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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-11-27 · Heft 48 (27.11.1896) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 48 (27.11.1896)
Date
1896-11-27
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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‘2 in Stettin Herr Verbandssekretär Katz über Lord Byrons hebräische Melodien, in Essen Herr Dr. Simchowitz über den Tempel zu Jerusalem. — Der Wohlthätigkeitsoerein „Eintracht" zu Schildberg hat in der Vereinssitzung am 6 d. Mts. beschlossen, die Pflege der jüdischen Geschichte und Litteratur in das Bereich der Bereinsthätigkeib zu ziehen. Herr Rabbiner Dr. Bamberg er hat sich bereit erklärt in einem Cyklns von populären Vorträgen während des Winters die jüdische Geschichte und Litteratur zu behandeln. — In Krotoschin hat sich am 21. ds. der neue Verein konstituirt. Derselbe zählt bereits über 70 Mitglieder. In den Vorstand wurden gewählt: Rabb. Dr. Berger, erster Vorsitzender, Emil Cohn, zweiter Vorsitzender, Marcus Levy, Schatzmeister, Julius Neumark, Schriftführer, Lehrer Margolius- Bibliothekar, Lehrer Wolf und Moritz Wagner als Revisoren. ^2 Berlin, 20. November. Unsere Gemeinde hat wieder eines ihrer besten Mitglieder verloren. In der Nacht vom 16. auf den 17. d. M. ist Herr Albert Lew in im 60. Lebensjahre gestorben. Der Heimgegangene hatte ein warmes Herz für die armen Glaubensgenossen und war selbst unermüdlich im Wohlthun. Die glückliche Muße, welche er, nachdem er sich vom Geschäft zurückgezogen, genossen, verwendete er ausschließlich im Dienste der Wohlthätigkeit. Er war zehn Jahre Mitglied der Armenkommission der jüdischen Gemeinde, sechs Jahre im Vorstand der Alterversorgungsanstalt, der Gesellschaft jüdischer Handwerker und Künstler, des Borschußvereins für hilfsbedürftige Gemeindemitglieder, des Kurhospitals in Kolberg und vieler anderer gemeinnütziger Anstalten. Ueberall wurde sein unermüdlicher Eifer und seine rastlose Hingebung an die Sache anerkannt. Das Leichenbegängniß fand am 19. d. M. unter zahlreicher Betheiliguug auf dem Friedhof der Schönhauser Allee statt. Herr Rabbiner Dr. Weisse hielt die Trauerrede, in der er in beredten Worten die Verdienste des Verstorbenen um das Gemeinwohl dankbar hervorhob. Möge dem edlen Heimgegangenen die Erde leicht sein! r. Berlin, 25. November. Am 24. d. Mts. hat der Verein Mädche.nhaus Pankow in der „Gesellschaft der Freunde" seine diesjährige ordentliche Generalversammlung abgehalten. Der Verein hat den Zweck, „arme deutsche Mädchen jüdischen Glaubens, insbesondere Waisen zu dienstlichen Stellungen zu erziehen". Er hat auf seinem Grundstück zu Pankow, Mühlenstr. 86, eine Anstalt errichtet, in welcher zur Zeit 18 Mädchen Aufnahme finden können. Im verflossenen Jahre sind die letzten bei Eröffnung des Instituts ausgenommenen Mädchen in Dienststellungen eingetreten. Die frei gewordenen Stellen sind wieder besetzt. Die Anstalt wird von einer Vorsteherin geleitet. Das einzige Dienstpersonal besteht aus einem Pförtner, welcher mit Hilfe der Mädchen den Garten zu pflegen hat, der in diesem Jahre erfreuliche Erträgnisse lieferte. Alles übrige, namentlich die Säuberung des Hauses, Anfertigung der Kleider, die Bereitung aller Mahlzeiten und die gesammte Wäsche sowie deren Ausbesserung wird von den Mädchen besorgt. In der inneren Verwaltung des Hauses ist im letzten Jahre der Unterricht im Zuschneiden und Nähen durch Annahme einer besonderen Lehrerin verbessert worden. Ebenso ist das Mögliche gethan, um die häufig sehr mangelhafte Schulbildung so zu ergänzen, daß sie den Anforderungen, welche nothwendig an ein Dienstmädchen zu stellen sind, genügt. Endlich ist für die körperliche Kräftigung der Mädchen durch tüchtige Hausarbeit und regelmäßige Turnübungen, soweit es die Zeit eben gestatret, gesorgt. — Mit den bisher erzielten Resultaten kann der Verein im Wesentlichen zufrieden sein. In der Generalversammlung wurde nach einem Vortrage des Vorsitzenden über den Fortgang des Uebernehmens das ansscheidende Vorstandsmitglied, Herr Jnstizrath Makower, einstimmig wiedergewählt. Der Vorstand besteht hiernach aus den Herren Justizrath Makower. Rechtsanwalt Bernhard Breslauer, Emil Masse, Heinrich Eisner, I. Grunwald. Zu Revisoren wurden wiedergewählt die Herren Louis Paderstein und Ludwig Mecklenburg. An die Generalversammlung schloß sich die mit lebhaftem Beifall aufgenommene Vorlesung von Karl Emil Franzos über „Jüdische Frauencharaktere". §££ Berlin, 22. November. Eine stattliche Anzahl von Lehrern hatte sich am 18. d. im Festsaal des Hotels „Münchener Hos" zur Versammlung des Vereins jüdischer Lehrer der Provinz Brandenburg eingefunden, so daß der Vorsitzende, Herr Rektor Dr. Adler, in seinen Begrüßungsworten mit herzlicher Freude die große Theilnahme, die dem Verein in Lehrerkreisen der