Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 60 (1896)
- Issue
- Heft 49 (4.12.1896)
- Date
- 1896-12-04
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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der Feier sehr verdient gemacht hatte, war leider durch Krankheit am Erscheinen verhindert, und so überreichte denn in seiner Vertretung Herr Liepmannsohn nach einer herzlichen Ansprache dem Jubilar ein Glückwunschschreiben des D. I. G:-B.,. in welchem Letzterer unter wärmer und ehrenvoller Anerkennung der seitherigen beruflichen Thätigkeit des Herrn Gutmann diesem ein weiteres segensreiches Wirken wünschte. Auch der westfälische Gemeindeverband ließ durch Herrn Dr. Coblenz ein sehr herzlich gehaltenes Glückwunschschreiben überreichen, in welchem dem greisen Geburtstagskinde, das auf ein arbeits- und segensreiches Leben voll treuer Pflichterfüllung zurückblicken dürfe, ein schöner Lebensabend im Kreise seiner Familie gewünscht wurde. Herr Gutmann dankte tiefbewegt für die ihm gezollten Beweise der Werthschätzung. Ein heiteres Mahl vereinigte nun die Festtheilnehmer, unter ihnen auch den Vorsitzenden des Gemeindevorständes, Herrn A. Steinberg, mit der Familie des Jubilars zu einem gemüthlichen Beisammensein. — Am Dienstag, dem eigentlichen Geburtstage, erschienen zunächst die sämmtlichen Vertreter der jüdischen Gemeinde, die Mitglieder des Vorstandes und der Vorsitzende des Nepräsentanten-Kollegiums, begleitet von den Schulkindern, beglückwünschten den Jubilar in herzlichen Ansprachen, indem sie gleichzeitig ein ansehnliches Geschenk überreichten. Mit bewegten Worten stattete Herr Gutmann seinen Dank ab. — Von allen Seiten und aus allen Kreisen der hiesigen Bevölkerung wurde nun dem, Jubilar persönlich gratulirt, und wir glauben: gerade diese einmüthige Betheiligung an dem Feste ist das beste Zeugniß, das der Persönlichkeit und der Wirksamkeit des Herrn Gutmann ausgestellt werden kann; es ist ein schönes Zeichen der Werthschätzung und Liebe, deren sich Herr Gutmann allgemein zu erj freuen hat. z.- Münster i. W., 30. November. Am 18. vorigen Monats, Morgens 10 Uhr, wurde in der Aula des Seminars der Marks-Haindorfschen Stiftung der 80. Geburtstag des Herrn F. Blumenfeld, des langjährigen verdienstvollen Vorsitzenden des Kuratoriums in Gegen- ' wart des Jubilars festlich begangen. Umgeben von der stattlichen Schaar seiner verheiratheten Kinder, sowie von Mitgliedern des Kuratoriums, die zum Theil aus weiter Ferne herbeigeeilt waren, betrat der greise Jubilar, der sich einer bewundernswerthen körperlichen und geistigen Frische erfreut, an der Seite seiner ebenfalls noch -rüstigen Gattin den festlich geschmückten Saal, wo die Lehrer, Seminaristen und Schüler der Seminarschule bereits versammelt waren. — Eingeleitet wurde die Feier durch GesaNg und Deklamation. Darauf hielt Herr Seminardirektör Dr. Gutmann an den Jubilar eine Ansprache, in der er die-Verdienste des verehrten Herrn in herzlichen und beredten Worten würdigte. Wer, wie Herr Blumenfeld, so führte der Redner unter Anderem aus, sein Leben in den Dienst einer guten Sache gestellt habe und ihr bis ins I hohe Greisenalter seine besten Kräfte widme, der verdiene in vollem Maße die Ehrungen, die eine dankbare Generation ihm zolle. Das Wohl der Anstalt sei dem Jubilar, seitdem er vor 26 Jahren dem Kuratorium als Mitglied beitrat, stets ein Gegenstand warmer Fürsorge gewesen. Ihm sei es namentlich in erster Linie zu danken, daß ' dem Seminar ein neues stattliches Heim erstanden sei. Tiefbewegt dankte Herr Blumenfeld, zugleich die treue Mitarbeit der übrigen Kuratoren und des Sekretärs der Stiftung, des Herrn Bendix hervorhebend. Ein Gesang beschloß die schöne Feier, die einen tiefen Eindruck bei allen Anwesenden hinterließ. — Eine Stunde später überreichten die Mitglieder des Kuratoriums. ihrem Vorsitzenden eine künstlerisch ausgeführte Adresse, in der gleichfalls Herrn Blumenfelds Wirken für die Marks-Heindorfsche Stiftung gewürdigt war. L. Kaiserslauter»», 23. November. Am letzten Sabbath ver- - schied hier ganz plötzlich der erste Kantor der Sy n a g o g en - Gemeinde, Herr A. Feibelmann, nachdem er>kurz vorher noch am Sabbatheingang den Dienst in der Synagoge versehen hätte. Tiefe Trauer erfüllte die ganze Gemeindeder er mehr denn 25 Jahre in Treue und Gewissenhaftigkeit gedient. Seine Verdienste um die Hebung des Gottesdienstes fanden darum gelegentlich seines 25jährigen Amtsjubiläüms die vollste Anerkennung, die auch bei der Trauerfeier am gestrigen Beerdigungstage zum Ausdruck kam. Schon irn Traüerhäuse hatte sich eine große Zahl Trauernder versammeltderen Schmerz um den Verlust, den seine Familie und seine Gemeinde beklagen, der