Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 60 (1896)
- Issue
- Heft 51 (18.12.1896)
- Date
- 1896-12-18
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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des-letzten Referats und konstatirtedaß seine Ausführungen im wesentlichen an die vom Herrn Referenten vorgebrachten 'Punkte - anknüpften,. nicht) aber gegen dessen - Ausführungen .gerichtet waren. — Nachdem hierauf das Protokoll verlesen war,, erstartete der erste Schriftführer den - Bericht über das zweite Vereinsjahr, der einen vollgiltigen Beweis für die lebhafte Arbeit in allen.Bereinsangelegenheiten erbrachte. Dl^nü -wurde' dem Schatzmeister Decharge ertheilt. Bei der nun folgeren Wahl des Vorstandes für das Jahr 1897 wurde der alte Vorstand ' /rvredergervählt. Der Verein beschloß, am 6. März das Stiftungsfest zu feiern und setzte zur Vorbereitung ' desselben eine aus drei Mitgliedern bestehende Kommission ein; eine Anregung, an einer der nächsten zwanglosen Sitzungen auch die Damen der Vereinsmitglieder theilnehmen zu lassen, fand freudige Aufnahme. — Nachdem noch der Vorsitzende ^die Aufmerksamkeit der Mitglieder auf den am. 2. Januar stattfindenden Vortrag des Herxn Bernhärd-Tarnowitz über das Berbandsthema....gelenkt hatte, wurde die Sitzung, geschlossen.' . , . o. Berlin, 16 Dezember. Infolge einer furchtbaren Explosion-ist vorigen Sonnabend Herr Georg Jsaac, im Alter von 44 Jahren, dem Leben entrissen worden. Der Verblichene erfreute sich als Mensch ) wie. als Jude allgemeiner Achtung. Sein eifriges Eintreten für die ' russischen Emigranten im Jahre 1892 sichert ihm ein ehrendes Andenken. s. Bernstadt i. Schl., 13. Dezember. Am 6. dieses Monats fand die würdige Nachfeier zu Ehren des hundertjährigen Bestehens des „israelitischen Krankenpflege - und Beerdigungsvere.ißs" statt. Am 3 Uhr Nachmittags wurde in der festlich erleuchteten Synagoge ein Festgottesdienst, verbunden mit einer Todtenfeier, abgehalken. . Gegen 6^2 Uhr begann in dem Saale des „Blauen Hirsch" der fröhliche Theil des Festes, der einen glänzenden Verlauf nahm. Bor dem Diner, an dem ca. 110 Personen, Damen und Herren, theilnahmen, begrüßte Herr Isidor Vertun Namens des Vorstandes die erschienenen Gäste aufs Herzlichste. Den ersten Toast brachte der Vorsitzende des Vereins, Herr Josef Efrem, unter begeistertem Jubel aller Anwesenden auf den Landesvater aus. Herr Prediger Boß hielt die Festrede, °>?die in. ein Hoch auf den Verein ausklang. Herr S. Ebstein, der Kassenvorsteher des Vereins, toastete aus die thätigen männlichen und weiblichen Mitglieder der Chewra. Reichen Beifall erntete ein zu diesem Feste besonders verfaßtes humoristisches Duett, das Fräulein Armer und der Sekundaner Pick zum Bortrage brachten. Es folgte noch eine Reihe von ' Trinksprüchenauf den Chewra- und den Gemeindevorstand, die anwesenden Damen, den Festordner Herrn I. Pick, den Festredner sowie ' die auswärtigen Gäste. Nach Verlesung der eingelaufenen Glückwunsch- Telegramme und Schreiben, unter denen besonders, das des Herrn Eugen Jaffa aus Breslau hervorgehoben zu werden verdient, wurde die Tafel ausgehoben. Darauf gelangten zwei Schauspiele zur Aufführung, ynd zum Schluß fand ein Ball statt. '' , . - Altona, 