Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 60 (1896)
- Issue
- Heft 39 (25.9.1896)
- Date
- 1896-09-25
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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einer Erweiterung geltend gemacht. Daß es nun heute möglich sei, die, neue Anstalt einzuweihen, sei dem Wohlwollen der herzoglichen Landesregierung zu danken, ebenso aber sei das Konsistorium und das Herzog-? liche Ober-Schulkollegium jederzeit entgegenkommend gewesen, nicht minder die herzogliche, Kreisdirektion und der Stadtm.agistrat von Wolfenbüttel. Ihnen allen sei die Anstalt zu großem Danke verpflichtet.) Solchen sprach der Redner auch den Herren Kreisbau-Jnspektor Müller^ und Stadtbaurath Winter-Braunschweig als obersten Leitern des Baues, sowie allen betheiligten Handwerkern (fast ausschließlich Wolfen? büttlern) aus. Sodann aber gebühre vor allem Dank Herrn Leopolds Samson, der die geistige Triebfeder des Baues gewesen und mit aufopfernder Hingabe für denselben gearbeitet habe; an dieser inneren Arbeit habe aber auch Herr Direktor Tach au und ebenso dessen Gemahlin Theih welche in allen wirtschaftlichen Fragen eine willkommene Beratherin war. Wenn er nun hiermit die Anstalt Herrn Direktor Tachau übet* gebe, so wünsche er dabei, daß sie allezeit zum Heile der Jugend dienen möge. Nunmehr übernahm Direktor Tachau mit einer längeren Ansprache die Anstalt und entwarf in großen Zügen ein Bild von den in derselben bisher beobachteten und ferner geltenden Erziehungs-Grundsätze^ Den Traditionen der Stifter der Anstalt getreu, werde die Grundlage der Erziehung die Gottesfurcht bilden, die der Anfang aller Weisheit sei. Auf dieser Grundlage sittlich gute Menschen heranzubilden, sei das Endzieh. Aber auch die Liebe zum Vaterlande, und zwar zum großen deutschen Vaterlands, hinter welcher das Provinzielle zurückzutreten habe, sei eine wichtige Aufgabe der Erziehung an der Samsonschule; sie wolle Schüler heranbilden, die sich des deutschen Namens allezeit würdig erweisen. Mit beherzigenswerten Ermahnungen an die Schüler schloß der Direktor. Herr Gymnasialdirektor Professor Dauber aus Braunschweig sprach hierauf Namens des herzoglichen Oberschul-Kollegiums der Anstalt seine Glückwünsche aus, indem er betonte, daß er seit Jahren Gelegenheit gehabt habe, zu beobachten, wie die Samsonschule sich in aufsteigender Bewegung befinde, und indem er die Hoffnung aussprach, baß das neue Anstaltsgebäude eine Stätte reichen Segens werden möge. Schließlich ergriff der Direktor der Jakobsonschule zu Seesen, Dr. Philippson, das Wort, um der Samsonschule als Schwesteranstalt Glück zum heutigen Tage zu wünschen. Beide Anstalten seien Zeugnisse des Freisinns und der religiösen Duldsamkeit auf braunschweigischem Throne und bei der Landesregierung. Unbeschadet ihres religiösen Bekenntnisses seien beide Anstalten aber auch echt deutsche Erziehungsanstalten. Wie dieses neue Schulhaus in freier Lage dastehe, so möge es allezeit ein Wahrzeichen freier Anschauungen und deutschen Geisteslebens sein. Der Gesang des 23. Psalmes beendete die schöne Feier, worauf die Festgäste unter Führung des Direktors einen Rundgang durch die weit ausgedehnten Räume