Provinz entgegengebracht wird, rühmend hervorheben konnte. Nach Feststellung der Präsenzliste, die ca. 60 Theilnehmer aufwies, machte der Vorsitzende zunächst mehrere geschäftliche Mittheilungen, u. a. von Zuwendungen an Büchern seitens des Deutsch-Jsr. Gemeinvebundes sowie der Verlagsbuchhandlungen von Wilh. Jacobsohn & Co. in Breslau und Emil Apolant in Berlin. Alsdann ergriff Herr Kollege Heidenseld-Friedeberg das Wort zu seinem Referat über das vom Verbände gestellte Thema; eingehend erörterte der Referent die gegenwärtige Lage der jüdischen Lehrer und gab am Ende seines Vortrags mehrere Vorschläge, die eine Hebung der sozialen und materiellen Lage bezwecken dürften. Der Korreferent, Herr Lehrer Nathan-Woldenberg, wies insbesondere auf die gesetzlichen Bestimmungen hin und forderte theils Beachtung, theils Aenderung der bestehenden Vorschriften. An die Referate schloß sich eine recht lebhafte, ausgedehnte Debatte; schließlich genehmigte die Versammlung folgende Resolution: „Der Provinzialverband der jüdischen Lehrer Brandenburgs beschließt - in dankbarer Würdigung der von den Herren Referenten vorgebrachten Beweggründe und der sich hieraus ergebenden Thesen —, den Vorstand des Verbandes der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reiche zu veranlassen, an geeigneter Stelle zu petitioniren, a) daß fortan keine anderen als staatlich geprüfte Lehrer angestellt werden, mit Ausnahme derer die bereits im Amt sind und Nachweisen, daß sie bei Erlaß der betr. Verfügung ein Lehramt in einer jüd. Gemeinde bekleidet haben, b) daß die Kündigung von Beamten seitens der Gemeinden der behördlichen Prüfung und Genehmigung zu unterliegen habe. — Des Weiteren soll der Verband die Gründung einer Central- oder mehrerer Provinzialkassen zur Pensionirnng der Lehrer und zur Versorgung ihrer Hinterbliebenen anstreben." Der vorgerückten Tageszeit wegen mußte leider der zweite Punkt der Tagesordnung, der ein Referat des Kollegen Cohn-Küstrin über „die Methodik des jüdischen Religionsunterrichtes von Dr. Maybaum" bringen sollte, vertagt werden. Mehrere Anträge von Mitgliedern, u. a. auf Gründung eines Jahrbuchs für jüdische Lehrer, wurden dem Verbandsvorstand zur Erwägung überwiesen; sodann wurde den Kollegen die deutsche Lesefibel von Raphael Cohn und der Jsr. Jugendfreund sowie die Jugendbibliothek, beide von Kollege Flanter herausgegeben, in Empfehlung gebracht. — Als Ort der nächsten Zusammenkunft wurde Frankfurt a. O. und als Zeit die Pfiugstwoche gewählt. Mit einem auf den Vorsitzenden ausgebrachten Hoch, als Dank für die unparteiische und geschickte Leitung, wurde die Versammlung geschlossen. Derselben folgte ein Mittagsmahl in den Versammlungsräumen, dessen Verlauf durch manche Rede gewürzt wurde. Erst spät trennten sich die Theilnehmer mit dem Scheidegruße: Auf Wiedersehen zu Pfingsten in Frankfurt! 8m. Berlin, 18. November. Die Generalversammlung des Vereins zur Unterstützung jüdischer Lehrer in Preußen hat am 19. d. Hierselbst in der Knabenschule der jüdischen Gemeinde stattgefunden. Wie der Verein den Aufgaben, die er sich gestellt hat, gerecht wird, das erhellt am besten aus dem Rechenschaftsberichte, welche der Schriftführer, Herr Rektor Dr. Holzman, erstattete. Wir entnehmen demselben die folgenden Daten: . In den verflossenen drei Jahren» hat der Verein durchschnittlich 25 lausende und 8 einmalige Unterstützungen im Gesammtbetrage von 137,15 Mark gewährt; die ersteren kamen meist Lehrerwittwen zu, aber auch emeritirte Lehrer und Lehrerinnen waren betheiligt; die letzteren betrafen im Amte befindliche oder zeitweise stellenlose, auch emeritirte Lehrer. Die meisten der Unterstützten wohnen in den Provinzen Posen und Westpreußen oder in Berlin, wohin sie nach ihrer Emeritirung verzogen sind. Das Vereinsvermögen hat in diesem Triennium einen Zuwachs von 4865 Mark erfahren, wovon 3000 Mark aus dem Nachlasse des Herrn Salomon Lachmann zu einer Stiftung bestimmt wurden. Die seit dem Bestehen des Vereins für Unterstützungen verwendete Summe beläuft sich auf 150995 Mark. „So hat der Verein, treu seiner Aufgabe, Schwache zu stützen. Beladenen den Weg gangbar zu machen. Kranken zur Heilung zu verhelfen gesucht." Es hätte kaum eines Hinweises darauf bedurft, daß der Vorstand es als ein nobile oküeium betrachtet, über Die gewährten Hilfeleistungen strenge Diskretion zu wahren, hat er doch selbst der städtischen Stiftungs- Deputation gegenüber, die für ihre Centralstelle eine Angabe über die an Unterstützungen betheiligten Personen wünschte, seinen Mund geschlossen. Ist nun auch jedes Gesuch eines Lehrers — ob er von Krankheit oder Unglück heimgesucht ist oder zur Ausbildung seiner Kinder der Hilfe bedarf — der schnellsten und taktvollsten Erledigung durch den Verein gewiß, so muß doch bekannt werden, daß die Hilfe

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