11. Dezember. Der hier in hohem Alter verstorbene israelitische Rentier Salomon Joseph Herz hat nach letztwilliger Verfügung bedeutende Legate und Vermächtnisse ausgesetzt. Außer kleinen Familienlegaten sind sämmtliche hiesigen israelitischen Wohlthätigkeits- . anstalten und Vereine mit . größeren oder kleineren Beträgen bedacht worden. Am Passah- und Sukkoth- (Laubhütten-) Feste sollen je fünf hiesige, unbescholtene israelitische Einwohner aus einem besonderen Legat eine Unterstützung erhalten, außerdem hat der Entschlafene eine Summe ausgesetzt, von deren Zinsen alljährlich zwei israelitische Bräute ein Legat erhalten. Im Uebrigen aber ist der ganze Nachlaß des Verstorbenen' zu einer großen Stiftung bestimmt, welche den Namen /Marianne und Salomon Aoseph Herz - Stiftung" führen . soll. Hierzu stehen etwa 200 000 Mark zur Verfügung. In dem Stift sollen hiesige Familien, . welche keine Armenunterstützung in Anspruch genommen haben, freie : Wohnung erhalten.Vorläufig werden daselbst etwa dreißig Familien Unterkunft finden können. Man hofft, daß die Stadtverwaltung .mit Rücksicht auf den humanen und wohlthätigen Zweck einen Platz zum Bau des Stiftes unentgeltlich vergeben, wird. Es sei noch erwähnt, daß der Entschlafene trotz seines Reichthums für sich außerordentlich bescheiden und anspruchslos gelebt hat und im Stillen manche Thränen trocknete. g. Iserlohn, 10. Dezember. Im Saale des Herrn Adolf Stamm fand am Sonntag Abend.aus Anlaß des „Weihefestes" eine erhebendeglanzvolle Feier der hiesigen jüdischen Gemeinde statt, zu der sich nicht nur die Gemeinde vollzähligsondern auch viele Gäste von auswärts eingefunden halten . Eingeleitet, wurde die Feier Imit dem > weihevollen i Akte des Anzündens /der Lichter., durch Herrn. Prediger' Salomon,? v‘ dem sich Gesang, deklamatorische Vorträge) und Aufführungen anschlossen.) Doch bald gestaltete sich der Abend zu einer Ovation für den langjährigen Lehrer und Prediger der Memeind.e. In erhebendster Weise kam es zum Ausdruck, welch' hohes Maß der Liebe, der Verehrung und des Wohlwollens derselbe in allen Kreisen'genießt. Alle bemühten sich, den verdienstvollen Mann zu feiern. Unter sinniger Ansprache überreichten ihm die Damen der Synagogen-Gemeinde. eine kostbare goldene Kette mir dem Wunsche, haß dieselbe ein Symbol unzertrennlicher Zusammengehörigkeit bilden möge, die - den - liebgemordenen Beamten, der sich zwecks Fortsetzung seiner Studien beurlauben ließ, nach Erreichung seines hohen Zieles zurückführe: Der Leseklub ^Borussia" verehrte .einen .werthvollen Tafelaufsatz, und von anderer Seite wurden noch viele Beweise der Liebe; und Werthschätzung dargebracht. Wahrhaft erhebende und feierliche Momente waren es, als Herr. Salomon das Podium bejrat, um für die ihm bereitete Ovation zu danken.. Lautlose Stille -- herrschte, als er ausführte, wie die Anerkennung, wie das Vertrauen . der Gemeinde ihn beglücke, und wie er nur mit schwerem Herzen aus einem Wirkungskreise scheidender ihrn im Laufe der Jahre so lieb und - theuer geworden, uyd wie er die feste Absicht hege, nach Erreichung seines Zieles zu. seiner geliebten Gemeinde zurückzukehren. Bezugnehmend auf das Weihefest pries er den Idealismus,, der Israel alle