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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-10-09 · Heft 41 (9.10.1896) · p. Seite 492

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 41 (9.10.1896)
Date
1896-10-09
Page
Seite 492 (sequence 12)
Language
German
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492 — I Guttmann: Liturgik. Orchoth chajim. Teschen 1896. Selbstverlag. Unter diesem Titel hat Herr Religionslehrer I. Guttmann aus Teschen im Selbstverläge ein Werkchen erscheinen lassen, welches J von Vielen willkommen geheißen werden wird. Die „Liturgik" will alle gottesdienstlichen Handlungen in Haus und Tempel dem Schüler vor Augen führen und ihn mit den üblichen hebräischen Bezeichnungen vertraut machen. In dem Büchlein werden alle religiösen Bräuche eingehend besprochen, die Gebete zergliedert und benannt und die Fest- und Fasttage ausführlich behandelt. Der Verfasser läßt sichs aber auch nicht nehmen, auf Abfassungszeit und Entstehungsgründe derselben zurückzugehen. Das Buch ist dergestalt nicht nur für Schüler berechnet, sondern bei der großen Reichhaltigkeit auch ein Hilfsmittel für Religionslehrer. Ja, eher für Letztere als für Erstere. Denn tatsächlich leidet es, wenn man deutsche Verhältnisse ins Auge faßt, an einer starken Ueberfülle des herbeigeschafften Stoffes. Namentlich der Anhang ist überladen. Einige grammatische Fehler dürften wohl auf Konto des Druckers zu setzen sein. Diese sowohl wie die gerügten Bestandtheile müssen bei der zweiten Auflage, die wir dem Werke recht bald wünschen, unbedingt ausgemerzt werden, soll es an Brauchbarkeit und Zweckmäßigkeit gewinnen. Bernhard Traubenberg. —. Der Kalender für Israeliten für 5657, herausgegeben vom Vorstand der „ Oesterr.-Israel. Union", ist bereits im fünften Jahrgange erschienen. Der Kalender repräsentirt sich recht stattlich und kann als authentisches Nachschlagebuch für alle Gebiete des öffentlichen und privaten jüdischen Gemeindelebens gelten. Dr. Ed. Mahler hat, wie im Vorjahre, den kalendarischen Theil sorgsam bearbeitet, während die litterarischen Beiträge vom Architekten Max Fleischer (Denkmal Dr. Fischhofs), von Lektor M. Friedmann (Zur rabbinischen Poesie), von Rabb. Dr. Gelb Haus (Buch der Jubiläen), von Oberrabbiner Dr. Güdemann (Ueber Predigten und Prediger), von Dr. Mahler (Ueber den Pharao des Exodus) und Prof. Dr. D. H. Müller (Maleachi's Rede über den Opferdienst) herrühren. Der Reinertrag ist wohlthätigen Zwecken gewidmet. Schon aus diesem Grunde verdient das Buch allgemejne Verbreitung. Dem Aufsatze von Mahler über den Pharao des Exodus entnehmen wir übrigens die gewiß sehr interessante Mittheilung, daß der Auszug der Kinder Israel aus Aegypten nach genauer Berechnung am Donnerstag den 27. März 1335 v. Chr. stattgefunden hat! ----- Die Millenniumsfeier der ungarischen Nation hat drei litterarische Blüthen hervorgebracht: 1. Einen Cyklus von acht Reden „az Ezsedev“ („das Jahrtausend"),, welche der Oberrabiner von Szegedin, Dr. Immanuel Löw, in diesem Jahre gehalten hat. Die ungarischen Reden sind reich an exegetischen Gedanken, lehrreichen Reflexen auf die Geschichte des ungarischen Volkes, dessen Schicksale mit denen der Juden geschickt verglichen werden Das gediegene homiletische Buch ist, auch äußerlich gut ausgestattet, in Szegedin soeben bei Traub & Co. erschienen. 2. Neue Klänge von Prof. Arpad v. Török. Budapest. Kosmos-Kunstanstalt 1896. Diese zur Erinnerung an den in diesem Jahre stattgefundenen internationalen Thierschutz-Kongreß herausgegebene Schrift enthält in Jamben und Distichen gehaltene Gedichte zum Schutze der animalischen und gefiederten Welt. Die Gedichte sind theils elegischen, theils satyrischen Inhaltes. Da die Religion nicht nur die Menschenliebe, sondern auch die Liebe und Barmherzigkeit für alle Geschöpfe des himmlischen Vaters lehrt, so ist dieses Buch nicht nur Form und Inhalt nach, sondern auch, vermöge der ethischen Tendenz, weitesten Kreisen bestens zu empfehlen. 