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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-11-06 · Heft 45 (6.11.1896) · p. Seite 530

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 45 (6.11.1896)
Date
1896-11-06
Page
Seite 530 (sequence 2)
Language
German
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wm V 53 V Tausenden nach dem scholl überfüllten Territorium ins Elend gebracht waren, Hilfe gebracht; so oft ein neues Unglück sie betroffen, bemühte sich die Alliance,. ihr Elend zu mildern und jenen' durch Unglück und Trauer erdrückten Herzen einige Erleichterung zu spenden. . ' ' In Rumänien sind die Israeliten nicht weniger unglücklich als in Rußland. Der Berliner Friedenskongreß hatte ihnen zwar ein anderes Schicksal durch die Proklamation, „daß der Unterschied im religiösen Glauben uild Bekenntniß Keinem entgegeilgestellt werden könne als Grund zur Ausschließung oder Unfähigkeitserklärung nn Genuß der civilen und politischen Rechte" in Aussicht gestellt. Der Anerkennung Rumäniens als unabhängigen Staat hatte Europa die Bedingung gestellt, daß dasselbe den Israeliten volle Gleichheit gewähren würde. Die rumänische Regierung gab den Mächten nur eine scheinbare Satisfaktion, indem es den Artikel 7 der Verfassung, der die Naturalisation der Nichtchristen untersagte, abänderte, weigerte sich jedoch, den Israeliten die Eigenschaft als Staatsbürger zuzuerkennen und beschloß, daß dieselbe ihnen nur durch individuelle Naturalisation zuerkannt werden dürfe. Die Mächte protestirten, doch berücksichtigte die rumänische Regierung diesen Protest in keiner Weise. Und so werden denn die Israeliten noch weiter im eigenen Lande als Fremde behandelt. Sie tragen alle Lasten der rumänischen Bürger, sie erfüllen alle Pflichten derselbensie dienen als Soldateil, aber sie bleiben Fremde, selbst dann, wenn sie ihr Blut für Rumänien vergießen! Wenn die Israeliten in Rumänien wenigstens noch mit einem Rest von Humanität behandelt würden! Man sollte aber glauben, daß die Behörden sich geradezu befleißigen, sie an die äußerste Grenze des Elends und der Verzweiflung zu bringen. Alle Gesetzvorschläge, welche ihre wirthschaftliche Thätigkeit lahmlegen und damit ihnen das tägliche Brod nehmen können, werden von den rumänischen Kammern fast ohne Debatte angenommen; Gesetze über den Hausirhandel, über den Verkauf von geistigen Getränken, über den Aufenthalt in den Dörfern rc. Die rumänischen Kammern sind noch weiter in der Verfolgung der Juden gegangen. Sie haben den jüdischen Kindern den Schulbesuch untersagt, indem sie einerseits nur dann gestatten, daß Kinder von Auswärtigen (d. h. Juden) in einer Schule ausgenommen werden, wenn die Kinder von Rumänien (d. h. Christen) alle auch in derselben Aufnahme gefunden haben. — In Rumänien genügen aber die Schulen noch nicht, um die Hälfte der schulpflichtigen Bevölkerung aufzunehmen, zudem verpflichten sie die Kinder der Fremden zur Zahlung von Schulgeld, wogegen der Unterricht für die Kinder der Rumänen kostenlos erfolgt. Kein anderes Gesetz hat die rumänischen Israeliten mehr betrübt; sie fühlen, daß man sie in dem Theuersten, was sie besitzen zu treffen sucht, in der Zukunft ihrer Kinder. Was würde es nützen, gegen diese neue Unbill zu protestiren? Sie bescheiden sich und bemühen sich, selbst Elementarschulen für ihre Kinder zu gründen. Das Unternehmen ist schwer, und wenn es über ihre Kräfte geht, so wird es Sache der Israeliten des Occidents sein, sie hierin zu unterstützen. Kein Werk empfiehlt sich ihrer Großmüthigkeit in höherem Grade. Die Hilfe der Alliance wird auch in Marokko und Persien immer noch in Anspruch genonnnen. Während in gewissen mohammedanischen Landern, besonders in der Türkei, die Israeliten inmitten einer toleranten, ja sogar ihnen wohlwollenden Bevölkerung leben und auf den weisen Schutz des Herrschers mnd den Gerechtigkeitssinn der