Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 60 (1896)
- Issue
- Heft 51 (18.12.1896)
- Date
- 1896-12-18
- Page
- Seite 608 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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608 Zweiter Tag. Herr Dr. Golds chmid t wünscht Auskunft darüber, welche Schritte.-; vom Vorstand gethan seien, um einen „ Gemeinde-Verband für den Bezirk Köslin" ins Leben zu rufen. Die zu diesem Zwecke gewählte^ Kommission, zu der auch Herr Dr. Goldschmidt gehört, vermochte bisher nicht, ihre Thätigkeit zu entfalten. Es soll nun an Stelle des Bezirksverbandes ein Provinzialverband der Gemeinden angestrebt werden, unkauch vor allen Dingen eine Schulinspektion ins Leben zu rufen. Es wurde beschlossen, das Borgehen der Gemeinde Stettin abzuwarten.; Sollten bis zum 1. Januar von Stettin aus keine Schritte zur Ber,-. wirklichung dieses Planes gethan sein, so werden die Gemeinden Köslin/ Stolp und Kolberg die Initiative hierzu ergreifen. ' Sollte aber auch' von dieser Seite bis zum 1. April nichts geschehen, so tritt die im vergangenen Jahre gewählte Kommission, bestehend aus den Herren: Vertreter der Gemeinden: Rechtsanwalt Jacoby -Stolp, Moses - Kolberg- Camminer-Neustettin, Lewenstein-Belgard, Jacob-Köslin und Salomon^ Schivelbein, sowie den Vertretern der Bec-mten: Dr. Josephsohn, Dr. Goldschmidt und dem Unterzeichneten, unverzüglich in Thätigkeit. H Als Ort der nächsten Konferenz wurde Stettin bestimmt, die genaue* Festsetzung des Tages dem Vorstände überlassen. Einen Vortrag aus der Methodik übernimmt Herr Roberg - Schlaue, die Lehrprobe Herr Katz-Naugard. i Zum Schluß unterbreitete der Unterzeichnete der Versammlung einen Antrag der Verlagsbuchhandlung M. W. Kaufmann-Leipzig. Es. wird beschlossen, den Kontrakt mit obiger Verlagsbuchhandlung ab^ zuschließen. \ Besonderer Dank sei nochmals der Gemeinde Köslin für ihr warmes Juteresse und für die herzliche Gastfreundschaft, welche sie dem Verein entgegengebracht, auch an dieser Stelle ausgesprochen. i Der „Verband der Mischen Lehrervereine" bewilligte dem. neuem „Provinzialverein für Pommern" 60 Mark Subvention, wofür wir; herzlichst danken. Zum Delegirten unseres Vereins für eine etwa statt-, i findende Versammlung des „Verbandes jüdischer Lehrervereine" rc. wurd^ Herr Dr. Goldschmidt gewählt. Nachdem der Unterzeichnete Namens' der Versammlung dem Vorsitzenden, Herrn Rabbiner Dr. Josephsohn, für die gute Leitung der Verhandlungen gedankt hatte, trennten sich die Mitglieder in froher Stimmung mit dem Rufe: „Auf Wiedersehen in Stettin!" Der Schriftführer: E. Mepe-r-Bütow.' Eine neue Bibel concordanz . Von Dr. H. Salomonson. " chon in den ältesten Zeiten hat sich das Bedürfniß nach einem Werke, das den ganzen Wortschatz des biblischen Schriftthums nach den Wurzeln geordnet genau zusammenstellt, fühlbar gemacht. Seit dem 13. Jahrhlindert haben verschiedene, vorzüglich mchtjüdische Gelehrte den Versuch unternommen, dieser mih gar. vielen Schwierigkeiten verbundenen Aufgabe Herr zu werden. Doch ist es erst Jsak Natan ben Kalonymos (um die Mitte des 15. Jahrhunderts) gelungen, eine für jene Zeit zum Theil brauch?, bare Concordauz herzustellen. In einer interessanten Einleitung, spricht sich der Verfasser über die Gründe aus, die ihn zu seinem Unternehmen veranlaßt hatten. Auch erfahren wir da, daß er es nicht gewagt, sich ganz allein an die Ausarbeitung seines Werkes'zw machen. Vielmehr hat er verschiedene Mitarbeiter beschäftigt und, um das Werk vollenden zu können, nur Substantiva und Verba ausgenommen, Nomina propria, Pronomina und Partikeln hingegen unberücksichtigt gelassen. Von litteraturhistorischer Bedeutung ist Jsak Natcms Concordanz auch deshalb, weil hier zum ersten Male die von christlichen