Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 60 (1896)
- Issue
- Heft 49 (4.12.1896)
- Date
- 1896-12-04
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Oesterreich - Ungarn. O Wien, 30. November. Am 22. d. Mts., haben also die all-.-. gemeinen Neuwahlen für den Kultusvorstand stattgefunden. Es würden gewählt die Herren Architekt Max Fleischer,.. Baurath Theodor Ritter von Goldfchmidt, Dozent Dr. Joseph Grünfeld, Regierungsrath - Samuel Ritter von Hahn, Joseph Hildburghäusser, Emanuel Hoffmann, kaiserlicher Rath Heinrich Klinger, Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Gustav Kohn, Salo Cohn, Wilhelm Pollak, Salomon Rosner. Gustav-Simon, Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Adolph Stein, Dr. Maximilian Steiner,: Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Alfred Stern, Baurath Wilhelm Stiaßny, ' Gottlieb Taussig, welche bisher dem Vorstand der' Kultusgemeinde an- . gehört haben. An Stelle der Herren Jacques Brandeis, Moriz Karpelcs, Kommerzienrath Moriz Leinkauf , königlich württembergischer Hofrath- Joseph M. Ritter von Pfeiffer, Professor Dr. A. Politzer,, welche erklärt hatten, eine Wiederwahl in den Vorstand nicht mehr anzunehmen, und für zwei neu kreirte Vorstandsstellen wurden die Herren Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Alfred Berger, Moritz Hirsch, Karl Kohn, Ingenieur Arthur Edler von Mises, die Hof- und Gerichtsadvokaten Dr. Marcus Spitzer und Dr. Heinrich Steger, sowie kaiserlicher Rath Friedrich Vogel gewählt. Die.Betheiligung war sehr schwach. Im Ganzen sind von 14 000 Wählern nur 2872 an der Wahlurne erschienen. Das ist ein sehr trauriges Symptom des hier herrschenden Jndifferentismus. Man darf nun gespannt darauf seinwas der neue Vorstand leisten wird. — Bei der. Eröffnung der Weihnachtsausstellung im vjterxeichischen Museum wurde von einem Herrn, in, der Begleitung des Erzherzogs Rainer die Bemerkung gemacht/ daß theuere Kunstobjekte von Jahr zu Jahr schwerer verkäuflich würden, worauf der Erzherzog sagte: „Besonders jetzt, wo der Antisemitismus so besteht, ziehen sich die reichen Leute immer mehr zurück." — Der antisemitische Abgeordnete Vincenz Gedler, Baumeister in Graslitz, welcher nach Prag gekommen war, um einer Persammlung des antisemitischen Bundes der Deutschen in Böhmen beizuwohnen, wurde in dem Hotel, in welchem er sich einlogirt hatte, irrsinnig und auf ärztliche Anordnung in die Irrenanstalt überführt Geblers excentrisches Benehmen hatte bereits während der letzten Landtagssession vielfach Aussehen erregt. — Ein Veteran der Wiener Schriftstellerwelt und der Wiener Publizistik, Dr. Arnold Hirschist im hohen Alter von 82 Jahren gestorben. Er war am 1 t. Juni 1816 in der tschechischen Stadt Horzitz geboren worden, wo sein Vater.^ein, angesehener jüdischer Kaufmann, für - seine Verdienste, um die Gemeinde^ und Schule schon vor dem Jahre 1848 das Ehrenbürgerrecht erhalten^; hat. Ob das wohl heute, nach 50 Jahren, noch möglich wäre? Nachdem. Arnold Hirsch, an der Wiener Universität 1841 das medizinische Doktorah^ erworben hatte, wendete er sich der Homöopathie, zu und o^ann in " Wien bald eine große Praxis. Er veröffentlichte eine RekhWvon ßM, Zahlungen, Novellen und Essays. Als Dramatiker hatte er den Erfolg,'^ daß sein erstes Stück, das Lustspiel „Der Familien-Diplonmt", im März 1860 im Burgtheater aufgeführr wurde und sehr gefiel. AucH. eine andere dramatische Arbeit Hirschs, das Lustspiel „Zu jung und M ß alt", gelangte im Burgtheater zur Aufführung. Der Verstorbene wao^ Ritter des Franz Josefs-Ordens, der französischen Ehrenlegion, Besitzer mehrerer Medaillen für Kunst und Wissenschaft u. s. w. — Dem Cand. jur.." Dr. Emanuel. Adler ist vom Kaiser gestattet worden, sub .auspieiisr Imperat'oris zu promoviren. Der feierliche Akt fand am 30. v. ME an der Wiener Universität statt. Von Nah und Fern. -o ---- Die Herren Kommerzienrath Hugo Landau und Generalkonsul Eugen Landau, Chefs-des Bankhauses Jakob Landau, haben aus Anlaß des 25 jährigen Bestehens der Firma am hiesigen Platze eiw Kapital von 180 000 Mark zur Errichtung einer Stiftung für Hilfst bedürftige aller Konfessionen unter dem Namen Jakob-Landau-Stiftungl gespendet. — Der Vorstand der Synode/ zu dem' die Sophiengemeinder gehört, hat jetzt mit drei gegen zwei Stimmen beschlossen, die gegen die Wahl des Pfarrers As kr aut eingelegten. Ein spräche für begründet j zu erachten. Es steht den Gemeindekörperschasten jetzt noch der Weg der Berufung an das'Konsistorium offen. — Wieder einmal haben sich/bre^ Berliner Antisemiten „geeinigt". Diese Thatsache wurde