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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-12-18 · Heft 51 (18.12.1896) · p. Seite 606

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 51 (18.12.1896)
Date
1896-12-18
Page
Seite 606 (sequence 6)
Language
German
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wMm f:V Ifcr- 9. Sammlung und Bearbeitung -statistischen Materials urK ft Verbreitung.richtiger Kenntnisse von dem Wesen und der Geschichte des Judenthums. ' 'v; Man sieht, der Aufgabenkreis ist kein kleiner, und die Selbst- - beschränkung, die der Bund sich in dem Zusatz: Die Behandlung ft kultureller und ritueller Fragen, desgleichen die Erörterung politischer Gegenstände sind von der Thätigkeit des Bundes ausgeschlossen, auferlegt, ist eine berechtigte. . . Wie der Deutsch-Israelitische Gemeindebund diesen großen Auf-' ft . gilben gerecht zu werden versucht, ist aus allen seinen Publikationen, ft die jedem Interessenten gern zur Verfügung gestellt werden, zu ersehen. 'Im Allgemeinen kann man sagen, daß die Fürsorge für die Einführung und Erhaltung eines-würdigen Religionsunterrichtes, 5 für die Ausbildung und Unterstützung eines guten Lehrerstandes, die Sammlung und Bearbeitung statistischen Materials und Ver- 5 breitung.richtiger Kenntnisse von dem Wesen und der Geschichte . des Judenthums sowohl den größten materiellen Aufwand erfordern, als auch die Zeit und Kräfte der Mitarbeiter am meisten in Anspruch % nehmen. Voll und ganz wird der Ausschuß seine Aufgabe erst dann lösen können, wenn ihm größere materielle. Mittel von Seiten Derer . zur Verfügung gestellt werden, die erkennen, was dem -Judenthum - in Deutschland wahrhaft Roth thut, denn die materiellen Helfer werden auch ideelle Förderer sein. Nach Helfern steht sich der Gemeindebund um, er darf hoffen, in den zu begründenden Bezirksverbänden solche zu finden; sie werden die lokalen Schäden, die sich - voll der Centrale aus schwerer erkennen taffen, nicht nur entdecken, ' sondernmit geringerer Mühe, als man fürchtet, beseitigen können, - sie werden aber auch in großen allgemeinen Fragen die Centrale unterstützen, wie sie voll ihr Anregung und Förderung empfangen. Wenn 'die deutsche Judenschaft sich in der vorgeschlagenen Weise organisirt haben wird, dann wird sie aus dieser Thatsache allein . schon Selbstbewußtsein-und Kraft schöpfen; in wechselseitigem Zusammenarbeiten werden wir im Stande sein, dem Angriffe von außen zu spotten und die Schädenim Innern zu heilen. Die Gefahr von außen ist groß, das braucht Niemand gesagt zu werden, . die religiöse Noth im Innern ist größer, das haben wir versucht - denen, die es noch nicht wißen sollten, in den vorstehenden Ausführungen klar zu machen. 'Wo es aber gegen einen doppelten . Feind anzukämpfen gilt, da hilft nur Organisation, das hej^t Beseitigung der vielbeklagten Atomisirung. Darum ergeht nochmals an.die Gemeinden der Ruf : Schließet Euch nach räumlichen Bezirken zusammen, die in einer bereits vorhandenen Centrale ihre Spitze haben. Wenn das Judenthnm in Deutschland in seinem Be- . stände und in seiner inneren Entwickelung bedroht ist, so können ihm nicht Kantoren und Schächter aus Rußland helfen, es muß von jedem? seiner deutschen Bekenner verlangen, daß er in schwerer Stunde seine Pflicht erfülle! . Ans jüdische Krankenhaus;n Memel. ie geographische Lage unseres Ortes hat diesen von altersher zum naturgemäßen Handelscentrum und vordersten. Punkt des westlichen Europas für weite Streckeil eines von einer armen jüdischen Bevölkerung dicht, besetztem russischen Landstriches gemacht. Bei den vielfachen lebhaften -Handelsbeziehungen. mildem nahe gelegenen Rußland bestagd unvermeidlich von jeher ein MGer Zug von - Kranken, um bei . den hiesigen ' Aerzten Heilung zu suchen, darunter wohl der größte Theil völlig unbemittelte Menschen, welche hier in elenden Gelassen, in verlassenen Ställen kaum Obdach fanden.