Zeit beseelte. n. München, 10. Dezember. Unsere Gemeinde wurde neuerdings durch den so unerwartet, im Alter'von 60. Jahren erfolgten Hintritt ihres bisherigen ersten Vorstandes, Louis Schwab, Großkaufmanns dahier, wiederum in tiefe Trauer versetzt. Heute Nachmittag wurde die irdische Hsille unter ungemein großer Theilnahme von Mitgliedern der israelitischen Gemeinde in Anwesenheit des ersten Bürgermeisters der Stadt, Herrn von Porscht, und sonstiger Leidtragenden zu Grabe geleitet. Herr Rabbiner Dr. Werner schilderte in tiefempfundener und ergreifender Trauerrede die rühmenswerthen, seltenen Charaktereigenschaften, die den Verblichenen zierten und ihm allerwärts Hochachtung und Anerkennung verschafften, und zwar als Familienvater, als Leiter seines Geschäftes und als langjähriges Mitglied des. Verwaltungsaus- (\ schuffes der Gemeinde, dem er als) solches über zwei Dezennien anigehörte. Seit anfangs der achtziger Jahre wurde er durch das Berj A trauen seiner Kollegen zu dem Ehrenamte des zweiten Gemeindevorstandes , i 1 und seit ea^ zwei Jahren zu dem des ersten Vorstandes berufen. Strengste!! Pflichttreue/rastloser Fleiß und ein scharfer Verstand waren es, die auf! j allen Gebieten Erfolg und Anerkennung ihm brachten. Aus einem! . j kleinen Orte des baierischen Schwabens hierher gekommen, brachte er sein Geschäft zur hohen Blüthe, fand dabei aber immer noch Zeit und Lust, auch ideale Interessen zu fördern. - Als Vertreter der israelitischen Gemeinde hat er sich hohe und unsterbliche Verdienste um dieselbe erworben. Er war neben Dr. Perles und Hermann Müller Mitgründer des israelitischen Waisenstiftes, das zur Zeit eines sehr respektablen Fonds sich erfreut. Der Bau der neuen, herrlichen Synagoge,- die so glückliche und allseits befriedigende Wiederbesetzung des durch, den Tod des hochverehrten seligen Dr. Perles verwaisten Rabbinats und noch viele andere segensreiche Institutionen, der Gemeinde waren zum hervor-; ragenden Theil ein Produkt seiner Wirksamkeit. Er gehörte in religiöser |; , Hinsicht der gemäßigt freisinnigen Richtung an und verstand es, durch! Klugheit und Friedensliebe, trotz energischer Wahrung der Interessen der , ' Hauptgemeinde die religiös heterogenen Elemente in der Gemeinde zum ■')') gemeinsamen Zusammenarbeiten für das Wohl derselben zu vereinen und heftige Kämpfe hintenan zu-halten. Am Grabe beleuchtete der ' zweite Vorstand der israelitischen Gemeinde- Herr Rechtsanwalt Dr. Ofner, in warmen und beredten Worten die Verdienste des Ge- - schiedenen und ries ihm den Dank der Gemeinde nach. Hierauf zollte das Verwaltungsausschuß-Mitglied und Vorstand der jüdischen Ge? . sellschaft Konkordia, Herr Michael Nußbaum, dem Heimgegangenen ' Namens dieses Vereins Worte des Dankes und der Verehrung. Der erste Kantor Kirschner und der Synagogenchor leiteten mit ergreifenden / Gesängen.die Trauerfeier ein und. beschlossen dieselbe in würdiger Weise. - j In der Geschichte der israelitischen Gemeinde Münchens wird der Name ihres verewigten Vorstandes Louis Schwab neben den ihm im Tode.'?) </j voraufgegangenen verdienstvollen Männern fortleben. ' " QD München, 9. Dezember.!, Wegen Verbreitung des Tälmuvauszuges nach Rohlings. Uebersetzung hatte sich der Gärtner