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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-12-11 · Heft 50 (11.12.1896) · p. Seite 600

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 50 (11.12.1896)
Date
1896-12-11
Page
Seite 600 (sequence 12)
Language
German
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600 tHeilung entgegenhalten und stelle Ihnen demnach anheim,' von derselben beliebigen Gebrauch zumachen. . & Mit der Drucklegung meines „ Jahrbuch für . . . 5§18" war, Ende -1 April 1857 begonnen worden. Als Beitrag für dasselbe hatte Bernstein, damals' litterarisch sehr stark beschäftigt, mir nur eine kurze, keinen vollen Druckbogen umfassende Abhandlung in Aussicht ‘ gestellt, die er : über ein statistisches Thema zu schreiben beabsichtigte. Später es war während der. Pfingstfesttage — ward er jedoch anderen Sinnes und entschloß sich zu einem größeren novellistischen Beitrage: zu „Vögele der Maggid". Diesen Entschluß faßte erberst, als ich ihm von einer Verlegenheit erzählte, in welche ich dadurch gerathen war, daß ich eine mir von anderer Sdite zugeschickte Novelle, für welche ein beträchtlicher Raum im Jahrbuche reservirt war, aus gewichtigen Gründen dem Verfasser zurückschicken mußte. Lediglich um mir aus der allerdings peinlichen Verlegenheit zu helfen, griff aber mein verewigter genialer Freund auch unverweilt zur Feder und arbeitete mit so hingebungsvollem Eifer, daß die völlig neue Dichtung nach Verlauf von zwölf Tagen beendet war. Während dieser Zeit wurde, wie noch betont werden muß, das Manuskript Blatt für Blatt mir von Bernstein ausgehändigt und von mir sogleich nach der Druckerei befördert. Die seiner ersten Novelle von so vielen Seiten gezollte Anerkennung regte den Dichter zu der zweiten an, die unter dem Titel: „Mendel Gibbor" in meinem „Jahrbuche für . . . 5619" erschien. Jetzt drängten die Verhältnisse nicht so sehr, und vollbrachte Bernstein, sich mehr Muße als im Vorjahre gönnend, sein Werk in dem immerhin nur kurzen Zeitraum von nicht, vollen vier Wochen. Auch diesmal handelte es sich übrigens um ein ganz neues Manuskript, das ebenso, wie das vorjährige, der Druckerei blattweise zugestellt wurde. Das ist die Entstehungsgeschichte der beiden Bernsteinschen Novellen. Was sonst über dieselbe gefabelt wird, ist eben — Fabel. Ihr hochachtungsvoll ergebener Berlin, 2. Dezember. PH. Wertheim. Sehr geehrter Herr! f er. interessante Aufsatz des Herrn Becker über Hofprediger Frommel und das Judenthum redet zum Schluß von einer „gesellschaftlichen Aechtung, unter welcher unsere jüdischen Gymnasiasten bei ihren Kommilitonen stehen". Herr B. würde nicht so schreiben, wenn er nicht selbst böse Erfahrungen gemacht härte. Aber wenn solche Urtheile und Mittheilungen ohne Widerspruch bleiben, so erwecken sie bei Lesern im Auslande den Eindruck, daß es überall so schlimm steht. Das ist nun keineswegs der Fall. Referent lebt in einem Orte, in welchem ein katholisches und evangelisches Gymnasium besteht; im katholischen Gymnasium hat sich fast nie, im evangelischen Gymnasium schon seit langen Jahren keine Spur von Antisemitismus gezeigt. Die Schüler des evangelischen Gymnasiums, meist Söhne von Beamten und Militärs, sind im Verkehr zurückhaltend, am katholischen Gymnasium besteht eine herzliche Eintracht zwischen allen Schülern, von öeueu eine große Zahl unter der Aufsicht des Religionslehrers in einem Konvikt erzogen werden. Vornehme Jungen von altem Adel verkehren in der harmlosesten Weise mit ihren jüdischen Genossen; Lehrer und Schüler sind durchaus frei -von dem Gifte des Judenhasses. Dabei ist das gesellschaftliche Leben in der Stadt stark antisemitisch infizirt. Z. in K. * Sehr geehrter Herr Doktor! ^^eit 1836 bin ich Leser der „Zeitung des Judeuthums" und habe 60 Jahrgänge davon gebunden aufzuweisen. Dieser Lektüre verdanke ich den Antrieb zu meiner Petheiligung an der 1869 in Leipzig stattgefundenen Synode, um zugleich mein Interesse für einen Gemeinde- ,verband der deutschen Judenheit bethätigen zu können, was mir auch dadurch gelungen ist, daß der mir befreundete Herr Vorsteher Kohner seligen Andenkens auf meine Vorstellung