Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 60 (1896)
- Issue
- Heft 50 (11.12.1896)
- Date
- 1896-12-11
- Page
- Seite 592 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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deren Beruf von jeher kein mit Rosen bestreuter gewesen und Mich heute noch nicht ist. Immer und immer wcir er. es, der die Inspizienten ersuchte, etwaige, bei der vorgenommenen Prüfung sich zeigende Mängel und Fehler des Unterrichtenden diesem nicht öffentlich darzulegen, sondern im privaten. Gespräche mit ih,n solches hervorzuheben und ihn auf einen besseren Weg zu leiten. Ebenso empfghl er den Inspizienten, sich ihres Auftrages in einer Weise zu entledigen, dass die Gemeinden für die neue Einrichtung immer mehr interessirt und gewonnen werden sollten. Die Schulinspektiön soll nach dem Beschlüsse des Verbandsansschusses jetzt ohne leitendes Haupt, fortbestehen und jeder einz^e Inspizient die Direktive vom Verbandsausschuffe empfangen; allem es wird. sich erst noch Herausstellen. müssen, ob die frühere Kinmüthigkeit fortwalten und das Interesse der dabei in Betracht kommenden Schulen nicht geschädigt werden wird. Jedenfalls aber halte ich es als einer der Inspizienten für eine ernste Pflicht, ay dieser. Stelle der tiefen Trauer Derjenigen Ausdruck zu verleihen, die mit dem Verklärten vereint, aber auch von ‘ ihm geführt und geleitet, es unternommen haben, die Religionsschulen Ostpreußens zu einer besseren Bedeutung zu bringen. Per Geist des Heimgegangenen wird niemals aufhören, bei uns An segnender Erinnerung zu bleiben, und das von ihm gegebene Beispiel wird allezeit belebend und ermunternd auf alle Diejenigen fortwirken, die. berufen sind, an dem von ihm. begründeten Werke weiter; zu arbeiten. — . ' . „An den Israelitischen. Kranken- und Beerdigungsverein in Gumbinnen" lautet die Adresse auf einer Offerte, die wir in den jüngsten Lagen von einer Verlagshandlung erhalten. Wir glaubten nichts anderes, als in dem Kouvert einer Anbietung und Anpreisung von Utensilien, wie sie in dem Krankenzimmer von Nöthen, otzer einer Offerte von - Sarg- und Todtenkleidetfi'^u begegnen. Wie sehr groß mußte daher unser Erstaunen sein., als uns eine mit großen Anfangsbüchstaben fett gedruckte Anzeige von The ateerst Licken wie höhnend vor Augen trat. Und nicht etwa von Theaterstücken mit ernster Tendenz, sondern mit dem übersprudelyM Hunwr, wie er nur der überuiüthigsten Laune gerecht zu werden'am Stande ist. Und das dem Kranken- und Beerdigungsverein zur,Empfehlung! Muß man' nicht glauben, daß ein solcher nur dazu da sei, um seine Kranken mit schnurrigen Gedichten zu heilen und seine Tobten unter Vorlesung von „Schmouzes und Berijonzes" zu beerdigen! Wir fragen, wenn dergleichen theatralische und deklamatorische Belustigungsschöpfungen für Beerdigungsvereine existiren sollen, was muß wohl jene Verlagshandlung für Hochzeiten anzubieten haben? Wix^ätten indeß von diesem Mißgriff einer , buchhändlerischen SpMat^.Hns nicht echauffiren lassen, noch weniger hätten wir sie zum Ge^UMd unserer Mittheilung gemacht, wenn nicht die im JnhaltsvMiHnß angegebenen.Piecen, die alle in jüdischer Mundart zum Bortr^ge kommen, das ganze Machwerk zu einem Chilul haschem gestalteten. Uns selbst ist diese jüdische Mundart nicht so zuwider, daß wir uns ihrer nicht in einzelnen ‘ Fällen' bei unseren schriftstellerischen Arbeiten bedient hätten. Allein dies geschieht nur selten, und muß auch der zu behandelnde Stoff-mtzharmloser sein. Wenn uns aber in dem Werkchen kund gethan kvird, daß „Hirsch" den Kaufmann und Andere noch in jüdischer Mundart parodiren wird, so mag sich der Kaufmannstand darum kümmern; wenn er aber, als Rekrut in dieser Eigenschaft und in dieser Absicht auftreten soll, so halten wir hiK für ein gefährliches Kunststück, das besonders in unserer Zeit die schlimmsten Früchte zu tragen geeignet ist. Uns Juden ist der Soldatenstand ein so ehrenvoller, daß