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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-11-20 · Heft 47 (20.11.1896) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 47 (20.11.1896)
Date
1896-11-20
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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gestellt; mit dem Bau eines Krankenhauses zu beginnen. . Die Generalversammlung stimmte den Vorschlägen nicht unbedingt zu, und nach eingehender Diskussion wurde die Angelegenheit einer Kommission von fünf Mitgliedern überwiesen. An Stelle des verstorbenen Herrn Kommerzienrath A. Molling ist Herr Bankier S. Oppenheimer in den Vorstand eingetreten. — Nachdem die Liste der zu einem Bortrage einzuladenden Herren in der Vorstandssitzung festgestellt ist, wird der hiesige Litteraturverein in nächster Zeit seine Thätigkeit wieder anfnehrnen. — Nach 'längerer Pause hielt der Reichstagsabgeordnete Liebermann von Sonnenberg hier wieder einmal einen Vortrag, zu dem durch große Zettel an den Anschlagsäulen, schon eine Woche vorher eingeladen war, Einlaßkarten kosteten 40 Pfennig, im Vorverkauf 30 Pfennig, zur Deckung der Unkosten! — Der Erfolg scheint nicht den Erwartungen entsprochen zu haben und auch dieser „bewährte Kämpfer" nicht mehr die alte Anziehungskraft auszuüben. In seinem zweistündigen Vortrage: „Die gegenwärtige politische Lage" brachte er nichts Neues, wenn nicht die Entdeckung, daß auch die armenischen Wirren auf jüdische Machinationen zurückzuführen seien, wofür er die Beweise in Briefen aus Armenien habe, und ferner eine gründliche Abschlachtung des von jüdischen Eltern abstammenden bisherigen Leiters des Kolonialamts, Direktor Dr. Kayser. Es scheint, daß auch die hervorragendsten antisemitischen Führer sich überlebt Haben. — Der Antrag des Vorstandes des Israel Simonschen Waisenhauses, bei den zur Weiterführung der Anstalt in der bisherigen Weise nicht ausreichenden Mitteln dieselbe zeitweilig zu schließen, hat die Genehmigung der zuständigen Oberbehörd.e gesunden. Neue Zöglinge werden demnach für die nächste Zeit nicht mehr ausgenommen, und die augenblicklich in der-Anstalt sich befindenden sollen bis zu ihrer Entlassung aus der Schule bei einem Lehrer in Pension gegeben werden. Die Zinsen werden angesammelt und zum Kapital MschlWen, damit später die Anstalt, reicher dolirt, wieder er> öffnet werden kann. Die Annahme von Geschenken und Beiträgen ist durch eine Bestimmung des Statuts ausgeschlossen. 8. Hörde, 12. November. Ein schönes Bild der Einigkeit und Uebereinstimmung gab die in Dortmund im „Köln: Hofe" tagende Bezirkskonferenz der jüdischen Lehrer des westlichen Theiles-von Westfalen. Ausweislich der Präsenzliste waren 10 Mitglieder erschienen und zwar die Herren : Hartmann-Hagen, Goffel-Camen, Kaufmann-Gelsenkirchen, Mendel-Unna, Katz-Gelsenkirchen, Adler-Dorstfeld, Gumpel-Dortmund, Steinweg - Dortmund, Rothschild - Dortmund, Stern - Hörde und Herr Graf-Essen als Gast. Die Herren Ostwald-Witten, Mayer-Lünen, Laubheim und Ostermann-Bochum hatten sich schriftlich entschuldigt. Nachdem der Einberufer zu dieser Konferenz, Herr Steinweg, die erschienenen Kollegen in herzlicher Weise begrüßt und dann die Ziele und Zwecke solcher Spezialkonferenzen in klaren Worten dargelegt hatte, schritt man zur Wahl eines Vorsitzenden, die einstimmig auf Herrn Rothschild-Dortmund fiel. Nunmehr trat die Konferenz in die eigentlichen Verhandlungen ein. Es wurde über folgende Punkte berathen: 1. Feststellung resp. Abgrenzung des Konferenzbezirks. 2. Festsetzung der Termine der demnächst abzuhaltenden Konferenzen. Alljährlich sollen drei Konferenzen abgehalten werden und zwar im Februar, Mai und November. 3. Als nächster Konferenzort wurde Bochum gewählt. 4'. Bericht über das Gebetbuch des Westfälischen Gemeinde-Verbandes (Schulausgabe). Allgemein wurde die Trefflichkeit des Buches anerkannt und nur über schlechtes Papier, schlechten Einband und den hohem Preis (80 Pfennig) Klage geführt. Man wird sich dieserhalb an den Ausschuß des Verbandes wenden. 5. Erfolgte auf Wunsch in ausführlicher Weise Bericht über die Unterstützungskafse der Lehrer Rheinlands und Westfalens durch den Vorsitzenden derselben, Herrn Graf-Essen. Manche Anregung fanden die Kollegen, um der segensreich wirkenden Kasse Hilfsmittel zuzuführen. 