Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 60 (1896)
- Issue
- Heft 49 (4.12.1896)
- Date
- 1896-12-04
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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zwar sollten insgesamml zehn Gesellschaften und Gemeinden zu gleichen Theilen bedacht werden. Indessen sollte das erwähnte Grundstück erst nach dem Tode der Frau Rosa Gerson; verkauft werden Frau Rosa Gerson starb später als ihr Gatte, und es gelang nun den Testamentsexekutoren, den Herren Bankier Alexander Meyer-Cohn, Alb. Ph. Meyer und Georg Gerson, düs Grundstück in der Thiergartenstraße um den Preis von 1400 000 Mark zu verkaufen, ein Ertrag, dessen Höhe der Erblasser kaum geahnt haben mochte. Denn als er vor genau vierzig Jahren das Grundstück erwarb/ kostete es kaum den vierten Theil von dem, was es nunmehr erbracht , hat. Nach der Bestimmung der Erblasser sind nunmehr, wie wir hören, folgende Legate zur Auszahlung gelangt: an das Krankenhaus der jüdischen Gemeinde in Berlin zur Stiftung zweier Betten 20 (MX) Mark, an den Verein junger Kaufleute zu Berlin 138 OOO Mark, an den Frauengroschenverein in Berlin 138 000 Mark, an das Asyl für Obdachlose in Berlin 276 000 Mark, und zwar je die Hälfte dieses Betrages für das Asyl für Männer und das für Frauen - an die Altersversorgungsanstalt der jüdischen Gemeinde 138000 Mark; an die Armenkommission der jüdischen Gemeinde zu Berlin 138 000 Mark; an die Armendirektion der Stadt Berlin 138 000 Mark; an das Reichenheimsche Waisenhaus 138 000 Mark; an den Verein gegen. Verarmung und Bettelei 138 OOOMark. Endlich wurden für die Geburtsstädte der Testatoren und zwar Königsberg in Neumark und Fürsteyberg i. Mecklenburg je 69 000 Mark bestimmt. Bon dieser Summe erhalten die Stadtgemeinden Königsberg und Fürstenberg die Hälfte für die Stadtarmen, während die andere Hälfte den jüdischen Gemeinden in beiden Orten zufällt. ' L. Aus der Provinz Westpreußen, im November Den Anregungen des Gemeindebundes entsprechend, wird wohl schon in Kürze ein Provinzialverband der Synagogen gemeinden Westpreußens zu Stande kommen. Doch schon bevor der Gemeindebund sein Cirkularschreiben an die einzelnen Vorstände hatte ergehen lassen, war man in dieser Sache eifrig thätig Bereits im Januar d. I. versammelten sich in Graudenz auf Einladung der beiden Herren Rabbiner, Dr. Rosenstein, Graudenz, und Dr. Rosenberg, Thorn, mehrere ihrer Kollegen, um die Mittel und Wege zu berathen, durch die man den schon seit Jahren gehegten Plan endlich verwirklichen könne. Auch der Vorstand der Graudenzer Gemeinde sowie der Vorsitzende des dortigen Repräsentantenkollegiums wohnten diesen Berathungen bei. Es wurden denn auch die beiden vorgenannten Herren und Rabbiner Dr. Guttman, Culrn, zu einem Komitee gewählt und beauftragt, sich mit den -Gemeindevorständen in Verbindung zu setzen und deren Bereitwilligkeit znr Gründung eines Provinzialverbandes zu erwirken. Die darauf schon in diesem Frühjahre an die Gememden erlassenen Cirkularschreiben fanden aber nur zum Theil Beantwortung. Im Verein mit dem Delegirten des Gemeindebundes, dem Herrn Professor Horowitz, Thorn, wandte man sich darum vor etwa drei Wochen noch einmal an die Vorstände und forderte gleichzeitig die Rabbiner auf, in ihren und den benachbarten Gemeinden im Sinne des Cirkularschreibens thätig zu sein und dasselbe durch persönliche Rücksprache zu unterstützen. Es hat sich nun eine ganze Anzahl von Gemeinden für Gründung eines Verbandes ausgesprochen. Wie wir hören, wird darum der Vorstand der Gemeinde zu Danzig, dem man von vornherein die Weiterführung und Leitung des angeregten Werkes übertragen wollte, weil Danzig die Provinzial - Haupstadt und zugleich die größte Gemeinde der Provinz ist, demnächst eine konstituirende Versammlung der Gemeindevorstände berufen, und so ist begründete Hoffnung vorhanden, daß auch in unserer Provinz sich die Gemeinden recht bald zu segensreichen Werken vereinen werden. Auch die Begründung eines Provinzial-Rabbinerverb andes hat man z. Z. auf der Versammlung in Graudenz^ in Aussicht genommen, und werden wohl beide Gründungen gleichzeitig vor sich gehen. o. Pleß, 28. November. Ein entsetzlicher Mord hat unsere Gemeinde um eines ihrer besten Mitglieder gebracht. Am 23. wurde der Bankier W. Cohn in seinem Komtoir ermordet und beraubt. Wolff Cohn, ein 83 Jahre alter Herr, war Inhaber einer Wechselstube, welche sehr lebhaft, namentlich von Ausländern, besucht wurde. Rechts vom .Hausflur liegen die Wohnzimmer und die Küche, links befindet sich die Wechselstube. In dieser sicht noch hinter dem Wechseltifche ein Sopha und neben