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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-12-18 · Heft 51 (18.12.1896) · p. Seite 611

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 51 (18.12.1896)
Date
1896-12-18
Page
Seite 611 (sequence 11)
Language
German
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..„Jetzt sitzt der Rock!"- meinte der Doktor. , „Nicht wahr, so hat doch Anschel zu'sagen gepflegt, wenn .er die Nahteines Rockes, welchen 'ein Kunde' zu? eng fandrückwärts allstrennte. Mach Dir darum keinem Kummer. Klatsch existirt nicht nur in der Khille, sondern auch in. meinen Bergen. Ich fühle mich, doch zu sehr als Nachkomme des >,Schach", als daß -ich? hingehen sollte, um meine . Väter im .Grabe zu beschimpfen, die mit ihrem Leben für eine ' Lehre, eiptraten, welche bei allen ihren Mängeln doch ein Weg ’ ist zu jenem idealen Zeitalter, wo das Recht m die Herzen geschrieben sein-wird, wenn auch allerdings manche der geistreichsten Geseßesauslegungen unseres großen Ahnen der Vergessenheit - anheimgefallen sein werden." „Alle. Gesetzewerden einmal ungiltig. werden," zitirte Reb Rephoel beifällig. : ■; „Steht das im Talmud?" fragte Max verwundert. „Gewiß, im Traktat Niddah," sagte der Alte. - - „Das ist allerdings ein bischen weit hinten," bemerkte Max, „aber ich will mirs merken. Das steigert mein Interesse für diese Litteratur, und wenn Du wieder wohler bist, Vater, dann mußt Du mir. alle Woche Lektion geben. Ich hoffe nämlich, in kurzer Zeit in Deiner Nähe zu'sein, da ich alle Aussicht, habe, ■ die Kreis- Physikus-Stelle zu erhalten. Das war das Geschäft, welches mich _ nach der Stadt führte. . Darin liegt wvhl zugleich für Dich eine Beruhigung in Deiner Hauptsorge wegen meiner Hinneigung zu den Lehren des Propheten Maleachi." „Gott sei Dank," sagte der Kranke, freudig aufathmend. „Wenn ich nur noch erleben würde, neben Dir unter der Chuppe zu stehen." „Kann alles werden," sagte Max scherzend. „Isaak war vierzig Jahre alt,, als er Rebekka zum Weibe nahm und trotz mancher widrigen Umstände erfreute sich Abraham noch seines Enkels Jakob. Mit meinem Sohne sollst Du das erste Blatt Gemoro lernen." . „Ob ich dieses Glück haben werde!" flüsterte der Alte seufzend." „Der. Schreiber vom Notar ist da!" rief Gutrud,. ins Zimmer tretend.. später wieder kommen?" „Nein-Mß ihn gleich herein!" rief Reb Rephoel in nervöser Ungeduld. ‘ „Vater," sagte SDlög,- „Du mußt Dich vor Aufregungen in Acht nehmen. Keine Geschäfte jetzt am heiligen Feiertage," setzte er scherzend hinzu. „Hab' keinen Kummer, mein Kind," sagte der Alte. „Ich will ihm nur einen Auftrag geben, damit ich Abends ein Schriftstück unterzeichnen kann," das ich," —. er stockte eine Weile — „Fannys Mann-versprochen habe." - „Wenn es nur nicht viel ist," warnte der Doktor. „Ich will Dir 'übrigens Adieu sagen, Vater. Ich muß fort, um meine Angelegenheiten in Ordnung zu bringen. Morgen erwarte ich die Entscheidung." . „Nein, soll ich leben und gesund sein, Herr Doktor, Sie dürfen , nicht," fiel Gutrud ein. „Sie habeu doch noch gar nichts genossen. Ich habe lassen einen Truthahn, schlachten.