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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-11-27 · Heft 48 (27.11.1896) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 48 (27.11.1896)
Date
1896-11-27
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 nicht immer im richtigen Verhältnisse zur Noth steht. Das liegt natürlich an der Beschränktheit der zu Gebote stehenden Mittel und ist — was auch Diejenigen, die „Vernunft und Wissenschaft, des Menschen allerhöchste Kraft, verachten", sagen mögen — lebhaft zu bedauern. Es war, wie der Herr Schriftführer hervorhob, hundert Jahre nach der Geburt Pestalozzis, als Diesterweg die Gründung von Pestalozzi- Vereinen und -Stiftungen zur Unterstützung von Lehrer-Wittwen und -Waisen erfolgreich anregte. Sieben Jahre später trat der Verein zur Unterstützung jüdischer Lehrer in Preußen ins Leben. Von der richtigen Erwägung ausgehend, daß die Lehrerschaft ihren Kulturaufgaben nur dann voll und ganz gerecht werden kann, wenn häusliche Sorgen ihr möglichst fern gehalten werden, haben edle Männer ihn begründet. Leider scheinen sich dieser Erwägung bisher diejenigen Kreise verschlossen zu habest, denen sie besonders nahe liegen müßte — die Provinzialgemeinden So läuft aus Westpreußen, wohin alljährlich 800 Mark an Unterstützungen fließen, nicht ein einziger Beitrag ein. Die laufenden Beiträge sind überhaupt im Rückgänge begriffen. Und doch sollte, wie der Vorsitzende Herr Dr. Jutrosinski ausführte, für den hochwichtigen und ehrenhaften Stand der Lehrer eine solche Theilnahme in Privatkreisen stattsinden, daß man der Aufgabe, für ihn zu „sammeln", enthoben sein sollte. „Möchte doch" — das waren die Schlußworte des Rechenschaftsberichts — „die am 12. Januar dieses Jahres erneute Erinnerung an Pestalozzi, an seine Bedeutung für die Schule und Gesellschaft, das Interesse für den Verein beleben, kräftigen, erweitern." X Bromberg im November. Zu hohen Ehren kam der Sohn des Lehrers Braunhart-Schubin. Derselbe, mit Namen Samuel Braunhart, wurde zu Anfang dieses Monats zuin Staatssenator in San Franzisko gewählt Seit \ lJ2 Jahren bekleidet er schon das Amt eines Hasendirektors daselbst. Als 14jähriger Knabe kam er nach Kalifornien und ist bereits 35 Jahre im Ausland. Seine Eltern feierten in Schubin im Monat Februar d. I. die Diamanthochzeit. — Zu Stadtverordneten sind gewählt in Jutroschin der Kaufmann I. Rosenbaum; in Janowitz der Stadtkämmerer und Kaufmann Schlome; in Gollantsch der Kaufmann Lipinski; in Rakel die Herren Jtzig und Bärwald. — Die Diamant- Hochzeit feierten am 21. November in Tho rn die Eltern des Sanitätsraihs Dr. Jakobi aus Bromberg. Dem hochgeachteten Jubelpaare wurden von vielen Seiten Ovationen dargebracht. x. Lissa i. P., 19. November. Am 15. d. M. fand in unserem „Verein für Geschichte und Litteratur" die Neuwahl des Vorstandes statt. Es wurden die Herren Rabbiner Dr. Bäck, Rechtsanwalt Nürnberg, Hauptlehrer Herbst, Kaufmann und erster Vorsteher Louis Biberfeld und Dr. med. Simon Scherbel wiedergewählt. — In der heute stattgehabten Neuwahl zur Repräsentantenversammlung wurden die Herren Adolf Pick, Benno Fränkel, Wolf Metis, William Bergmann, Emil Jakobi, H. Worrmann, A. Lippmannsohn und Dr. med. Scherbel zu Repräsentanten auf sechs Jahre, die Herren S. Mannheim, Meier Weil und L. Kaliski zu Repräsentanten auf drei Jahre gewählt. X Altona, 22. November. Nach einer neueren Entscheidung des Oberverwaltungsgerickts ist der jüdische Religionsunterricht nicht ein Theil des schulplanmäßigen Unterrichts in der Volksschule, sondern trägt lediglich den Charakter gemeinsamer Religionsübung und der Unterweisung und Vorbereitung für diese, ebenso wie der Beichtunterricht der katholischen und der Konfirmandenunterricht der ^evangelischen Kirchen, wenn er auch zeitlich einen größeren Umfang als chsese hat. Die Pflicht zur Fürsorge für denselben kann daher auch nicht *. ein Theil der Schullast, sondern nur als ein Ausfluß der Verläßlichkeit, für die zur gemeinsamen Religionsübung erforderlichen Einrichtungen Sorge zu tragen, angesehen werden. Wollte man aber auch den jüdischen Religionsunterricht als Theil des regelmäßigen Unterrichts der Volksschule ansehen, so würde doch eine Einrichtung, die sich lediglich auf Ertheilung dieses Unterrichts beschränkt, nicht, als eine der allgemeinen Schulpflicht dienende aufgefaßt werden können, da sie nur einen einzelnen Gegenstand aus dem Unterrichte der Volksschule herausgreifen und im Uebrigen hinsichtlich der Erfüllung der Schulpflicht auf andere Einrichtungen verweisen würde. Aus Westfalen, 19. November. Auf der diesjährigen Generalversammlung