Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-10-16 · Heft 42 (16.10.1896) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 42 (16.10.1896)
Date
1896-10-16
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3228148-3228191--53187-3258852
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

60. Jahrgang. Nr. 42. De? 16. Oktober 1896. Weikctge zur „Atlgemeinen DeiLung öes IuöenLHurns". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutsch land. <ya Berlin, 12. Oktober. Der Verein für jüdische Geschichte und Litteratur versendet soeben sein Arbeitsprogramm für diebevorstehende Wintersaison. Die öffentlichen Vorträge finden auch diesmal in der Aula des Friedrich Werderschen Gymnasiums statt, und zwar in dieser Reihenfolge: 20. Oktober, Rektor Dr. Adler, Vor achthundert Jahren; 10. November, Nabb. Dr. Stier, Die Ehre in der Bibel; 10. Dezember, Rabb. Dr. Frank aus Köln, Der Prophet Elia in Geschichte und Sage; 19. Januar, Prof Dr. A. Baginsky, Thema Vorbehalten; 11. Februar, Prof. Dr. O. Fleischer, Was ist alte jüdische Musik? 16. März, Prof. Dr. Cornill aus Königsberg, Die Psalmen in der Weltlitteratur — Die Diskussionsabende des Vereins finden auch diesmal wieder im Architektcnhause Wilhelmstraße 92, und zwar in dieser Reihenfolge statt: 27. Oktober, Dr. H. Hildesheimer, Griechische und römische Schriftsteller über Juden und Judenthum; 23. November, Dr. O. Thon, Die Hauptströmungen in der neuhebräischen Litteratur; 29. Dezember, Lehrer A. Levy, Volks- und Familienfeste im alten Israel; 26. Januar, Rabb. Dr. Rosenthal aus.Mannheim, Don Isaak Abarbanel; 23 Februar, Dr. N. Samter, Judenthum und Proselythismus; 30 März, Dr. Heinr. Meyer Cohn, Ueber Assimilation; 14. April, Dr. N. Birnbaum, Henrik Ibsen und die jüdische Weltanschauung. L2 Berlin, 11 Oktober. Soeben ist der sechsundsechzigste Jahresbericht der Alter-Versorgungs - Anstalt der jüdischen Gemeinde zu Berlin für das Jahr vom 1. April 1895 bis 31. März 1896 erschienen. Derselbe ist ein erfreuliches Zeugniß für die Blüthe dieser Anstalt. Tenn auch im vergangenen Jahre war es möglich, durch die stets bereite Hilfe edler Gönner die Zahl der Hospitaliten zu vermehren. Während sich am 1. April 1895 213 Hospitaliten in beiden Anstalten befanden, ist die Zahl am l. April 1896 auf 221 gestiegen. Allerdings , sind jetzt in beiden Anstalten fast alle Zimmer besetzt, und viele würdige Personen müssen abgewiesen werden. Im Durchschnitt waren vorhanden: 1894/95: 188 Hospitaliten, 1896/96: 213 Hospitaliten. welche 92394 M. resp. 100 728 M. Gesammtkosten, exklusive Hausreparaturen, verursachten, also pro Kopf: 1894/95: 492 M., 1895/96: 473 M. Die Beköstigung erforderte 1894/95: 53 371 M. ---- 68 Pfennige, 1895/96: 58 424 M. — 66 Pfennige pro Tag und Kopf. Das vergangene Jahr ist nicht vorübergegangen, ohne der Anstalt zwei schwere Verluste zu bereiten durch den Tod des Herrn Jsaac Blumenthal, der seit 1881 ein vielseitig thätiges Mitglied des Vorstandes war, und der am 21. Dezember 1895 verstorbenen Ehrendame der alten Anstalt, Frau Sara Röhmann geb. Gottschalk, die 27 Jahre in aufopfernoer Thätigkeit ihres Amtes pflichttreu und segensreich gewaltet hat. An Stelle des Herrn Blumenthal ist Herr Ludwig Mecklenburg in den Vorstand eingetreten, und als neue Ehrendame wurde Frau Bertha Mayer geb. Mecklenburg gewählt. Wie in den früheren Berichten, so wird auch diesmal wiederholt, daß durch Einzahlung größerer Beträge die immerwährende Mitgliedschaft erworben wird, auch die Sterbetage Dahingeschiedener in der Anstaltssynagoge gefeiert werden. Ein Verzeichniß der Verstorbenen, deren Sterbetage gehalten werden, ist dem Bericht beigefügt. Ebenso sind die Namen derjenigen Wohlthäter verzeichnet, welche durch Stiftungen, Jahresbeiträge, Geschenke oder Legate die Anstalt unterstützten. Stiftungen haben für den Stifter einen besonderen Werth, da sein Name oder das Andenken theurer Angehöriger für ewige Zeiten durch eine über der Thür des von ihm gestifteten Zimmers angebrachte Widmungstafel bezeichnet wird und er das Recht erwerben kann, das so gestiftete Zimmer mit einer würdigen Person, welche den statutarischen Bestimmungen entspricht, nach seiner Wahl besetzen zu können. Eine