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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-11-06 · Heft 45 (6.11.1896) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 45 (6.11.1896)
Date
1896-11-06
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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60. Jahrgang. Nr. 45. PI fT A AtH /Vt VI & Berlin, 6. Uovemlier 1896. Gm unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint w 5 ckentlich. Abonnements-Preis: Durch Buchbanvel, Post oder direkt von der Erpedition in Berlin unter Streifband bezogen vierteljäbrl. 3 M. Nedactenr: Gustav .N arpeles. Begründet von Rabbiner kl- Ludwig phiUppson-Lon« Verlags-Erpedition: Lerlin, -Jerusalemerstr. 48/49' Alle Zusendungen für Redaktion und I Expedition sind an die Adresse: Verlag der i „Allgem. Zeitung deS JudenthumS", Berlin I 8rv., Jerusalemer Straße 48/49 zu richten. I Verlag von Rudolf Masse, Berlin. I 3ttl)(tü. Leitartikel: Zehn Jahre. — Die Woche. — Rabbiner Dr. Jsaac Vamberger. Von Dr. B. Rippn er. — Die Herrschaft der jüdischen Banken. Von Dr. S. Kays er ling. — Arthur Schopenhauer und das Judenthum. Von Dr. Fr. Rubinstein. — Das Buch Hiob. VI. Von Georg Brandes. — Feuilleton: Das Tagebuch eines Abtrünnigen. Von I. Zangwill. (Fortsetzung.) — Lindere Zeiten. Eine Erzählung von Gotthard Deutsch. (Forts.) — Sprechia.il. Der Gemeindebote. Korrespondenzen und Nachrichten r Berlin, Königsberg, Aus der Provinz Posen, Gleiwitz, Beuthen O.-Schl., Hannover, Leipzig, Kassel, München, Wien, Budapest, Petersburg, Warschau, Sofia. — Bon Stah und Fern. Zehn Jahre. * Berlin, 4. November, s ist ein verdienstliches Unternehmen der Allianz Israelite Universelle, daß sie von Zeit zu Zeit außer ihren regelmäßigen Nechenschaftsberichten auch noch allgemeine Berichte herausgiebt, in denen sie Umschau und Rückschau hält und ihre Erfolge wie ihre Bemühungen getreulich registrirt. Da nun aber die Thätigkeit dieser Gesellschaft eug zusammenhängt mit der Geschichte und den Geschicken des Judenthums, so gewinnen diese Berichte geradezu historische Bedeutung. Erst vor Kurzem ist ein solcher Bericht'über das letzte Jahrzehnt von 1885 bis 1895 erschienen. Wir entnehmen demselben für heute nur die folgenden Mittheilungen. Ein anderes Mal soll uns die Kulturarbeit der Alliance im Osten beschäftigen. Es ist natürlich, daß kein Lalld der Thätigkeit der Alliance ein größeres Feld bot, als Rußland. Ein Jeder kennt die elende Lage der dortigen Israeliten. Einen kurzen Zeitraum hindurch Hattees den' Anschein, als habe man in höheren GesellschaftssPhären Rußlands Berständniß und Werthschätzung für den wirklichen Charakter der Gesellschaft und den wohlthätigen Einfluß, d,en sie in Rußland ausüben könne; so dursten im Jahre 1869, nachdem die Cholera in Polen und den westlichen Provinzen gewüthet, zwei Mitglieder des Central-Komitees die Opfer der verheerten Gegend änfsuchen und ihnen die Hilfsmittel verabreichen, die die Alliance gesammelt. Das Komitee durfte zahlreiche'Waisen , aufnehmen und , sie in jüdischen Gemeinden Deutschlands und Frankreichs vertheilen, die sich mit großmnthigem Eifer an diesem Werke der Menschlichkeit belheiligten. Unter den Unglücklichen, welche die HnlMrsnoth und die Cholera an den Bettelstab gebracht, befanden sich 809 kräftige Erwachsene, die nur zu arbeiten verlangten. Die Alliance unternahm es,; sie nach den Vereinigten Staaten zu entsenden. Das Werk war langwierig und schwer durchzufnhren, indessen, dank dem Eifer einiger hervorragender Männer und der Unterstützung des gesummten Jndenthums, konnte es zu gedeihlichem Ende geführt werden/ Es war dies der Ausgangspunkt jener ungeheuren Auswanderung, die von 1881 bis 1894 direkt ihren Weg nahm von Rußland nach Amerika und die in diesem Zeitraum die israelitische Bevölkerung der Vereinigten Staaten mehr als verdreifacht hat. Den amerikanischen MauLensgepoffen fiel die schwere Aufgabe zu. die zahlreichen Einwanderer aufzunehmen und unterzubringen, von beneu die meisten ganz mittellos waren und der öffentlichen Wohlthätigkeit zur Last zu fallen drohten. Die israelitischen Gemeinden Amerikas, und namentlich diejenigen von New-Hork, zeigten sich auf der Höhe dieser großen Pflicht, und die Beschreibung dessen, was sie für die armen russischen Flüchtlinge gethan, dürfte das Beispiel liefern für eine der schönsten Wohlthätigkeits-Bewegungen, die vielleicht jemals in der Weltgeschichte zti verzeichnen gewesen ist. Man bleibt noch hinter der Wahrheit zurück, wenn man die Zahl der israelitischen Russen, welche von 1881 bis 1894 in Amerika gelandet, auf 500000 anschlägt. Es wäre -vom höchsten Jntereffe, nachzuforschen, einerseits was aus diesen Einwanderern geworden ist, und andererseits zu untersuchen, welchen Einfluß die Gründung dieser großen jüdischen Gemeinden in Änterika auf das Judenthum im Allgemeinen ausübeu kann. Die von der Alliance gesammelten Erkündiguugen gestatten es. zu be- .haupten> daß in sehr kurzer Zeit und unter der Bedingung, daß in Zukunft die Einwanderung eine mäßige und vorsichtige bleibe, jene wunderbare Gabe, die es den Vereinigten Staaten ermöglicht hat, sich so verschiedene und entgegengesetzte Elemente zu assimiliren, wie 'sie seit 60 Jahren die neue Vielt überfluthet haben, es den Tausenden von russischen Einwanderern ermöglichen wird, sich zu nützlichen und fleißigen Bürgern heranzubilden, die so leicht in Rußland zurückzuhalten gewesen wären und zum Aufschwung des Reiches beigetragen Hütten. . r Es wäre kühn, Voraussagen zu wollen, wie sich das amerikanische Judenthum, nach Zuziehung dieses Stromes von russischen Auswanderern. entwickeln wird. Ja, nach dem Bericht der Alliance kann man von'dem Zusammenfluß der älteren Elemente mit den Kenhnizukoimnenden' eine ähnliche Bewegung erwarten, „wie jene jüdische Wiedergeburt, die in den letzten 50 Jahren in Frankreich; Deutschland und Oesterreich so viele hervorragende Gelehrte, so viele bedeutende Werke gezeitigt hat." Die Alliance kann sich nicht das ausschließliche Verdienst dieses großen Werkes znschreiben; wenn sie jedoch in großmüthiger Weise von den Inden aller Länder unterstützt und gefördert wurde, so hat-sie doch den Anlaß dazu gegeben, war der Mittelpunkt des all- - gemeinen Wirkens und durch ihre Organisation dazu bestimmt, den Äillen und die Absichten des Jndenthums auszüführen. Im Inneren Rußlands hat sie den durch Huiigersn oth, Brände verheerten Gemeinden; die gleichfalls durch das Zurnckdrängen von

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