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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-11-06 · Heft 45 (6.11.1896) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 45 (6.11.1896)
Date
1896-11-06
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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60. Jahrgang. Ar. 45. *etÜU’ 6.November 1896 Weitage zur „Allgemeinen Zeitung öes IuöentHums". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. 2X2 Berlin, 2. November. Nr. 44 der Mittheilungen vom deutsch-israelitischen Gemeindebunde enthält den genauen Bericht über die Verhandlungen des siebenten Gemcindetages nach stenographischen Aufzeichnungen und außerdem eine Reihe persönlicher Nachrichten. Ihr Amt als Mitglieder des Ausschusses haben niedergelegt die Herren Justizrath Sutro aus Bochum, der von seinem Wohnsitze aus nicht ausreichende Gelegenheit zur Wirksamkeit für den D. I. G--B. zu haben glaubt, und Herr N. Samson in Hamburg, dem Alter und Gesundheitszustand in seiner Thätigkeit für den D. I. G.-B. hinderlich sind. Sanitätsrath Dr. Freund in Gleiwitz, der Vorsitzende des „Synagogen- Gemeinde-Verbandes im Regierungsbezirk Oppeln", seit dem Jahre 1890 auch Mitglied des Ausschusses, ist uns am 3. Oktober 1896 durch den Tod entrissen worden. Ihre Kooptation in den Ausschuß haben angenommen die Herren Rechtsanwalt Dr. Apolant, Oberlehrer Tr. Blasä)ke, Fabrikbesitzer Kommerzienrath Julius Jsaac, sämmtlich in Berlin, Fabrikbesitzer Benjamin Hirsch in Halberstadt und Bankier M. Katzenstein in Bielefeld. Weitere Ergänzungen des Ausschuß- und des Delegirtenkollcginms bleiben Vorbehalten. Außerdem enthält die Nummer auch einen warmen Nachruf, der dem Andenken von Louis Hausdorff (gestorben den 2». Mai 1896) gewidmet ist, in dem der Ausschuß eines seiner ältesten, treuesten und begeistertsten Mitglieder verloren hat. Die „Mittheilungen" enthalten auch den Aufruf und das Schema für das statistische Jahrbuch, das den Gemeinden besonders ans Herz gelegt zu werden verdient. ££»> Berlin, 3. November. Der Verein Haspakatli Ebionim, Gesellschaft zur Vertheilung von Brod und Brennmaterial, der im Jahre 1765 gegründet wurde, versendet soeben sein repidirtes Statut und den folgenden Aufruf, den wir bei der bevorstehenden Winterszeit ganz besonders eindringlich empfehlen: „Mit dem Heranuahen der rauhen Jahreszeit treten an unsere Gesellschaft alljährlich außerordentlich große Ansprüche heran! Welch' edles Menschenherz erbebt nicht bei dem Gedanken, daß es Unglückliche, gänzlich Verarmte giebt, welche nicht einmal in der Lage sind, in des Winters eisiger Kälte sich und die Ihrigen vor Hunger und Frost zu schützen! Wer jemals einen Blick in diese Verhältnisse gethan, dem bieten sich Bilder von Jammer und Elend dar, wie sie kaum zu beschreiben sind, und die zu lindern die öffentliche Armenpflege nicht ausreicht. Unser Verein welcher 1765 gegründet ist, also bereits 131 Jahre besteht, hat es sich eifrigst angelegen sein lassen, diesem Uebel unter unseren Glaubensgenossen nach Kräften zu steuern, und seine Wirksamkeit ist eine höchst segensreiche gewesen. Im letzten Jahre haben wir mit einem Kostenaufwande von 10 000 Mark 700 Familien mit B'riquettes und 200 Familien mit Brod versehen können; trotzdem konnte nur die Hälfte der Gesuche Berücksichtigung finden. Da mithin die vorhandenen Mittel leider nicht im Verhältniß zu der großen Anzahl der Bedürftigen stehen, sehen wir uns genöthigt, uns an den nie versiegenden Wohlthätigkeitssinn unserer Glaubensgenossen zu wenden, und geben uns der Hoffnung hin, daß Sie dazu beitragen werden, unsere humanen Zwecke durch Eintritt in unsere Gesellschaft oder Zeichnung eines einmaligen Beitrages zu fördern." Der Vorstand der Gesellschaft besieht aus den Herren Bernhard Behrens, Schöneberger Ufer 23 I, Oskar Berlin, Julius Cohn, Louis Herzfeld, Siegfried Leichtentritt, Carl Miräuer, Emil Pincus, Gustav Sachs, Martin Simon. 2x2 Berlin, 1. November. Am Sonnabend, den 7. November er., Abends 8y2 Uhr findet wiederum eine wissenschaftliche Sitzung der „Wissenschaftlichen Vereinigung jüdischer Schulmänner zu Berlin" statt. In derselben wird Herr Oberlehrer Dr. Blaschke, Mitglied der betreffenden Vereinigung, über die ^Methodik des jüdischen Religionsunterrichts von Dr. S. Maybaum" referiren. Das Vereinslokal befindet sich Münchener Hof, Spandauerstr. 