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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-12-11 · Heft 50 (11.12.1896) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 50 (11.12.1896)
Date
1896-12-11
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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ebensolchem Schmerz beklagt, wie von den Vertretern der Wissenschaft, der er sein Leben geweiht hat. Vielleicht den schmerzlichsten Verlust hat aber die große Schaar seiner Freunde, zu denen sich auch der Redakteur d. Bl. zählen durfte, erlitten; Buka war der zuverlässigste Freund, ein fester Charakter, auf den man in allen Lagen zählen konnte, ein lebensfroher, wahrhaft edler Mensch. Die Lücke, die sein Tod gerissen, wird nie ausgefüllt werden. — Die Beerdigung des Verblichenen fand am 7. d. M. unter außerordentlicher Betheiligung aller Streife statt. Das Charlottenburger Realgymnasium hat alle Schüler von der Tertia bis zur Prima, deren Ordinarius B. war, das Polytechnikum sämmtlicher Verbindungen und Vereine in Wichs und mit ihren Fahnen entsandt. In der Leichenhalle hielt zuerst Herr Rabbiner Dr. May bäum eine ausgezeichnete Gedenkrede auf den Heimgegangenen, sodann widmete der Direktor des Realgymnasiums Dr. Hubatsch „dem Lehrer und Freunde" einen warmen und innigen Nachruf, worauf der Schülerchor der Anstalt ein Lied intonirte. Zum Schluß sprach der Rektor des Polytechnikums Geheimrath Prof. Hauck in herzlicher Anerkennung von der wissenschaftlichen Bedeutung Buka's. Alle aber war einig in der Würdigung dieses Mannes, -seines lauteren Charakters, seines seltenen Idealismus und seiner hohen Begeisterung für die Wissenschaft. Darum wird auch sein Andenken fortleben in dem Kreise, den er in seinem Leben überreich ausgefüllt. Have pia aivima! Berlin, 8. Dezember. Aus den Litteraturvereinen: In Frankfurt a. M. sprach Herr Rabbiner Dr. Cohn aus Jchenhausen über „Faust im jüdischen Schriftthum" und in Marburg über „Rabi Jochanan ben Sakkai", in H amburg Professor Dr. Philippson über das Berhältniß des großen Kurfürsten zu den Juden, in Ratibor Dozent Dr. M. Brann aus Breslau über den Antheil der Juden an den Erfindungen und Entdeckungen des 13. Jahrhunderts, in Lissa Rabbiner Dr. Rippner über die Stellung Herders zu Bibel und Judenthum, in Tilsit Rabbiner Dr. Silber stein aus Elbing über Shylock und sein Urbild, in Schildberg Rabbiner Dr. Bamberger über die Judenprivilegien der polnischen Könige. — Aus Neisse wird über die Generalversammlung berichtet, daß an Stelle des früheren, plötzlich verstorbenen und allgemein betrauerten Rendanten Dr. med. Brieger Herr Kaufmann Julius Hahn neu gewählt wurde, während die üb.rigen Mitglieder des Vorstandes in ihren Aemtern verblieben. Es sind dies die Herren: Landgerichtsrath Dr. Borchert, Prediger Ellguther, Kaufmann Sorauer und Zahnarzt Berger. Zu Revisoren wurden die Herren Elkan und Loewkowite ernannt. Die Kasse wies einen Baarbestand von 230 Mark auf. Die Bibliothek, die bereits 430 Bände besitzt, wurde fleißig benutzt; Vorträge hielten Herr Berbandssekretär Albert Katz über Lord Byrons hebräische Melodien und Herr Zahnarzt Berger über Napoleon I. und die Juden. — Aus Schneidemühl meldet man uns, daß in der Generalversammlung am 6. an Stelle des um den Verein hochverdienten Herrn Herz Berliner, der sein Amt aus Gesundheitsrücksichten niedergelegt hatte, Dr. med. Mislowitzer zum ersten Vorsitzenden gewählt wurde. An Stelle des bisherigen Schriftführers wurde Herr I. .Edel in den Vorstand gewählt. Vorträge wurden gehalten von Herrn Rabbiner M. Brann über Karl d. G. und die Juden in Deutschland, von Dr. Freund über die Juden und die Kreuzzüge, von Lehrer Lehmann über die Arbeit in Bibel und Talmud. — Aus Brandenburg a. H. wird geschrieben: In der konstituirenden Versammlung wurde als 1. Vorsitzender Dr. med. A. Sittner und als 2. Vorsitzender Rabbiner Dr. Ackermann gewählt. Es zeigt sich auch hier große Begeisterung für^die^Sache und wird wohl die ganze Gemeinde dem Verein beitreten. — Neue Litteraturvereine sind in Vorbereitung in Würzburg und inIMemel. z. Berlin, 9. Dezember. Gestern Abend fand in dem kleinen Saale der Viktoriabrauerei, Lützowstraße 111/112, eine Versammlung des Liberalen Vereins für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde statt. Der Vorsitzende, Dr. Simon, eröffnet mit einer kurzen Ansprache die Versammlung und widmet dem am Montag zur ewigen Ruhe gebetteten Professor Buka, dessen Verdienste um die Bestrebungen des Liberalen Vereins noch aus der letzten Wahlbewegung in Aller Erinnerung sein dürften, einen warmen Nachruf. Die Versammelten erheben sich zu Ehren des Verblichenen von ihren Sitzen. Hierauf behandelt