Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 60 (1896)
- Issue
- Heft 46 (13.11.1896)
- Date
- 1896-11-13
- Page
- Seite 545 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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545 einen ziemlich hohen Rang eimrimrnt, dürften vielleicht folgende kurze biographische Bemerkungen hinsichtlich [einer Person für manche seiner Bewunderer von Interesse sein. Zangwill hat den größten Theil seiner Jugendjahre im Osten von London verlebt, wo er eine Zeit lang als Hilfslehrer an der dortigen jüdischen Freischule thätig war und gelegentlich auch mit verschiedenen litterarischen Versuchen in die Oeffentlichkeit trat. Letztere haben Anfangs beim Lesepublikum keinen besonderen Anklang gefunden, sie sind aber in Werth und Ansehen gestiegen, nachdem ihr Verfasser durch sein bereits genanntes Buch „The Children of tlie Ghetto“ einen klangvollen Namen im In- und Auslande erlangt hat. Ferner wäre noch zu bemerken, daß Zangwill noch im ersten Mannesalter steht und daß viele seiner Bekannten einige Aehnlichkeit zwischen ihm und dem verstorbenen Lord Veaconsfield (Benjamin D'Jsraeli) entdeckt zu haben glauben. Er besitzt unstreitig ein bedeutendes litterarisches Talent, ist ein witzreicher und brillanter Schriststeller und wird sicherlich einst einen hoher: Rang unter den wenigen Juden Englands einnehmen, die sich auf litterarischen: Gebiete besonders ausgezeichnet haben. Der bekannte Oxforder Professor und Schriftsteller Max Müller, Sohr: des Dichters ber: in Deutschland jedenfalls berühmten „Müller- Lieder", hat jürrgst eine.kurze Autobiographie in englischer Sprache veröffentlicht, worin einige klangvolle jüdische Namen erwähnt werden, deren Träger mit dem Verfasser inehr oder weniger intim befrerindet waren. Letzterer spricht besonders viel von dem freundschaftlichen Verhältniß, worin er mit den: berühmten verstorbener: Komporristen Mendelssohn-Bartholdy gestanden, den: er, wie er sagt, es ausschließlich zu verdanker: habe, daß er klassische Studien statt Musik zu seinen: curriculum gemacht hat. Ferner erfahre:: wir aus der fraglichen Autobiographie, daß die ir: Deutschland begonnene intime Freundschaft zwischen Professor Max Müller und Mendelssohn- Bartholdy später in England fortgesetzt wurde und daß Letzterer eure liebenswürdige, allenthalben hochgeschätzte Persönlichkeit gewesen. Unter den verschiedenen Auszeichnungen, die ihm zutheil geworden, war auch eine an ihn ergangene Einladung von Seiten der englischen Königin Viktoria, vor ihr und dem ganzen englischen Hofe sein neu komponirtes Oratorium „Elia" unter eigener Leitung spielen zu lassen, welcher Einladung er mit großartigem Erfolge nachgekommen ist. Gelegentlich erwähnt Professor Max Müller auch des Vaters des Komponisten, der ein großes Bankgeschäft irr Berlin hatte rrnd seinerseits der Sohr: des nicht nrinder berühmten jüdischer: Philosophen Moses Mendelssohr: war. Derselbe soll dann und wanr: im rräselrwen Tor: seiner: Freur:den gegenüber folgende Aeußerung gemacht Haber:: „Als ich noch jurrg war," sagte er, „wurde ich allgemein der Sohn des großen Mendelssohn genannt, und jetzt, wo ich alt bin, nennen mich wieder die Leute den Vater des großen Mendelssohr:. Nur:, zwischer: diesen beiden „Großen", was bin ich denn eigentlich?" Der unter dem Namen Vater Ignatius weit bekannte christliche Geistliche der protestantischer: Kirche hielt vor einiger: Tagen einen Vortrag ir: London über das Thema: „Was hat die Welt derr Juden zu verdanken?" Angesichts der gegenwärtigen wilden antisemitischen Bewegung in verschiedenen Staaten Europas, sagte der Redner, sei es wohl recht nöthig, hier und da auch eir: unparteiisches Urtheil über die Juden fallen zu lassen. Letztere, meinte er, sollten mit vollem Rechte