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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-11-27 · Heft 48 (27.11.1896) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 48 (27.11.1896)
Date
1896-11-27
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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Schlüchtern, drei an schwerem Unterleibstyphus erkrankte Glieder einer, armen jüdischen Familie. Die Verhältnisse sind so trostlos, daß die Schwester noch nicht einmal im Hause, einen Platz findet, um sich gelegentlich einmal durch den Nachtschlaf von der außerordentlish schwierigen Pflege zu erholen und neue Kräfte zu gewinnen. 'Infolge--■_ dessen wird es auch sehr bald nothwendig sein, sie abzuberüfen und sie durch eine andere Schwester ablösen zu lassen. Gewiß ein Beweis,, daß der genannte Verein seine hohe Aufgabe richtig ersaßt. 81. Pirmasens, 17. November. Unsere Gemeinde beklagt den Töd eines ihrer besten Männer. Herr Julius Schohl II ist in der Blüthe der Lebensjahre dahingegangen. Die Beerdigung, welche am 21. d. M. unter Betheiligung des Musikkorps vom Veteranen- und Kriegerverein stattfand, zeugte von der großen Beliebtheit des Mannes in Stadt und Gemeinde. Herr Schohl II war ein Wohlthäter im wahren. Sinne des Wortes. Er unterließ es nie, an Armen und Bedürftigen ohne Unterschied des Glaubens echtes Gmilus Chesed auszuüben. Herr Bezirksrabbiner Dr. Mayer-Zweibrücken hielt trotz des strömenden Regens unter sehr großer Betheiligung der Gemeinde am Grabe eine meisterhafte Rede, in der er das Leben und Schaffen des Dahingeschiedenen getreu schilderte. Möge dem theuren Manne die Erde leicht sein!; Oesterreich-Ungarn. Q Wien, 23. November, Gestern haben hier die Gemeindewählen in den verschiedenen Stadtbezirken stattgefunden. Ueber den Ausfall derselben verlautet noch nichts Bestimmtes Jndeß steht zu hoffen, daß der neue Vorstand eine energischere Thätigkeit wird entfalten, als der abgehende. Aus dem Bericht, den dieser vor den.Wahlen herausgegeben, entnehme sich nur zwei interessante Thatsachen, eine sehr "traurige und eine recht erfreuliche. Die erstere stammt aus dem Resümee des Obmanns-der Finanzsektion und lautet in lakonischer Kürze: „Das Defizit des Jahres 1895 belief sich aus 56 032,75^ fl. Die Präliminare pro 1896 stellte ein solches von 83 377 fl. in Aussicht, und das Vermögen der Gemeinde; betrug buchhalterisch nur 40 076,92 l/z fl., in welchem ca. 15 000 fl. nicht realisirbare Darlehen an verschiedene jüdische Vereine als Activa enthalten waren. Ob dies (das Gerechtwerden allen Verpflichtungen) bis. zum Schluffe des Jahres 1896 aus den , laufenden Einnahmen möglich sein wird, kann selbst jetzt mit. Sicherheit noch nicht zugesagt werden, aber in dem günstigsten, kaum wahrscheinlichen Falle, daß der neugewählte Vorstand die Geschäfte der Gemeinde nicht mit einer schwebenden Schuld.belastet übernehmen sollte, wird dies doch gänzlich ohne bewegliches Vermögen geschehen, und nur eine ausgiebige Erhöhung der Kultussteuern dürfte ihm die Möglichkeit bieten, die Zinsen und Amortisationsraten der Hypothekaranlehen pünktlich zu bezahlen und den kulturellen und Humanitären Obliegenheiten gerecht zu werden, deren Erfüllung das Gesetz und die jüdische Tradition jeder jüdischen Gemeindevertretung zur Aufgabe machen." Die zweite' Nachricht : findet sich gleichfalls im Vorstandsbericht und hat folgenden Wortlaut: „Die Benutzung der Gemeinde-Bibliothek, deren Leitung sich der gelehrte Professor Hammerschlag in der liebevollsten und uneigennützigsten Weise mit dem ganzen Aufwands seiner reichen Gelehrsamkeit widmete, nimmt von Jahr zu Jahr zu. Es äußert sich'hierin das erhöhte Interesse für die Kenntniß und die Wissenschaft des Judenthums. Die Bibliothek selbst hat durch/ eine munifizente Spende des Vorstandsmitgliedes Herrn Sal.o Cohn eine außerordentliche Bereicherung.erfahren. Er hat für den Preis von 6000 fl. die Bibliothek des Gelehrten Halberstamm angekauft und sie der Gemeinde zum Geschenke gemacht." Dieses schöne Beispiel verdient auch an anderen Orten nachgeahmt zu werden. — Die Wiener Zeitung veröffentlicht eine von den Herren Bürgermeister Joseph Strohdach und. Gustav Simon als Präses-Stellvertreter der Wiener israelitischen Kültusgemeinde gemeinsam Unterzeichnete Kundmachung, worin angezeigt wird, daß, wie alljährlich, auch heuer aus den Interessen der Freiherr Anselm v. Rothschild'schen Waisenstiftung, von 150 000 fl. österreichischer Währung 42 Waisen christlicher Konfession und 21 Waisen jüdischer Konfession mit je 100 fl. österreichischer Währung betheilt worden sind. — Die Brünner Studentenverbindung „ Sudetia " hat beschlossen, den jüdischen Studenten keine Satisfaktion zu.geben, worauf die Statthaltern die Auflösung?dieses famosen Vereins anordnete, die Vereinsbücher konfiszirte und das Bundeslokal schloß. Kon Nah und Fern. — Im Berliner Anwaltverein ist an Stelle des ermordeten Justizrath Levy Herr Justizrath Makower als erster-Vorsitzender gewählt worden. .