der Anstalt unternahmen. Außer den Keller- und Bodenräumen enthält das Gebäude, dessen Vorderfront 68 Meter mißt, drei Stockwerke. Im unteren liegen Unterrichtszimmer, nebst Zeichensaal, Handfertigkeitssaal, Physiksaal; ferner enthält dasselbe (ebenso wie das darüber liegende Geschoß) im linken Flügel die Wohnung des Direktors, im rechten Flügel die Wohnung des Hausvaters. Im ersten Obergeschoß sind die fünfzehn Arbeits- und Wohnzimmer der Schüler, der Festsaal, das Musikzimmer und der Speisesaal, im zweiten befinden sich die musterhaft angelegten Schlafsäle, nebst Waschsaal, Krankenzimmern, Bibliothek und mehreren Lehrerwohnungen. Küche. Badezimmer, Vorrathsräume u. s. w. sind im Keller untergebracht. Sämmtliche Räume werden durch Central? Heizung erwärmt. Die Treppen sind in Stein und Eisen ausgeführt. Die Lage der Anstalt ist eine unvergleichlich schöne. Sie liegt unmittelbar neben dem großen Walde, welcher sich längs der Braunschweiger Landstraße hinzieht. Aus den Fenstern genießt man nach allen Seiten eine herrliche Aussicht. Ein weiter Spielplatz, begrenzt von der Turnhalle, dehnt sich hinter dem Hause aus. So ist die Anstalt in jeder Beziehung ein Werk, das seinen Meister lobt, ein rühmliches Zeugniß Wolfenbütteler Bauthätigkeit. Alle Beschauer von nah und fern sprachen sich denn auch voll Lobes über das Gesehene aus. Einer der größeren Parterre-Räume nahm schließlich die Gäste zu einem Imbiß auf, dem später ein Festmahl im Speisesaale folgte. Dieses nahm einen glänzenden Verlauf. Das trefflich zubereitete Mahl wurde durch gehaltvolle Trinksprüche gewMt, mit welchen Alle, die sich um das Gedeihen der Anstalt verdient gemacht haben, bedacht wurden. Auch an poetischen Anreden fehlte es nicht. Zahlreiche Telegramme legten von der anhänglichen Dankbarkeit der früheren Zöglinge Zeugniß ab. Die Feier schloß mit einem Kommers in Antoinettenruh. Es war ein herrliches Fest, welches lange noch im Gedächtmß der Theilnehmer fortleben wird. 22 Frankfurt a. M, 21. September. Der Verein „Kuranstalt für arme Israeliten in Bad Soden a. T." versendet seinen Berscht. Der Verein wurde im Jahre 1885 gegründet, und werden daselbst alljährlich während der Kurzeit eine große Anzahl armer Brust-und Lungenkranker aller Länder unentgeltlich verpflegt. Die Frequenz der Anstalt steigert sich von Jahr zu Jahr, sie betrug'in den letzten 3 Jahren : 1893 170 Patienten, 1894 192 Patienten, 1895 199 Patienten, und' wird im laufenden Jahre die letztere Zahl bei Weitem überschreiten, indem schon bis Ende Juli 150 Personen der Wohlthaten des Vereins theilhaftig geworden sind. Die im Jahre 1895 in der Anstalt verpflegten 199 Patienten stammten aus folgenden Gegenden: aus Frankfurt a. M. 83, aus Berlin 11, aus Norddeutschland 17, aus Süd- und Mitteldeutschland 58, aus Elsaß 2, aus dem Ausland 16, Kinder aus verschiedenen Gegenden 12, zusammen 199 Personen. An Einnahmen hatte der Verein zu verzeichnen: 27 622,32 Mark. Diese Einnahmen genügen aber durchaus nicht, um das segensreiche Institut zu erhalten und zu vergrößern. Es ergeht daher der warme Appell an alle edlen Männer und Frauen in Israel, dieses Werk echter Menschenliebe kräftig zu unterstützen. Die Verwaltung