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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-12-25 · Heft 52 (25.12.1896) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 52 (25.12.1896)
Date
1896-12-25
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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Großbritannien. G. London, 6. Dezember. Heute fand die Monats-Versammlung der Anglo Jewish Association unter dem Vorsitz von Claude G. Montefiore statt. In derselben wurde ein Briefwechsel mitdem englischen Auswärtigen Amt vorgelegt, der das Schicksal der Persischen Juden behandelt. Es geht daraus hervor, daß das Auswärtige Amt sich der Juden annehmen werde, falls dieselben zu Unrecht bedrückt werden. Herr Elkan Adler konnte dem hinzufügen, daß er selbst kürzlich in Teheran gewesen und dort den englischen Gesandten gesprochen habe. Derselbe habe ihm versichert, daß er in jedem Fall, wo ihm Bedrückungen der Juden zur Kenntniß kämen, gegen dieselben einschreiten werde. Auch einen höheren persischen Beamten, einen Schwiegersohn des jetzigen Schah, habe er besucht und von ihm die Versicherung erhalten, daß der jetzige Schah unbedingt für Toleranz sei Mr. Duparc ergänzt diese Ausführungen noch dahin, daß die Juden Teherans lebhaft um eine Schule bäten, und hofften, daß die Alliance und die Jewish Association ihnen eine solche einrichten würden. Bezüglich dieser Schule beschloß man, noch weitere Informationen einzuziehen. An Bewilligungen wurden ausgesprochen: 600 Mark für die Schule in Adrianopel, 2000 Mark für die Schule in Bombay, 400 Mark für die Schule in Jassy und 600 Mark für die Schule in Rustschuck. Sehr lebhafte Diskussion verursachte dagegen das Gesuch der Sanaritaner .in Nabulus, auch bei ihnen eine Schule einzurichten. Ein Beschluß wurde noch nicht gefaßt, vielmehr die Sache vertagt. — In dem Testament des kürzlich in Bombay verstorbenen Sir Albert Abdulla David Sassoon sind 15 000 Rupien ausgesetzt für die Synagogen und Schulen in. Byculla, Poona, Bagdad und Bombay, sowie 3000 Pfd., gleich 6O 000 Mark, für Schulen und Hospitäler in England. 'Die Verwaltung resp. Vertheilung dieser letzteren Summe ist feinet« Sohne Edward Ezra Abdulla David Sassoon übertragen. Amerika» 6. 8. Netv-Aork, 12. Dezember. Am 30. Oktober starb in Montgomery, Alabama, der dortige Rabbiner Israel Joseph im jugendlichen Alter von 27 Jahren. Der Verstorbene erfreute sich in der Gemeinde, in welcher er seit einem Jahre das Amt bekleidete, und im Kreise seiner Freunde allgemeiner Sympathien. Er wurde am 4. d. Mts. in seiner Vaterstadt New-Iork unter zahlreicher Betheiligung bestattet. Dr. Davidson, Rabbiner der Ahawath Chessed-Gemeinde, und Rabbiner Clifton H. Levy hielten die Grabreden. — Joseph Jacobs, der bekannte englische Litterat und Verfasser des Werkes: Jews in Ancien England wird auf Einladung des jüdischen Frauenvereins von Amerika hier einige Vorträge über die Philosophie des Judenthums halten. Von hier geht er nach Baltimore und Philadelphia, in welch letzterer Stadt er von den Verwaltern des Gratz-Fonds zum Abhalten von Vorträgen eingeladen wurde. Dieser Fonds, vor einigen Jahren zur Verbreitung jüdischen Wissens gestiftet, hat im vorigen Jahre Herrn Schechter aus Cambridge zur Abhaltung von Vorträgen eingeladen, und bei dem Vorherrschen der durch die neuerliche Präsidentenwahl kundgegebenen Schutzzollpolitik ist es kein Wunder, daß einzelne Stimmen, wie neulich im Jewisch Messenger, gegen die einseitige Bevorzugung von Ausländern sich geltend machen. — Am 26. Oktober feierte der Präsident des Verwaltungsrathes des Baron Hirsch-Fonds, Herr Adolph S. Solomons, seinen 70. Geburtstag. Seine. Kollegen veranstalteten ihm zu Ehren ein Bankett und beschenkten ihn mit einem Silberbecher. — Ah lwardt, der seit länger Zeit ganz verschollen war, läßt mit einem Male wieder von sich hören, indem er einem Reporter von Leslie's Weekly seine Ansichten über die Gefahr, die Ämerika von dem Judenthum droht, entwickelt. . Mc. Kinley ist, wie es seinerzeit Caprivi war, von den Juden gekauft. Dieser Artikel hat die Wahl des so blotzgestellten Politikers nicht verhindert. - Von Dr. Gustav Gottheil, Prediger am Tempel Emanuel, ist ein treffliches Andachtsbuch unter dem Titel „Sun and Shield" erschienen. — Herr Rabbiner Clifton H. Levy von der Hebrew Friendshop Congregation in Baltimore hat die sehr bedenkliche