— Der Kaiser von Oesterreich empfing am Donnerstag den Berliner Ingenieur und Fabrikbesitzer Herrn I.- Gutfeld in Audienz. Herr Gutfeld ist langjähriger geschäftsführender Sekretär des unter dem Protektorate des Kaisers Franz Joseph stehenden ö sterreichisch-ungarischen Hilfsvereins in Berlin. — Bor einigen Monaten wurde Herr Gutseld durch die Verleihung des Ordens der eisernen Krone ausgezeichnet, wofür er jetzt seinen Dank abstattete. — Der emeritirte Lehrer Herr Adolf Wolfs aus Gleiwitz, der auf eine durch Fl?iß, Gewissenhaftigkeit und Frömmigkeit ausgezeichnete fünfzigjährige Thätigkeit an der Gemeinde- und Simultanschule zu Gleiwitz zurückblickt, feiert am 4. Dezember d. Iin Berlin seinen achtzigsten Geburtstag. — In Hamburg ist am 11. d. Mts. der amerikanische Konsul E. A. Jsaacs im 67. Lebensjahr gestorben. Derselbe war in London geboren, lebte aber seit mehr als 30 Jahren in Hamburg. — Für eine vortreffliche Arbeit, welche in Fachkreisen allgemeine Anerkennung gesunden hat, ist dem Sind, phil, Wilhelm Levison in Bonn, Sohn der Wittwe H. Levison in Düsseldorf, der Preis der Löbell-Stiftung zuerkannt worden. Bon der philosophischen Fakultät ward demselben die Aufgabe gestellt: Das gesammte inschriftliche Material soll zur Lösung der Frage dienen, seit wann und inwieweit amtliche Geburts- und Sterbelisten in den verschiedenen Theilen des römischen Reiches geführt wurden." — Ein böser Druckfehler ist in der letzten Nummer stehen geblieben, daß in Baiern 500 000 Juden wohnen, während es in Wirklichkeit nur ungefähr 50000 sind. — Zu Mitgliedern der baierischen Akademie der Wissenschaften in München wurden bei deren Festsitzung der Zoologe Professor Sele nka, der durch seine Tropenfahrten neuerdings in. weiteren Kreisen bekannt geworden ist, und der Historiker Ludwig Traube, ein Sohn des Berliner Klinikers, gewählt. — Dr. EmanNel Schwartz wurde zum Rabbiner in Eg er (Böhmen) gewählt. — Dem berühmten Maler Leopold Hörowitz in W ien wurde der Orden der Eisernen Krone dritter Klaffe verliehen. — Der ungarische Kultusminister hat die schöne Bronzestatue „Letzte Liebe" (Utolsö szerelem) des jüdischen Bildhauers Josef Roma für das ungarische Museum gekauft. — Die Universität Lemberg hat den ersten jüdischen Professor erhalten; an die neuerrichtete medizinische Fakultät ist Dr. Adolf Beck, bisher Privatdozent in Krakau, als Professor extr. für Physiologie berufen worden. Außer ihm lehrt nur noch ein jüdischer Privatdozent an der Universität. — In Konskie in Galizien sind durch eine Explosion zwei Häuser zerstört worden. In einem derselben befand sich eine jüdische Schule. Mehrere Personen sind bei der Katastrophe ums Leben gekommen. — M. Ferdinand Cremieux hat unmittelbar nach der Wahl in das jüdische Centralkonsistorium von Frankreich erklärt, daß er dieselbe nicht annehme. Eine neue Wahl muß nun stattfinden. — Das „Journal des Döbats" berichtet, daß am Sonnabend zwei junge Doktoren der Medizin in Paris, von denen einer der katholischen, der andere der mosaischen Religion angehöre, über den Fäll Dreifus in Streit gerathen seien, und daß infolgedessen ein Degenduell stattgesunden habe. Nachdem das Duell bereits mehrere Minuten gedauert, wurde der jüdische Arzt durch einen Degenstich in die Brust verletzt. Die Verwundung ist schwer, wenngleich nicht lebensgefährlich. — In Genua ist der Doyen der italienischen Rabbiner, der Großrabbiner Felice Fiazi, im 82. Lebensjahre gestorben. Der Heimgegangene war daselbst meh^' als 40 Jahre Rabbiner und wurde mit großen Ehren beerdigt. — J Ramsgate würde am 9. d. M. Lazarus Hart einstimmig zum Bü' Dmeister gewählt. — In Engl an d und Wales gibt es 100 000, in Bombay 13 475, in Schottland 2060, in Irland 1879, in Gibraltar 1000, in Trinidad 31 Juden. In Johannesburg wohnen jetzt 6253 Juden. — Vor Kurzem starb in Melbourne die einst berühmte Opernsängerin Frau Fanny Simonsen. An Jom-Kippur nahm sie noch am Gottesdienste in der St. Kilda-Synagoge theil, und am nächsten Morgen war sie todt. — In Neu-Süd-Wales wurde Emanuel Cohen zum Leiter der Justizverwaltung ernannt. Es ist dies der zweite Jude, der dort diese Stellung bekleidet. Druck und Verlag von Rudolf-Mo sse in Berlin. Verantwortlich-für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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