Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 60 (1896)
- Issue
- Heft 52 (25.12.1896)
- Date
- 1896-12-25
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3228148-3228201--53358-3259033- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
nebst Gemahlin und auch die sonstigen Spitzen hiesiger Behördengewiß ein schönes Zeichen von gutem Einvernehmen aller Konfessionen. — Der ' Verein zur Förderung des Handwerks und des Ackerbaues unter den Juden in Posen hielt jüngst seine Generalversammlung ab. Der Verein zählt 170 Mitglieder. 'Der. Verein strebt jetzt die Bildung von Zweigvereinen in den kleinen Gemeinden der Provinz an. Der Verein ' hat im letzten Jahre 10 Lehrlinge erheblich unterstützt. Die Einnahmen des Vereins betrugen 3271,91 M., die Ausgaben 3008,98 M. Zum Vorstand gehören die Herren Stadtverordneter Mannheimer, Rechtsanwalt Placzek, N. Hamburger, Arthur und Gustav Kronthal und Kaufmann Schleper. ' W. Breslau, 17. Dezember. Gemäß den Statuten der hiesigen Gemeinde, daß alle 5 Jahre neue Repräsentanten zu wählen seiend strömten am vorigen Freitag fast sämmtliche Wahlberechtigte nach dern-- Wahllokale, um ihr reges Interesse an den Vorgängen in der Gemeinde hierdurch zu bekunden. Bei dieser Gelegenheit konnte man die Beobachtung machen, daß der zu diesem Zwecke gegründete Verein bei ' weitem nicht den Einstuß auszuüben vermochte, den er sich nach seinen großen Anstrengungen versprechen konnte, mit denen er bemüht war, einen. ' Zwiespalt in der Gemeinde hervorzurufen und durch Verleumdungen, mancherlei Art die Amtsverwaltung der bisherigen Repräsentanten in,, ein schlechtes Licht zu setzen; denn nicht ein einziger der von ihm aufgestellten . Kandidaten ging aus diesem Kampfe als Sieger hervor, während sämmtliche Kandidaten der liberalen Liste den Sieg davontrugen. Gewählt wurden zu Repräsentanten auf 5 Jahre die Herren: Bernhard Wollstein (1772 Stimmen), Dr. Reich (1673), Geheimer Justizrath Freund (1658), Professor Dr. Badt (1568), L. Wollenberg, (1536), Louis Cohn (1457), Salomon Danziger (1374). Als Stell-" Vertreter die Herren: Direktor Lyon (1339), Th. Oschinsky (1321),, Herrmann Landsberg (1320), Hermann Bamberger l13l0), Rudolf Daniel (1270), Adolf Bielschowsky (1224), Rechtsanwalt Dr. Samuelsohn (1109), Moritz Rosenberg (1022), Rechtsanwalt Dr. Moses (998). Von den Kandidaten der Gegenpartei erhielten die Rechtsanwälte Kempner und Schreiber 808 bezw. 751 Stimmen. Fast sämmtliche,. Gewählte waren bisher Repräsentanten;, an. die Stelle des Herrn Oschinsky, der, wie berichtet, zum Stellvertreter gewählt wurde, ist Herr Gymnasialprofessor Dr. Badt getreten, der sich schon bei vielen, ■ Gelegenheiten um das Gesammtwohl der hiesigen Gemeinde viele Verdienste erworben hat. r. Liegnitz, 19. Dezember. Die städtischen Behörden haben beschlossen, Herrn Stadtrath Prager, welcher seit dem 1. Januar 1857 bis 27. September 1862 Mitglied der Stadtverordneten-Versammlung und seit dem letzteren.Tage ununterbrochen bis auf den heutigen Tag- Mitglied des Magistrats ist, aus Anlaß seiner 40 jährigen Thätigkeil in der städtischen Gemeindeverwaltung wegen seiner großen