hin die Mission von mir übernommen hat. Bon meinem Anträge ist er sehr angenehm überrascht worden, denn diese Sache war ihm neu. — Nach Schluß der Synode wurde zum Diner geschritten, und nach dessen Beendigung hielt Herr Kohner einen Vyrtrag,ffür. Gründung eines deutsch - israelitischen Gemein^ebundes/ -welcher sich Zes allgemeinen Beifalls der Tischgenossenschaft' erfreute. Ein großer Theil derselben fand sich zufolge der gleich stattgefundenen Bereinigung zur bezüglichen Gründung am folgenden Morgen in der Synagoge zur Berathung der Statuten und deren Feststellung zusammen, und so - wurde die Gründung einer verheißungsvollen Institution, herbeigeführtan welcher wir alle geholfen, aber die Initiative und erste Leitung ist von dem seligen Herrn..Kohner erfolgt, dem, das.bedeutendste Verdienst dieser Schöpfung gebührt, und nur bas Verdienst der Anregung kann und soll von mir in Anspruch genommen werden, wogegenich das Verdienst der Mitwirkung mit den übrigen anwesenden Herren theile,. da Herr Kohner wohl keine Veranlassung hatte, , sich über letzteres auszusprechen, und die Bescheidenheit nicht wollte, daß ich das offiziell bekundete. Dem seligen Herrn Nachod und später Herrn Geheimrath Dr. Kristeller -- habe ich von meinem Vorgehen Kenntniß zu. geben Veranlassung gehabt. Wenn dies nun dem Ausschüsse des D. I. G.-B. nicht bekannt war, so konnte derselbe Herrn Rechtsanwalt Lehmann, der sich auch als Ausschußmitglied vom Anfänge bis jetzt verdient gemacht hat, den Ursprung der Vundesschöpsung ans dem letzten Gemeindetage wohl zutrauen, und ich mache ihm keinen Vorwurf daraus, daß ich ihm als Anreger der Sache unbekannt geblieben bin.' Man kann es mir aber nicht verargen, wenn ich als Mann am Ziele nicht, mehr Lust habe, mein Licht unter den Scheffel zu stellen, und endlich für den gelten nnCC der ich bin! Hochachtungsvoll Stadtoldendorf, 19. November. , E. Rothschild. .. * Geehrter Herr Redakteur! § 32 des Statuts der hiesigen Chewra-Radischa lautet: „Es <I§ haben sich am Stiftungstage, dem 10. Tebeth, die Mitglieder zum Frühgottesdienste in der Synagoge einzufinden; die Nichterschienenen haben die im § 9 angegebene Strafe zu zahlen." Verträgt es sich mit den ethischen Lehren des Judenthums, durch eine solche Bestimmung einen moralischen Zwang auszuüben, und wäre es nicht an der Zeit, derartige Maßregeln aufzuheben? ' Ein Laie. Sehr geehrter Herr Redakteur! Hln Ihrem geschätzten Blatte vom 29. November er. meldet sich Herr <33 Kaim Pöllak zu Worte, um, anknüpfend an meine aus Abauj- Szanto datirte Notiz eine Behauptung, die in derselben gar nicht aufgestellt wurde, als Unwahrheit zu bezeichnen. Ich habe weder in der fraglichen Notiz, noch in meinen bisherigen Berichten die Rezeption unserer Religion dem Dr. Wilhelm Vazsonyi zugeschrieben, sondern ich habe immer auf jene von allen Parteischattirnngen anerkannten Verdienste hingewiesen, die sich der genannte Publizist als Initiator und Leiter der Rezeptionsbewegung erwarb, welche bekanntlich zu einem glänzenden Resultate führte. — Gestatten Sie mir noch die Bemerkung hinzuzufügen, daß es in den v ierziger Jahren noch keinen Kampf um die Rezipi.rung unserer Religion geben konnte, nachdem die Nothwendigkeit. einer solchen erst infolge der Mängel des im Jahre 1868 geschaffenen Emanzipalionsgesetzes, des nur die christlichen Konfessionen rezipirenden Gesetzartikels vom selben Jahre re. eintrat. Es wurden zwar in dem jüngsten Vierteljahrhundert einige schüchterne Versuche seitens der israelitischen Landeskanzlei gewagt, die aber ganz unbeachtet blieben. Erft die von Dr. Väzsonyi initiirte und mit großer Umsicht geleitete Bewegung führte. Dank der Unterstützung, aller kompetenten Faktoren, zum ersehnten Ziele. „Man kann die Ahle nicht im Sacke verbergen", lautet ein Sprichwort, welches besagen will, daß sich die Wahrheit nicht verbergen läßk, wenn sie Herr K. Polläk und Genossen auch noch so dicht verschleiern. Ihr ergebener , Budapest, 23. November. E. Blumgrund. Druck und Verlag.von Rudolf Mosse in Berlin. 7^. Verantwortlich für.die Redakrivir: A!ax Bauchwrtz in Berliir. ,

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