Bezirks- Rabbiner Dr. Landsberg hier in ergreifender Weise schilderte. Ein! langer Trauerzüg geleitete den allseitig auch von Nichtjuden — -geschätzten Kantor auf den Friedhof, wo Herr Dr. Landsberg in meisterhafter Weise sein Leben und Wirken, seinen Charakter und seine hervorragende Befähigung hervorhob. Tief, ergriffen lauschte die^aus allen Klassen, Ständen und Konfessionen der Bevölkerung bestehende Trauerversammlung den herrlichen Worten des Redners, worauf der Synagogenchor ein deutsches Trauerlied zu Ehren ihres Heimgegangenen Vorstehers zum Vortrag brachte. Nachdem auch Noch von Seiten des Gemeinde- und Synagogenchor-Vorstandes Worte der Anerkennung und des Dankes 'dem Heimgegangenen ins Grab gerufen worden, fand die erhebende Trauerfeier unter Äbsingüng der üblichen rituellen Gebete ihren Abschluß, und jeder der Theilnehmenden ging von der Trauerstätte mit dem Bewußtsein, euren wackeren Menschen geehrt zu haben. .V < Frankfurt a. M., 30. November. Es wird sicher allgemeines "Interesse erregen, daß nunmehr die Verhandlungen abgeschlossen sind, deren Resultat der dauernde Fortbestand der Realschule der israelitischen Gemeinde, des sogenannten Philantropin, ist. An dieser Anstalt -wurde jüngst Dr. Max Levy von Hier als Lehrer der Naturwissenschaften :enbgiltig angestellt. — Der israelitische Hilfsverein (Verein zur -Beschränkung des Wanderbettels) hielt am 28. d. Mts. unter dem Vor- --sitze des Herrn Konsul Adolf Baer - Goldschmidt seine Generalversammlung ab. Nachdem die Revisoren Bericht erstattet hatten, wurde .die Entlastung ertheilt. Die aus dein Vorstand turnusgemäß aus- - scheidenden Herren Salomon Eahn, Alfred Geiger, Wilhelm Meyer ^u»id Max Wertheimer wurden wiedergewählt, von einer Neuwahl für Herrn Meyer-Stern,-der sein Amt niedergelegt hatte, wurde vorerst abgesehen. Wie der Vorsitzende mittheilte, wird demnächst der Almosenjasten der israelitischen Gemeinde Räume, beziehen, die sich an die --.Lokalitäten des Hrlfsvereins an schließen, so daß ein allseitig ersprießliches .Zusammenwirken noch mehr als bisher stattflnden kann. Auf Antrag . des Herrn Rabbiner Dr. Horovitz wurde der Verwaltung der Dank ausgedrückt. — Gegen die Heirathsvermittlerhat jüngst die zweite Civilkammer des hiesigen Amtsgerichts in einem Prozeß zwischen nichtjüdischen Parteien ein grundsätzlich wichtiges Urtheil auch für unsere .Kreise ergehen lassen, dos die Ansprüche der Heirathsvermittler verwirft. Ein Metzger hat im Juni 1896 einem Agenten einen Revers -Ausgestellt, in dem er sich verpflichtete, falls durch des Agenten Ver- ..Mittelung seine Verheirathung zustande käine, 500 Mark Vermittler- Gebühr zu zahlen. Der Agent bewirkte die Verheirathung des Metzgers .mnt einem Mädchen, von dem er sagte, es bringe 6—7OOOMark mit in - die Ehe und habe dermaleinst noch einmal so viel zu erwarten. Nach . vollzogener Ehe stellte sich heraus, daß ein Vermögen nicht vorhanden war. Der Agent bestreitet diese Angabe und wurde gegen den Metzger j,wegen der Vermittlergebühr klagbar. Das Gericht hat aber die Klage .angewiesen. In den Erstscheidungsgründen heißt es, daß Ehemakelver- /träge gegen die güten Sitten verstoßen und deshalb nichtig und nicht - klageberechtigt seren. Zwar sei die herrschende Meinung in der ' Rechtsprechung bisher dahingegängen, es hänge von den Umständen des .einzelnen Falles ab, ob derartige Fälle unsittlich seien. Dies sei auch der Stand der Motive zum ersten Entwurf des bürgerlichen Gesetzbuches und die Anschauung der Vertreter der verbündeten Negierungen in der .Reichstagskommission gewesen. Die Reichstagskommission selber habe jedoch in ihrer Mehrheit, übereinstimmend mit der großen Mehrheit der Bevölkerung, das Nehmen oder Geben eines Lohnes für Heiraths- "vermittlung als unvereinbar mit dem sittlichen Charakter der Ehe an- ^gesehen. Sei diese Auffassung noch nicht in allen Kreisen durchgedrungen, so sei dies nur ein Grund mehr,, ihr durch die erziehliche Wirkung der Rechtsprechung zum Durchbruch zu verhelfen. 8. Stuttgart, 29. November. Wie inan uns mittheilt, ist in einer im Oktober dahier abgehalteuen Versammlung, die auch von auswärts Nsucht war, die Gründung eines Israelitischen Landes-Asyld Unterstützungsvereins beschlossen worden. Der Zweck des ' Vereins ist die Unterstützung alter, erwerbsunfähiger Glaubensgenossen - durch Aufnahme in ein zu errichtendes Landesasyl oder durch Geld- ' unterstützungen. Das Asyl soll errichtet werden, sobald der Kapitalsgrundstock 100 000 Mark beträgt und auf eine jährliche Einnahmevon ^0000 Mark zu rechnen ist. Die bisher gezeichneten Beiträge haben rschon eine recht ansehnliche Höhe erreichtso daß mit derVerwirklichung 'des' Gedankens bald wird vorgegangen werden können.