Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 60 (1896)
- Issue
- Heft 44 (30.10.1896)
- Date
- 1896-10-30
- Page
- Seite 528 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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528 Gehilfin gestützt, von Segen umgeben sein möge, daß an ihm sich erfüllen möge das talnmdische Wort: Jeder Mensch erhält die Frau; die er verdient. Er spielte darauf an, daß Max, ein zweiter Mordechai, nicht nur beliebt sein solle bei den Großen der Erde; sondern auch geachtet und geliebt von seinen Brüdern, daß er aber im Gegensätze-zu dem biblischen Mordechai nicht seine Esther zu bekehren haben solle, sondern von ihr bekehrt werden möge, zu wandeln in den Wegen Gottes, zu üben Recht und Gerechtigkeit. Es war ein schweres Stück Arbeit, denn Reb Rephoel war über die belletristische Zeit, welche im Anfänge des Jahrhunderts die intelligenten Jünger der Jeschiba gefangen hielt, lange hinaus, aber er wußte, daß sein Sohn beim Einpfange dieses Briefes das Gefühl haben werde, der Vater habe ihm eine besondere Auszeichnung bereiten wollen, und das mußte wirken. Von dem Gerüchte, das ihm zu Ohren gekomlnen war, erwähnte er nichts. Am ersten Tage des Neujahrsfestes kam ein Brief von Max.' Ungeduldig trommelte Reb Rephoel mit den Fingern auf dem Tische, bis Gutrud, die alte Magd, den nöthigen Christen gefunden hatte, um den Brief öffnen zu lassen. Ungeduldig zog er ihn aus dem Umschlag, und ungeduldig überflog er ihn. Er enthielt nichts als einen Glückwunsch in deutscher Sprache und Schrift, nur die wenigen Worte: „Zn einem glücklichen Jahre sollst Du eingeschrieben und besiegelt werden", waren in zierlicher hebräischer Kursivschrift geschrieben, die vortheilhaft von den Krähenfüßen der Rezeptenschrift des Arztes abstach. Was sollte das bedeuten? Hütten die Briefe sich gekreuzt, oder vermied Max absichtlich die Beantwortung des väterlichen Briefes? Des Vaters Herz wollte das erstere lieber glauben, aber warum war der Brief seither nicht beantwortet worden? War er nicht cm* gekommen? Sehr unwahrscheinlich! Briefe gehen sehr selten verloren. Hätte Max die gekünstelten hebräischen Phrasen nicht verstanden und sie einfach als stilistische Spielerei genommen, in denen sich, wie in den Briefen der lateinischen Humanisten, nur der Wunsch zu erkennen gab, elegant zu schreiben? Ja, das war's! Reb Rephoel erinnerte sich nun. Er hatte seinem Max die hebräischen Jahrbücher Bikkure ha-ittim') geschenkt, und Max hatte gesagt, daß sie ihm vorkämen wie Horaz' Oden, die der Professor im Gymnasium so lange lobe, bis die armen Jung:n daran glauben müssen, und doch seien sie nur leeres Phrasengeklingel und Gefühls- Heuchelei. Ja. so wird's Wohl sein! Und doch, er kann die Befürchtung nicht los werden. Vielleicht thut Max nur, als verstünde er nicht, um die unbequeme Pflicht der Antwort los zu werden. (Fortsetzung folgt.) Litterarische Mitthrilungen. — Heft 12 des 40. Jahrgangs der Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judenthums (Breslau, D. Schottländer) hat folgenden Inhalt: David Kaufmann, Die Chronik des Achimaaz von Oria. (Schluß ) — A. Epstein, Jüdische Alterthümer in Worms. (Schluß.) —M. Brann, Geschichte und Annalen der Dyhernfurther Druckerei (Schluß des ersten Artikels.) — Mit diesem Hefte schließt der 40. Jahrgang der altbewährten Zeitschrift, die wir bei diesem Anlasse von Neuem wärmstens empfehlen. Sie ist die einzige gelehrte Zeitschrift für die Wissenschaft des Judenthums, die gegenwärtig in Deutschland erscheint. Und schon um dieses Umstandes willen, sollten alle Diejenigen, welchen diese Wissenschaft wirklich am Herzen liegt, das i) Erschienen in Wien 1621 -1832. Unternehmen fördern und dessen Verbreitung angelegentlich bewirken. Heft 1 des 41. Jahrgangs hat