Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 60 (1896)
- Issue
- Heft 49 (4.12.1896)
- Date
- 1896-12-04
- Page
- Seite 582 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Amerikaner, wenn sie in Europa reisen, irgend eine andere Sprache außer ihrer .eigenen -kennen würden,- so verständen sie, was man über sie sagt. Sie'.würden erfahren, daß nran in Europa die Amerikaner . für das hältwofür diese Amerikaner die' Juden halteii. Warum % Wahrscheinlich, weil zuweilen ein Amerikaner ihrer Art < diesen' -Charakter hatte, und da die Amerikaner in Europa die Minderheit sind, so-muffen sie alle, wie jede Minderheit, für die Verbrechen eines Einzelnen aus ihrer Mitte leiden: - Ich'leugne. nicht, daß. einige unserer Jüdinnen närrisch genug sind, ihre Schönheit durch das Zurschautragen von Juwelen zu vermindern, - :diein sicherem Gewahrsam oder unter der Obhut eines Beamten ruhen sollten. Ich leugne nicht, daß es Juden giebt, die ungesittet sind, die nicht unterscheiden zwischen Einsamkeit, und Oeffentlichkeit, die einen Eisenbahnwagen als passenden; Platz für alle Arten Gefühlsansbrüche betrachten und nicht daran denken, daß sie auch auf Andere Rücksicht zu nehmen haben; aber es giebt auch ebenso viele Nichtjuden, die dasselbe thun! Das Judenthnm lehrt sicherlich nicht die Rohheit, und der Jude, der nicht blos durch Zufallsondern aus Ueberzeugung Jude ist, wird alle ungestümen Gefühle unterdrücken und jede Neigung zur Schaustellung des' Glanzes im Zaume halten. Was sind wir im Begriff, gegen das Borurtheil zu thun? Einige von uns sind besorgt, ich bin es nicht! Diejenigen, die sich mnr nicht zugesellen wollen, nur weil ich Jude bin, mögen nur ihrer Gesinnung folgen. Ich betrachte die Ausschließung ans ihrer Gesell-- schast als Gewinn, denn was kann ich durch das Zusammensein mit' engherzigen Frömmlern innerlich gewinnen? Ihr Horizont ist beschränkt, mehr beschränkt als der meine. Ihre Sympathien sind schwach, ihre Vornrtheile tief. Was schadet es mir, wenn'sie sich weigern, mit mir zusammen zu kommen? Mögen sie immer warten', bis ich wünsche, zu ihnen zligelassen zu .werden! „Ich bin gerade so gut wie Du". Was schadet es, wenn Klubs' mich nicht aufnehmen?' Ich bin außerhalb derselben besser dran. Ich hab's behaglicher auf der Straße, als in solchen Klubs. Ich bin der Gewinnende und nicht der Verlierende.. Es wird immer Menschen geben, die über diesen Vorurtheilen stehen/ und in manch' sogenannter „nicht standesgemäßer" Versammlung findet man vielbessere Gesellschaft als da, wo „plutoerae^" znsammenkommt. Was die .kultivirten Juden anbetrifft, so können sie diese Art philosophischer ^ltzigerechtiMt ruhig ertragen und können stolz darauf sein, daß ihre Äfahrung die Erläuterung für so vieles ist, was in- Amerika^ geschehen muß, um die Amerikaner Freiheit und Toleranz zu lehren; es ist des Amerikaners unwürdig, ein Borurtheil zu hegen, in welcher Gestalt und. auf welche Weise es auch sei.; Wirchber sollten unser eigenes Gebiet ordnen. Wir sollten von' der Kanzel aus, in der Presse und auch im Privatverkehr alles ahnden, Mas nach Gemeinheit schmeckt. Wir müssen uns und andere^so erziehen, wie wir sein sollten, trotz der Minorität, erhaben über dem Vorwurf, ohne Makel und Schande. Noch etwas anderes müßten wir thun. Wir müßten das lebhafteste Interesse an allem, was das Wohl der Gesammtheit betrifft,.nehmen. Wir sollten nicht diejenigen sein, welche im Hintergrund stehen, wenn .etwas für die-/ Wohlfahrt, des Landes, der Provinz oder der Stadt zu thun ist. . Welches ist die beste Methode, gegen das Borurtheil anzukümpfen? Das Chanukafest fügt, es ist-das Licht. Seine Lampen sind starke Mahner für die Macht des Lichts, die Schlacht zu