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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-11-20 · Heft 47 (20.11.1896) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 47 (20.11.1896)
Date
1896-11-20
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 störung des zweiten Tempels" abzuschließen. Der, erste Vortrag, „däs babylonische Exil bis zur Rückkehr der Juden unter Eyrus"/ wurde am Sonntag den 8. November von Herrn Lehrer Kramer gehalten; für die weiteren fünf Geschichtsepochen sind schon mehrere Mitglieder gewonnen. Die Versammlungen sind stets sehr zahlreich besucht. ... Kp. Ans der Provinz Posen, im November. Am 16. Oktober er. feierte Herr Rentier Sina Holzmann in Ostromo seinen achtzigsten Geburtstag, aus welchem Anlasse demselben zahlreiche.Aufmerksamkeiten und Glückwünsche zugegangen sind. Herr Holzmann ist jetzt noch Synagogenvorsteher der dortigen israelitischen Gemeinde und versieht dieses Amt-sowohl als auch die von. ihm innehabenden anderen Ehrenämter mit ungewöhnlichem Eifer und Interesse. Das greise Geburtstagskind ist der Vater des Herrn Seminardirektors Dr. Holzmann in Berlin und des Amtsgerichtsraths Holzmann in Obornik. — Zu Vorstehern der.Synagogengemeinde in Pudewitz sind auf die Zeitdauer von sechs Jahren die Herren Kaufleute Licht, Michel und Loevy und zu deren Stellvertreter Kaufmann B. Krayn gewählt und von der Regierung bestätigt worden. — Vor Kurzem ist der Vorsteher der Synagogent gemeinde zu Obornik von der Strafkammer zu Posen zu 60 Mark Geldstrafe'verurtheilt worden, weil in jener Gemeinde ein ausländischer Jude einige Zeit das Amt eines Kantors und Schächters ohne besondere Erlaubniß der Polizeibehörde versehen hat. Die Erlaubniß zum Aufenthalt besitzt der betreffende Kantor. Uebrigens ist der Kantor (B. Leiserowitsch in Schneidemühl) ebenfalls hierfür mit einer Geldstrafe von .60 Mark bedacht worden. — In diesem Monat beging das Moses Lewin'sche Ehepaar in Ko lmar i. P. das Fest der goldenen Hochzeit. — Der Kaufmann Salomon Goldstandt in Löbau i. Westpr. ist kürzlich züm Rathsherrn daselbst gewählt worden. — Der Lehrer Tobias in Czarnikau ist auf seinen Antrag nach, Löbau versetzt worden. — Rittergutsbesitzer Dr. Lehfeld auf Lehfeld bei Wollstein hat anläßlich der jüngst daselbst stattgehabten Hochzeitsfeier seiner Tochter den Armen der Stadt Wollstein 230 Mark überwiesen. — Das Elias Perlinsk'sche Ehepaar in Gostyn feierte jüngst das Fest der goldenen Hochzeit. — Im Litteraturverein zu Samter hielt jüngst Rabbiner Dr/Freund aus Czarnikau einen interessanten Vortrag über das Thema: „Der ewige Jude". — Einer der ältesten und angesehensten Bürger der Stadt Schildberg, Rentier M. Feibelsohn, nimmt demnächst seinen ständigen Wohnsitz in Breslau. Herr Feibelsohn lebt seit fünf Dezennien in Schilhberg, war zuerst Repräsentant, dann Borsteherder dortigen Synagogengemeinde und hat als solcher sich reiche Verdienste erworben. Unter seiner Leitung wurde die Synagoge renovirt und die israelitische Religionsschule organisirt. — Der Vorstand der Synagogengemeinde zu Ostrowo hat nunmehr beschlossen, das von den Boas Fränkel'schen Eheleuten hinterlassene Legat von 3000 Mark doch anzunehmen, nachdem die Erben sich bereit erklärt hatten, alle aus der Annahme desselben . entstehenden Kosten zu übernehmen. Die Zinsen aus dem Vermächtniß sollen bekanntlich größtentheils dem jeweiligen Ortsrabbiner zufallen, nur einen geringen Theil von denselben hat dieser nach eigenem Ermessen an Gemeindearme zu vertheilen. Könitz, Westpr., 11. November. Am vorgestrigen Tage feierten in unserer Stadt Herr Theophil Davidsohn und Frau Pauline geb. Schneider das seltene Fest der diamantenen Hochzeit. Der Jubilar, besser bekannt unter dem Namen „Schaps", steht im 91., seine Gattin im 81. Lebensjahre, Hochgeachtet von ihren Mitbürgern, sind beide geistig wie körperlich gleich frisch. Die Söhne, welche als Aerzte in Berlin leben, die Töchter, Enkel und alle anderen Verwandten halten sich vollzählig, zum Theil aus weiter Ferne, eingefunden, um gemeinsam das Fest zu begehen. Auch die hiesige Bürgerschaft wie Gemeinde nahmen durch ihre Vertreter Gelegenheit, dem alten Hochzeitspaar herzliche Glückwünsche zu übermitteln. Rabbiner Dr. Grabowski hielt in der Synagoge die Festpredigt. Den Jubilaren wurde vpm Kaiser die Ehejubiläumsmedaille verliehen. # Rybnik, 10. November. Einen erfreulichen Aufschwung hat die hiesige israelitische Gerneinde genommen, indem sie insbesondere in den letzten Monaten das ernste Streben bekundet, rüstig mit der Zeit fortzuschreiten und ihren Anforderungen in jeder Weise gerecht zu werden. — So hat vor allen Dingen der Religionsunterricht eine vollständige Reorganisation erfahren. Bis Ostern 1896. von verschiedenen Privatpersonen