- Ich habe' mich ja nicht vorsehen können auf solche Gäste, und bei uns ist ein so kleiner Haushalt. Ich habe nicht einmal einen Kugelhops gebacken. Der Herr ißt es nicht, und für mich soll ich -backen? Ich bitt' Sie, Herr Doktorleben, gar nicht viel, nur den Truthahn und einen Auflauf. -Sie werden müssen vorlieb nehmen. Der Chasen, so ein Lump, er hat ihn. mir gar nicht schachten wollen. Heute hat er Funktion, sagt er," — Reb Rephoel lächelte — „heute schlichtet er nichts. Ich Hab' ihm aber die Wege gewiesen." ^Max mußte beti Redeschwall unterbrechen. „Heute geht es nicht, liebe Gutrud," sagte er, „aber in einigen Tagen will ich wieder hier sein/dann will ich mich wieder an Ihrer Küche erlaben, denn das muß ich Ihnen ohne Schmeichelei sagen, ich Hab' noch nirgends eine so schmackhafte Tafel gefunden, als zu Hause." ' , Gutruds Gesicht leuchtete. „Donnerstag laß ich die Gans schachten," sagte sie. „Es wird gerade, vier- Wochen sein, seit ich sie gefiopft habe!" Reb Rephoel winkte: „Der Schreiber wartet." „Ein Stückchen Leber von dem Truthahn wenigstens," bat: Gutrud. * „Nu, das wollen wir nicht versagen," schmunzelte Max. . „Geh' schon!" flüsterte der Alte, ungeduldig mit der Zunge schnalzend. Sie ging. -„Komm, mein Sohn," sagte Reb Rephoel, als sie sich entfernt hatte. „Ich will Dich segnen," Max beugte sein Haupt, und der Alte legte seine zitternden Hände darauf, einige Bibelverse flüsternd. „Der Herr behüte Dich, vor allem Bösen behüte er Dein Leben. Dev Herr behüte Dein Gehen und Dein Kommen von nun an immerdar." . \: Max küßte seines Vaters Hand, in seinem Auge glänzte eine Thräne. als er. keines Wortes mächtig, sich entfernte. (Fortsetzung folgt.) Sprertzsaat. •' Sehr geehrter Herr Redakteur! «ährend des Chanukafestes wird es vielfach als Mangel empfunden, daß es von dem schönen Triumphliede „Moaus Zur" keine deutsche Uebersetzung giebt, welche in volksthümlichen Versen für Kinder von vier bis zehn Jahren in sangbarer Form die Geschehnisse von Chanuka darstellt. Diese Uebersetzung brauchte m. E. sich an den Text nicht so sehr eng anzuschließen, sondern könnte alles frei behandeln.. Sollte eine derartige Uebersetzung schon existiren, so.würde ich für den Nachweis sehr dankbar sein. Falls nicht, würde ich empfehlen, eine Konkurrenz auszuschreiben und die beiden besten Bearbeitungen zu pramiiren. Die Preise würden gewiß schnell von vielen Seiten zur Verfügung gestellt werden und ein Preisgericht unter Ihrer Führung, söhr geehrter Herr Redakteur, aus angesehenen Männern, welche für derartige Bestrebungen Berständniß und Neigung haben, sich leicht bilden. Bedingung müßte natürlich sein, daß die Verse nach der alten, allbekannten Melodie auch wirklich zu singen sind. In vorzüglicher Ergebenheit' - Hannover, 12. Dezember. Dr. Meyer, Rechtsanwalt.. * Geehrter Herr Redakteur! ie brachten im Leitartikel zu Nummer 49 dieser Zeitung eine Schilderung der Verhältnisse der jüdischen Gemeinden im „deutschen Osten", die, weil sie nur durch Hörensagen zu Ihrer Kennt«iß gelangt, der Wahrheit stark fern liegt. Wenn von den jüdischen Gemeinden im. deutschen Osten gesprochen wird, so ist ein gutes Stück davon in Ostpreußen mit inbegriffen, und da kann ich selbst wohl, der ich über -^7-Jahre in diesem Stück Osten amtire, einen besseren und tieferen Einblick in die dortigen diesbezüglichen Verhältnisse für mich in Anspruch nehmen. Wohl läßt die Stellung der Beamten, besonders, in den kleinen Gemeinden, auch hier manches zu wünschen übrig, aber wer wollte, behaupten, daß die Beamten im deutschen Westen besser daran sind und nicht auch unter der Misere zu leiden haben, die für diesen Stand eine allgemeine ist? Allein wir gehen noch weiter und sägen, daß die Beamten in unserer - Provinz hinsichtlich der Gehälter,' die sie beziehen, denen anderen Ortes weit -voranstehen. Man betrachte nur die Ausschreibungen bei vorhandenen Vakanzen in Westfalen, und

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