Gelehrten herrührende Kapiteleintheilung der biblischen Schriften ihre Weihe erhielt. Auf dieser Concordanz beruhen die Arbeiten von Marius de Calqfio (1621) und Buxlorf (1632). Des Letzteren Werk legte John Taylor (1754) seiner Concordanz zu Grunde. j Ebenso hat Bär (1861) nur Buxtorf bearbeitet, aber auch Fürst benutzt, dessen'Werk wieder nichts anderes ist, als eine Bearbeitung der .vorhandenen. Werke auf diesem Gebiete. Außer Elia Levita, dessen Concordanz in zwei Handschriften (Paris und. München) sich erhalten hat'), und Dävidsohn, deffen Concordanz London 1876 erschienen ist, haben also alle Bearbeiter , der Concordanzen, die bis heute als Hilfsmittel für Theologen, Grammatiker und Exegeten. dienen, nur an der Verbesserung des ersten Werkes dieser Art gearbeitet. Und dennoch, oder vielmehr gerade deshalb,; sind sie alle mit Fehlern aller Art schwer behaftet. Die angebrachten Verbesserungen bestanden darin, daß manche fehlende Citate, welche die Bearbeiter gelegentlich verzeichnet haben, Aufnahme fanden. Hin- ' gegen sind andere Mängel stehen geblieben. In den heute meistens benutzten Concordanzen fehlen ca. 5000 Wörter, darunter manche, die für Grammatik und Lexikographie von großer Wichtigkeit sind! Die Angabe der Kapitel- und Verszahlen, sowie die der Bücher ist oft falsch. Manche, Wörter und Wortformen sind an unrichtige Stelle gerathen. Hier und da kommt es auch vor, daß nicht vorhandene Wortformen citirt, daß Nom. prop. als Nom. appelat. an- , geführt werden' u. s. w. 2) Ueberdies sind ja, wie bemerkt, nur Substantiva und Verba ausgenommen, was dem Forscher von heute nicht genügen kann. Für das Fehlen der Partikeln wollte Noldius (1734) in einer besonderen Partikelconcordanz einen Ersatz bieten, die aber auf Vollständigkeit keinen Anspruch machen kann. Eine Parü'kelconcordanz von Piorkowsky (1841) ist nur in Manuskript vorhanden?) Eine Concordanz der Nomina propria hat zuerst G. Brecher (1875) und dann-Schuslowitz (1878) verfaßt; beide sind inkorrekt und unvollständig. Was ich hier vorausgeschickt, soll nicht als ein Vorwurf, dessen Spitze sich gegen die älteren Bearbeiter der Concordanz kehrt, aufgefaßt werden. Ich könnte mich keiner unverzeihlicheren Undankbarkeit schuldig machen, als diese Absicht gehegt zu haben. Ihr Werk war unvollständig, weil jedes Werk, das Menschenhände zu Stande bringen, unvollständig sein muß. War es auch möglich, schon zu jener Zeit eine bessere Arbeit zu liefern, so ist es doch nur begreiflich, daß es im Laufe der Jahre, der Jahrhundertefür ein neues Geschlecht, dessen Wissenskreis ein viel weiterer ist, unbrauchbar geworden ist. Und auch den jüngeren Bearbeitern der biblischen Litteratur dürfen wir nicht vorwerfen, daß sie den Mangel einer modernen Arbeit, welche die alte ablösen sollte, nicht empfunden hätten. *) B. G oldberg hatte die Absicht, die Concordanz Levitas nach der Pariser Handschrift herauszugeben. Doch hat er nicht mehr als ein Heft (unter dem Titel Frankfurt a. M. 1875. IV u. 28 S.) edirt. 2) Die Fehler der alten Concordanzen hat Mandelkern in einer Schrift: „Die neubearbeitete hebräisch-chaldäische Bibelconcordanz" (Leipzig 1884) ausführlich besprochen. Mit Recht rügt dort Mandelkern auch, daß in der Ordnung der Bücher die dem Laien unbekannte, dem Gelehrten nicht ganz geläufige Aufeinanderfolge der Vulgata, nicht die der Masfora gewählt wurde. Die letztere kommt nür in dem Artikel HW den Fürst zum ersten Male ausgenommen, zur Geltung. Ein Beweis, daß Fürst diesen Mangel gefühlt, aber sich nicht die Mühe gegeben hat, ihm durch Umstellung abzuhelfen! 3) Das Mannskript, zwei starke Foliobände, befindet sich im Besitze der Verlagsbuchhandlung S. Calvary u. Co. in Berlin. Bergl. Brody's Zeitschrift für hebräische Bibliographie, I S. 111..