folgenden Inhalt: A. Büchler, Das apokryphische Esrabuch. — Ludwig Blau, Aus den talmudischen Randnoten des Herrn Rabbinatspräses S. L. Brill in Budapest. — A. Epstein, Jüdische Alterthümer in Speier. — D. Kaufmann, Ein Hochzeitsepigramm Jehuda Halevis. — Besprechung von C. Bodt. — Die Königlich Ungarische Akademie der Wissenschaften hat das in Nr. 41 gewürdigte Buch des Prof. Dr. S. Nascher „Auswahl von Gedichten, nach dem ungarischen Texte des Dichters Reviczky" (Budapest und Leipzig) mit Dank angenommen und in die Bibliothek der Akademie eingereiht. (2 645, 9. Oktober 1896). Sprerhsaat. Sehr geehrter Herr Redakteur! f er in Nr. 42 Ihres geschätzten Blattes von Dortmund aus erstattete Bericht über die letzte Generalversammlung des „Vereins zur Förderung und Verbreitung des Handwerks unter den Juden" erscheint in mehrfacher Richtung der Ergänzung Und Berichtigung bedürftig. Zunächst ist es zu bedauern, daß in demselben des Vortrages des bekannten Herrn Dr. med Auerbach in Köln über Wege, Ziele und Erfolge unseres Vereins mit keinem Worte Erwähnung geschieht, umsomehr, als dieser Vortrag, der sich an der Hand eines sorgfältig zusammengetragenen statistischen Materials in außerordentlich lichtvoller Weise über sein Thema verbreitete, in der Thal den Glanzpunkt unserer Versammlung bildete. Der Redner verstand es, das warme, lebendige Interesse für unsere Sache, das ihn selbst beseelt, durch seine begeisternden Worte derart auf seine Zuhörer zu übertragen, daß allseitig dem Wunsche Ausdruck gegeben wurde, den Vortrag für Zwecke der Propaganda veröffentlichen zu lassen. Was nun die an mich gerichtete Interpellation des Herrn Dr. Coblenz - Bielefeld betrifft, die in Ihrem Berichte zu einer Haupt- und Staatsaktion aufgebauscht wird, so wurde dieselbe in Wirklichkeit von dem überwiegend größten Theil der Versammlung als ein sehr peinliches Intermezzo empfunden, und fast einmüthig wurde der Versuch getadelt, den religiösen Parteihader in ein Gebiet hineinzutragen, auf welchem bislang Angehörige der verschiedensten Richtungen in erfreulichem Einvernehmen so segensreich zusammenwirkten. Was nun meine Antwort auf die Interpellation betrifft, so ist es unrichtig, daß ich den Bericht des „Israelit" über die Dortmunder Pfingstversammlung „vollständig desavouirt" hätte. Ich erklärte vielmehr, daß eine von mir gethane Aeußerung in jenem Bericht außerhalb ihres ursprünglichen Zusammenhangs erscheine und dadurch wie durch eine ungenaue und schärfere Fassung eine gegen die westfälischen Juden gerichtete Spitze erhalte, die meiner Absicht durchaus ferngelegen habe. Insbesondere aber trat ich der Auffassung entgegen, als ob jene Dortmunder Versammlung, an der ich theilgenommen hatte, eine Versammlung „gegen den Verband der Synagogengemeinden Westfalens" gewesen sei, als welche sie Herr Dr. Coblenz zu bezeichnen beliebte, und muß ich es als eine bewußte Entstellung ansehen, wenn trotzdem auch Ihr Berichterstatter diese irrige Bezeichnung nach wie vor festhält. In Wahrheit handelte es sich damals um die Konstituirung eines Vereins „zur Wahrung der religiösen Interessen des Judenthums", und wenn auch in jener Versammlung von einer Seite ein ähnlicher Ton wie der des Herrn Dr. Coblenz in seiner Interpellation angeschlagen wurde, so war doch die vorherrschende Stimmung in derselben eine durchaus maßvolle; frei von jeder Unduldsamkeit und Schmähsucht gegen Andersdenkende faßte man als einziges Ziel des zu gründenden Vereins die Vertheidigung der überlieferten Heiligthümer unserer Religion gegen die Uebergriffe einer unberechtigten Neuerungssucht ins Auge. Hochachtungsvoll Düsseldorf, 18. Oktober. Dr. E. David, Rabbiner. Druck und Berlar, von Rudolf Masse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Mar Bäuchwitz in Berlin.