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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-12-11 · Heft 50 (11.12.1896) · p. Seite 593

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 50 (11.12.1896)
Date
1896-12-11
Page
Seite 593 (sequence 5)
Language
German
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mittag in der Tragheimer Gartenstcaße gelegenen Wohnung desselben ein feierlicher Gratulationsakt statt. Außer zahlreichen Verwandten und Bekannten, die ihre Glückwünsche darbrachten, erschien'eine aus dein Stadtrathe a. D. Herrn Krohne/ stellvertretendem Vorsteher der Stadtverordnetenversammlung Oderlehrer Noske. erstem Schriftführer der Versammlung und Bcauereibesitzer Rettig bestehenden Deputation, welche im Namen der Stadtverordnetenversammlung Herrn Dr. Rosenstock als ihrem Vorsteher gratulirte und gleichzeitig ein prachtvolles Album mit den Photographien der Mitglieder der städtischen Körperschaft als Angebinde überreichte. Der Herr Oberbürgermeister brachte alsdann im Namen des Magistrats Herrn Dr. Rosenstock seine Glückwünsche dar. Ebenso waren Deputationen der verschiedenen Vereine, denen Herr Dr. Rosenstock angehörte, zur Beglückwünschung erschienen. Ans Eydtknhnen schreibt man: Der hiesige Auswanderer- Verkehr hat infolge Einrichtung der Kontrol- . und Desinfektionsanstalten in. Insterburg und Tilsit erheblich nachgelassen. Früher waren sämmtliche Ausländer längs der Grenze >on hier bis Tilsit genöthigt, . behufs Kontrolle und Desinfektion ihrer Person und Sachen hierher zu kommen, jedoch jetzt ist infolge genannter Einrichtungen für die meisten Auswanderer solches nicht mehr nöthig. Während früher hier täglich 200 bis 300 Auswanderer seitens der Agenten nach Hamburg, Bremen und anderen Hafenstationeu expedirt wurden, stellt sich die tägliche Anzahl derselben jetzt kaum auf 20 bis 30 Personen. Am 29. Oktober fand in Gumbinnen die Vermahnung der Rekruten zur Eidesleistung statt. Es waren meist Berliner und Hamburger. Wie schon oft bei solcher Gelegenheit, trat auch diesmal. die kaum glaubliche Unkenntnis; auf religiösem Gebiete bei unserer lieben Jugend zu Tage. Wie wohl angebracht wären daher auch hier Fortbildungsschuleu, die das nicht in Vergessenheit gerathen lasten, was die Jugend beim Austritt aus der Schule an. diesbezüglichem Wissen mitnimmt. So lange dies aber nicht der Fall ist, kann es nicht. Wunder nehmen, daß die berufliche Thätigkeit. die später den ganzen Menschen für sich in Anspruch üsnunt, ein allmaliges "Erlöschen des in der Schule Gelernten herbeiführt, so daß mit der Kenutniß von dem Judenthum auch das Interesse für dasselbe ,zum bloßen Scheine sich gestaltet. Sogar jene blühende Schöpfung der Lltteraturvereine wird Hier machtlos, da ihr der Boden fehlt, auf welchem sie weiter bauen könnte. Man sollte meinen, daß es. den Großgemeinden nicht schwer werden könnte, mach dieser Richtung hin eine Fortbildungsschule zu schaffen, wenn auch schon die kleinen Gemeinden, wie auf vieles Andere, hierauf Verzicht leisten müßten, --Gs- Uir jüdischen Synagogen-Melodien. Bon B. Jacobsohn in Leipzig. III. n seiner mehrfach angezogenen Schrift „Der israelitische Gemeinde- ^gesäng" hat sich der Verfasser eingehend über d i e Bed eu tung. >d.es Gemeindegesanges verbreitet und könnte sich hier darauf beschränken, aus dieselbe hinzuweisen, wenn nicht eine Aeußerung des Professors.,Dr. Ludwig Stein in Bern, in seiner höchst interessa.nten Reisebeschreibung „Die Juden in Konstantinopel"), ihn zu einem kurzei. Zurückgreifen ans diesen Gegenstand aufforderte. Prof. 0 Siehe Nr. 1 der Allg. Zig. d. Judenth. 