3. Auswahl von Gedichten, nach dem ungarischen Texte des Dichters Reviczky Gyula, in metrischer, deutscher Uebertragung und mit einer Einleitung versehen von Dr. S. Nascher, Professor. Aus dem Anlässe der Feier tausendjähriger Stiftung des ungarischen Staates veröffentlicht. Budapest. R. Lampe! (PH. Wodiamer & Söhne), kaiserliche und königliche Hofbuchhandlung. Leipzig. Bruno Witt 1896. Die Gedichte des in der Blüthezeit des Lebens nnd Schaffens durch den Tod hinweggerafften, in Dichtung und Schicksal tragischen, zeitgenössischen ungarischen Nationaldichters, hat der Verfasser in systematischer Auswahl und Eintheilung, theils frei übersetzt, theils selbständig in deutscher Sprache in trochäischen, jambischen und daktylischen Reim- Strophen bearbeitet. Neben der Bedeutung des ungarischen Dichters empfiehlt das Buch die liberale, staatstreue Tendenz und die religiössittliche Weisheit und Wahrheit, die. es enthält. Das Buch enthält acht Abschnitte und wird mit einer Millenniums - Hymne eingeleitet. Der ungarische Kultusminister, Dr. Julius Wlassich, und die Direktion der Millenniums-Ausstellung in Budapest haben mit ehrenvollen Anerkennungs-Schreiben das Buch angenommen, welches in der historischen Bibliothek des Landes-Museums aufbewahrt wird. ---- Der jüngste, in. Budapest im September abgehaltene VII. Weltfriedenskongreß und die darauffolgende interparlamentarische Konferenz haben die öffentliche Aufmerksamkeit neuerlich auf die anwachsende Friedensbewegung gelenkt. Da ist das Erscheinen eines Buches besonders zeitgemäß, welches zugleich eine Synthese und eine Geschichte dieser bedeutungsvollen Zeiterscheinung giebt. „Pax m n n ä 1" von dem schwedischen Reichstagsabgeordneten K. P. Arnoldson (Verlag von Strecker & Moser in Stuttgart) giebt uns nicht nur dieses, sondern ist auch ein Werk von großem philosophischem und litterarischem Interesse. Die Vorrede, die Björnstjörn Björnson für die norwegische Uebersetzung verfaßte, ist an sich ein Dokument, das den Ankauf des Buches lohnt. Das Vorwort zur deutschen Auflage und einer „Chronik", welche die seit Abfassung des Buches vorgefallenen Ereignisse nachholt, hat Bertha von Suttner geschrieben. Im Ganzen ist die Kenntnißnahme des Buches für Alle von höchster Wichtigkeit, die an der Entwickelung der Zeit- und Kulturfragen Antheil nehmen. Unseren besonderen Standpunkt zu dieser Friedensbewegung haben wir schon wiederholt präzisirt. Israels Propheten waren es, welche zuerst das Ideal des Weltfriedens verkündet haben. Darum ist Alles, was für die Erfüllung dieses Ideals geschieht, für uns von besonderem Interesse und von hoher ethischer Bedeutung. — Ein für das gesammte Erwerbsleben höchst wichtiges Gesetz ist seit dem 1. Juli d. I. in Kraft getreten: Das Gesetz zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs. Den Inhalt, die Bedeutung und die voraussichtlichen Folgen dieses Gesetzes kennzeichnet in knapper, präziser und lichtvoller Weise ein Aufsatz von Cäsar Schöps im September-Heft von „Nord und Süd" (Verlag der Schlesischen Buchdruckerei, Kunst- und Verlagsanstalt von S. Sch ottlaender, Breslau), der. allen denen, die sich über den wesentlichen Kern des in das Erwerbsleben tief einschneidenden und umwälzend wirkenden Gesetzes schnell und leicht informiren wollen, angelegentlich empfohlen sei. Das September-Heft von „Nord und Süd" enthält ferner auch eine für unsere Kreise wichtige Abhandlung von Wilhelm Soltau: „Zur Geschichte der römischen Annalistik", die eine dankenswerthe Uebersicht der neueren Ergebnisse der Quellenforschungen auf dem Gebiete der älteren römischen Geschichte, auf welchem historisch-kritische Forschung und Ueberlieferung so vielfach im Streite liegen, giebt. Einen Gegenstand von hohem kulturhistorischen Interesse behandelt in anregender Form unser geschätzter Mitarbeiter Bernhard Stern in dem Aufsatz über „Kaukasische Trachten", deren Originalität schon von den Alten bewundert wurde. Sprockssaat. Geehrter Herr Redakteur! Mch lese eben in den Zeitungen, daß in der jüdischen Gemeinde zu Paris die vorzügliche Einrichtung des Ausgebens von Armen-Marken besteht. Ein Armer, der sich an einen Privatmann um Almosen wendet, bekommt in erster Reihe eine solche Marke, die er dann dem Komitee vorzuweisen hat, und dieses honorirt den eigenartigen Wechsel erst dann, wenn der Arme sich als würdig erweist. Diese Methode konzentrirt die Wohlthätigkeit und verhindert gewerbsmäßige Bettelei. Könnte diese Einrichtung nicht auch bei uns nachgeahmt werden? Berlin, 11. September. Hochachtend Dr. F. L. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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