Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 60 (1896)
- Issue
- Heft 52 (25.12.1896)
- Date
- 1896-12-25
- Page
- Seite 614 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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1890 1895 . Zunahme Abnahme Posen . . . . . 44346 40 019 — 4327 Schlesien . . . . 48 003 47593 — 410 Sachsen . . . . 7 949 7 850 /v— 99 Schleswig - Holstein 3 571 3 702 131 — Hannover .. 15112 15 065 — 47 ' Westfalen. . . . 19172 19 359 187 ■ — Hessen-Nassau . . 44 543 45 725 1182 — Rheinland . . . 47 234 49 018 1784 — Hohenzollern . .. 661 ' 576 85 Schott heute wollen wir übrigens auf eine Folgeerscheinung der Verminderung der jüdischen Einwohner in den Provinzen Posen und Westpreußen Hinweisen. Da dieselben immer gerade die Stützen ' des Deutschthums waren, so ist unausbleiblich, daß die Zählung* nach Nationalitäten auch eine Verschiebung zu Gunsten der Polen ' und zu Ungunsten der Juden bringen wird. ' Betrachten wir nun einmal die preußischen Großgemeinden, so finden wir, daß sie alle mehr oder minder zugenommen haben, Berlin stieg von 79268 auf 86152, Frankfurt a. M. von 17 426auf 19 488, Breslau von 17 755 auf 18449, Köln von 6859 auf-]/- 7932 jüdische Seelen. Frankfurt a. M. ist demnach jetzt nächst! Berlin die größte jüdische Gemeinde der preußischen Monarchie, ' während Breslau an die dritte Stelle gerückt ist. /" Anders liegt es in den Mittelgemeinden; soweit hier eine Ver-'- Schiebung einaetreten ist. ist sie schon zu Unguusten derselben, wie/' die folgende Tabelle zeigt 1890 1895 Zunahme Abnahme Posen . . . 6126 5810 — 316 Charlottenburg 1475 4687 3212 — Hannover . . 3933 4151 218 — Königsberg . 4008 4076 68 — Stettin . . . 2582 2850 268 — HD Danzig . . . 2535 . 2474 ' -r- 61 Beuthen. ... 2360 2342 — 18 X- Altona . . . 2109 2209 100 ' — Kassel . . . 2017 2199 172 Magdeburg . 2090 . 2006 - — . 84 Eine Ausnahme von der Regel macht bei den Mittelgemeinden ' offenbar Charlottenburg, dem seine Lage bei Berlin zu statten kam.' Die Kosten des Anwachsens der großen Gemeinden hätten die , kleinen Gemeinden unter 2000 Seelen zu tragen, die gerade von" ihren leistungsfähigen Mitgliedern sehr viele verloren. Das preußische Judenthum konzentrirt sich, nicht zu seinem^ Vortheil, immer mehr in den Großstädten; an diese Großgemeinden '' tritt dadurch die Pflicht heran, sich ihrer leitenden Stellung nach' allen Richtungen würdig zu zeigen und die Führung, die ihnen' durch ihre materiellen Mittel zufällt, auch in geistiger Beziehung zu verdienen. Wir wollen hoffen, daß sie sich dieser hohen Aufgabe gewachsen zeigen. Wr Woche. Berlin, 22. Dezember..! as Komitee zur Abwehr des Antisemitismus, das hier seit^ Jahren eine gedeihliche Wirksamkeit entfaltet, hat soeben eine sehr wichtige Publikation herausgegeben, die uns wahrscheinlich noch oft große Dienste leisten wird. Es ist dies nämlich - ein Werk über die Juden als Soldaten (Verlag Siegfrieds Cronbach, Berlin). Herr Dr. P. Nathan erinnert in der Ein- / leitung an den Prozeß, den ein früherer jüdischer Soldat, der mit dem Eisernen Kreuz geschmückt war, gegen den.Redakteur des „Thüringer Volksboten" in Amstadt, , Gottesleben. angestellt hatte, der in einer Versammlung den Soldaten jüdischen Glaubens im deutschem Heere Feigheit vorgeworfen hatte. Der Kläger wandte sich an das Abwehr-Komitee mit der Bitte um, Material und gab dadurch den Anlaß zu den Erhebungen, deren Ergebniß nunmehr vorliegt. Das zahlenmäßige Ergebniß der natürlich rein privaten Erhebungen ist folgendes : eine Liste von 125 