^- Diesen jammervollen Uebelständen abzuhelfenft ist im Jahre 1871 - aus Beiträgen deutscher Glaubensgenossen ein jüdischesMrankenhaus - hier errichtet worden und durch Spenden im WesentEtzn der hier - Handel treibenden russisch-jüdischen Kaufleute uuterhälten.. Seit bald. einem Menschenalter ist dieses eminent segensreich wirkende' Institut, eine Heilanstalt .für mittellose Kränke gewesen. Um das- Gedeihen- - des Werkes machte sich der frühere Arzt des Hauses, Herr Dr? Fürst (jetzt in Berlill), besonders wirksam. " ' - Das Haus aber, das dann zu diesem Zwecke als alt mngeschäfft'. / worden, erwies sich in den letzten Jahren namentlich'mlS^MkMmftft. mangelhaft/ dem hohen Maße des Heilwerkes bei Weitem nicht' ent-- sprechend. So sehr lagen die- Uebelstände im alten Hause zw Tage, daß in einem Jahresberichte Herr Medizinalrath Rath schreiben mußte: „Die elendesten Zustände herrschen im jüdischen Krankenhause : zu Memel." ' ' Da galt es nun, einem noch größeren Uebelstande abzuhelfen, für das bereits bestehende Institut ein neues, größeres Heim zu schaffen. , Auf Anregung des verdienstvollen Arztes des . Hauses, ' Herrn:.. Dr. Pindikowky, der mit hingebender Liberalität seit mehr denn: einem Jahrzehnt seine Funktion unentgeltlich; als.Ehrenamt versieht, gesellten sich zu den beiden ersten Mitbegründern des Hauses,. demrühmlichst bekannten Herrn Dr. Rülf und dem Senior unserer Gemeinde, Herrn Saul Bloch, einige angesehene- Männer -der' Initiative,, die vereint die edle Sachein die Hand nahmen und thatkräftig ans Werk gingen. Diesen voran der Vorsitzende im Vorstande der Synagogen - Gemeinde, Herr Bankier Leo pold. Alexander, der aus eigenen Mitteln einen großen Platz ankaufte und hochherzig dem jüdischen Krankenhause zur Bebauung zueignete.- Unter Mitwirkung auswärtiger einflußreicher Kreise ist in kurzer Zeit durch milde Sammlungen ein Fonds aufgebracht, ans. dem einneues Haus errichtet werden konnte. Angesichts des humanen- Zweckes der edlen Sache haben die hohen Behörden^ im Speziellen das hohe preußische Kriegsministerium, entgegen den bestehenden Bestimmungen, die Bebauung des Platzes gestattet, so daß Ende August 1895 die Grundsteinlegung sich vollzog.. Vor Beginn des Winters kam? der Rohbau unter Dach, und am 22. November dieses Jahres wurde das vollendete Haus seiner Bestimmung geweiht. Die Einweihung vollzog sich im Beisein der Spitzen der staatlichen und städtischen Verwaltungsbehörden und ging in dem erhebenden Bewußtsein von statten, ein edles .Werk jüdischer Wohlthätigkeit vollbracht zu haben. Der Vorsitzende des ganzem , Unternehmens, Herr Bankier Leopold Alexander, ergriff v das Wort zu einer sehr angemessenen Ansprache und übergab das fertiggestellte Haus an den Arzt des- Hauses, Herrn Dr. Pindikowsky. Darauf nahm Herr Dr. Pindikow s k y das Wort zu einer wohldurchdachten, trefflichen Rede, welche mit großem Beifall ausgenommen wurde, die Entstehungsgeschichte des Hanfes: darlegend. Alsdann folgte die Einweihung - und Einweihungsrede . des Rabbiners Herrn Dr. Rttlf, der ausführlich über die.Bedeutung des Unterstützungs- und Lieb'eswerkes in der israelitischen Religion sich verbreitete; er entwickelte ganz besonders im Anschluß an den Vers Psalm 41, 2, die Verdienstlichkeit der Krankenpflege zum Heile der Gesellschaft und zur Förderung eines frommen und glücklichen Lebens? Nach Beendigung wurde ein Rundgang vorgenommen durch-ftalleft- Räume des Hauses, welches in wahrhaft musterhafter Weise eingerichtet und mit allen Hilfsmitteln des modernen Heilverfahrens ausgestattet' ist. Ihrer hohen und. frohen Befriedigung ühexdas wohl-ft '^gelungene, trefflich ausgestattete jüdische ^Krankenhaus > gghen die<geladenen Gäste , yon den königlichen und städtischen. Pehßxdelr'in Herr. wsmsm

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