Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 60 (1896)
- Issue
- Heft 49 (4.12.1896)
- Date
- 1896-12-04
- Page
- Seite 588 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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H88 als ein paar verlegen gestammelte Worte der Entschuldigung. Chawe^ war ein lebendiges Beispiel von der Macht der Sittlichkeit. , Sie hatte ja sonst keine Aufgabe auf Erden. Ihre goldene Kette hatte sie gegen Goldfäden vertauscht und aus dem schweren^ Brokatkleid der Mutter hat sie eine Poraucheß gemacht. Daran, stickte sie selbst Tag und Nacht, daß es ein wahres Prachtstück wurde. Pas sollte für den armen Schwüle ein Andenken sein, damit sein Name nicht vergessen werde, wenn die einzige Person nicht mehr ist, die seiner gedenkt. (Fortsetzung folgt.) •***• Mattiszahus Tod. Byn Dr. S. Samuel in Esten. Äls Mattisjahu nun von hinnen scheiden sollte. Da sprach der Heilige zur lichten Engelschaar: „Wer meinen Trauten mir zum Himmel bringen wollte. Er fliege schnell und mach ihn schmerzlos leidensbar." Da fließt alsbald ein Duft und goldner Schimmer Ums Schmerzenslager, drauf Mattisjahs Leben krankt; Es richtet sich der Augen letzter Glimmer Dem Engelsbilde zu, das lieblich um ihn schwankt. „Wer bist Du?" haucht er, „holder als die Kinder Der Menschen, die ich sah seit Lebenszeit, Dein Blick, Dein Odem schon macht mich gesünder. Umarme mich, und auf zu neuem Streit!" Und mit der letzten Kraft rafft er sich auf vorn Lager, Und streckt die Arme, sehnend nach dem Engel aus. Es bebt der ganze Leib, schon abgezehrt und hager, Die Söhne, die es schauen, faßt geheimer Graus. - Doch Gabriel, der Engel, drauf: „Du edler Gottesstreiter, Dein Kämpfen ist vollbracht, und Friede heißt Dein Lohn, " Nach meinem Kusse schlägt Dein muthig Herz nicht weiter. Doch Deine Seele schwingt.sich auf zu Gottes Thron." Erbebend sinkt zurück der Greis mit lauter Klage „Berückst Du so mich, Tod, in hellem Lichtgewand? Du forderst mich im Winter meiner Tage, Da meinem Werke — kaum der Lenz erstand!" Drauf Gabriel: „Laß ab vom Klagen, Du mußt sterben. Beschlossen ist's, nicht ziemt's zu stören Gottes Rath; Blick' hin auf Deines Geistes, Deines Werkes Erben, - Und frag' Dich selbst, ob Gott Dir wohlgethan!" Mattisja, merkend, daß kein Aufschub noch Entrinnen, Hub an: „So preise sterbend meine Seele Iah, Daß er verwaist nicht läßt mein groß' Beginnen, Zu seinery Dienst und Streit sich mein Geschlecht ersah. So tretet her, Ihr, denen solch' ein Loos beschieden, Ihr Söhne seht, wie schwer der Abschied mich bedrückt; Mich zieht's zu Kampf und Streit und nicht zum Frieden, So lang das heil'ge Werk noch nicht geglückt. Hör' ich nicht Syrer toben auf dem Gottesboden? Zerstampfen ihre^Roste nicht das heil'ge Land? . Makkabi! denk' daran, die Frevler auszuroden. Und steck' das Schwert nicht ein, bis es den letzten fand. Und, wo sie schmeichelnd, ihre Gifte speiend, nistet, Zertritt die Schlangenbrut, die eitel Abfall zeugt. Die unser Heiligthum geschändet und sich brüstet. Daß ihren Götzen sich die blöde Menge beugt! Du, Simon, der Du Rath und Einsicht oft bewiesen, ' Bekämpf' den inner'» Feind! Sei Deines