11/13. — Gäste sind herzlich willkommen. 2£2 Berlin, 3. November. Unter dem Namen „Palästina, Verein zur Unterstützung jüdischer Bauern" hat sich eine Vereinigung konstituirt, deren Aufgabe es sein soll, die in Palästina bestehenden resp. noch zu gründenden Kolonien jüdischer Ackerbauer zu unterstützen. Die für diesen Zweck eingehenden Beträge werden direkt dorthin abgcführt. Den Vorstand des Vereins bilden die Herren Wilhelm Goldschmidt, Vorsitzender, Linieustraße 112, I. Bamberger, Sally Drilles, Dr. Wilhelm Boehlendorf, W. Kelln, Dr. M. Oppenheimer, Adolf Prager, Willy Steinberg, Louis Unger. a. Königsberg, 30. Oktober. Eine großartige Leichenfeierlichkeit fand am Donnerstag zu Ehren unseres verstorbenen ersten Rabbiners Dr. Isaak Bamberger statt. Nachdem die Leiche des Entschlafenen bereits vorher aus dem Sterbehause nach der neuen Synagoge übergesührt worden war, versammelten sich Nachmittags ll/2 Uhr in dem mit seinem Trauerschmuck einen tief ernsten Eindruck hervorrufenden Gotteshause die Nepräsentanten und Mitglieder der Gemeinde sowie eine größere Anzahl von Freunden und Verehrern des Verblichenen aus Stadt und Provinz, unter denen wir neben anderen die Herren Oberbürgermeister Hoffmann, Bürgermeister Brinkmann, Stadtverordnetenvorsteher Dr. Rosenstock, die Stadträthe Dr. Tribukait, Graf und Nöring, Universitätsprofessoren sowie eine größere Anzahl von Rabbinern auswärtiger Gemeinden bemerkten. Nachdem die Feier mit dem Gesänge des 16. Psalms eingeleitet worden, widmete der Vorsitzende der Synagogengemeinde, Herr Professor Dr. Samuel, dem Verstorbenen einen warm empfundenen, ehrenden Nachruf, in dem er besonders die hohcn Verdienste hervorhob, die der Verstorbene sich während seiner 31 jährigen, reich gesegneten Thätigkeit an der hiesigen Gemeinde als Prediger, Seelsorger, Religionslehrer und als allezeit hilfsbereiter Versorger und Berather der Armen und Nothleidenden erworben. Der Entschlafene habe sich nicht nur in den Herzen der Gemeindemitglieder ein unauslöschliches Gedächtniß gestiftet, auch das Synagogengebäude, das vornehmlich seiner unermüdlichen Anregung seine Entstehung verdanke, sei ein Denkmal, das seinen Namen noch fernen, späteren Geschlechtern überliefern werde. Nach einem wirkungsvollen, liturgischen Gesänge folgte die Trauerrede des Rabbiners Herrn Dr. Rosenthal aus Breslau. Dabei entrollte der Redner der Trauer Versammlung ein Bild des Segens, welcher von dem Leben des Dahingeschiedenen in die weitesten Kreise hinaus, selbst bis über die Grenzen des Weltmeeres hinüber ausgegangen sei, und feierte ihn besonders als Führer und Organisator der verschiedensten Wohlthätigkeitsvereine und Anstalten sowie der Vereinigungen der israelitischen Gemeinden und ihrer Rabbiner in Provinz und Reich, ja über die Grenzen des letzteren hinaus. Nach der einen tiefen Eindruck hinterlassenden Trauerrede und nach abermaligem Chor- und Gemeindegesange verließen die Versammelten das Gotteshaus, um die Leiche zu ihrer letzten Ruhestätte zu geleiten. In langem Zuge, dem die Zöglinge des israelitischen Waisenhauses, der Dr. Koschschen Waisenanstalt und der Religionsschule vorausschritten, bewegte sich der Leichenkondukt durch die Straßen der Stadt nach dem vor dem Königsthore belegenen israelitischen Friedhofe, schon am Ausgange der Synagoge von einer nach Tausenden zählenden, dichtgedrängten Menschenmenge empfangen und von drei Equipagen beschlossen, in welchen die dem Verstorbenen gewidmeten, überaus zahlreichen und kostbaren Blumenspenden der Leiche nachgefahren wurden. An dem Eingänge des Friedhofes war das Gedränge so groß, daß die anwesenden Gendarmen nur mit Mühe dem Trauerzuge Durchgang verschaffen konnten. Der Sarg wurde hier zunächst in die geschmückte Leichenhalle getragen, woselbst der langjährige Kollege des Entschlafenen, Herr Rabbiner Dr. Rülf-Memel, dem Schmerze der Trauernden noch einmal einen tiefempfundenen Ausdruck gab und Herr Rabbiner

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