die Parodie ihm durchaus unzugänglich sein muß. Und. dann die jüdische Mundart. Die Umgestaltung' des deutschen Ausdruckes' in chas landläufige Idiom mag wohl bei anderen Konfessionen sich harmlos vollziehen, ja sogar bis zu einem Kunsterzeugniß . sich gestalten, wie z. B. das Platt- - deutsche in Fritz Reuters Werken, allein dies darf mit der jüdischen Mundart im ausgedehnten Maße nicht geschehen, denn die Verunstaltung des deutschen Ausdrucks, wie solches die traurige Vergangenheit bei den Juden mit sich brachte, wird niemals aüfhören, Spott und Verachtung gegen sie hervorzurufen. Um uns in unserer Zeit an Schmonzes und Berijonzes zu ergötzen, wäre in der That nöthig. daß wir unseren ästhetischen Geschmack um viele Dezennien zurückschraubten, und wenn Ln äe sieele bei uns Juden ausklingen soll mit dieser- Mittelalterlichen Verrenkung des deutschen Ausdrucks, so könnte, es nur in zwei Fällen * geschehen: entweder die gesellschaftlichen Zustände von damals müßten bis heutigen Tages bei den Juden dieselben geblieben, oder die Juden müßten stumpfsinnig genug geblieben sein, sich dem Einfluß der modernen Klärung des Sprachgefühls zu verschließen. Jedenfalls aber wird durch die Aussendung von solchen litterarischen Erzeugnissen in die Oeffentlichkeit den Antisemiten ein reiches Feld von Kraftausdrücken zur Disposition gestellt, den Judenhaß damit zu würzen, und sie nicht wegen des nöthigen Komforts in Verlegenheit zu lassen. Wir müssen gestehen, daß der Gebrauch von jüdischen oder hebräischen Ausdrücken bei Christen, selbst wenn sie von bekannten Judenfreunden zu unserem Ohr dringen, uns nicht gefällt. So ging es mir auch jüngst mit einem höheren Postbeamten, mit dem ich zuweilen verkehre und von dessen Wohlwollen für die Juden ich absolut überzeugt bin. Der Herr traf mich auf der Straße, wir grüßten uns und gingen an einander vorüber. '. Da'kehrte der Herr sich um und kam, als hätte er mir etwas Wichtiges mitzutheilen, an mich Heran. „Sagen Sie einmal, Herr Prediger, der Herr W. hat an Ihrem Versöhnungstag das Geschäft offen gehabt, ist das möglich?" „Wie ich gehört, ja," erwiederte ich darauf. — „Heißt ein Posche Jisroel," meinte Jener kopfschüttelnd.,— „Von wo haben Sie diesen Ausdruck her?" fragte ich ihn. „Aus M Sabbathgeschichten," erwiederte er. Uns selbst hat dieser hebräische AusMMvou Seiten des Herrn nicht erbaut. Darum, halten wir jene Offerte an die Beerdigungsgesellschaft für durchaus unangebracht, was indeß wieder gut gemacht wetden könnte, tvenn die betreffende spekulirende Buchhandlung nachträglich den Beerdigungsverein daruin angehen möchte, dergleichen litterärische Mißgeburten — unter die Erde zu bringen, also zu beerdigen. — Von einem sonderbaren Fund auf dem jüdischen Friedhof hi El bi n g werden wir durch folgende Mittheilung unterrichtet. ,Ein dortiger Herr war in dem etwas starken Rausche, den ,er sich zum Sonntag angethan, ohne daß er es wußte, auf den jüdischen.Friedhof gelangt. Hier muß ihm wohl der Gedanke gekommen sein, daß er.sich in seinen! Schlafgemach befinde, denn er ging wohlgemuth daran, sich zu entkleiden. Als er Paletot und Jacket, säuberlich auf den Boden gelegt hatte, wurde er — vielleicht infolge dedckühlen Witterung — anderen Sinnes und ging weiter. Der Boden markirte i seine Lagerstätte. Dabei hatte der unvorsichtige Zecher auf seine nächtliche Wanderung ein Dokument über 26000 Mark Mitgenommen und dieses in seinen Kleidern auf dem Friedhofe gelhssen. Die Kleider wurden glücklicherweise am Sonntag Morgen von dem.' bortiaeit f$^uieb^pfsbieuer aufgefunbeii/ der auch bald auf Las Dokument aufmerksam wurde und es der Behörde'äblieferte. Bei derselben Hatte sich inzwischen auch der unterdessen^ nüchtern ge- ' wordene Verlierer gemeldet, dem alsbald auch sein Eigenthum - zurückgeliefert wurde, — - . )?*" . Aus Königsb erg, wird berichtet: Aus Anlaß des siebzigste!; Geburtstages des Herrn Dr. med. Rosenstock fanden heute Nach!i