jüdischen 'Soldaten aus den Feldzügen 1813—1815, von 16 jüdischen Soldaten, die das Eiserne Kreuz erhalten haben, und von 16 Todten und Verwundeten aus dem Jahre 1813; eine Liste von 67 jüdischen Soldaten aus den Revolutionskämpfen 1848 bis 1850 sowie aus den Kämpfen in Schleswig-Holstein; eine Liste von 194 jüdischen Soldaten aus dem Feldzuge von 1864, eine solche von 1025 aus dem Feldzuge von 1866, eine Liste von 4492 jüdischen Soldaten aus dem Feldzüge von 1870/71, ein solche von 1101 jüdischen Gemeinden, aus denen Mitglieder am Feldzuge 1870/71 Theil genommen haben; eine Liste von 448 jüdischen Soldaten, welche im Feldzuge von 1870/71 verwundet oder getödtet worden sind, und endlich eine Liste von 373 jüdischen Soldaten, welche 1870/71 das Eiserne Kreuz oder die entsprechenden militärischen Auszeichnungen der anderen deutschen Bundesstaaten erhalten haben. Die Listen von 1870/71 sind die einzigen, welche sich auf ganz Deutschland beziehen; die früheren betreffen nur die preußische Armee. Selbstverständlich sind die. Listen um so unvollständiger, je mehr zurück der Zeitpunkt liegt, auf den sie sich beziehen. Wichtiger als die Zahl der Juden sind die Zeugnisse über ihr Verhalten im Militärdienste und im Kriege. In erster Reihe steht hier eine Denkschrift des preußischen Ministers des Inneren über die Ausdehnung der Militärpflicht auf die Juden vom Jahre 1847. Der Minister kommt auf Grund der Berichte der einzelnen Generalkommandos zu dem Ergebniß, „daß die Juden des preußischen Heeres von den Soldaten der christlichen Bevölkerung im Allgemeinen nicht erkennbar unterschieden find, daß sie im Kriege gleich den übrigen Preußen sich bewährt, im Frieden den übrigen Truppen nicht nachgestanden haben, daß ferner insbesondere die jüdischen Religionsverhältnisse nirgends als ein Hinderniß beim Kriegsdienste hervorgetreten sind", und bejaht demnach die. Frage, ob die Militärpflicht für sie auch auf jene Landestheile ausgedehnt werden solle, wo die Juden bis dahin vom Heere ausgeschlossen waren. „Die deutschen Juden," bemerkt Herr Dr. Nathan in der Einleitung, „für welche diese Materialien gesammelt sind, können dieselben mit einer gewissen Bitterniß und doch auch mit einer gewissen Befriedigung durchlesen. Bitterniß werden sie empfinden, weil es überhaupt nothwendig erscheinen konnte, solch eine Zusammenstellung zu machen, und weil sie finden, daß ihnen zwar im Jahre 1847 bescheinigt wurde, sie seien als Soldaten ebenso tauglich wie ihre christlichen Mitbürger aber die militärische Laufbahn ist ihnen doch niemals wie diesen eröffnet worden. Sie werden auch finden, daß freilich Juden im Jahre 1870, also im Kriege, wenn an den Soldaten die höchsten Anforderungen im Dienste des Vaterlandes gestellt werden, Offiziere wurden und deutsche Truppen gegen den Feind führten, aber im Frieden, wo Ansprüche von gleicher Schwere an den Offizier nicht herantreten, hielt man es für nothwendig, die Juden aus dem deutschen Offizierstande fernzuhalten." .. . „Schreiten wir," heißt es weiter, „auf der gleichen Bahn wie frühere Generationen fort, so muß auch der Zeitpunkt kommen, w o jene Schranken fallen, die es dem Juden, der sich dazu berufen fühlt, unmöglich machen, bleibend dem Vaterlands als Soldat und Offizier zu dienen, ja die es verhindern, daß er überhaupt nur Offizier im Frieden werden kann, während man es ihm doch gestattete, in der entscheidenden Stunde der Gefahr seine Landsleute M Offizier gegen den Feind zu führen.' Auch solche Widersprüche werden , dann einmal verschwinden." , . x'.. " v