Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 60 (1896)
- Issue
- Heft 50 (11.12.1896)
- Date
- 1896-12-11
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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3 Borstande des Provinzialvereins zu Danzig an. — Im laufenden .Etatsjahr wurden in Wre scheu zur Unterhaltung des Aufwandes für die dortige zweiklassige jüdische Volksschule 55 Prozent der Einkommensteuer erhoben. — In Ostrowo ist unter Leitung des Rabbiners Dr. Pleßner, ein Jugendgottesdieust eingeführt worden, bei dem sich in dankenswerther Weise der Vorsitzende der dortigen Mißaßkimvereinigung und des Beth-Hamidraschs, Kaufmann Daniel'Hartmann, durch Leitung des Gottesdienstes und Vorlesen aus der Thora in uneigennützigster Weise nützlich.macht. — Am 11.'v. M. verstarb in Posen nach vollendetem 84. Lebensjahre der pensionirte Kümmerer Alexander Hirschfeld aus Schwersenz. Derselbe sungirte in letzterer israelitischen Gemeinde als Syndikus und Kassenwart und war nicht nur ein pflichttreuer Beamter, sondern auch ein gewissenhafter Berather in jenem Gemeindewesen. — Die Vertretung der Synagogengemeinde in Adelnau beabsichtigt/ ihre schulpflichtigen Kinder aus der evangelischen Schule daselbst auszuschulen und eine eigene Anstalt zu errichten. — Nach dem Jahresbericht der jüngsten Generalversammlung des israelitischen Holzvertheilungsvereins in Ostrowo hatte derselbe im letzten Jahre eine Einnahme von 659,74 Mark und eine Ausgabe von 587,10 Mark zu verzeichnen. Von letzterem Betrage wurde der grüße Theil für Kohlen an Arme verausgabt. Die Einnahme setzt sich hauptsächlich aus Mitgliederbeiträgeu und Spenden aller Art zusammen. Der Verein zählt jetzt 71 Mitglieder. Bei der erfolgten Vorstandswahl wurden für die Dauer von drei Jahren die Herren königlicher Kommissionsrath Goldftein, Rentier Sina Holzmann, Kaufmann Arnold Pilz und Kaufmann Elkan Friedländer gewählt. Zu Revistonskommifsarien wurden die Kaufleute Salomon Unger und Isidor Skaller bestimmt. W. Breslau, 1. Dezember. Behufs der am 11. d. Mts. hierorts vorzunehmenden Repräsentantenwahlen wurden vom „liberalen Wahlkomitee der jüdischen Gemeinde" wie vom neu gegründeten „Verein für die Interessen der Gemeindemitglieder" Versammlungen abgehalten, in denen von jeder Partei je 11 Kandidaten ausgestellt wurden. In der ersten dieser Versammlungen, die der Führer der Breslauer Liberalen, Herr Kaufmann H. Haber, leitete, inachte er zunächst die Anwesenden damit bekannt, daß durch die maßlosen Angriffe eines hiesigen Blattes, das mit dem neu gegründeten Verein in näherer Beziehung stände, Unfrieden in die Gemeinde gesät sei. Unter dem großen Beifall der Versammlung entkräftigte Redner in ausführlichster Weise die gegen den Vorstand und die Repräsentanten der Gemeinde daselbst vorgebrachten Beschuldigungen wegen Jnteressenlosigkeit für die von ihnen übernommenen Aemter. Vor allem aber unterwarf er den neuen Verein einer strengen Kritik, indem er bewies, daß man vollkommen zur Annahme berechtigt sei, daß er streng orthodoxen Tendenzen huldige, zumal da alle Behauptungen, die sich gegen die liberale Strömung in der Gemeinde richteten, in jenem Blatte wiederzufinden seien und der Redakteur selbst zum Vorstand des Vereins gehöre. Nach ihm ging Amtsgerichtsrath Wollstein, ein Mitglied des Synagogenvorstandes, mit jenen Herren streng ins Gericht und bewies an der Hand von Zahlen, daß die dem Vorstand zur Last gelegten allzu hohen Ausgaben auf Erfindung beruhten, daß ferner die von der Gegenströmung angeführten Behauptungen nichtig wären, und sprach zum Schlüsse die Hoffnung aus, daß die Gemeindemitglieder, die durch die neuesten Vorkommnisse der Gemeindeverwaltung entfremdet worden wären, den Vorstandsmitgliedern und Repräsentanten das Vertrauen schenken werden, daß sie zum Wohls.der Gemeinde ihr Bestes thun. Rechtsanwalt Dr. Kempner erklärte hierauf im Namen des neuen Vereins, daß derselbe zu jenem Blatte in keinerlei Verbindung stände und daß der Redakteur desselben bereits veranlaßt worden wäre, aus dem Vereine anszuscheiden. Der Verein wollte den Frieden in der Gemeinde durchaus nicht stören, da sogar einige von den bisherigen Repräsentanten auch von ihm als Kandidaten aufgestellt wurden. In der zweiten vom neuen Verein abgehaltenen Versammlung protestirte Rechtsanwalt Dr. Kempner vor allem dagegen, daß der Redakteur jenes Blattes auch nur im Entferntesten im Zusammenhänge mit dem Verein stände, da es ihm nur schaden könnte. Auch hier wurden 11 Kandidaten aufgestellt, unter ihnen Professor Badt, Dr. Kempner, Kaufmann Theodor Oschinsky. Daß nach solchen Kämpfen aller Augen mit Spannung der Entscheidung entgegensetzen, ist wohl selbstverständlich. W. Bernstadt i. Schl., 8. Dezember. Der hiesige israelitische Krankenpflege- und Beerdigungsverein beging Sonntag den h. Dezember die Feier seines 100 jährigen Bestehens. Hundert Jahre im selbstlosen Dienste der Kranken und Bedrängten, wahrlich ein hehres Ziel menschenwürdigen Strebens!. Von der ursprünglich geplanten allgemeinen Feier ist Abstand genommen worden und fand nur für die Mitglieder und deren Angehörige eine Festtafel mit dramatischen Darstellungen und einem Ball statt. 