Neigung, seiner Gemeinde unangenehme Wahrheiten zu sagen. Diese üble Gewohnheit kostete Herrn Levy seine Stelle, und er sollte mit dem 1. Oktober zurücktreten Wie Herr Levy behauptet, hätte die Gemeinde schon zu den Feiertagen einen anderen Prediger angestellt, weshalb er gegen die Gemeinde'^wegen Zahlung rückständigen Gehaltes gerichtliche Klage anbrachte. Von Nah und Fern. — Am Freitag, den 18. d. M. verstarb hier plötzlich'der in weilen Kreisen als Wohlthäter bekannte Herr Moritz Rohr.' Der Verblichene hat sich besonders um die jüdische Gemeinde in Posen durch das von ihm dort begründete Krankenhaus unsterbliche Verdienste erworben. — Der in Berlin lebende Arzt Dr. Jacques Meyer, Badearzt in Karlsbad, ist zum Geh. Sanitätsrath ernannt worden. — In Breslau ist Herr Aron Tiktin, der durch Gelehrsamkeit und Wohlthätigkeit allgemein bekannte Sohn des sei. Oberrabbiners Tiktin, im Alter von 71 Jahren gestorben. — Dr. Gerson Lange in Hannover wurde als Rabbiner, mit dem vorläusigen Sitz in Borken (Westfalen), von dem orthodoxen „Verein zur Wahrung der religiösen Interessen des Judenthums in der Provinz Westfalen" berufen und hat diese Berufung an- ‘ genommen. — In Frankfurt a. M. ist ein Führer der dortigen Orthodoxen, Emanuel Schwarzschild, ein angesehener und beliebter Mann, gestorben. — In der Synagoge zu S try i (Galizien) kam es zu einer blutigen Schlägerei zwischen Gymnasiasten, welche eine Trauerandacht für einen verstorbenen Kollegen veranstalten wollten, nnd der fanatischorthodoxen Partei, welche diese Andacht, als mit den orthodoxen Traditionen unvereinbar, zu verhindern suchte. Da die Ortspolizei sich keinen Rath wußte, mußte Gendarmerie in der Synagoge einschreiten. — In Agram hat ein antisemitischer Professor Dr. Hainz jüdische Kaffeehaus-Besucher gröblich insultirt. — Der russische Minister des Innern hat vor einiger Zeit einen Beschluß seines Vorgängers, der in sämmtlichen Provinzen des Territoriums die Zahl der jüdischen Apothekerlehrlinge auf 5 pCt. der Gesammtzahl solcher Lehrlinge beschränkte, umgestoßen. Trotz dieser Maßregel des jetzigen Ministers fuhren einige Beamte fort, obengenannte Einschränkung in Anwendung zu bringen. So wollte der Apotheker Nathanson in der Stadt Chklop, Bezirk Mohilev, einen jüdischen Lehrling in seine Apotheke aufnehmen. Die Behörde untersagte es, und Nathanson mußte sich an den Senat wenden. Die Regierung hat nun kürzlich an den Gouverneur von Mohilev das Gebot erlassen, der Eingabe des Nathanson gerecht zu werden, „da kein Gesetz des Reiches eine Vorschrift über die Zahl der jüdischen Lehrlinge enthält, die in den Apotheken ausgenommen werden dürfen." — Wie die Blätter melden, soll das Ministerium der Landwirthschaft den Plan der Errichtung einer Acker bau sch ule für Juden hegen. Der Entwurf hat bereits das gelehrte Komitee passirt und ist dem Ackerbau-Departement überwiesen worden Von einigen reichen Israeliten sind zum Besten der Schule bereits 25 000 Rubel gespendet worden. Das Ministerium wird seinerseits die Schule mit 500 Dessätineu Land im Chersson'schen Gouvernement ausstatten, um daselbst eine Musterwirthschaft einzurichten. Der Unterricht soll vorwiegend praktisch sein und einen dreijährigen Kursus umfassen. — Ueber Lemberg wird mitgetheilt, daß die Synagogenverwaltung zu Petersburg von der bevorstehenden Zulassung der Juden des russischen Reiches zu einer Huldigung vor dem Kaiser mit dem Bemerken verständigt wurde, daß die Deputationen der jüdischen Gemeinden von, Petersburg, Moskau, Odessa, Warschau und Kiew sich bis 18. Januar beim Ministerium anzumelden haben. Es soll dies ein Ersatz dafür sein, daß die Inden Rußlands daran» verhindert wurden, an den Krönungsfeierlichkeiten in Moskau gehörig theilzunehmen. — In Paris ist Baron James Hirsch, der Bruder des bekannten Philantropen, im 54. Lebensjahre gestorben. Derselbe war mit einer Tochter des Staatsraths Poljakoff in Moskau verheirathet. — Die Baronin Leonino, eine Tochter des Barons Gustav Rothschild, ist auf einem Ritt verunglückt und kurz darauf gestorben. — Im April k. I. wird der Verein „Chowewri Zion" in London eine Pilgerfahrt nach Palästina unternehmen., — Rev. Ostas Hochglück ist zum Kantor der Gemeinde Ausche Chesed in New-Aork gewählt worden. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauch Witz in Berlin.

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