des „Vereins israelitischer Lehrer für Westfalen und Rheinland (24. und 25. Mai zu Elberfeld) wies Treu-Münster auf die Bedeutung der früheren in Westfalen abgehalteneu, aber seit einer Reihe von Jahren eingegangenen Spezialkonferenzen hin, und wurde derselbe mit den einleitenden Schritten zur Wiedereinführung der Bezirkskonferenzen betraut. Infolge dessen erschienen auf Einladung von Herren Baum-Rheine und Treu-Münster am IS. November zu Münster im Hotel Wieseler außer den Genannten die Herren: Coblenz-Münster, Dahl-Wester-Cappeln, Dublon-Dülmen, Einanuel-Burgsteinfurt, Seminar-Direktor Dr. Gutmann-Münster, Dr. Mansbach-Münster, Schürmann-Borke, Dr. Steinberg-Münster, Vohs-Wolbeck, die Herren Graf-Essen, Katzenstein-Warendorf und Tannenbaum-Recklinghausen hatten sich als verhindert entschuldigt. Nach einigen Worten der Begrüßung seitens Treu übernahm Herr Baum den Vorsitz zur Berathung des den Bezirkskonferenzen zu Grunde zu legenden Programms: 1. Pflege der Kollegialität: Gedankenaustausch, — Rath — zumal an jüngere Lehrer, besonders zur Erleichterung bei der Erwerbung der Mitgliedschaft der Pensionskasse des Vereins rc, Angabe der Mittel und Wege zur Erwirkung der Oeffentlichkeit der Schule da, wo die Bedingungen gegeben sind. 2. Enge Verbindung der Bezirkskonferenzen und diese in Verbindung gemeinsam mit dem Vorstande des Vereins für beide Provinzen. 3. Berathung über Mittel zur Hebung der Einnahmequellen der Pensionskasse. Dr. Gutmann beantragte die Aufnahme kurzer Besprechung pädagogischer und methodischer Fragen in den Rahmen des Programms. Der Antrag fand Beifall. 4. wurde der letzte Punkt als besonders wichtig anerkannt, nämlich die Vorbereitung zur Generalversammlung, behufs Einmüthigkeit bei wichtigen Fragen, Streitpunkten rc. Der Räum gestaltet das Eingehen auf Einzelnes hier nicht. In der Versammlung herrschte eine freudige Stimmung zu Gunsten der Bezirkskonferenzen; Kollegialität und Einmüthigkeit walteten als guter Geist unter den Anwesenden. Wesentlich gehoben war die Stimmung durch das Erscheinen des Herrn Graf, der als Vorsitzender des großen Vereins für diesen so opferwillig wie energisch und umsichtig eintritt. Auf Grund des vorgelegten Programms wurde die Bezirkskonferenz als gegründet erklärt; als nächster Orl wurde Dülmen bestimmt, und als Zeit ein Sonntag im März 1897 anberaumt. Somit auf frohes Wiedersehen zur frischen Arbeit beim Kollegen Herrn Dublon in Dülmen. a. Chemnitz, 22. November. Aus dem eben ausgegebenen Verwaltungs-Bericht des Vorstandes der israelitischen Gemeinde für das Jahr 1696 entnehme ich folgende allgemein interessirende Daten: Die seit Jahren gehegte Hoffnung ist nun zur Wirklichkeit geworden, denn die Gemeinde hat durch den Ankauf eines schön gelegenen Grundstückes den ersten Schritt zum Bau eines Gotteshauses gethan. Es ist dies zum Theil der erwählten Synagogenbau-Kommission (welche aus Delegirten des . Vorstandes, Gemeindeverordneten und Gemeindemitgliedern besteht), vor allem aber denjenigen opferwilligen hiesigen und auswärtigen Gemeindemitgliedern zu danken, welche durch freiwillige Zeichnungen es ermöglichten, daß auf das Grundstück eine Anzahlung von 27 000 Mark geleistet werden konnte. Die Erlaubniß zum Bau der Synagoge, sowie zur Aufnahme eines amortisirbaren Darlehns ist ebenfalls ertheilt worden, und es konnte demzufolge mit allen Vorarbeiten begonnen werden. Dieselben dürften bis zum Frühjahr beendet sein. Der Unterricht an der Religionsschule unserer Gemeinde wurde im laufenden Jahre von 144 Kindern (79 Knaben und 65 Mädchen) besucht, und es haben neben dem Schulleiter, Herrn Rabbiner Dr. Mühlfelder, noch die Lehrer Herren L. Cohn und S. Sommerfeld in 7 Klassen den Unterricht ertheilt. Mitte Oktober d. I. ist das neu bearbeitete Gemeinde-Statut, dessen Revision längere Zeit in Anspruch nahm und welches auf Anordnung der Aufsichtsbehörde wiederholten Abänderungen unterworfen war, nunmehr vom Königlichen Ministerium genehmigt worden und für die Gemeinde in Kraft getreten. Steuerpflichtige Mitglieder verzeichnete die hiesige Gemeinde 310. Die Einnahmen der Gemeinde betrugen 22 123,71 Mark, die Ausgaben dagegen 14 969,91 Mark. Der Vorstand besteht aus den Herren: Max Bergmann, Herrmann Abrahamsohn, Willy Lippmann, Bernhard Kupserberg, L. I. Joachimstal, Josef Weiner. 8. Frankfurt a. M., den 22. November. Der Verein für jüdische Krankenpflegerinnen ist bestrebt, seine segensreiche Wirksamkeit überall hin zu entfalten. Augenblicklich pflegt eine seiner Schwestern in Ulmbach bei Steinau, einem kleinen Orte im Kreise

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