6. Besprechung über die soziale Lage der jüdischen Lehrer bezw. die Mittel, die bisherigen Privatschulen zu öffentlichen zu machen. Bei Punkt 7 „Freie Besprechungen" wurden noch manche Vorgänge aus dem Schulleben zur Sprache gebracht. Herr Graf dankte am Schluffe dem Vorsitzenden für die umsichtige Leitung und gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß die heutige Berathung sich zu einer so fruchtbaren gestaltet habe. Herr Rothschild dankte den Kollegen für die rege Debatte und schloß um 8 Uhr Abends die Konferenz. Alles in allem genommen darf die Konferenz in ihrem ganzen Verlaufe als eine vorzügliche Einrichtung bezeichnet werden. Dank und Anerkennung gebührt Demjenigen, der die. Idee zu dieser Veranstaltung gegeben hat. Wir sind überzeugt, daß sie zum Segen der Schule und ihrer Lehrer gereichen wird. Auf frohes Wiedersehen in Bochum! Oesterreich - Ungarn. Q Wien, 16. November. Einer althergebrachten Sitte gemäß wurden am Sankt Martinstag die für den Kaiser und' die Kaiserin bestimmten Martinigänse von einer Deputation der israelitischen Kultusgemeinde in Preß bürg um halb 10 Uhr Vormittags in der Hofburg abgeliefert. Die sechs Gänse waren mit Bändern in den ungarischen und österreichischen Farbenroth-weiß-grün und schwarz-gelb, geschmückt. Ein kaiserlicher Kammerdiener übernahm die' Martinigänse, die auf silberne Tassen gelegt wurden, und brachte dieselben/in die Kammer des Kaisers; später wurde die Deputation vom Kaiser in Audienz empfangen. — Hier ist der Prokurist des Hauses S. M. v. Rothschild, Herr Moriz Dub, im 66. Lebensjahre gestorben. Der Verblichene war vor vierzig Jahren aus seinem Geburtsorte Böhmisch-Leipa nach Wien gekommen und als Buchhalter in das Haus Rothschild eingetreten, in welchem er immer höher aufstieg. Als im Jahre 1888 Herr Moriz v. Goldschmidt starb, wurde er Einzelprokurist; zu seinem Referat gehörte insbesondere die Verwaltung des Eisenwerkes von Witkowitz. Bei allen größeren Transaktionen wurde Dub, der im Hause Rothschild eine hervorragende Vertrauensstellung genoß, zu Rathe gezogen. Der Valuta-Enquete im Finanzministerium wurde Dub als Experte beigezogen. Vor vier Jahren unterzog sich Dub einer Operation und war seither leidend. In den kaufmännischen und finanziellen Kreisen von Wien nahm Herr Dub als Prokurist der ersten österreichischen Firma und als kluger, erfahrener .Geschäftsmann eine hervorragende Stellung ein. Das Leichenbegängniß hat unter großer Theilnahme der Großindustrie wie der Finanz- und Geschäftswelt stattgefunden. — In Brünn wurden des Nachts von unbekannten Thätern antisemitische Flugschriften, welche die Worte „Juden hinaus" enthielten, auf den Straßen verstreut und an Häusern angeklebt. Die Flugschriften wurden von der Behörde sofort konfiszirt. — Die Wahlbewegung in unserer Gemeinde ist in vollem Gange. Seltsamerweise hört man aber noch nichts von Kandidatenlisten. Der bisherige Vizepräses des Vorstandes, Gustav Simon, der schon seit Jahrzehnten dem Vorstand angehört, beabsichtigt jetzt, endgiltig zurückzutreten. — Die verwittwete Baronin Hirsch-Gereuth hat der Bize-Präsidentin des Wohlthätigkeitsvereins „Frauenhort", Frau Julius Kopstein, l000 fl. für Vereinszwecke übersendet. — Bezüglick) der Spende des Grafen Andrassy hat sich ein Fehler eingeschlichen: statt 20 000 fl. hat der Graf 20 000 Ziegelsteine zum Synagogenbau gespendet, was die ungarischen Blätter mit Gulden verwechselten. A Wien, 13 November. Dem Museum der „Gesellschaft für Sammlung und Konservirung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judenthums" sind im Laufe dieses Sommers zahlreiche Geschenke von Freunden und Gönnern zugekommen. So hat Herr. Universitätsprofessor Politzer in Wien abermals eine große Anzahl von Kupferstichen und Radirungen, Darstellungen aus der heiligen Schrift, Herr Max Liebes in Berlin und Herr Robert Kolisch in Wien haben eine Anzahl von Porträts hervorragender Juden, sowie Darstellung des religiösen Lebens gespendet. Werthvolle Buchspenden haben Staatsrath Dr. Harkavi Exzellenz in Petersburg, Schriftsteller Rabbinowitz in Warschau, Herr Gottlicb Bettelheim in Wien, Sekretär Landau in Wiener Neustadt, historische Medaillen Professor Politzer und Rabbiner Dr. Lewin in Malaczka, eine sehr werthvolle, alte Thorarolle (vielleicht aus dem Geresch Znaim stammend) die israelitische Kultusgemeinde in Mährisch - Kromau durch den Wiener Antiquitätenhändler Herrn M. Blum, dieser selbst eine Kethuba aus dem vorigen Jahrhundert, reich mit Ornamenten und Miniaturen verziert, gewidmet. Indem das Kuratorium für diese munifikanten Gaben den wärmsten Dank ausspricht, richtet es an, alle Freunde jüdischer Kunst und Wissenschaft die Bitte, die^ Bestrebungen der Gesellschaft, sei es durch den Beitritt als Mitglied,/ sei es durch Zuweisung von Geschenken oder leihweise, Ueberlaffung von Objekten: Graphischen Darstellungen, Kunstgegenständen, (Münzen und- Medaillen, Büchern re. zu unterstützen. 8p. Budapest, 12. November. Der königliche Gerichtshof in Nagy Szeben (Hermannstadt- Siebenbürgen) zog den Landmann

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