Verdienste um die Stadt das Ehrenbürgerrecht zu ertheilen, die höchste Ehrehv, die eine Stadt nach der Städteordnung verleihen kann. Herr Prager, ein geborener Liegnitzer, der in seiner Eigenschaft als Stadtrath wie in. zahlreichen anderen Ehrenämtern Außergewöhnliches für die Entwickelung der Stadt gethan hat, ist ein Mann von hoher Intelligenz, ebenso gerade und offen, wie liebenswürdig,' wohlwollend und stets hilfsbereit. Sein Name hat weit über die Grenzen von Liegnitz hinaus den besten Klang. Viele Jahre gehörte der Jubilar auch dem Kreisausschuß sowie als Vertreter des Landkreises Liegnitz dem Schlesischen Provinzial- Landtage an. r. Lublinitz, 19. Dezember. Am 10. d. M. verstarb hier dev durch seine Gelehrsamkeit und Frömmigkeit weit über die Grenzen Schlesiens hinaus bekannte und hochgeschätzte Buchhändler Louis Roth im Alter von 74 Jahren. Jahrzehnte hindurch theils als Repräsentant, theils als Vorsteher wirkend, nahm er an allen Kultur-n bestrebungen regsten Antheil und war mit allen religiösen Verhältnissen der Gemeinde aufs Engste verwachsen. Seitens der Bürgerschaft wurde er wiederholt zum Stadtverordneten gewählt und hat als solcher durch seine große Schaffenskraft und seltene Geistesanlagen viel zum Gedeihen unseres Gemeinwesens beigetragen. Die ganze Stadt und besonders unsere Gemeinde betrauert den Verlust, dem Herr Dr. Loewenthal auA Tarnowitz im Hause des Verblichenen in ergreifenden Worten Ausdruck gab. Eine große Zahl von Freunden und Verwandten aus Nah und Fern, die städtischen Behörden, der katholische und evangelische Geistliche sowie die ganze Bewohnerschaft folgten dem Leichenzuge, der in dieses Ausdehnung hier noch nicht gesehen wurde. Am Grabe widmete Herr Dr. Friedmann dem Verstorbenen ehrende Worte dev Anerkennung und des Dankes. Sein Andenken wird hier unvergeßlich bleiben. r. Ans Schlesien, 13. Dezember. Dem Vorstand der Synagogengemeinde zu Oppeln ist die Genehmigung zum Verkauf der alten Synagoge ertheilt worden. — Auf die Ergreifung der Mörder des. Bankier Cohn in Pleß hat der Regierungspräsident von Oppeln eine Belohnung von 300 Mark ausgesetzt, während von den Angehörigen des Ermordeten zu gleichem Zwecke der Betrag von 1000 Mark ausgesetzt worden ist. Bis jetzt ist es aber noch immer nicht gelungen, die Mörder zu ermitteln. Die Beerdigung des so jäh aus dem Leben Geschiedenen fand unter reger Betheiligung nicht nur zahlreicher Angehöriger aller Konfessionen und Bevölkerungsschichten der Stadt, sondern auch der Umgegend und benachbarter Städte statt. Das stattliche Leichengefolge war ein Beweis, welcher Beliebtheit sich der Verewigte erfreute und in welch' allseitiger Achtung er stand. Magistrat und Stadtverordnetenkollegium sowie der jüdische Gemeindevorstand und das Repräsentantenkollegium, wie auch der Vorstand des israelitischen Krankenpflege- und Beerdigungsvereins waren offiziell vertreten und widmen dem Heimgegangenen ehrenvolle Nachrufe. — Am 3. d. M. fand in Zabrze die Wahl von Repräsentanten und Stellvertretern der dortigen Synagogengemeinde statt. Aus dieser Wahl sind hervorgegangen: Als Repräsentanten: Hotelbesitzer