Oberlehrer Dr. Bl asch ke in einem ausführlichen Referat das Thema: Durch welche Mittel sind die Mißstände an den .höheren Mädchenschulen in Berlin zu beseitigen. Er bestreitet' nicht, daß die herrschenden Mißstände in einigen Privatschulen in Berlin IV. auf Wahrheit beruhen, aber er widerlegt den Plan, daß die Gründung einer speziell jüdischen Schule ein geeignetes Mittel wäre, diesen Mißständen abzuhelfen. In der hierauf folgenden Diskussion bemerkt zunächst Dr. Simon, daß er die Gründung einer jüdischen Mädchenschule im Westen als einen Rückschritt bezeichnen müsse. Wenn einige Schulvorsteherinnen sich weigern, für die ihre Schule besuchenden jüdischen Mädchen jüdischen Religionsunterricht einzuführen, so sei das Motiv dafür hauptsächlich in der Geldfrage zu suchen. Würde man ihnen die Mittel für den Religionsunterricht zur Verfügung stellen, so würden sie diesen zweifellos in ihre Schulen einführen. Rektor Adler entwickelt ein genaues Bild der Schulverhältnksse. Er spricht sich für die Gründung einer jüdischen Mädchenschule im Westen nicht aus, aber er meint, man müsse doch Mittel und Wege finden, Mißftände, die geeignet sind, unsere Kinder dem jüdischen Geist zu entfremden, zu beseitigen. Justizrath Makower mißt der Sache keine besondere Bedeutung, bei. Wenn eine Schulvorsteherin jüdische Schülerinnen nicht aufnehmen wolle, so sei es allerdings zu beklagen, aber das böte noch keinen Grund, daß wir uns absonderten und eine eigene Schule gründeten. Ferner betheiligten sich an der Debatte: Bezirks-Vorsteher Heymann Apotheker Löwenstein, Boas, Lehrer Remak, Flanter und Hofstädt. Zum Schluß gelangt einstimmig nachstehende Resolution zur Annahme: 1. Die Errichtung einer jüdischen Töchterschule ist ans politischen und pädagogischen Gründen zu verwerfen. 2. Der Vorstand der jüdischen Gemeinde ist zu ersuchen, auf die Einführung des jüdischen Religionsunterrichtes bei denjenigen hiesigen staatlichen und privaten höheren Töchterschulen hinzuwirken, an denen eine entsprechende Anzahl jüdischer Schülerinnen vorhanden ist. L2 Berlin, 8.Dezember. Jneinem interessanten Erbschaftsstreit hat jetzt das Reichsgericht das letzte Wort gesprochen. Erblasser war ein gewisser Daniel Leiser. Sein Testament ist mit Erfolg angegriffen worden, weil nachgewiesen wurde, daß der Erblasser zur Zeit der Errichtung des Testaments nur seinen Namen, im Uebrigen aber deutsche Schrift weder habe lesen noch schreiben können. Das Reichsgericht hat in Uebereinstimmuug mit dem Vorderrichter auf Grund der Formvorschristen des Allg. L.-R., die in diesem Falle anzuwenden waren, das Testament mit Rücksicht auf die erwähnte Thatsache für ungiltig erklärt. Der Testirende, so sagt das Reichsgericht, muß sich selbst zu überzeugen im Stande sein, daß sein Wille den richtigen schriftlichen Ausdruck gefunden hat. Dies ergebe sich aus der Bestimmung des § 113 Th. 1 Tit. 12 Allg. L.-R., nach welchem Blinde, des Lesens und Schreibens Unerfahrene, ingleichen solche Personen, die an den Händen gelähmt oder deren beraubt sind, nur mündlich zu Protokoll testiren können. Die Ansicht des preußischen Obertribunals, daß dieser § 113 auf Personen, die lediglich ihren Namen schreiben können, keine Anwendung finde, sei falsch. Kp. Ans der Provinz Posen, im Dezember. Im vorigen Monat feierte in Schwersenz das Marcus Hechtsche Ehepaar seine goldene Hochzeit. Aus diesem Anlasse wurden dem greisen Jubelpaare, das noch seine volle Rüstigkeit besitzt und sich allgemeiner Achtung erfreut, vielfache Ovationen von Nah und Fern dargebracht. Auch der Magistrat und die Stadtverordneten der Stadt Schwersenz sahen sich veranlaßt, das Jubelpaar zu beglückwünschen. — In Schildberg hat sich kürzlich unter Leitung des Rabbiners Dr. Bamberger ein Litteraturverein gebildet. — Rechtsanwalt Friedländer in Charlottenburg hat jüngst anläßlich des Ablebens seiner Mutter seiner Heimathgemeinde Ostrowo einen Betrag von 300 Mark, behufs Unterstützung von jüdischen Armen, insbesondere Wittwen überwiesen. — Vor Kurzem starb die Mutter des Beigeordneten und Fabrikbesitzers Goldfarb in Preußisch-Stargard. Die Verstorbene hat eine lange Reihe von Jahren dem Vaterländischen Frauenverein und dem israelitischen Frauenverein daselbst als Vorstandsmitglied angehört und die Zwecke dieser^ sowie anderer wohlthätigen Vereine mit opferwilligem Sinn gefördert. Im Kriegsjahre 1870/71 wurde ihr die Kriegsdenkmünze für Nichtkombattanten verliehen, wegen ihrer hervorragendsten Verdienste um die Pflege der. im Felde verwundeten Krieger. In letzter Zeit war sie Ehrenvorsitzende des dortigen Vaterländischen Frauen-Zweigvereins und gehörte als Mitglied deni

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