im Lauf? der .18- Jahre^ recht..oft gemeldet. Jetzt'haben sich der „Deutsche r Antisenlitenbund" und, der . „ Deutsch-soziale Resormverein": > zu -. einem - „Wahlverein. Berlin der - Deutschsozialen Reformpartei" znsammengeschlossen, - dessen' Vorsitzende Christopher, Jericke und Hans Püchstein sind. Eine Petition betreffend Aufhebung der jüdischen Kultusver.fassung in Nass au ist. von d.r Provinzialregierung zurückgewiesen worden,. — Bei der Wahl der Gemeindebevollmächtigten (Stadtverordneten) / in Nürnberg sind unter 17° der Gewählten drei Israeliten, die Herren Kaufmann -Samuel Geiershöfer,. Kaufmann Karl Heim und Rechtsanwalt Emil Josephsthal, und unter den Ersatzmännern ein Israelit. Nürnberg zäh^t 162000.Einwohnerdarunter 4800 Juden,-gewiß ein erfreuliches Zeugniß konfessionellen Zusammenhaltens. Die Konservativen halten vorgeschlagen, von der Liste der antisozialistischen Parteien einer: vorgeschlagenen Bolksschullehrer und einen Israeliten zu - streichen. Nun' ergab sich, daß gerade dieser. Lehrer und nach ihm der Israelit die meisten Stimmen auf. sich vereinigten. — Von 268 Studenten, die sich, an der.Universität Warschau immatrikuliren wollten, sind nur 30 zugelassen worden.. Die Erklärung dieser Thalsache mag vielleicht darin zu suchen sein, daß die beiden goldenen Medaillen der medizinischen Fakultät Heuer an zwei jüdische Studenten verliehen wurden, an Rosenthal und Goldbaum. —.Wie die russische Telegraphen-Ägentur meldet, verlieh Kaiser. Nikolaus auf Vorschlag des Finanzministers dem Leopold Lostis Dreyfus.Chef eines.bedeutenden französischen Exporthauses, das seit mehr als 25 Jahren zahlreiche Komtors in Rußland errichtete, den Stanislaus-Orden. — Im Jahre 1891 wurden in Rußland' 50470 Juden zum Militärdienst einberufen, im Jahre 1895 46 846, folglich bildeten die Juden im.Jahre 1891 5,4 Prozent von der Gesammtzahl der Berufenen; im Jahre 1895 dagegen nur noch 4,9 Prozent. Der vor -einigen Jahren in Kischin es gemachte Versuch, eine jüdische Sekte zu gründen, die sich auf der Fusion der Bibel mit dem Evangelium aufbaut, ist jämmerlich gescheitert. Der neue Kultus Hatte die Juden nicht gelockt, trotz dem eifrigen Proselytismus seines Apostels Rabinowitsch. Dieselben kehrten schleunigst zum Judenthum zurück. Aber unter der christlichen Bevölkerung chatten sich zahlreiche Anhänger gefunden. Eine Sekte der „Soubbotniki" hatte sich gebildet, beobachtete die Sabbathruhe und erkannte zu gleicher Zeit die jüdischen Propheten und die christlichen Apostel an. Die Mitglieder einer jüdischen Familie, Namens Dimoff, . hielten den Gottesdienst ab und leiteten die Gemeinde. - Bor Kurzem wandte sich Dimoff an den Senat, um die Berechtigung zül erlangen, einen Tempel zu' bauen, und daselbst öffentliche' Gebete' zu verrichten. Er wollte' die neue Religion vom Staate offiziell anerkannt sehen. Der Senat hat das Gesuch nicht genehmigt. Er-hat sogar den Minister des Innern damit beauftragt, eingehende Vorkehrungen zu treffen, um das'Üeberhandnehmen des neuen Kultus zu hemmen. Daraufhin hat sich Dimoff direkt an den Kaiser gewendet. Aber ein Kabinetsbefehl'hat kürzlich der neuen Sekte ausdrücklich den Bau eines Tempels und die öffentliche Ausübung der neuen Religion untersagt. Dimoff hat von der Polizei den Befehl erhalten, schleunigst seine Heimüth Astrachan aufzusuchen. — P'azare Beer in Bologne-sur-Mer hatte gegen das antisemitische Blatt „Croix du Nord" Klage wegen Beleidigung erhoben. Das Gericht verurteilte den Redakteur zu 550 Francs Geldstrafe. — Die französische Akademie der Wissenschaften, hat den. Professor der Mineralogie am Polytechnikum in Paris, August Michel Levy, " mit 54 gegen 2 Stimmen - zum Mitglieds gewählt. Der Gewählte' ist Mitglied des Provinzialkonsistoriumsvon Purist Desgleichen hat die-Akademie die Wähl von Maurice Loewy zum Direktor der Pariser Sternwarte mit großer Majorität bestätigt. Auch Loewy ist Mitglied - des Central- Konsistoriums von Frankreich. — Der Generalpostmeister von Frankreich,. Gerson Fribourg, beabsichtigt in den Ruhestand zu treten. — Im italienischen Senat sitzen außer den.jüngst ernannten beidennoch folgende fünf. Senatoren: Jsaac Artom, der frühere Gesandte. G. Aseoli, der berühmte Phylologe, Enrico Fand, Düllo Masserami, der Dichter und Maler und C esare Parenzo. — Das Konzil der Union der jüdischen- Gemeinde Amerikas; hat, am 1. Dezember in Louisville fftattgesunden. Ein ausführlicher Bericht über die Verhandlungen nHrd wohl bald erfolgen. .... .. .Druck und Verlag von Nuvolf Alosse rn Berlin. . : VerantwortttchMr die Redaktion:Max Bauchwrtz in Berlin.-