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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-12-04 · Heft 49 (4.12.1896) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 49 (4.12.1896)
Date
1896-12-04
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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60. Jahrgang. Nr. 49. Berlin. 4. Dezember L896 Weilage zur „Allgemeinen Zeitung öes IuöentHuws". Korrespondenten und Nachrichten. Deutschland» L2 Berlin, 1. Dezember. Das Deutsche Central-Komitee für die russischen Juden, resp. dessen geschäftsführender Ausschuß^ versendet soeben einen längeren Bericht über seine Geschäftsthätigkeit in der Zeit vom 1. Oktober 1894 bis 30. September 3896. Aus der dem Bericht beiliegenden Aufstellung ist zu ersehen, daß die Auswanderung aus Grund erfolgter Ausweisungen fast vollständig aufgehört hat, daß aber gleichwohl die Thätigkeit des Komitees auch weiterhin wenn nicht nothwendig, so doch zweckmäßig erscheint. Die Hilfe desselben wird, soweit sie Auswanderer betrifft, fast ausnahmslos solchen Personen zu Theil, die ihren ausgewiesenen und ins Ausland übergestedelten Familienmitgliedern nachwandern. Die Komitees haben, mit Ausnahme von Hamburg und Stettin, nach außen hin ihre Thätigkeit eingestellt; notwendige Beförderungen werden von den ehemaligen Vorsitzenden der Komitees geleitet. Dies Verfahren empfiehlt sich besonders deshalb, weil die von den maßgebenden Behörden für den Uebertritt der Auswanderer über die preußischen Grenzen erlassenen Verordnungen wesentlich andere und strengere sind als die früheren. Dir nach Einführung dieser Verordnung erlassenen Warnungen haben in Rußland anscheinend guten Erfolg gehabt, denn es haben sich in den meisten Fällen nur solche Auswanderer gemeldet, die beim Eintreffen an unserer Grenze die vorschriftsmäßigen Mittel besaßen. Die Auswanderer erhielten meist die Mittel zur Reise über den Ocean und nach den Bestimmungsorten von Verwandten und Freunden, welche früher nach dem Ausland befördert worden sind. In der Zeit vom 1. Oktober 1894 bis 30. September 1896 wurden befördert 1716 Personen und dafür aufgewendet 34 871,20 Mark. Außerdem beförderte und verpflegte in der Zeit vom Juli 1893 bis März 1895, Bentheim 1378 Personen und verausgabte 4584,50 Mark; Thorn verausgabte in der Zeit vom August 1894 bis März 1896 461,05 Mark. Der Kassenbestand belief sich am 30. September d. I. aus erstens in Baar 105 088,86 Mark, zweitens in Pr. Konsols 6000,— Mark, zusammen: 110 088,86 Mark. Die Verwaltungskosten (Miethe, Gehalt re.) sind erheblich herabgemindert. Dieselben haben für das Jahr vom 1. Oktober 1896 bis zum 30. September 1896 nur 827,20 Mark betragen. Für seine fernere Thätigkeit beabsichtigt das Komitee diejenigen Grundsätze festzuhalten, welche der geschäftsführende Ausschuß als Norm hingestellt hat und welche sich als zweckmäßig bewährt haben. Dieselben lauten: Es sollen in der Regel nur Auswanderer befördert werden, welche mit Schiffskarten für sämmtliche Familien - Mitglieder versehen sind. Auswanderer, welche mit unzureichenden Mitteln in Deutschland angetroffen werden, sollen, insbesondere auf Ersuchen der Behörden, repatriirt werden. Der Bericht gedenkt schließlich noch des verstorbenen Baron Hirsch und Dr. I, Bamberg er in ehrender Anerkennung. Der geschäftsführende Ausschuß besteht gegenwärtig aus den Herren Justizrath Siegm. Meyer, Vorsitzender; Generalkonsul Eugen Landau, Schatzmeister; Karl Emil Franzos, Rechtsanwalt und Notar Bernhard Breslauer, Schriftführer; Fabrikbesitzer Dr. Edmund Lachmann, stellvertretender Schatzmeister; Bernhard Croner, Professor Dr. Felix Liebermann, Regierungsrath a. D. Dr. Ernst Magnus. 