gewinnen, die' noch um uns her wüthet. Im Lichte lasset unsere Botschaft in die - Welt hinausgehen und lehren, was der Jude ist und was er zusein strebtf —so wird die Schlacht schon halb gewonnen sein. Schaffet Licht um Euch her! Ja, laßt das Licht ansströmen, und! die Dunkelheit wird verschwinden. Endlich wird Antiochus Epiphanes unterliegen. Jetzt gerade tritt die fluchendem Welle zurück, Rußland hat gelernt — ist im Begriff es zu lernen — daß die Nationalität nicht auf Gleichförmigkeit gegründet ist. . Deutschland wird, indem es den Individualismus abwirft, wieder zu seinem eigenen idealen Bewußtsein^ kommen, und in Amerika wird das soziale Borurtheil aus Mangel an gegründeter .Ursache aussterben, wenn der Jude auf jedem Gebiete der Wegweiser ist zu jener Höhe, wo Gottes eigenes Licht die Menorah, die heilige Lampe der Menschlichkeit entzündet. Johann Hyrkan. Ein Vortrag von Rabbiner Dr. I. Kohn in Jnowrazlaw. f ohann Hyrkan, der erste König aus dem Hause der Hasmonäer, ein Enkelsohn des ruhmreichen, unsterblichen Priesters Mathatias, errichtete in Modin, d. i. der Gebnrts- und Wohnort der Hasmonäer, ein kostbares Mausoleum aus weißem, polirtem Marmor; hohe,, in griechischem Stile gearbeitete Säulengänge schmückten den Bau, auf dem Ban aber erhoben sich sieben Pyramiden zum Andenken an die Stammeltern der Hasmönöer, an Vater und Mutter- und deren fünf Heldensöhne. Das Denkmal hatte eine solche Höhe, daß es weit hinaus im Meere sichtbar.gewesen und den Schiffern zum Zeichen' diente. Es überdauerte den Fall von Jerusalem um mehrere Jahrhunderte.. .Doch was sage ich, um mehrere Jahrhunderte! Es sind seitdem mehr als zwei Jahrtausende von den vielbewegten Wellen des Zeitmeeres' verschlungen worden. und jenes Mausoleum, jener Prachtbau steht heute noch in seiner ganzen bewundernswerthen Schöne lebendig vor unseren Augen da. Oder ist etwa das Andenken an Mathatias und seinen heldenmüthigen Sohne Juda Makkabi in unserem Herzen erloschen, die Erinnerung an die Brüder Judas, an Jonathan M«d Simon, in unserer Seele erstorben? Lebt das Andenken an W glorreichen, unsterblichen Helden in uns nicht frisch , und lebend^'fort? Bewahren wir ihnen nicht allesammt Ehrfurcht, Anerkennung und Bewunderung von Geschlecht zu Geschlecht? Ja, das Mausoleum der Makkabäer ist heute noch weit hinaus sichtbar und uns dient dies Mausoleum, das Andenken an die Makkabäer, zum Wahrzeichen. Zum Zeichen, anszuharren, treu zu bleiben unserem Gotte, unserer Religion, unter allen Verhältnissen, und mögen wir noch so wenig und schwach, und unsere Gegner noch so zahlreich und stark sein, wir fürchten nicht, wir zagen nicht, der Gott, der die Makkabäer beschützt, wird auch uns beschützen, der Gott, der die Makkabäer zum Siege geführt, wird auch uns über unsere Gegner triumphiren lassen, denn auch unsere Gegner werden schließlich einsehen, daß das Judenthum nichts wünscht und lehrt als Nächstenliebe, .als Menschenfreundlichkeit, als Wohlthätigkeit und Barmherzigkeit. Unsere Gegner sprechen so oft abfällig und geringschätzig von der Ethik, von/der Sittenlehre des Judenthums. Die Ethik des Christenthnms, meinen sie, sei so hoch erhaben über die Ethik des, Jlldenthnms, wie der Himmel erhaben über die Erde.' Nun, wir können alle Diejenigen, die also sprechen, nur bedauern, sie mitsammt ihrer Unwissenheit. Wer etwas von Geschichte versteht, weiß, daß die Ethik des Christenthums eigentlich nur die Ethik des Judenthums ist, daß die Nächstenliebe des Christenthums eigentlich nur die Nächstenliebe des Judenthums ist; wer. von. Geschichte 'etwas versteht,' weiß, daß das Christenthumdas auch vom Gesichtspunkte, des Judenthums eirw der heiligsten Religionen ist, daß vas Christenthum- /