Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 60 (1896)
- Issue
- Heft 52 (25.12.1896)
- Date
- 1896-12-25
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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-50. Jahrgang. Mt. 52 (BetUn, 25. V-renwer 1896. Weikcrge zur „Allgemeinen Zeitung öes IuöenLhums". Korrespondenten und Nachrichten. Drutschlan-. L2 Berlin, 23. Dezember. Unter starker Betheiligung der angesehensten Mitglieder unserer Gemeinde fand am Sonntag, dem 23. d. Mts., die Einweihungsfeier des Hospitals der jüdischen Gemeinde statt, das, von Herrn Moritz Manheimer und seiner Gattin gestiftet, nunmehr seiner Bestimmung übergeben wurde. Nach einem vom Chor der Lindenstraße - Synagoge unter Leitung des Herrn William Wolf vorgetragenen Choral hielt der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde, Herr Justizrath Meyer, die Eröffnungsrede. Er entwarf in großen Zügen die Entstehungsgeschichte des Hauses, gedachte der Herren Kaufmann Bendix und..Adolf Reichenheim als der eigentlichen Begründer des Siechenhauses und dankte im Namen der Gemeinde Herrn Moritz Manheimer und seiner in Liebeswerken mit ihm wetteifernden Gattin für das von ihnen vollführte Werk. — Hierauf hielt Herr Rabbiner Dr. Maybaum die eigentliche Weiherede, die wir leider aus Mangel an Raum im Wortlaut nicht wiedergeben können, obwohl sie dessen mehr als werth wäre. Nur ein Punkt aus dieser nach Form und Inhalt meisterhaften Rede sei hier angeführt. An den dieswöchentlichen Abschnitt der Heiligen Schrift, der die Lebensgeschichte Moses enthält, anknüpfend, pries er die hochherzige Gesinnung Moritz Manheimers mit dem Worte der Schrift: Als Moses groß war, ging er zu seinen Brüdern. Auch Moritz (Moses) Manheimer sei, nachdem er groß geworden war, nachdem Gott ihn mit Glücksgütern gesegnet hatte, zuerst zu seinen Brüdern gegangen, habe in erster Reihe sein Thun und Wirken in den Dienst seiner armen und leidenden Glaubensgenossen gestellt. Das von ihm für die Unglücklichsten der Unglücklichen in der Gemeinde erbaute Haus müsse als ein glänzendes Zeugniß der ihm innewohnenden Menschenliebe betrachtet werden. Abermaliger Gesang und ein inbrünstiges Gebet für die Stifter, die Gemeindeverwaltung, für die Aerzte und Ehrendamen sowie für Diejenigen, für welche dieses Prachtgebäude in der Oranienburgerstraße 31 bestimmt ist, bildeten den Schluß der Feier, die auf Alle, welche an derselben theilgenommen, einen wahrhaft erhebenden Eindruck gemacht hat. S£2 Berlin, 21. Dezember. Durch hiesige und fremde Blätter ging dieser Tage folgende Notiz: „Eine antisemitische Kundgebung im Hörsaale. Zu einer plötzlichen antisemitischen Kundgebungkam es in Berlin, Dienstag Vormittag in der Vorlesung des Professors Dr. Brunner. Dr. Brunner liest Handelsrecht und kam in seinem Vortrage darauf, daß die an Sonn- oder allgemeinen Festtagen fälligen Leistungen erst am nächsten Tage rechtskräftig werden. Bei dem Satz: „Nach einer Entscheidung des Oberhandelsgerichtes Band II, 411, gelten die jüdischen Feiertage nicht als allgemeine Feiertage", brachen nun die Zuhörer in minutenlangen Beifall aus." Eiru Augenzeuge berichtet uns uun, daß diese Darstellung eine stark aufgebauschte sei. Wohl hätten einige antisemitische Störenfriede ihren Beifall auszudrücken versucht, aber sie wären bald zur Ruhe verwiesen worden. Die Hörsäle der Berliner Universität sind heute — Gott sei Dank — kein Nährboden mehr für die Sumpfpflanze des Antisemitismus. LL Berlin, 20. Dezember. Der israelitische Kindergarten, Gormannstraße 3, hat im verflossenen Jahre täglich 100 Kinder von armen Gewerbetreibenden und Handwerkern von Morgens 8 bis Abends 7 Uhr gewartet und durch Verabreichung von Mittagessen sowie Milch und Brödchen gesättigt. Um das Werk zu einem noch wohlthätigeren zp gestalten, ist dasselbe nunmehr einem Verein übergeben worden. Dieser Verein hat sich konstituirt und zu seinem Vorsitzenden Herrn Sanitätsrath Dr. Ehren haus. Große Friedrichstraße 27, und als Vorsteherin Frau Justizrath Rosenhain, Kommandäntenstraße 89, erwählt. Eine große Anzahl Damen hat sich zur Mitwirkung bereit erklärt. ' S£® Berlin, 22. Dezember. Aus den Litteraturvereinen. In Leipzig hat am 17. d. Mts. Rabbiner Dr. H. Vogelstein aus Stettin über das Thema: „Ein jüdischer Staatsmann, Minister dreier Reiche" gesprochen. — In Düsseldorf sprach am 10. d. Mts. Rabbiner Dr. Salfeld aus Mainz über die „Verfolgungen der Juden im Mittelalter", in Beuthen O-S., Rabbiner Dr. 