die „königliche Familie" innerhalb der gesarrrmter: Menschheit genarnit werden, da sie die erste Nation auf den: Erdenrunde seien, welche infolge der ar: sie ergangenen göttlichen Offenbarung eine wahre Religion und zugleich auch eine hohe Civilisation mit sich in die Welt gebracht haben. Möchten doch die moderner: Natiorren, rief der Redner aus, diese Thatsache stets im Auge behalten, und das gegenwärtige schändliche Thun und Treiben der Antisemiten, welches der christlichen Religion keineswegs zum Ruhme oder zur Ehre gereicht, würde sicherlich bald wie aufgerüttelter Staub ir: Nichts sich auflösen. Das soeben erschienene Heft der „Jewi»h Quarterly Review“ enthält verschiedene höchst lesenswerthe litterarische Artikel und Kritiken, die wohlbekannte jüdische wie nichtjüdische Gelehrte zu Verfasserr: haben. Unter Letzteren verdient H. W. Hogg infofern besondere Aufmerksamkeit, als er im Laufe seiner fast erschöpfer:den Abhandlung über das hebräische Wort „Amen" QftK) eine Belesenheit in den biblischen, talmudischen und nachtalmudischen Schriften bekundet, die heutzutage recht selten bei jüdischen Geistlichen in England urrd anderwärts anzutreffen ist. Einer der Redakteure der fraglichen „Review", rrärnlich Mr. I. Abrahams, hat soeben eir: bedeutendes Werk unter deni Titel: „Jewish Life in the Middle Ages“ (Das Leber: der Inder: während des Mittelalters) veröffentlicht, auf dessen Vorbereitung er mehrere Jahre des anhaltendsten Fleißes verwendet hat. Freilich machte er darir: hier und da manchen Gebrauch von den Schriften, die Graetz, Güdernam: und Berliner bereits früher schon der Oeffentlichkeit übergeben haben, doch verstand es Mr. Abrahams, nerres Material für sein Werk in den rabbinischen Responserr des Mittelalters zu entdecken, welches er recht geschickt und rrutzreich verwerthete. Sicherlich wird diese höchst irrteressante litterarische Arbeit in kurzer Zeit durch eine deutsche Uebersetzung auch den Geschichtsforschern und sonstiger: Gelehrten in Deutschland zugänglich gemacht werden. - M' Arthur Schopenhauer und das Iudenthum. Von Dr. Fr. Rubinstein in Berlin. II. ^ir Hörer: immerfort, Christus habe das Verdienst, die Welt gelehrt zu haben, daß das Heil für alle Völker bestimmt sei. daß die nationaler: Schranken fallen müsserr, immerfort Hörer: wir als Lob des Christenthums seine Eigenschaft als Weltreligion im Gegensatz zu dem angeblich eng nationalen Jehovahdienst. Ist es von dem christlichen Standpunkt aus, nicht gleichgiltig wen von den beiden der Jude rettet? Ich habe im übrigen das Vertrauen zu ihm, daß er versuchen wird, beide herauszuholeu. Der Deutsche ist sich seines gerirrgen Wohlwollerrs für der: Juden beständig bewußt rrnd setzt mrberechtigter Weise die gleiche Empfindung für ihr: auch auf der andern Seite voraus. ' '• In dieser Beziehung hätte Schopenhauer und feine Gesinnungsgenossen vom ersten Napoleon lernen könrren. Obwohl er die gleichen Vorurtheile gegen Inden und Judenthum eingesoger: hatte, wie alle Welt, ließ er sich doch eines besserer: belehren und gerade um die Jude:: zu besseren Franzosen zu machen rief er die bekannte Versammlung von Rabbinen zusammen ur:d legte ihnen die Frage vor, ob in der jüdischen Religion etwas enthalten sei, was die Juden verhindere, gute Frarrzosen zu werden. Und die Rabbinen antworteten auf Ehre und Gewissen: Nein! Daß Schopenhauer der: Juden gleiche ^bürgerliche Rechte, aber „ohne Antheil am Staat" geben will, ist zugleich eine Halbheit und eine Heuchelei. I. H. Fichte sagte einmal von seinen lieben Landsleuter:: „Weurr der Deutsche etwas recht ernstlich will, dann will er zugleich auch das Gegentheil." Will er die Republik, darru will er sie mit dem Großherzog an der Spitze. Äuch der Bärenführer in Heines Atta Troll will der: Juden