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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-10-02 · Heft 40 (2.10.1896) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 40 (2.10.1896)
Date
1896-10-02
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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Gerlin, 2. Oktober. 1896. 6v. Zchrgang. «r. 40. Otl?* Weitcrge zur „Attgemeinen Zeitung öes IuöentHums". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. ' .L-2 Berlin, 25. September. Die „Freie israelitische Vereinigung", eine der besten Institutionen, die in letzter Zeit auf unserem Gebiete hervorgerusen wurden, hat soeben zwei Schriften erscheinen lassen, auf die wir die allgemeine Aufmerksamkeit lenken möchten. Die eine enthält den stenographischen Bericht über die Tagung in Berlin am 22. Juni mit den beiden Vorträgen der Herren Rechtsanwalt Dr. Boden - heimer und Schuldirektor Dr. Löwenberg und sodann sehr wichtige Mittheilungen der Ausschüsse. Die andere enthält einen wahrhaft vorzüglichen Vortrag über Sozialethik, den Gustav Tuchder verdienstvolle Begründer der „Freien Israelitischen Vereinigung", in der Monteüore- Loge gehalten und der aufmerksam gelesen, vor allem aber beherzigt zu werden verdient. Aus den Mittheilungen des Ausschusses für Sozialethik entnehmen wir die folgenden Vorschläge: Herr Dr. Leimdörfer-Hamburg schlug vor: 1 für ausreichenden Religionsunterricht der Jugend zu wirken, 2. die Verbände, also: Gemeindebund, Logen, Rabbinerverband, Lehrerverband u. s. w. zum gemeinsamen Berathen und Arbeiten für Hebung der ethischen Kultur innerhalb der Judenheit aufzurufen. Dr. Feilchenfeld-Posen beantragte: 1. Unterstützung nothleidender Kolonien in Palästina, 2. Unterstützung vaterländischer jüdischer Gemeinden, die nicht im Stande sind, aus eigenen Mitteln Religionslehrer zu besolden. Dr. Gronemann-Hannover wünschte, unter Betonung des alten jüdischen Gedankens, daß wichtiger als Geldunterstützung die Einwirkung sei, die neben materieller Hilfe Liebe erweist: die Fürsorge für die Armen 1. auf Hebung des sittlichen Bewußtseins, 2. auf ökonomische Erziehung (Häuslichkeit, Wirtschaftlichkeit), 3. in arbeitlicher Hinsicht zu erstrecken. In letzterer Beziehung wird vorgeschlagen, nicht blos auf Verbreitung von Handwerk, Gärtnerei und Landwirthschaft sich zu beschränken, sondern auch zu mancherlei anderen Berufen — Dienstleistung in den Verkehrsgewerben und was dergleichen mehr — hinzuleiten. Dr. G runw ald-Hamburg sprach sich darüber aus, daß die humane Ethik auf der jüdischen Weltanschauung basire, und daß, wo dies geschieht, von vornherein die Härten vermieden werden, die z. B. gerade die ethische Bewegung hier und da der positiven Religion gegenüber herausgekehrt hat. Der Antrag des Herrn Dr. Grunwald gipfelte in der Errichtung von Jünglingsvereinen. Die Mittheilungen enthalten schließlich noch eine bedeutsame Erklärung über die ethischen Ziele der „Freien israelitischen Vereinigung", auf die wir noch ausführlich an anderer Stelle zurückkommen werden. £2 Berlin, 25. September. Die Weiherede für das Lehrlingsheim in Pankow, welche Herr Rabbiner Dr. Maybaum am 17. Mai d. I. gehalten, ist soeben im Druck erschienen und wird sicher auch in der Lektüre denselben tiefen Eindruck Hervorrufen, dessen sich das gesprochene Wort in jener weihevollen Stunde zu erfreuen hatte. Es sind weise Mahnungen, die in dieser Rede nicht blos an die Lehrlinge des Heims in Pankow, sondern auch an weitere Kreise ergehen und beherzigt zu werden verdienen. So namentlich am Schluß, wo Herr Dr. Maybaum seinen Zuhörern das Ziel der allgemeinen Wohlfahrt als das erstrebenswerthe vorführte, indem er sagte: „Die schöne Aufschrift, welche über dem Verwaltungsgebäude der Berliner Gewerbe-Ausstellung prangt: „Selbstlos und treu" scheint mir auch für dieses Lehrlingsheim überaus beherzigenswerth, denn sie enthält die sittlichen Grundzüge, nach denen auch, die Erziehung unserer Lehrlinge geleitet werden soll. Kein Mensch, also auch nicht der Handwerker, ist auf sich selbst gestellt und bloß für sich allein da, sondern er ist ein Glied der Gesammtheit; er hat also nicht blos die eigene Wohlfahrt anzustreben, sondern