Beamten zählen können, so geschieht es in Persien wie in Marokko höchst selten, daß die Regierung sie gegen den Fanatismus der Masse beschützt. Die Berichte der Alliance sind/'voll von Klagen unserer Glaubensgenossen über die Erpressungen und die Geldgier der Beamten und die Uebergriffe der Menge. Seit vielen Jahren geht fast kein Monat vorüber, in dem man nicht an unglücklichen jüdischen Kaufleuten begangene Mordthaten zu verzeichnen hätte. Die Gleichgiltigkeit oder die Böswilligkeit der Beamten läßt diese Verbrechen unbestraft, und hätten nicht die Mächte einer gewiffen Anzahl. Juden einen offiziellen Schutz garantirt, so wären täglich die gröbsten Ausschreitungen von Seiten einer Bevölkerung zu befürchten, die noch so wenig kultivirt ist, daß sie in jedem Nichtmohammedaner einen Feind sieht. Die Alliance nimmt niemals erfolglos die Unterstützung der civilisirten Regierungen für die Israeliten jener Gegenden in Anspruch/ Die Vertreter der europäischen Mächte und der Vereinigten Staaten bemühen sich stets, ihnen eine gewisse Sicherheit zu verschaffen. Dir Woche. Berlin, 4. November. SSliret große Verluste hat das Judenthum in dieser Woche erlitten: einen hervorragenden Rabbiner, einen sehr bekannten Parlamentarier und einen hochangesehenen Kaufmann. Alle drei waren bestimmte Typen ihres Berufes, alle drei wurden weit über ihren Wirkungskreis hinaus betrauert. Ueber die Bedeutung. Dr. Bambecgers, der einer der thatkräftigsten unter den deutschen Rabbinern war, hat ein Freund und Fachgenoffe an anderer Stelle geschrieben. Dem Landtagsabgeordneten Kommerzienrath Karl Maison widmet das verbreitetste politische Tagesdlatt in München folgenden Nachruf: Rasch und unerwartet ist heute früh 5 Uhr der deutsch - freisinnige Landtagsabgeordnete für München I, Kommerzienrath, Kaufmann, Handelsrichter, k. dänischer und k. schwedisch und norwegischer Konsul Karl Maison im Alter von 56 Jahren aus diesem Leben geschieden. Er war geboren zu Oberdorf bei Ellwangen in Württemberg als der Sohn eines jüdischen Bolksschullehrers, der ihm eine gediegene Bildung und Erziehung angedeihen ließ. Der junge Mann frequentirte das Gymnasium und wandte sich sodann dem Kaufmannsstande zu, dem er in seinem späteren Leben zur Zierde gereichen-sollte. Nachdem er in verschiedenen Geschäften thätig gewesen, etablirte er sich im Jahre 1862 mit seinem Bruder in München unter der Firma A. Maison. Seine reichen kaufmännischen Kenntnisse, sein ausschauender Blick verhalfen dem Geschäfte zu ungeahnter Blüthe. Die Firma erfreut sich des größten 'Ansehens in allen kaufmännischen Kreisen des In- und Auslandes. So kam es, daß seine Berussgenossen den erst 30 Jahre alten Mann zu ihrem Vertreter in der Oberbaierischen Handels- und Gewerbekammer erwählten. Sie hatten die richtige Wahl getroffen, wie die Folge zeigte. Dank der eminenten Sachkenntniß und Fähigkeiten, die Maison sein Eigen nannte, war er der Mann, dem die schwierigsten Referate aufgebürdet werden konnten. Sein strebsamer Geist und seine freudige Aufopferung kannte keine Schwierigkeiten, und so bewältigte er alle ihm gestellten-Aufgaben mit außerordentlichem Eifer und Geschick. War so Maison eine hervorragende kaufmännische Kraft und Zierde, so gebührt ihm die hohe Anerkennung nicht minder als Politiker. Als in den sechziger Jahren die liberale Sache unter der Aegide eines Julius Knorr und August Vecchioni sich zum Aufschwung anschickte, da trat der damals noch junge Maison als einer der Ersten an ihre Seite, ausgestattet mit einem glühenden Herzen, leuchtenden Augen und kampfbereitem Sinn. Alsbald erkannte man in liberalen Kreisen die außerordentliche Befähigung Maisons, allein sein Pflichtgefühl hielt ihn noch davon ab, die ihm angebotenen Ehrenstellen anzunehmen. Aber in allen Phasen des politischen Lebens war er eine treue und hingebungs-

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