diesem ein eiserner Geldschrank, dessen Thür und Tresor der Ermordete, sobald. er im Komtoir war, meistens offen stehen zu lassen pflegte. In dem Haufe wohnt in der oberen Etage der Dr. Caro. Gestern fanden in Pleß die Stadtverordnetenwahlen statt; als Wähler der ersten Abtheilung erschien Mittags Cohn, der als Bürger sich hoher Achtung erfreute; er war jahrelang Stadtverordneter und Magistratsmitglied. Nach der Wahl ging Cohn in seine Wechselstube zurück. Seine Wirthschaft wurde von einer Töchter und einer Nichte geführt, außerdem war eine Tochter, die in Berlin verheirathet ist, zu Besuch. - Die Damen gingen Nachmittags einige Visiten machen. Als sie Abends nach -Haufe kamen, waren die Fensterläden der .Wechselstube nicht zu, nur die Nouleaux verhinderten den Einblick in die Stube. Als Cohn selbst um 8 Uhr nicht in seine Wohnung gekommen war, .wurden die Seinen unruhig und schickten nach dem jüdischen Armenverein, welcher in der Synagoge tagte. Cohn war nicht dort; man wartete noch weiter. Um 2/^10 uhr aber holte man den Schlosser und öffnete das Komtoir. Ein grauenvo ller Anblick bot sich dar. Bor dem Ladentisch, in der Ntzhe der Thür, lag der alte Herr mit dem Rücken auf der Erde in einer großen Blutlache; am Hals fand sich eine Stichwunde. Es läßt sich denken, welche Aufregung die Blutthat hier hervorgerufen und welche Theilnahme sich an dem Leich enbegängniß des allgemein beliebten Greises kundgegeben hat. L. Gröbzig, 30. November. Der erste Abend des Chanukafestes hatte in diesem Jahre für unsere kleine Gemeinde eine besonders festliche Bedeutung. Mit der Feier , des Makkabäerfestes verband sie das 100jährige Bestehen des Gotteshauses, das, durch fürstliche Huld und opferwillige Leute begründet, noch heute eine Zierde des Städtchens bildet. Ein aus den Herren M. W. Blumenthal, G. Goldstein und Julius Schiff bestehendes Festkomitee hatte die Vorbereitungen übernommen, und der in allen Theilen glänzende Verlauf des Abends lohnte die Veranstalter für ihre Mühen. Aus Nah und Fern waren, ehemalige Gröbziger zu dem Feste gekommen, so daß die alte Gemeinde — wenn auch nur für Stunden — wiederum ein Bild ihres ehemaligen Glanzes bot. Gegen -4 Uhr war das festlich geschmückte Gotteshaus von einer großen Versammlung gefüllt. Nach beendetem Minchagebet und Anzünden der Chanukahlichter hielt Herr Landesrabbiner Dr. Freudenthal-Dessau, die Festpredigt, ein oratorisches Meisterstück, dessen Inhalt wohl noch lange in den Herzen der Zuhörer leben dürfte. Mit einem Gebete für das anhaltische Fürstenhaus, die Stadt und Gemeinde schloß der Festredner. Wie wir hören, soll die Predigt größeren Kreisen zugänglich gemacht werden, da sie auf Kosten der Gemeinde gedruckt wird. — Gegen 7 Uhr begann der fröhliche Theil des Festes, der in sehr harmonischer Weise verlief; unterhalten durch schöne Tischreden, durch Darlegung von Erinnerungen aus alter Zeit, Aufführung eines von Leo Löwenthal verfaßten Festspiels „Nesodanne ittim umachalif es hasmannim“ und einen Ball, blieben Alt und Jung bis zur frühen Morgenstunde zusammen. # Hersel (Rheinprovinz), 23. November. Unter zahlreicher Betheiligung von Mitgliedern aus den Synagogengemeinden der benachbarten Ortschaften und in Anwesenheit des zu der Feier eingeladenen Herrn Bürgermeisters Klein fand gestern die Wiedereinweihung der hiesigen, von Grund auf restaurirten Synagoge statt. Dank einer reichen Spende der aus Hersel gebürtigen Herren Gebrüder Kappel in Berlin/aber auch Dank der eifrigen Fürsorge des israelitischen Gemeindevorstehers Herrn C. Koppel in Bornheim für die hiesige Filialgemeinde konnte das wegen seiner Baufälligkeit monatelang geschlossene Gotteshaus nunmehr seiner Bestimmung wieder übergeben werden. Den liturgischen Theil des festlichen Gottesdienstes' leitete Herr Lehrer Kalten aus Poppelsdorf, die Weiherede wurde von Herrn Rabbiner Dr. Cohn aus Bonn gehalten. 2. Vlotho, 26. November. Es war einseinfache und würdige Feier, die unsere Gemeinde in diesen Tagen begangen hat. Herr Lehrer Gutmann, der schon 23 Jahre hier amtirt, vollendete am verflossenen Dienstag sein siebzigstes Lebensjah r, und seine zahlreichen Freunde, Verehrer und Schüler ließen es sich nicht nehmen, diesen Tag festlich zu begehen. Schon am Sonntag nahm die Feier ihren Anfang; die Herren Amtmann Brüggenschmidt und Pfarrer Schmidt, Ersterer als Vertreter der politischen Gemeinde, Letzterer ^ls Lokalschulinspektor, waren' gekommen, dem Jubilar persönlich ihre Glückwünsche auszusprechen. Von auswärts erschienen die Herren Liep mannsohn-Minden und Dr. Coblenz- Bielefeld. Herr Dr. Hulisch-Herford, der sich um das schöne Gelingen -