Bruders Hort! > Dem Treubruch Tod! Die Treue sei gepriesen. Sie führ' und eine Euch zur Fahne Zebaoth! Ihr Andern stellt den Brüdern Euch zu Seiten, Folgt ihnen neidlos, dient dem Land zur Wehr! Dem Feind zur Furcht! — und laßt Euch von dem Ew'gen leiten! Er schweigt — „Noch eins: Und trachtet nicht nach eitler Ehr'! — * Erschöpft vom Reden, scheint des Athems er zu missen. Die Söhne stürzen über ihn in bitt'rer Noth, Bedecken Hand' und Haupt mit heißen Küssen Und schwören lauter Stimme Treue bis zum Tod. Da wehrt der Engel der zu frühen Klag' und kündet: „Noch eine Gnade hat Dir, Theurer, Gott gespart! Wie Mose, der nur einmal Gottes Zorn entzündet. Sollst Du von ferne schau'n, was hier der Deinen harrt." Und wunderbar! Zu seinen Häupten steigen Gestalten viel, und sieh': Assur dem Staub geeint, . Und Judas Fuß im Nacken; rings ein Festesreigen, Jungfrau'n und Jüngling', Volk, das der Errettung weint- Und dort! welch' zweites friedlich Bild! Die Hallen Des Heiligthums geschmückt in altem Glanz, Und durch die offnen Pforten fromme Beter wallen. Wie in den Jugendtagen Mattisjahus ganz. Von Hellem Schimmer fließt der Altar über. Und reines Licht strömt von dem Leuchter her, Acht Lichter funkeln zu dem Greis herüber. Wie durch die Nacht der Sterne gold'nes Meer. Und endlich, tief im Nebel scheint zu blitzen Ein Königsdiadem von rothem Gold!-„Genug!" So haucht Mattisjah, und es schwingt zu Himmelssitzen Die weggeküßte Seele sich, der Bundeslade Schmuck. Mit friedlichen, verklärten Zügen lag der Hehre. Von seinen Söhnen und ganz Israel beweint. Sie senken ihn ins Grab. Doch Du, o Gott, halfst durch der Kriege Schwere Und schicktest Deinen Feind zur Todesnacht hinab; Bis die Geretteten die Tempelweih' vollzogen Und alles sich erfüllt nach Deinem Wort, Wie Du gespalten einst des Schilfmeers rothe Wogen Und den Getreuen öffnetest den sichern Port!- Sprechfaul. Sehr geehrter Herr Doktor! (jSSex heutige Bericht über die letzte Repräsentanten - Sitzung entstellt <33 mein Auftreten in der Frage der Ersatzwahl in die Vorstands-Kommission an Stelle des bedauerlicherweise äusgeschiedenen Herrn Manheimer vollkommen. — Als Herr Manheimer seine bezügliche Erklärung abgegeben hatte, wurde von liberalster Seite ein Herr der entgegengesetzten Richtung vorgeschlagen. Da durch eine derartige Wahl das Kollegium im Lichte der größten Intoleranz erschienen wäre, hielt ich es für richtig, überhaupt Einspruch gegen die sofortige Vornahme der Wahl zu erheben. Als dann Herr Geh. Rath Marcuse sich zur eventuellen Annahme einer Wahl bereit erklärte, zog ich sogleich meinen Einspruch zurück, und Herr Marcuse wurde ja sann auch mit fast allen Stimmen gewühlt. Hochachtungsvoll und ergebenst Berlin, 27. November. Martin Simon. * Qxd) bitte ergebenst, einen Druckfehler der letzten Nummer 48 vom 27. November (Gemeindebote S. 2, rechte Spalte Z. 9) in dem Berichte von Sm. gefälligst in der nächsten Nummer richtig zu stellen. Die Zahl soll heißen 13 713. Das Komma entstellt das Bild der Thätigkeit des Vereins. Ergebenst Berlin, 30. November.. Dr. Jutr.osinski. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Mar Lauchwitz in Berlin.