des Vereins besteht aus den Herren: Dr. med. E. Rosenbaum, Vorsitzender, Mich Mos. Mainz, stellvertretender Vorsitzender, Lismann Fürth, Kasstrer, Daniel Aug. Worms, Oekonom, Bernhard Frenkel, Schriftführer, Manfred S. Goldschmidt, Gegenschreiber, Heinrich Misloch, Beisitzer, sämmtlich in Frankfurt a. M., und Herr D. Wolff, Berlin SW., Wilhelmstraße 118. Ehrenmitglied ist Herr M. A. Wolff, Frankfurt a. M. — Am 11. Oktober feiert Herr Rabbiner Dr. Adolf Brüll sein fünfundzwanzigjähriges Jubiläum als Religionslehrer am Philantropin, und die Verehrer des gelehrten und beliebten Mannes, der sich als einer der wenigen energischen Vorkämpfer der Reform, wie als Forscher und Schriftsteller bleibende Verdienste erworben hat, werden diese Gelegenheit sicher nicht vorübergehen lassen, ohne Herrn Dr. Brüll ihre Anerkennung für sein unermüdliches, treues Wirken zu bezeugen. Sr. Karlsruhe, 21. September. Auf den unter allseitiger Begeisterung gefeierten siebzig st enGeburtstagunseresallverehrten Großherzogs blicken die Juden Badens mit Befriedigung zurück. Haben sie doch, wie sie aus tiefstem Herzen dem gerechten und-weisen Landesherrn den schuldigen Tribut ihres Dankes gezollt haben, auch von Neuem die Genugthuung erfahren, daß in Baden die Bekenner unseres Glaubens von höchster Stelle keine Zurücksetzung vor anderen Unterthanen zu gewärtigen brauchen. — In der Synagoge der hiesigen Gemeinde hielt Herr Stadt- und Konferenzrabbiner Dr. Appel am ersten Neujahrstage die Festpredigt, wobei er es trefflich verstand, an der Hand des glücklich gewählten Textes, Psalm 106 v. 1—5 — „Hallelujah, . danket dem Ewigen, denn er ist gütig, denn ewiglich währt seine Huld. Wer spricht aus die Machtthaten des Ewigen, verkündet all seinen Ruhm? Heil Denen, die bewahren das Recht Dem, der Gerechtigkeit übt zu jeder Zeit. ‘ Gedenke mein, o Ewiger, bei der Gnade gegen Dein Volk, nimm mich wahr bei Deiner Hilfe. Daß ich schaue das Glück Deiner Erkorenen, mich freue bei der Freude Deines Volkes, mich rühme mit Deinem Erbe", die Neujahrsgedanken mit denen aus Anlaß des höchsten Geburtstages uns erfüllenden zu verknüpfen. Am selben Tage wurde gleich den Vertretern aller Kirchenbehörden eine Abordnung des Oberraths der Israeliten, bestehend aus den Herrn Dr. Appel, Regierungsrath Dr. Mayer, Medizinalrath Albert Seligmann und den Synodalmitgliedern Rechtsanwalt Dr. Friedberg und Stadträth Fritz Hamburger, zur Ueberreichung einer Adresse Namens der badischen Israelitender als Ehrengeschenk die Photographien der Synagogen des Landes hinzugefügt wurden, in Audienz empfangen, wobei Ihre königlichen Hoheiten der Großherzog und die Großherzogin sich von den durch frühere Audienzen ihnen bekannten Herren Berichte über die Gemeindeverhältnisse geben ließen und lebhaftes Interesse dafür bekundeten. An sämmtliche genannten Herren ergingen Einladungen zur Besichtigung des am folgenden Tage, dem eigentlichen Geburtstage, 9. September, veranstalteten Festzuges vom großherzoglichen Schlosse aus sowie zur Festvorstellung im Hoftheater. Herr Regierungsrath Dr. Mayer, als ältestes Mitglied des Oberraths, wurde mit einer Einladung zum Diner im Schlosse beehrt. Ebenso wurde Herr Dr. Appel