Besichtigung der Anstalten ist gern gestattet. Der Rechnungs-Abschluß für das Etatsjahr 1595/96 weist auf an Einnahmen 203 312,74 M., an Ausgaben 108 866,80 M. Dem hilflosen Alter einen sorgenfreien Lebensabend zu sichern, ist gewiß von allen Humanitären Einrichtungen die wohlthätig wirksamste; möge daher die Bitte, dieses menschenfreundliche Bestreben durch Stiftungen, Jahresbeiträge und Geschenke für die Anstalt zu unterstützen, damit die Zahl der Pflegebefohlenen immer mehr vergrößert werden könne, keine vergebliche sein. L2 Berlin, 9. Oktober. In ihrer wissenschaftlichen Sitzung vom 3. d. Mts. setzte die „Wissenschaftliche Vereinigung jüdischer Schulmänner zu Berlin" die Generaldebatte über das Thema ,>.die Schöpfungsgeschichte, eine schulgemäße Betrachtung" fort. Nachdem der Referent und der Korreferent noch einmal ihren Standpunkt präzisirt hatten, beschäftigten sich die verschiedenen Redner namentlich mit den Fragen, ob, bezw. auf welcher Unterrichtsstufe die Schöpfungsgeschichte durchzunehmen und ob der Unterricht chronologisch oder konzentrisch zu ertheilen sei. Nach längerer Diskussion, in welcher die Redner ihren Standpunkt mit ebenso viel Eifer wie Geschick vertheidigten, wurde die Generaldebatte geschlossen. In dernun folgenden Pause wurden einige geschäftliche Angelegenheiten erledigt. TÜnn folgte die Spezialdebatte, welche sich darauf beschränkte, daß die einzelnen Redner die von ihnen aufgestellten Thesen nochmals mit kurzen Worten vertheidigten und deren Annahme empfahlen. — Nach Schluß der Debatte wurden die Thesen des Herrn Dr. Sachs: 1. Die Schöpfungsgeschichte kann auf jeder Unterrichtsstufe behandelt werden. 2. Die Schöpfungsgeschichte hat die Betonung und Entwickelung der ethischen Begriffe als ihren Hauptpunkt zu betrachten, erstere mit Majorität, letztere einstimmig angenommen. Der zahlreiche Besuch der Sitzung, an der auch mehrere Gäste theilnahmen, zeugte von dem lebhaften Interesse, das den Bestrebungen der Vereinigung entgegengebracht wird. L2 Berlin, 11. Oktober. Die Ausstellung der Erzeugnisse jüdischer Dörfer in Palästina hat ein dauerndes Resultat gezeitigt. Am heutigen Tage hat sich hier die Import-Gesellschaft Palästina gebildet, mit einem Kapital von 50000 Mark, mit dein Zweck, die Produkte der jüdischen Kolonien in Palästina und die Fabrikate der jüdischen Drechsler in Jerusalem in Deutschland zu verkaufen. Das Aktienkapital zerfällt in 100 Antheile ä 500 Mark und wurde erfreulicherweise überzeichnet, so daß mehrere der Zeichner ihre Beträge reduziren mußten. Die neu gegründete Gesellschaft wird insbesondere das Weingeschäft forciren, sie wird aber außerdem Südfrüchte, Schnitzereien, Honig, Parfüm, Seife re. führen. Die Gesellschaft wird ein Lokal in bester Geschäftsgegend miethen und dort außer der Weinstube und dem Verkauf der Schnitzereien eine permanente Ausstellung eröffnen, in der alle Produkte Palästinas dem Publikum vorgeführt werden sollen. Die Leitung des Geschäfts wird Herr Moses Hildesheimer übernehmen. a. Potsdam, 9. Oktober. Ein schönes Fest feierte vor einigen Tagen die hiesige Gemeinde. Anläßlich des Scheidens ihres langjährigen und bewährten Vorstehers, des Herrn Leopold Friedeberger, der sein Amt wegzugshalber niederzulegen gezwungen war, gaben demselben Vorstand und Repräsentanten ein Abschiedsessen, an welchem auch noch außer diesen viele Freunde theilnahmen. — Bei der Tafel ergriff zunächst Rechtsanwalt Friedländer als Vorsitzender des Vorstandes das Wort. Er feierte in begeisterten Worten den Jubilar, hob von den außerordentlichen Verdiensten desselben um die Gemeinde namentlich sein eigenstes Werk, die Hebung des Gottesdienstes, hervor. Herr Rabbiner Dr. Cohn schilderte das große Organisationstalent des Scheidenden, das warme Interesse, welches er an den Tag legte. Diesem folgten noch viele Toaste, die sämmtlich in dem Bedauern gipfelten, daß Herr Friedeberger aus der Gemeinde scheide. Der Gefeierte dankte in bewegten Worten und versicherte, daß die allseitige Anerkennung der schönste Lohn sei und ein Sporn für sein ganzes Leben bleiben werde. Die beredten Worte klangen in ein Hoch auf die Gemeinde Potsdam

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.