretungen der jüdischen Gemeinden ihrerseits die Pflicht, etwas im Interesse jener Rabbiner zu leisten, welche ihre Qualifikation nicht in höheren theologischen Lehranstalten erlangt haben.— Sei: den hohen Feiertagen herrscht in den orthodoxen Kreisen ein sehr reges Leben. Die Reorganisation der orthodoxen Durchführungskommission und die Wahl eines Kanzleiprästdenten sind nämlich an der Tagesordnung, was zu lebhaften Agitationen und Konferenzen Anlaß gießt. In einer Konferenz, an der 40 orthodoxe Rabbiner theilnahmen, wurde zum Kanzleipräses der Abanj-Szantoer Rabbiner Leopold Lipsütz nominirt, der die Kanzlei der orthodoxen Durchführungskommission seit dent Ableben I. Reichs provisorisch leitete. , Der besonnenere Theil der ungarischen Orthodoxie hofft, daß es ihm gelingen werde, die Durchführungskommission von Mißgriffen und verletzendem Auftreten, was unter dem Reichschen ‘ Regime nicht selten war, abzuhalten und etwas zu leisten, was dem Geiste unserer Zeit entspricht. — Maurice Löwy, ein Ungar von Geburt, der in Wien keine Anstellung bekommen konnte, weil er Jude war, ist zum Direktor der Pariser Sternwarte ernannt worden. Als solcher wird er nun von allen Wiener Blättern als Oesterreicher reklamirt U — Der Maler H o ske und der Journalist Franz Rhsedey wurden vom Preßgericht wegen Aufreizung gegen die jüdische Konfession verurtheilt. Die königliche Kurie verwarf die gegen die Verurtheilung angemeldete Nullitätsbeschwerde. — Gegen den Egyenlöseg strengte Dr. Kondor, der Gründer des „Freien Israel", wegen eines für ihn nicht sehr schmeichelhaften Artikels einen Preßprozeß an. ' Bl. Budapest, im Dezember. Von den Theilnehmern an der Millenniums-Ausstellung erhielten die goldene Staatsmedaille die Spitäler der israelitischen Religionsgemeinde in Budapest,' die Ausstellungsmedaille Rabbiner Dr. Samuel Kohn, der Pester israelitische Frauenverein, die jüdische Volksschule in Baja, der jüdische Landes-Lehreroerein, die jüdische Schule in Bares, die jüdische Mädchenschule in Fünfkirchen, das Rabbinerseminar in Budapest und der Lehreroerein in Steinamanger. Anerkennungs-Diplome erhielten: die jüdischen Gemeinden in Altofen, Pest, G ro ßhauissa, Preß bürg, die Chewra Kadischa in Altofen, Dr. Kohlbach/ I. B. Lichtenstein Trenesön, Heinrich Back, I. Pollak Turkeve u. A. m. — Der Raaber Mühlenbesitzer Hermann Back und der Direktor SigmundHerz wurden in den ungarischen Adelsstand erhoben.— Dem Maler Leopold Horovitz wurde der eiserne Kronenorden III. Klasse in Anerkennung seiner Verdienste auf dem Gebiete der Kunst verliehen/ — In einer Konferenz orthodoxer Rabbiner.wurde Rabbiner Leopold Lipschütz zum Präsidenten der orthodoxen Durchführungskommission vorgeschlagen. — Zur Erhaltung der israelitischen Gemeindeinstitutionen in Bülesch6 spendeten Baron Popper 200, Baron Hirsch 200 Kronen, .Brüder Weiß 110 Kronen.

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