1896. Stein schildert da einen Rosch Haschanah-Gottesdienst der italienischen „"Schul" in Konstantinopel. Ausgefallen war ihm zunächst die zahlreiche Betheiligung der Jugend,' welche die Gebete fast durchweg „absang", was ans eine regelmäßige Theilnahme derselben am Gottesdienste schließen läßt. . ' .. Glückliche Verhältnisse, wo die Jugend regelmäßig dem Gottesdienste beiwohnen und die Gebete auswendig, sogar singend mitbeten kann! — Aber nicht nur die Jugend betheiligt sich dort gesanglich am Gottesdienste, sondern auch „das gefammte Publikum", d. h. die Gemeinde wirkt lautbetend und singend mit, oder, wie wir sagen würden, der Gemeindegesang bildet dort einen integrirenden Bestandthekl des Gottesdienstes. lieber diese Erscheinung nun, die Herrn Prof. Stein neu ist, äußert er sich dahin, daß die Mastenbetheiligung am gesanglichen Theile des Gottesdienstes „der Verinnerlichung des Gebetes seitens Einzelner hinderlich sein dürfte". „Wie soll aber auch der einzelne", so fragt Pros. Stein, „sich vom großen Strome der Singenden loslösend, zu innerer Sammlung und geschlossener Konzentrirung seiner religiösen Gefühle gelangen, wenn alles um ihn herum schreit und kreischt?" ' Nun, was dort im fernen Osten von Herrn Prof. Stein in einer sephardischen Synagoge gesunden ivorden, dürfte noch in anderen Ländern, Polen, Rußland, Galizien. Rumänien, Italien, selbst noch vereinzelt in der Provinz Posen anzutreffen sein. Ueberall nämlich,, wohin die religiöse Kultur noch iii^t gedrungen, da ist in der Gottes- Verehrung noch die mittelalterliche Form herrschend geblieben. Daß aber gerade bei den Sephardim eine ängstliche Abschließung gegen jeden Fortschritt wahrzunehmeu ist, hat seine historische Erklärung darin, daß dort die Erhaltung der Eigenart, rücksichtlich des Inhalts sowohl, als auch der Form, geheiligte Tradition, geworden. . Auch wir sind gegen alles Schreien und. Kreischen beim Gottesdienst, in Bezug auf. den Solovortrag des Chasan wie ans die Mitwirkung des Kahal, darum treten wir für den Gemeindegesang ■ ein; denn Herr Prof. Stein irrt, wenn er behauptet, „die gesangliche Betheillguttg des gesummten Publikums am- Gottesdienst sei der Vertiefung der religiösen Andacht keineswegs förderlich". Und' doch ' ist: es der Fall, wie es die Beobachtung und Erfahrung kehrt. Denn nur die lebendige,! aktive Theilnahme aller Beter bewirkt schon, nach dem Gesetze der Massenanziehung, eine gehobene, begeisterte Aildachtstimmuug', eine wahre Gemeindeandacht. Man braucht hierbei nicht einmal, auf die protestantische Kirche hinzuweisen, wo der Gemeindegesang einen inächtigen Faktor im Rahmen des Kultus bildet, sondern auf unsere Gebetsliturgie selbst, die, den Wechselgesang an unzähligen Stellen vorschreibt und fordert. ' " Die fortgesetzte Passivität der Gemeinde, wie sie von. unseren ersten Kultnsreformatoren. angestrebt worden ist, hat die erhoffte religiöse Verinnerlichung keineswegs bewirkt; die Menge ist, nicht festen durch strenge äußere Machtmittel, wohl zum Schweigen gebracht worden, aber der große Nachtheil, der hieraus der Synagoge, erwuchs, konnte von dem geringen Vortheil der äußeren Ruhe durchaus nicht.ausgewogen werden. Die lauten Mitbeter und Mitsänger^ haben dem Gottesdienste in der veränderten Gestaltung keinen Neig abgewinnen können und sich von ihm immer mehr serngehälten; selbst die" Predigt, die früher eine wesentliche Anziehung geboten, vermag nur Noch ein recht bescheidenes Hänfleim andächtiger Zuhörer anzulocken. ' ' , r Es kann hier nicht unsere Aufgabe sein, all' den mitwirkenden Ursachen für die eisige Kälte, welche sich: der Mehrzahl unserer Religionsgenossen dein Gottesdienste gegenüber^hemächtigt hat)''nach-. zuspüren, denn es wäre weit gefehlt, wollteMan sie auf..das eben bewährte eine. Moment zurückführen, aber das; aus . vielen kleinen '-sv

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