8. B. Lobsens, 4. Dezember. Ein seltenes Fest wurde heute in unserer Gemeinde gefeiert. Der Synagogendiener Herr Lachmann Sänger beging heute in voller Kraft des Körpers und Frische des Geistes seinen achtzigsten Geburtstag. Bereits am frühen Morgen beglückwünschten ihn die Vertreter der Gemeinde, der Vorstand und die Repräsentanten nach einer Ansprache seitens des Vorsitzenden der Repräsentanten, Herrn Hirschberg, unter Ueberreichung eines kostbaren Regulators. Im Lause des Tages erschienen sämmtliche Gemeindemitglieder und brachten ihre Glückwünsche, theils mit Geschenken begleitet, dar. Aus Nah und Fern kamen Depeschen und Briefe, die von der Hochschätzung zeugten, mit welcher man dem Jubilar begegnete. Am Abend fand eine solenne Festtafel mit ernsten und humoristischen Toasten zu Ehren des Gefeierten statt, zu der der Jubilar alle Gemeindemitglieder selbst eingeladen hatte. Das ganze Fest war ein sehr schönes und würdiges. X. Hannover, 3. Dezember. Der Vorstand des Vereins zur Beförderung des Handwerks unter den Inden in der Provinz Hannover veröffentlicht einen sehr eingehenden Bericht über die Thätigkeit des Vereins in den Jahren 1894 bis 1896. Erfreulich ist es, daß in der abgelaufenen Periode nicht nur die Zahl der Vereinsmitglieder von 118 auf 366 gewachsen ist, sondern daß auch das Interesse seitens der Mitglieder durch Vorstellungen, Wünsche und zum Theil Beschwerden (?) in gesteigertem Maße bethätigt worden. Die Gesammteinnahme dieser drei Jahre, die sich aus Beiträgen der Mitglieder, den Zinsen des sich auf ca. 14 540 Mark belaufenden Vermögens, dem Eingang aus bewilligten Darlehen, aus Spenden in der Synagoge, Legaten und Geschenken zusammensetzt, betrug 10931,78 Mark. Unter den Legaten sind besonders 250 Mark ständiger Rente aus der Jakob Leffmann Eohen'schen Stiftung als Vermächtniß des weiland Dr. Moritz Cohen, der im Jahre 1834 Mitbegründer des Vereins war, hervorzuheben, sowie unter den Zuwendungen die reichen Gaben, welche von den Söhnen des weiland Königlichen Geheimen Kommerzienraths L. E. Meyer alljährlich an dem Jahrzeitstage dieses trefflichen, dem Vereine stets wohlgesinnten Mannes zu Prämien für Lehrlinge mff guter Führung überwiesen werden. Herr Alfred Gans zu Paris spendete aus Anlaß des Ablebens seines Vaters, des Herrn Jakob Gans der seit 1882 Vorsitzender des Vereins gewesen war und die Interessen desselben stets mit hingebendem Eifer gefördert hat, 100 Mark, und dieselbe Summe gab Herr Kommerzienrath Gottfried Herzfeld anläßlich der Feier seiner silbernen Hochzeit. Die Gesammtausgabe an Bewilligungen für Lehrlinge betrug 6859,52 Mark, und zwar wurden unterstützt: 7 Buchbinder, 9 Schneider, 7 Schlachter, 8 Uhrmacher, 11 Schlosser, 3 Goldschmiede, 17 Klempner, 8 Sattler, 13 Maler, 1 Bürstenmacher, ,6 Friseure, 5 Glaser, 1 Kürschner, 2 Schuhmacher, 1 Cigarrenschneider, 4 Tapezier, 3 Mechaniker, 2 Photographen, 12 Tischler und Stellmacher, im Ganzen 122. Wir haben die gewählten Handwerke einzeln aufgeführt, um hierdurch den Beweis zu erbringen, daß eine größere Anzahl Knaben sich solchen Handwerken zugewandt hat, welche körperliche Kraft und Gewandtheit erfordern, wie Tischler, Schlosser und Stellmacher. Der Verein gewährt außerdem würdigen und bedürftigen Handwerksmeistern zinslose Darlehen, welche in monatlichen Raten rückzahlbar sind, und durch welche es schon vielen strebsamen Meistern ermöglicht wurde, über schlimme Lagen fortzukommen. Nicht unerwähnt wollen wir das freundliche Entgegenkommen der hiesigen Tischlerinnung beim Einschreiben zweier vom Verein untergebrachten Lehrlinge lassen, und die beachtenswerthe Mittheilung, daß einige unserer verdientesten und angesehensten Lehrer in kleineren Synagogengemeinden unserer Provinz mehrere ihrer Söhne nach einander dem Handwerk zugeführt haben. Mit Recht sagt der Bericht „Wir halten diese Propaganda der That für ein wirksames Mittel, in weiteren Kreisen Berständniß für die Zwecke und Ziele unseres Vereins — und wir fügen hinzu, aller gleichstrebenden Vereine und Veranstaltungen — zu erwecken."