Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 60 (1896)
- Issue
- Heft 51 (18.12.1896)
- Date
- 1896-12-18
- Page
- Seite 602 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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2. Grabsteine, Botivtafeln/ Siegel u: s. w. 3. Trachten freiwillig ge-- ' wählte sowohl wie vorgeschriebene. . Alle Einsendungen sind an die Mitglieder des Komitees: Dr,M. Grunwald, Grindelallee 128^ cm Gustav Tuch, Große Allee 7 oder M. Deu.tschländer,. Hohe Bleichen 32, Hamburg zu richten. ' Die Henry Jönes-Loge übernimmt die Aufbewahrung bezw. Verwerthung des eingegangenen Stoffes,, gewissenhafte Rücksendung geliehener Sachen,-Ankauf der nöthigen Hilfsmittel und ertheilt gern Auskunft über den' Fortschritt des Unternehmens.. Auch zur Anlegung eines Archivseiner Bibliothek, eines Museums u. s. w. werden Geld-Beiträge mit Dank entgegengenommen. Die Namen der.Spender und'Mitarbeiter sowie alle wichtigeren Mittheilungen sollen, sobald der Vermögensstand es gestattetdurch den Druck veröffentlicht und den Betheiligten zugestellt werden.! Wir können das Unternehmen, das selbstverständlichmicht das Geringste mit zionistischen Träumereien gemeinsam hat, um des. Zweckes willen auf das Wärmste allen Kreisen empfehlen! -s Pie Woche erlin, 15. Dezember, rederholt schon haben antisemitische Abgeordnete im Reichstag .eine Fortsetzung der Konkursstatistik auch bezüglich der Religion der Konkursmacher verlangt. Unstreitig ein sehr überflüssiges Verlangen! Vielleicht interessirt die Herren Abgeordneten einstweilen die Konkursstatistik des judenreinen Königreichs 'Sachsen: Nach dem 14. Jahrgang (1893) des statistischen Jahrbuches für das Deutsche Reich wurden in diesem gesegneten Ländchen im Jahren zuvor 1098 Konkurse eröffnet, das heißt, es kommen auf 100 000/ Einwohner 30,4 Konkurse, während das Verhältniß im übrigen,' mehr oder minder verjudeten (?) deutschen Vaterlande sich-wie folgt stellte: im Königreich Preußen 12,3, in Bäiern 14,7 und im ganzen deutschen Reiche 15,3 Konkurse auf 100,000 Einwohner. Das judenreine Sachsen hat. also im Verhältniß noch einmal so viel Konkurse als das Deutsche Reich! Facta, loqmuitur! Die Berliner Ortsgruppe alter Burschenschafter hat eine Erklärung' beschlossen, welche die Resolution des Allgemeinen Deputirtenkonvents der deutschen Burschenschafter (Ä. D. C.) in Eisenach gegen die Aufnahme jüdischer Studenten als eine Ueberschreituntz der Kompetenz des A. D. C. bezeichnet, da dieser nach . § 3 seiner Ve'rfaffung sich jeder Einmischung in die Verfassung der einzelnen Burschenschaften und in ihre besonderen Prinzipien zu enthalten hat. Die Konsequenz hiervon ist, daß die A. D. C.-Resolution, unrichtig und unverbindlich ist, es also nach wie vor der einzelnen Burschenschaft überlassen bleiben muß, wie sie sich zur Aufnahme von Juden stellen will. Der Ausschuß wurde beauftragt, bis zur nächsten Monatsversammlung die Begründung dieser Erklärung vorzulegen, die sodann dem Vorort Hannover zugestellt wird, mit dem Ersuchen, sie den übrigen 75 Ortsgruppen zur Aeußerung bezw.' zum Anschluß mitzutheilen. Mittlerweile haben bereits die Berliner und ' Breslauer Ortsgruppen Erklärungen angenommen, welche die A. D. C.