'Blumenthal üus Ratibor über „weltliche Klänge aus der hebräischen Poesie". In Schwedt a. O. hat sich am 13. d. Mts ein Verein unter dem Namen „Geselligkeit der Freunde" gebildet. Der Zweck desselben ist Pflege der Geselligkeit unter den Mitgliedern durch allwöchentliches, gemüthliches Beisammensein und Veranstaltung größerer Vergnügungen in längeren Zwischenräumen — vor Allem aber Förderung des Interesses für jüdische Geschichte und Litteratur durch Borträge, die mindestens alle vier Wochen stattzufinden haben, durch Halten jüdischer Zeitungen und durch Diskussions-Abende. Es haben sich dem Vereine bereits mehr als 40 Mitglieder angeschlossen Der Vorstand besteht aus den Herren: Rabbiner Dr. Sandler erster Vorsitzender, G. A. Meinhardt und Dr. med. Loewenthal, Stellvertreter. Den ersten Vortrag hielt am 21. d. Mts. Rabbiner Dr. Sandler über das Thema: „Die innere und äußere Emanzipation der Juden, ein Mahnwort an die Gegenwart." Lx. Aus der Provinz Posen, im Dezember. Bei der kürzlich erfolgten Wahl von Repräsentanten der jüdischen Gemeinde in W itko w o sind gewählt worden die Herren Max Berne, Adolf Witkowski, I. Otschnschki, Lesser Brummer und I. Leyser. — Der jüngst verstorbene Kaufmann Siegmund Ephraim in Fi lehne hat jener Stadt ein Legat von 45 000 Mark vermacht. Die Zinsen dieses Legates sollen zu den verschiedensten wohlthätigen Zwecken verwendet werden. — Der israelitische Hölz- und Kohlenvertheilungs-Verein in.Posen hielt vor Kurzem eine Generalversammlung ab, in welchem die Herren Ziegeleibesitzer Simon Krombach, Bankier N. Hamburger, Kaufmann Salomon Bergel und Kaufmann Hugo Brodnitz in den Vorstand gewählt wurden. Der Verein hat im verflossenen Jahre 1500 Centner Kohlen an Bedürftige vertheilt. — In Ostrowo sind bei der letzten Stadtverordnetenwahl mit Hilfe der deutschen christlichen Wähler die Herren Rechtsanwalt Voß und Kaufmann M. Rothstein neu zu Stadtverordneten gewählt worden. — Bei der am 9. Dezember in Culm stattgehabten Repräsentantenwahlen sind an Stelle des verzogenen Rentiers Lazarus der Kaufmann Horitz Simon und ferner die Herren Kaufmann Louis Jtzigsohn, Rechtsanwalt Sternfeld und Kaufmann I. P. Benjamin gewählt worden. — Nach dem Jahresbericht, der in der letzten Generalversammlung des israelitischen Frauenvereins in Wresch en erstattet wurde, hatte derselbe im abgelaufenen Jahre eine Einnahme von 992,60 M. und eine Ausgabe von 676,74 M. Bei der Neuwahl des Vorstandes wurden die Damen Johanna Jaffe, Emma Cohn, Paula Ziegel, Jenny Wolfs und Natalie Diamant gewählt. — Der Vorstand der Synagogengemeinde in Mixstadt hat den Neubau eines Gotteshauses beschlossen dasselbe soll nur einen kleinen Umfang einnehmen, da die Gemeinde aus; eitwas mehr als 100 Seelen besteht. — In Gilgenburg hat sich neulich ein israelitischer Frauenverein, der sich dem allgemeinen vaterländischen Frauenverein angliedern will, gebildet. Bei der Bildung des Vorstandes wurde Kantor Scharlach als Vorsitzender, Frau Kaufmann Rappaport als dessen Stellvertreter, Frau Kaufmann Markus als Kässirerin und Frau Kaufmann Joseph als Schriftführerin gewählt. — Nach dem letzten Jahresbericht des israelitischen Leichenbestattungs- und Krankenbesuchs-Vereins inJnowrazlaw hatte derselbe im verflossenen Jahre eine Einnahme und Ausgabe von 1711,35 M. Der Verein zählt jetzt 183 Mitglieder. Nach der jüngst erfolgten Neuwahl des Vorstandes besteht derselbe jetzt aus den Herren Kaufmann Herzfeld, Lehrer Elias, R Wrzesinski und N. Lachmann. — Der israelitische Fraüenverein in Ostrowo hat jüngst eine Wohlthätigkeitsvorstellung veranstaltet, die einen Ertrag von circa 500 M. abwarf. Zu den Bestechern der Veranstaltung zählten Landrath Kammerherr von Lützorv