2X2 Berlin, 1. Dezember. Es war ein schönes, wahrhaft würdiges Fest, das der Verein für jüdische Geschichte und Litteratur am I. Chanuka-Abend in den Räumen des „Vereins junger Kaufleute", Beuthstraße 19, für seine Mitglieder veranstaltet hat. Mehr als 500 Theilnehmer aus allen Kreisen unserer Gemeinde waren dort versammelt. Das Programm brachte zunächst einen stimmungsvollen Prolog, den Herr Benas Levy, der sich um das Zustandekommen dieses Festes die größtcn Verdienste erworben, sehr gut vortrug. Dann folgten Klaviervorträge von Fräulein Helene Geißler, die berühmte Arie „Schlaget die PaukenV aus Rubinsteins „Makkabäern" von Frau Bayer gesungen, das Duo für Violine und Klavier über hebräische Melodien von Levandowski, von den Herrn A. Birnbaum und I. Rotstein, Lieder von Fräulein Louise Reimann und von der Hofopernsäugerin Fräulein Rothauser. Hieran schloß sich die Festrede des Vorsitzenden Herrn Dr. Gustav Karpeles, nach welcher die ganze Versammlung die Chanukahymne: „Schirm und Schutz", sang. Mit diesem erhebenden Moment schloß der offizielle Theil des Festes ab, und es folgte der nicht offizielle: Tafel und Tanz, die die Theilnehmer noch lange in ungetrübter Heiterkeit zusammenhielten. Während der Kaffeepause gedachte Herr Dr. H. Hildesheimer in warmen Worten der Arbeit des Festkomitees, vor Allem des Herrn Benas Levy. Herr Pauli vom Deutschen Theater brachte einen poetischen Toast auf die Damen aus und erfreute durch den Vortrag einiger humoristischer Piecen, und Herr Friedländer sang ein größeres Kuplet, in dem besonders die Anspielungen auf Vereinsangelegenheilen großen Beifall fanden. Das ganze Fest verlief ohne den geringsten Mißklang in schöner Harmonie. L2 Berlin, 29. November. Im „Akademischen Verein für jüdische Geschichte und Litteratur", dessen Sitzungen regelmäßig Dienstag Abends im Vereinslokal, Linieustr. 96, stattfinden, hielt am 24. November Herr Professor Dr. M. Philippson in zahlreich besuchter Sitzung einen Vortrag über das Thema: „Der große Kurfürst und die Juden". Der Vortragende entrollte ein Bild von den Anschauungen des großen Kurfürsten über seine Herrscherpflichten und die Aufgaben des Staates, welche durch Weitherzigkeit und Toleranz sich weit über die der zeitgenössischen Fürsten hinausragten. Von dieser Weitherzigkeit und Toleranz sind auch alle Maßregeln des großen Kurfürsten gegenüber den Juden getragen, was der Redner im Einzelnen beleuchtete. Erst gegen Ende seines Lebens zeigte sich eine Wandlung im Verhalten des großen Fürsten, die sich daraus erklärt, daß er, nicht mehr im Vollbesitz seiner Kräfte, dem Ansturm seiner gesammten, judengegnerisch gesinnten Umgebung nicht zu widerstehen vermochte. Nachdem der reiche Beifall der Anwesenden verklungen war, dankte der Vorsitzende des Vereins dem Redner, worauf eine gemächliche Kneipe die Versammelten noch lange zusammenhielt. $ «XD Berlin, 1. Dezember. Die unter dem Protektorat der Kaiserin Friedrich stehenden Auerbach'schen Waisen-Erziehungs-Anstalten werden voraussichtlich zu Ostern kommenden Jahres aus ihrem alten Heim in der Oranienburgerstraße nach ihrem Neubau an der Schönhauser Allee 168 übersiedeln, welcher einer um die Hälfte des jetzigen Bestandes erhöhten Zahl von Zöglingen Raum bieten soll. Macht schon das weit gegen die Straßenfront zurücktretende Verwaltungsgebäude, vor welchem ein von einem Gönner der Anstalten gestiftetes Kaiser Friedrich-Denkmal aufgestellt werden soll, einen stattlichen Eindruck, so steigert sich dieser erheblich beim Betreten des großen Hofes, um den sich die Anstaltsgebäude gruppiren. Nach Süden öffnet sich der Hof auf ausgedehnte Gärten, sonst aber ist er abgeschlossen vom Geräusch der Straße und von allen nachbarlichen Störungen. Jeder Prunk ist vermieden. Aber die großen, hohen Räume sind von Licht und Luft durchfluthet. Breite, Helle Korridore und Treppen sind vorhanden, und allen gesundheitlichen und erziehlichen Ansprüchen ist bei der Anlage wie bei der inneren Einrichtung des Hauses genügt worden. Die Bauleitung ruht in den Händen der Architekten Höniger und Sedelmeier, nach deren Plänen die Anstalten erbaut sind. 22 Berliu, 1. Dezember. Ein hochherziges Vermächtniß der vor wenigen Jahren hier verstorbenen Kommerzienrath Moriz und Rosa Gersonschen Eheleute ist jetzt, nachdem die Erben lange einen Prozeß geführt haben, von den Testamentsexekutoren zur Aus- < Zahlung an die Legatare gelangt. In dem Testamente hatten die Erblasser den Ertrag aus dem Verkaufe des ihnen gehörigen Grundstückes Thiergartenstraße 4 a zu Wohlthätigkeitszwecken bestimmt, und

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