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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-10-02 · Heft 40 (2.10.1896) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 40 (2.10.1896)
Date
1896-10-02
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 «PP— in einem Kränzchen, in Vorträgen gesanglicher und deklamatorischer Art, Ueberraschungen u. s. w. giebt und daß auch der Humanitätsverein Linath Hazedek am selben Abend das Freudenfest der Thora festlich begeht. 0. Dt. Eylau, 24. September. Am 1. Oktober cr. tritt unser Kultusbeamter, Herr Julius Co hn, in den wohlverdienten Ruhestand. Nahezu 25 Jahre hat er in seltener Pflichttreue seines verantwortungsvollen Amtes als Prediger, Lehrer und Kantor in unserer Gemeinde gewaltet. Sein reiches Wissen, sein ehrbarer Charakter, sein Wohlthätigkeitssinn und sein unverfälschter Humor haben ihm die Herzen Aller im Sturme erobert. Anläßlich seines 70. Geburtstages und 50 jährigen Amtsjubiläums, welch' beide Feste er vor ca. 4 Jahren feierte, zeigte sich so recht die Liebe und Verehrung, die ihm von allen Seiten gezollt wird; desgleichen bei feiner goldenen Hochzeit, die zu feiern ihm vor zwei Jahren besch'eden war. Mag es dem wackeren Manne vergönnt sein, seinen Lebensabend, umgeben von der Liebe seiner Kinder und Enkel, fernab von dem Geräusche der Welt, heiter und sorglos zu verleben. 0 Posen, 27. September. Wie wir aus sicherer Quelle erfahren, hat Herr Moritz Rohr, dessen Wohlthätigkeit allgemein bekannt ist, eine neue Stiftung zum ehrenden Gedächtniß seiner Eltern begründet, und zwar eine Altersversorgungsanstalt für Israeliten beider Geschlechter. Derselbe hat zu diesem Zwecke bereits mehrere Morgen Land zwischen Lang-Guhle und Bojanowo angekauft und 300 000 Mk. als Stiftungsfonds bestimmt. Der Statuten-Entwurf befindet sich in Vorbereitung. s. Schwerfen;, 27. September. Herr Dr. Peyser, von Geburt ein Sohn unserer Gemeinde, siedelt zum 1. Oktober nach Posen über, nachdem er an unserem Orte gegen zehn Jahre als praktischer Arzt thätig gewesen ist. Er war als solcher ebenso tüchtig wie pflichtgetreu und hat das Vertrauen der Stadt und der Umgegend im höchsten Maße besessen. Trotzdem seine Beziehungen allzeit zur Haute volee die besten waren, hat er doch immer innige Fühlung zu unserer Gemeinde unterhalten und deren Institutionen ein reges Interesse entgegengebracht. Durch seinen humanen Charakter und sein umfangreiches Wissen hat er veredelnd auf dieselbe eingewirkt. Kein Wunder, daß man ihn hier mit tiefem Bedauern scheiden sieht. B. Berustadt i./Schl., 23. September. In der Nacht von Sonnabend zu Sonntag verschied plötzlich am Herzschlage, zwei Tage nach seinem 62. Geburtstage, Herr Alexander Boehm, der Begründer und Chef des unter dieser Firma seit 34 Jahren am hiesigen Platze bestehenden, weitbekannten Geschäftshauses. Nach seinem vor 2 Monaten erfolgten Austritte aus dem Geschäfte überließ er die Weiterführung desselben seinem Schwiegersöhne und früheren Socius Herrn Arthur Boehm. Ter Entschlafene war viele Jahre hindurch Mitglied des Repräsentanten- Kollegiums und dann auch des Vorstandes unserer Synagogen-Gemeinde, der er auch noch nach seiner aus gesundheitlichen Rücksichten erfolgten Niederlegung seines Ehrenamtes dasselbe rege Interesse stets entgegenbrachte. Die sittliche Hoheit und Reinheit der Gesinnung, seine liebreiche Milde und Friedfertigkeit, sowie seine opferfreudige Hilfsbereitschaft für Jedermann hatte ihm die ungetheilte Verehrung aller seiner Mitbürger verschafft. Die Leichenfeier gestaltete sich zu einer allgemeinen Kundgebung. Im Trauerhause nahm Herr Rabbiner Dr. Pinkuß aus Breslau, ein Verwandter des Entschlafenen, im Namen der Familie wehmüthigen Abschied von dem geliebten Todten. Alsdann bewegte sich der große Leichenzug nach dem Friedhofe. Hier gab Herr Prediger Boß in tiefempfundenen Worten den Gefühlen des Schmerzes Ausdruck über den herben Verlust, den die Familie, diese Gemeinde, sowie alle Freunde und Bekannten durch den Heimgang dieses nach allen Seiten hin so ausgezeichneten Mannes erlitten haben. Zum Schluffe sprach noch Herr Laqueur aus Breslau Namens der Lessingloge, deren Mitglied der Verewigte war, innige Worte des Abschieds. Darauf wurden die sterblichen Ueberreste dem Schooße der Erde übergeben. Friede seiner Asche! a. Hildesheim, 28. September. Anläßlich des Doppeljubiläums, das in diesen Tagen der hiesige Bischof Wilhelm feierte, erschienen auch am 24. d. Mts. zur Beglückwünschung desselben im bischöflichen Palais der hiesige Landrabbiner Herr Dr. Lewinsky, sowie die beiden Vorsteher Herr Aug. Dux und Herr G. Sabel. Dr. Lewinsky richtete an den Kirchenfürsten eine sehr warme und geistvolle Ansprache, an deren Schlüsse er die Glückwünsche der hiesigen Synagogen-Gemeinde und der züm diesseitigen Landrabbinatsbezirk gehörigen Gemeinden entbot. Der Bischof dankte in herzlichen Worten für die ihm durch das Erscheinen der Deputation erwiesene Aufmerksamkeit. Er betonte in. seiner Erwiederung, daß die Liebe den Grnndzug jeder Religion bilde und bleiben müsse, und wies darauf hin, daß sich die Liebe auch im Judenthum kundthue. Des öfteren habe auch er schon von Vekennern dieser Religion Gaben zu Liebeszwecken erhalten. Mit Freuden, bemerkte der geistliche Würdenträger, welcher früher am Josephineum, dem hiesigen katholischen Gymnasium, wirkte, gedenke er noch der ehemaligen jüdischen Schüler, die sich jetzt in ehrenvollen Stellungen befänden. (Zu diesen gehören der jetzige Oberrabbiner in Wien Dr. Güdemann, Dr. Landsberg, Professor in Darmstadt u. A. m.) Besonders dankte er dem Landrabbiner für dessen „warme, ihn überaus erfreuenden Worte, die ihm ein werthvolles Zeichen des friedlichen Einvernehmens zwischen den Angehörigen der verschiedenen Bekenntnisse in hiesiger Stadt seien". Zur Erinnerung übergab der Bischof jedem der drei Deputirten ein Bild als Geschenk. # Bielefeld, 27. September. Im Vordergrund des Interesses steht gegenwärtig in den westfälischen Gemeinden die auf dem letzten Gemeindetage gegründete Beamtenpensionskasse des Verbandes. Die Organisation derselben wird unmittelbar nach den Festtagen vollzogen werden. Indessen liegen schon heute mannigfache Kundgebungen vor, welche in erfreulicher Weise Zeugniß ablegen für die Sympathien, die man in betheiligten Kreisen dem neugegründeten Werke entgegenbringt. Der Schwerpunkt der für die Kasse zu entfaltenden Thätigkeit ruht naturgemäß auf der Werbung von Ehrenmitgliedern, und wir zweifeln nicht daran, daß der Erfolg hier durchaus den gehegten Erwartungen entsprechen wird. Hat doch bereits ein Ausschußmitglied die Verpflichtung übernommen, im ersten Jahre für seine Person mindestens 60 bis 80 Ehrenmitglieder zu werben. So ist also, da auch eine genügende Betheiligung seitens der Gemeinden gesichert erscheint, eine gedeihliche Entwickelung der Kasse von vornherein mit Bestimmtheit zu erwarten. — Von besonderer Bedeutung für den Verband dürfte ferner das Erscheinen des zweiten Theiles des Vogelsteinschen Gebetbuches sein, der vor einigen Wochen die Presse verlassen hat. Das Buch umfaßt 40 Druckbogen und ist in seiner äußeren Ausstattung ebenso mustergiltig wie der erste Band. Auch diesem zweiten Theile ist heute schon eine große Verbreitung gesichert, die sich nicht allein auf Westfalen beschränkt. Sind doch bereits annähernd 1700 Exemplare des Werkes verkauft, obwohl dasselbe eben erst im Buchhandel erschien. Auch ist es schon in einer großen außerwestfälischen Gemeinde eingeführt. Besonderen Einfluß auf seine Verbreitung hat der Umstand, daß es in einer gesonderten polnischen und deutschen Ausgabe erschienen ist. Dasselbe wird wohl in diesem Blatte noch eine ausführliche Besprechung erfahren. Auch die Verbreitung des Schulgebetbuches läßt sich sehr gut an. Dasselbe findet überall freundliche Aufnahme und ist, obwohl es mitten im Semester erschien — ein Umstand, der wohl beachtet werden muß —, schon in mehr als 1000 Exemplaren abgesetzt. So dürfen wir also auch nach dieser Richtung hin auf die Entwickelung der Thätigkeit des westfälischen Verbandes mit Genugthuung blicken. Mit besonderer Freude können wir noch konstatiren, daß der treffliche Verlauf des diesjährigen Verbandstages in Hagen nicht wenig dazu beigetragen hat, das Interesse für den Verband auch in denjenigen Kreisen zu fördern, welche der ganzen Bewegung bis jetzt mehr oder minder gleichgiltig gegenüberstanden. Noch heute kommen uns Urtheile von Betheiligten über den Verlaus des sechsten Verbandstages zu Ohren, die alle in seltener Einmüthigkeit ihre hohe Befriedigung über den würdigen und musterhaften Gang der Verhandlungen bekunden. sf; Mainz, 24. September. Vor dem hiesigen Schöffengericht erschien heute als Verklagter der Redakteur und Verleger des hier erscheinenden „Israelit", Oskar Lehmann. Dieser soll in einer Reihe von Artikeln den Rentner Paul Friedmann in Frankfurt a. M. beleidigt haben, der die Ansiedelung von ausgewiesenen russischen Juden in Arabien im Jahre 1892 plante. Friedmann wurde von dem „Israelit", der sich früher anerkennend über den Plan ausgelassen hatte, beschuldigt, daß die Ansiedler gequält und mißhandelt würden, ein Mann sei sogar getödtet worden. Andere Leute, so hieß es weiter, seien an einen öden Ort am Rothen Meere gebracht worden. Es ist jetzt über vier Jahre her, daß

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