Siegfried Schüller, Kaufmann Isidor Lewin, Mühlenbesitzer Eugen Händler, Hotelbesitzer I. Kochmann, sämmtlich aus Klein-Zabrze als Stellvertreter: Kaufmann Salo Fechner und Gaftwirth Bernhard Ucko aus Alt-Zabrze. — Vor Kurzem feierte Sanitätsrath Dr. Böhm in Tarnowitz sein 50 jähriges Doktorjubilänm. Seitens der städtischen Behörden ist der Jubilar durch eine Deputation, bestehend aus dem Bürgermeister Kotischke, Senator Lukaschik und Stadtverordnetenvorsteher Justizrath Geister, beglückwünscht worden. Dem Jubilar wurde der Titel „Geheimer Sanitätsrath" verliehen. — Zum Mitglied der Oppelner Handelskammer wurde am 7. d. M. an Stelle des Rittergutsbesitzers Zender, welcher sein Amt aus Gesundheitsrücksichten niedergelegt hatte, Stadtrath Grunwald in Ratibor gewählt. — Zum Vorsitzenden des Synagogengemeindeverbandes des Regierungsbezirks Oppeln ist an Stelle des verstorbenen Sanitätsraths Dr. Simon Freund aus Gleiwitz Rechtsanwalt und Stadtrath Schüller aus Gleiwitz vom Ausschüsse einstimmig gewühlt worden. — Als Repräsentanten der israelitischen Synagogen gemeinde in Rybnik wurden wiedergewählt I. Aronade und H. Perl, neugewählt Jacques Schäffer, L. Bender, Salo Böhm und L. Berger; als Stellvertreter wurden wiedergewählt M. Pick und I. Brauer. — Der Kaufmann Markus Brauer in Peiskretscham beging jüngst das 25 jährige Jubiläum als Vorsteher der dortigen jüdischen Gemeinde. Die. Hochachtung, welche der Jubilar nicht nur bei seinen Glaubensgenossen, sondern auch bei der gesummten Bürgerschaft genießt, bewirkte es, daß der Ehrentag des Jubilars allseitig festlich begangen wurde. — Den Ausweisungsbefehl erhalten hat ein bei der Elektrizitätsgesellschaft in Katto witz beschäftigter Ingenieur, ein Deutsch- Böhme. Da sich das Ausweisungsdekret nur gegen die Böhmen jüdischen Glaubens erstreckt und der von der Maßregel Betroffene zwar als Jude geboren wurde, indeß vor einigen Jahren sich zum Freidenkerthum' bekannte, so will derselbe die Hilfe des Ministers in Anspruch nehmen. — Der Neubau einer Synagoge in Kattowitz ist von der Baukommission definitiv beschlossen worden. Er soll sich als mächtiger .Kuppelbau erheben und den gegenwärtigen Tempel an Umfang weit übertreffen, indem er 600 Plätze für Männer und auf den Emporen 490 für Frauen enthalten wird. Die Kosten sind auf 500000 Mark veranschlagt, welche zum größten Theil durch eine Anleihe gedeckt werden sollen. —• In Grottkau feierte vor einigen Tagen der Kreisphysikus Sanitätsrath Dr. Kornfeld sein 25jähriges Jubiläum als königlicher Medizinalbeamter. Die städtischen Behörden und die jüdische Gemeinde beglückwünschten denselben. Die Äerzte des Kreises und der Nachbarschaft überreichten dem hochverehrten Kollegen ein Prachtalbum mit ihren Photographien. — Das seltene Fest der diamantenen Hochzeit beging vor Kurzem das Ehepaar Isidor Pinkus und. Frau in Grünberg. Der Jubilar ist 92, seine Gattin 80 Jahre alt, und konnten dieselben ' bei ihrer Rüstigkeit das Fest im Kreise ihrer zahlreichen Angehörigen — eine Tochter war auch aus Amerika herübergekommen — recht freudig - begehen. Aus diesem Anlaß wurden den Jubilaren auch zahlreiche .