auch darauf zu sehen, daß das Gemeinwohl dabei bestehen könne. Zu solcher Selbstlosigkeit, die von jedem Menschen gefordert werden muß und die, wo sie frei geübt wird, das innere Glück erhöht, soll auch der Handwerker erzogen werden. Und zur Selbstlosigkeit geselle sich die Treue. Der Handwerker soll sein Handwerk lieben und ihm in Treue anhängen; er darf nicht, wie das noch unter unseren Glaubensgenossen häufig genug geschieht, sofort zu einem anderen Erwerbszweig übergehen, wenn es nicht gleich die darauf verwandte Mühe mit reichem Ertrage lohnt. Nur Beharrlichkeit führt zum Ziel, und dem Treuen fehlt in keinem Falle das beglückende Bewußtsein, das ihm der Psalmdichter verheißt in den Worten: „So Du die Arbeit Deiner Hände genießest, Heil Dir, Du hast es gut!" e/D Berlin, 27. September. Im Rathhause trat gestern Abend das Komitee für die Ferienkolonien unter Vorsitz des Stadtraths Borchardt zusammen. Herr Adolf Mayer berichtete über eine neue Zuwendung. Aus Anlaß seiner Silberhochzeit hat das Rosenstiel'sche Ehepaar den Ferienkolonien ein im Soolbad Elmen belegenes Grundstück zum Geschenk gemacht, von dem das Komitee demnächst Besitz ergreifen wird. Das Geschenk des hochherzigen Herrn Eugen Rofenstiel besteht in einem zur Aufnahme von 30-40 Kindern geeigneten Wohnhaus nebst Garten im Soolbad Elmen bei Magdeburg. Das Grundstück, nur wenige Minuten von der Bade-Anstalt und dem Kurhaus entfernt, am öffentlichen Badepark belegen, ist vorzüglich für den Zweck geeignet. Alle baulichen Veränderungen, sowie. der Umbau der Küche und der Neubau einer, Glashalle im Garten werden von Herrn Rosenstiel selbst vorgenommen. Das Geschenk ist in der Hauptsache zur Unterbringung der jüdischen Kinder bestimmt und kann durch mehrmalige Belegung in den Sommermonaten 100—150 kranken Kindern Genesung und Kräftigung verschaffen. /s. Berlin, 28. September. Aus dem Religionsverein „Westen" wird uns berichtet: Die Synagogen- und Religionsschulverhältnisse entwickeln sich immer günstiger, die Zahl der Mitglieder und der schulbesuchenden Kinder wächst stetig. In Anerkennung seiner Bestrebungen haben dem Religionsverein u. a. Geschwister Caro zum Andenken an ihren seligen Vater nahe der Synagoge eine sehr schöne Suckoh bauen lassen. — Der rührige Vorstand (gegenwärtig die Herren D. Davidsohn als Vorsitzender, Alwin Abrahamsohn, Jesef Gallinek, Carl Lasch, Hugo Schlesinger und Leonhard Zomber) versendet folgendes Circular: Die Religionsschule des Religionsvereins Meften" bietet Knaben und Mädchen gediegenen Unterricht re. in biblischer und nachbiblischer Geschichte, Glaubens- und Sittenlehre Hebräisch und Liturgie. Den Forderungen der fortgeschrittenen Pädagogik gemäß wird jede häusliche Ueberlastung der Jugend vermieden. Die Religionsschule steht unter der Leitung unseres — als Schulmann bewährten — Rabbiners, Herrn Dr. Kroner, der Anmeldungen zum Religions-, Barmizwah- und Konfirmandinnen-Unterricht täglich von 12 bis 2 Uhr in seiner Wohnung, Berlin W., Passauerstr. 11, entgegennimmt. Schullokal: Joachimsthalerstr. 31/32. (Oeffentliche Gemeindeschule.) Unterrichtszeit: Mittwoch- und Sonnabend-Nachmittag." §£•> Berlin, 27. September. Es wäre ein Jrrthum, zu glauben, daß nur in der alten Judengasse das Limehath-Thora-Fest in fröhlicher Weise gefeiert wurde. Auch das als kalt und kritisch verschrieene Berlin kennt die Simchath-Thora-93ätTc, wie sie jüngst in unserm Feuilleton beschrieben wurden. So lesen wir, daß der „Verein selbstständiger Handwerker jüdischen Glaubens" sein erstes Stiftungsfest am 29. d. M., also am Shemini Azeret - 2I6en5) feiert. Ferner lesen wir, daß der „Humanitäts-Verein Gewul Tauw" schon am 26. d. M. zu Gunsten der Gustav Michaelis-Stiftung eine musikalisch-deklamatorische Abendunterhaltung nebst Kränzchen in Dräsels Festsälen veranstaltete und daß an demselben Abend der „Humanitäts-Verein für Gewerbetreibende" (gegründet 1866) das Simchath-Thora-geft mit einem Kränzchen im Hotel Imperial feierte, sodann, daß am Mittwoch, dem 30. September, der Verein „Chebra gemilus chassodini“ seinen Mitgliedern und den Gästen ein Simchath - Thora - Vergnügen, bestehend

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