- Resolution als unvereinbar mit dem Geiste der Burschenschaft bezeichnen. In der Erklärung des Breslauer Vororts heißt es u. Ä.': Mir weisen den finsteren Geist der Unduldsamkeit, welcher den altgeheiligten Grundsätzen' der Burschenschaften Hohn spricht und die ch Bande ' innigere Freundschaft unter . den : Bundesbrüdern verschiedener Konfessionen zu zerreißen sucht, zurück. Dieser Geist mißachtet die Freiheit und Gleichberechtigung aller Bürger, verletzt die - Ehre der ' Kommilitonen und widerstreitet dem Bäterlandssinn : Gin Beharren aus jenem Beschluß muß zur Trennung „alter" und „aktiver" Burschenschafter führen. Das Ansehen und die Ehre, dtzr deutschen Burschenschafter' verlangt daher, daß jener Beschluß alsbald beseitigt und die gefährdete Eintracht wieder hergestellt wird durch ein einmüthiges, rückhaltloses Bekennen zu dem Geiste ■, vorurtheilsloser Duldsamkeit, welcher immerdar die Zierde und der Stolz der Burschenschaften bleiben muß." .* Das soeben zur Ausgabe gelangte dritte Heft des 45. Bandes der österreichischen Statistik enthält die Ergebnisse der Strafrechtspflege während des Jahres 1893. Uns interessirt natürlich nur der Antheil, den die österreichischen' Juden an dieser Statistik haben, und zwar gerade jetzt umsomehr, als eine lebhafte Hetze in neuester Zeit gegen die galizischen und ungarischen Juden, welche sich in 'Preußen aüfhalten, ins Werk gesetzt worden ist, die viel Schrecken anzurichten- und selbst auf: die Anschauungen jüdischer Kreise zu reflektiren droht. Nun denn, die österreichischen Juden dürfen mit Stolz auf die Ergebnisse dieser amtlichen Veröffentlichungen sehen, und die viel geschmähten galizischen Juden haben noch mehr Grund zu diesem, Stolz als die anderer Provinzen der Nächbarmonarchie. Die Zahl aller Verbrechen ist von 30867 auf 28498, d. h. um ca. 7 pCt., gefallen, die der bestraften jüdischen Verbrecher von 1157 auf 1012, d. h. um ca. 13 pCt., zurück gegangen. Da die Juden 4,8 pCt. der ganzen Bevölkerung des österreichischen Staates ausmachen, so hätten nach /der Seelenzahl auf sie 1349 Bestrafungen entfallen sollen; es tvaren aber nur 1012, also um ein Viertel'weniger, als zu erwarten war, oder statt 4,8 pCt.' (wie bei der Bevölkerung), bei den Verbrechen nur 3,6 pCt. Wenden wir uns nun zu den galizischen Juden speziell, so finden wir folgende Ziffern : Bestrafungen wegen Verbrechen überhaupt: Rückgang.: 1892: 8112, 1893: 6943. 14Vs PCt. Galizische Juden bestraft: Rückgang:; 1892: 773, 1893: 628. 19 PCt: .Ferner : Bestrafungen wegen Verbrechen in Galizien überhaupt 1893 sind 6943, da nun die Juden in Galizien 11 Vs PCt. der Bevölkerung bilden, würden auf sie 788 Fälle kommen, da aber nur 628 bestraft sind, so ist bei den Juden in Galizien der Stand der Kriminalität viel günstiger als bei den Nichtjuden. Aber auch gegenüber den Israeliten der anderen Provinzen Oesterreichs trifft dasselbe zu, wie aus der.folgenden Gegenüberstellung hervorgeht: 1893 wurden in Oesterreich bestraft im Ganzen 1012 Juden wegen Verbrechen; da nun 69 pCt. .der Israeliten dieses Staates auf Galizien entfallen, so konnte man erwarten, daß auf die 69 PCt. der Seelenzahl auch 69 pCt. der Bestrafungen kommen würden, also 698 Fälle. Dies ist aber nicht richtig, es sind nur 628, d. h. 10 PCt. weniger, oder, mit anderen Worten, die galizischen Juden stehen noch um. etwas bester als die Juden der. anderen Provinzen Oesterreichs, die ihrerseits wiederum viel besser stehen als die Nichtjuden.; Auch noch nach einer anderen Richtung sind' die amtlichen Zahlen eine Ehrenrettung für die geschmähten Juden. Diese sind bekanntlich in einigen Delikten ungünstiger gestellt als die Nichtjuden, nämlich der sogenannten kaufmännischen. Es ist nun aber nachzuweisen, daß die christlichen Käufleute in viel höherem Prozentsätze bestraft werden als die jüdischen, was folgende Tabelle bei einem den Juden gerade besonders, oft zur Last, gelegten Vergehen zeigt: