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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-11-06 · Heft 45 (6.11.1896) · p. Seite 540

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 45 (6.11.1896)
Date
1896-11-06
Page
Seite 540 (sequence 12)
Language
German
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540 von meinem Lohn etwas geschickt, die Fran Fanny, Gott soll ihr's zahlen, hat ihn anch nie vergessen. So hat er durch mich dann sein Leben gefristet, obwohl er mir in seinem Leben nicht ein Paar Schuhe gekauft hat. Nun war er gewiß, dem Todten darf man die Wahrheit Nachreden', ein „Amhoorez", aber von seinem Kind hat er nichts. Schlechtes geredet. Und so sehe ich, daß es tvahr ist, was in meiner Techinne steht, daß ich Gott danken soll, daß ich ein Dienstbote geworden bin. Die arme Fanny," fuhr sie wieder mit heftigem Schluchzen fort, „wenn sie hört, wie ihr Vater von ihr beult, sie kränkt sich zu Tode." (Fortsetzung folgt.) Sprerhsaal. Sehr geehrter Herr Redakteur! in Nr. 44 veröffentlichte Schreiben des Herrn Dr. David- Düsseldorf veranlaßt mich zu folgender Erwiederung Auch ich bedaure, daß, nachdem einmal ein vollständiger Bericht über die in Dortmund abgehaltene General-Versammlung des Düsseldorfer Vereins veröffentlicht worden ist, in demselben des Auerbachschen Vortrages nicht Erwähnung geschah. Um jedem Mißverständniß vorzubeugen, halte ich mich für verpflichtet, dies ausdrücklich zu betonen. Im Uebrigen aber stehe ich nicht an, jenen Bericht, soweit er sich mit der an Herrn Dr. David gerichteten Interpellation befaßt, in allen seinen Theilen zu dem meinigen zu machen. Zunächst möchte ich dabei der Auffassung entgegentreten, als ob durch die Veröffentlichung der Korrespondenz die Interpellation zu einer „Haupt- und Staatsaktion aufgebauscht" worden sei. Das ist eine völlige Verkennung der Sachlage. Nach meiner Auffassung sollte der Bericht keinen anderen Zweck haben, als den, die in Dortmund gemachten Aeußerungen des Herrn Dr. David öffentlich fe'!znlegen. Wie notwendig das war, beweist eben sein Schreibell in Nr. 44,. in welchem er verschiedene Vorgänge anders darstellt, als sie sich thatsächlich vollzogen. Er behauptet, meine Interpellation sei „in Wirklichkeit von dem überwiegend größten Theile der Veriammlung als ein sehr peinliches Intermezzo empfunden" worden, und „fast einmüthig" habe man „den Versuch getadelt, den religiösen Parteihaderin ein Gebiet hinein zu tragen, ans welchem bislang Angehörige der verschiedensten Richtungen in erfreulichem Einvernehmen so segensreich zusammenwirkten." So viel Worte, so viel Unrichtigkeiten! Erstens habe ich nicht versucht, „religiösen Parteihader" in die Versammlung zu tragen, sondern mich lediglich darauf beschränkt, im Einverständniß mit maßgebenden Mitgliedern unseres Ausschusses aus verschiedenen Verbandsgemeinden Herrn Dr. David wegen seiner gegen die westfälischen Inden gerichteten Aeußerungen, die nach dem Bericht eines orthodoxen Blattes in hohem Gradewerletzend waren, zu interpelliren. Nicht gegen die religiöse Anschauung des Herrn Dr. David richteten sich meine Ausführungen, sondern gegen den Ton, welchen er nach jenem Bericht angeschlagen haben sollte. Und das war mein gutes Recht. Denn ich halte es auch jetzt noch für ungehörig, wenn das Vorstandsmitglied eines Vereins in irgend einer anderen Versammlung Aeußerungen macht, durch welche sehr viele Mitglieder dieses Vereins sich persönlich verletzt fühlen müssen. Zweitens ist es unrichtig, daß der „überwiegend größte Theil der Versammlung" meine Interpellation als „ein peinliches Intermezzo" empfunden und man ' „fast einmüthig" mein Vorgehen getadelt habe. Gerade das Gegentheil entspricht den Thalsachen. Als ich zu sprechen angefangen hatte, suchte allerdings eine Minorität mich zu unterbrechen, weil die Frage nicht in die Versammlung gehöre. Als jedoch darauf der Vorsitzende eine Abstimmung über die Zulassung der Angelegenheit herbeiführte, entschied sich die Majorität für mich und hörte nicht allein meine Ausführungen ruhig an, sondern stimmte denselben am Schluffe durch lebhaften Beifall zu. Dies der einfache Sachverhalt, den ich mit den Behauptungen des Herrn Dr. David zu vergleichen bitte. Ter Richtigstellung bedarf ferner seine^Darstellung, nach welcher er jenen orthodoxen Bericht über die Dortmunder Pfingstversammlung nicht „vollständig desavouirt" haben will. Den ganzen Bericht konnte er allerdings nicht desavouiren, weil er ihn nach seinem eigenen Eeständniß gar nicht kannte; aber soweit derselbe seine Person betraf, hat er ihn thatsächlich vollständig desavouirt. Denn er hat ausdrücklich erklärt, er habe die ihm--dort zugeschriebenen Aeußerungen nicht gemacht, sondern im Gegentheil zur Toleranz ermahnt. Sogar der Ausdruck „unwahr" ist dabei seitens des Herrn Dr. David gefallen. Inhaltlich deckt sich übrigens seine Erklärung im „Sprechsaal" so ziemlich mit vorstehender Darstellung. Was endlich seine Behauptung betrifft, die Dortmunder Pfingstversammlung sei nicht gegen den Verband der Synagogen-Gemeinde Westfalens gerichtet gewesen, sondern habe lediglich die Konstituirung eines Vereins „zur Wahrung der religiösen Interessen des Judenthums" bezweckt, so habe ich dem einfach folgende Thatsachen entgegenzustellen: 1. Der neugegründete Verein heißt nicht „Verein zur Wahrung der religiösen Interessen des Judenthums", sondern „Verein zur Wahrung der religiösen Interessen des Judeuthums in Westfalen". Die letzten beiden Worte verschweigt Herr Dr. David. 2. Erster Vorsitzender des Vereins ist Herr A. Lewertoff-Höxter, der sich durch seine fanatische Agitation gegen den Verband einen gewissen Namen gemacht hat. 3. Von der Dortmunder Versammlung wurden prinzipiell alle Freunde des Verbandes ausgeschlossen, so Herr Prediger Rothschild-Dortmund, dem man den Eintritt versagte, Hätte es sich nur um die Wahrung der religiösen Interessen des Judenthums gehandelt, wie Herr Dr. David meint, so wäre doch gewiß ein Mann wie Rothschild eine vorzügliche Kraft für den Verein gewesen. Verschärft werden vorstehende Thatsachen noch durch den Umstand, daß Herr Prediger Rothschild von einem der Mitveraustalter der Versammlung, Herrn Lehrer Adler-Dorstfeld, privatim vorher freundlichst zur Theilnahme an derselben eingeladen war; trotzdem wurde er zurückgewiesen. Auch Herrn Lehrer Gumpel-Dortmund wies man zurück, und erst nach langen Unterhandlungen gelang es ihm, nachdem er die Herren auf das Widersinnige ihres Verhaltens ihm gegenüber aufmerksam gemacht und mit einer Kennzeichnung desselben in der Presse gedroht hatte, sich Eingang zu verschaffen. 4. Der Hauptredner des Tages, Herr Dr. Kahn-Fulda, — Festredner hieß er in der Einladung — hat die westfälischen Juden in der maßlosesten Weise angegriffen und Denjenigen, der kein Arba-kanfas mehr trägt und kein Tephillin mehr legt, als außerhalb des Judenthums stehend bezeichnet. Dafür war „die Wirkung seiner Rede" nach dem Bericht aber auch „unbeschreiblich". ö. Die vorbereitenden Schritte für die Versammlung mußten von den Wissenden streng geheim gehalten werden, wie ein Theilnehmer der Münsterschen Vorversammlung ausdrücklich erklärt hat. Diese Geheimhaltung wäre geradezu unverständlich, wenn es sich nur um einen Verein zur Förderung der religiösen Interessen des Judenthums .gehandelt hätte. 6. Der Verein war nach seinem Titel nur für „Westfalen" bestimmt; nach den Worten des Herrn Dr. David aber sollte er „die überlieferten Heiligthümer der Religion gegen die Uebergriffe einer unberechtigten Neuerungssucht" vertheidigen. Diese Worte können sich indessen nach dem offiziellen Titel nur auf Westfalen beziehen, wo der Verband gerade das neue Gebetbuch eiugeführt hatte. Ich überlasse es nach vorstehenden Ausführungen jedem Unparteiischen, sich ein Urtheil über den Zweck des Vereins zu bilden. Zum Schluß noch eine Bemerkung. Herr Dr. David wirst mir vor, der Ton meiner Interpellation sei nicht maßvoll gewesen. Demgegenüber erkläre ich, daß weder der Vorsitzende, noch Herr Dr. David, noch irgend ein Mitglied aus der Versammlung meinen Ton bemängelt hat, während im Gegensatz dazu der Vorsitzende einem Vertreter der Minorität erklären mußte, er halte es nicht für gerechtfertigt, mein Vorgehen so schroff zu vcrurtheilen. Ich fordere nunmehr Herrn Dr. David auf, mir auch nur einen Ausdruck zu nennen, in welchem ich nicht maßvoll gewesen wäre. Ist er nicht dazu im Stande, so muß er sich gefallen lassen, daß ich seine Behauptungen als mit den Thatsachen im Widerspruch stehend bezeichne. Hochachtungsvoll Bielefeld, 31. Okiober. Dr. F. Coblenz. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für bte Redaktion: Alax Bauchmitz in Berlin.

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