ertheilt, ist derselbe seit dieser Zeit einem eigens hierzu berufenen Lehrer, Herrn Raphael Plant, übertragen, unter dessen bewährter Leitung er/die besten Früchte zu-zeitigen verspricht. Außer .dem' Religionsunterricht ist-austAnregung des Herrn Raths Herrn nnd Vorstehers Abr. Prager durch genannten Herrn Plant ein Jugendgottesdienst für Sabbath- Nachmittag ins Leben gerufen worden^ der, wenn auch hier noch eine Neuerung, doch allseitig als eine recht schöne,-zweckdienliche Einrichtung begrüßt worden ist. — Außerdem gebührt Herrn Prager volles Lob und aufrichtige Anerkennung für sein unablässiges Mühen und uneigennütziges Schaffen und Wirken zurfl Besten der. hiesigen. Gemeinde. So hat.'er jüngst für den Winter für den Wochentags-Gottesdrenst einen aufs Prächtigste ausgestatteten Betsaal'Herrichten lassen und dadurch einem lange gefühlten Ledürfniß abgcholfen, außerdem hat er den bis jetzt vor der Synagoge wüst liegenden Platz einzäunen und mit seltenen Bäumen, und Ziersträuchern bepflanzen lassen, so daß das Ganze jetzt einen wohlthucnden, prächtigen Anblick gewährt und nicht unwesentlich zur Verschönerung der hiesigen Stadt beiträgt. Es wäre daher höchlichst zu bedauern, wenn ein mit solch seltenem Organisationstalent und Schönheitssinn ausgestatteter Mann, wie Herr Prager, sein Vorhaben, aus dem Vorstände der israelitischen Gemeinde auszuscheiden, verwirklichen wollte. Wlk Strelitz, 15. November. Zum 70. Geburtstage des Landesrabbiners Dr. Hamburger am 10. d. M. sind demselben mehrfache. Ovationen zu Theil geworden, die Zeugniß davon ablegen, daß der greise Gelehrte weit über die Grenzen unseres Heimathlandes hinaus sich eines wohlverdienten Rufes erfreut. Hervorzuheben ist unter den zahllosen Depeschen und Gratulationen eine solche vom Deutsch- Israelitischen Gemeindebund, dessen erster Vorsitzender, Professor Dr. Philippson, dem Jubilar warme Worte der AnerkÄtnimg zollte. Um 12 Uhr empfing Dr. Hamburger die Vorsteher der israelitischen Gemeinden des Landes; dieselben überreichten eine von den sämmtlichen Gemeinden gestiftete Ehrengabe. — Im Namen der Deputation beglückwünschte der anwesende älteste Gemeinde-Borsteher, Herr Löwenhaupt- Neubrandenburg, den Jubilar und stattete demselben den Dank ab für seine Verdienste als Seelsorger und Gelehrter. In tief empfundenen Worten dankte der Jubilar. Ein Festmahl fand Nachmittags vier Uhr in seinem Hause statt, an dem außer der Familie die erschienenen Vertreter der Gemeinden Theil nahmen. Im Anschluß an sein ausgebrachtes Hoch aussen Großherzog sandten die anwesenden Vorstände in Gemeinschaft mit dem Jubilar ein Huldigungs-Telegramm an den Landesherrn ab, auf das alsbald eine huldvolle Antwort einlief. Einen hübschen Brief hat der berühmte Lexikograph Professor Dr. Daniel Sanders an den Jubilar gerichtet. Derselbe lautet: „Hochwürdiger Herr Oberlandesrabbiner! Es ist mir ein Herzensbedürsniß, zu Ihrem 70. Geburtstage Ihnen meinen Glückwunsch darzubringen. Ihnen diesen persönlich auszusprechen, hindert mich leider mein Befinden. Da ich mir sage, wie vielfach Sie an dem heutigen Tage in Anspruch genommen sind, so. fasse ich mich möglichst kurz: Alles. Mte! Mögen Sie noch recht lange in rüstiger Kraft segensreich wie zunächst zu Ihrer eigenen Befriedigung, so auch zum Heik und Wohl nicht blos Ihrer Familie und — Ihrem Beruf gemäß — der sämmtlichen Ihrer Obhut untergebenen jüdischen Gemeinden unseres Landes, sondern auch .aller unserer ehrenwertsten, ehrlichen und biederen Glaubensgenossen, Mögen Sie auch weiterhin an Ihrem Theile beitragen zur richtigen Erkenntniß und gerechten Würdigung unseres jüdischen Glaubens, der so viele ungerechte und gehässige Anfeindungen erdulden muß, wogegen wir freilich hier in Mecklenburg-Strelitz nicht blos durch die Milde Und Güte, sondern auch durch den Gerechtigkeitssinn unseres erhabenen Landes Herrn geschützt sind. Mögen Sie auf Ihrem Wege segens- und erfolgreich weiter schaffen und wirken durch Ihre Schriften, die weit über Deutschlands Grenzen hinaus bei den berühmtesten Kennern auf diesem Gebiete verdiente große Anerkennung gefunden haben. Zum Schluß noch einmal: Alles Gute! nach dem aufrichtigen Wunsche Ihres in vorzüglicher Hochachtung ergebensten Daniel Sanders. X. Hannover, 13. November. Der Regierungspräsident hat das Statut des Wohlthätigkeits-Vereins (Chewra - Kadischa) in Leer, über das in diesen Blättern bereits berichtet ist, genehmigt, und die aus der Gemeinde Ausgetretenen, deren Austritt übrigens nicht aus religiösen Gründen, sondern aus persönlichen Anlässen erfolgte, müssen sich den schweren Bestimmungen fügen. — Der, Vorstand des Vereins für Altersversorgung hatte bei der Generalversammlung den Antrag

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