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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-09-18 · Heft 38 (18.9.1896) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 38 (18.9.1896)
Date
1896-09-18
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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'/! ff/ ff entwickelt und geläutert werden können. Jetzt erhält Korreferent- Falkenberg das Wort.. Derselbe erklärt, daß er im Großen und Ganzen > mit den Ausführungen des Referenten einverstanden ist, doch betont er: noch mehr die Besprechung der Geschichte aus' der Oberstufe. Hier, müssen Gebete, Psalmen und Bibelverse zur näheren Erläuterung der ( Erzählung hinzugefügt werden. Nun wurde die Diskussion eröffnet.; Hier zeigten sich doch sehr verschiedenartige Ansichten, und da beinahe Mitternacht herangebrochen war, wurde die Klärung dieser Ansichten und damit die Fortsetzung der Diskussion auf die Oktobersitzung verschoben. G Rasteüburg, im September. Der Verein für die jüdischen Epileptiker Ln der nahen Anstalt Carlshof erläßt auch in diesem Jahre einen Aufruf wie seit sieben Jahren, für die rituelle Verpflegung :' der Epileptiker Sorge zu tragen. Spenden nimmt das Vorstandsmitglied der hiesigen Synagogengemeinde, Herr Moritz Meyer entgegen undwird über den Empfang öffentlich quittirt. Die Einnahmen des Vereins betrugen pro 1895/96 449,03 M., die Ausgaben 409,80 M., mithin bleibt nur ein Restbestand von 39,23 M. Thatkrästige Unterstützung dieses wohlthätig wirkenden Vereins erscheint also dringend geboten. S. Leer (Ostfriesland), 15. September. Vor einigen Monaten sind .. in hiesiger Synagogengemeinde Zwistigkeiten ausgebrochen, die. zur Folge hatten, daß mehrere Mitglieder ausgetreten sind und eilte v neue Gemeinde unter dem Namen Jeschurun gebildet haben. Die^ Synagogengemeinde hat nun eine neue Friedhofsordnung erlassen, welche die behördliche Genehmigung erlangt hat. Dieses neue Statut gestattet den aus der Synagogengemeinde Ausgetretenen sowie deren Familien-, Mitgliedern das Betreten des Friedhofes nur mit besonderer schriftlicher" Erlaubniß, untersagt gänzlich das Halten von Leichenreden bei Beerdigungen von Ausgetretenen oder deren Familienmitgliedern, sowie das Aufstellen von Leichensteinen oder sonstigen Erinnerungszeichen auf deren Gräbern. Die Leichen der Ausgetretenen werden nicht in der für die , Gemeindeglieder geltenden Reihenfolge, sondern außer derselben an jedesmalig anzuweisenden Plätzen beerdigt. Vom Eingang des Friedhofes... an haben sich die Ausgetretenen jeder Thätigkeit bezw. Hantirung mit . dem Sarge zu enthalten. Der weitere Transport erfolgt durch Beauftragte der Gemeinde gegen Vergütung von 20 bis 50 Mark. Wie et heißt, wollen die Mitglieder der Jeschurun gegen diese allerdings recht schroffe und schneidige Ordnung protestiren. Es ist ein Jammer, daß " in Leer, wo ohnehin, wie in ganz Ostfriesland, Antisemitismus genug herrscht, durch innere Streitigkeiten den Gegnern die willkommene Gelegenheit zu neuen Angriffen geboten wird. E. Birkenfeld, 13. September. Während des 10 tägigen Aufenthaltes des Grohherzogs von Oldenburg in unserem unter seiner Herrschaft stehenden Fürstenthume hatte auch unser Landrabbiner, Herr Dr. Loevy, mehrfach Gelegenheit, an den offiziellen Feierlichkeiten theilzunehmen. Ein von demselben verfaßtes Begrüßungsgedicht wurde beim Eintreffen des Großherzogs aus dem Bahnhof von einer Schülerin der höheren Töchterschule unter Ueberreichung eines Blumenstraußes vorgetragen und von dem greisen Fürsten mit tiefer Bewegung angehört. Zu dem darauffolgenden offiziellen Empfang im Schlosse war auch der Landrabbiner als Staatsbeamter geladen und erschienen und wurde vom Großherzog durch eine sehr freundliche Ansprache beehrt, welche meist jüdische Angelegenheiten des Fürstevthums berührte. — Am 1. Tag Roschhaschono, zwischen 1 und 3 Uhr, war Herr Dr. Loevy zur Audienz befohlen, in welcher der Großherzog sich längere Zeit und sehr leutselig ' mit ihm über seine persönlichen Verhältnisse unterhielt und die Dedikation einer der Vollendung nahen historischen Arbeit — die Juden im Fürstenthum betreffend — huldvoll entgegen nahm. Daran schloß sich die Einladung zur Hoftafel, an welcher auch Herr Dr. Loevy — natürlich unter strengster Beobachtung der rituellen Speisegesetze — Theil nahm. und der Hoffnung Ausdruck geben zu können, daß es ihnen vergönnt sein möge, noch viele Jahre ..in: bester Gesundheit des Körpers und Geistes unserer Stadt als Jubelbürger anzugehören. Hochachtungsvoll Der Rath der Stadt Leipzig, (gez.) Dr. Tröndlin." Man sieht aus diesem Schreiben, daß auch in der Stadt des Antisemitismus par excellence die Behörden die Bürgertugenden, der Juden anerkennen und, schätzen.' .■■■ O Leipzig, 11. September. Ein angesehenes Mitglied unserer Gemeinde, Herr Adolf Fränkel, in Firma Gebrüder Fränkel, hat^ jüngst in diesen Tagen sein fünfzigjähriges Bürgerjubiläum gefeiert und bei diesem Anlasse folgendes Schreiben des Raths der Stadt Leipzig erhalten: „An Herrn Wolf Adolf Fränkel, priv. Kaufmann, hier. Sie ' begehen heute den Tag, an welchem Sie vor nunmehr fünfzig Jahren ' das Bürgerrecht unserer Stadt erlangt haben. Es gereicht uns zur Freude, Ihnen zu diesem Tage unsere herzlichsten Glückwünsche aussprechen Z. Halle a. Saale, 14. September. Gegen Schluß des alten Jahres hatte unsere Gemeinde einen herben Verlust erlitten. Eines ihrer besten/ Mitglieder, Herr Louis S ach s, wurde ihr entrissen, und sein Heimgang wird noch lange betrauert werden, war doch sein Name seit fast 30 Jahren eng mit der Entwickelung unseres Gemeindelebens verbunden; alles Gute', und Edle wurde von ihm gefördert und unterstützt. Doch auch einem größeren Kreise widmete er seine Kräfte. Der Stadtverwaltung gehörte er seit zwei Jahrzehnten als Stadtverordneter an und gewann hier einen bedeutenden Einfluß, was hier in Halle besonders schwer ist, da durch die Universität und andere Behörden, gerade kein Mangel an erfahrenen und tüchtigen Leuten herrscht. Wie sehr der Verstorbene von allen Theilen der Bevölkerung geehrt wurde, davon legte die allgemeine Theilnahme bei dem Begräbniß beredtes Zeugniß ab- Magistrat und Stadtverordnete folgten in corpore der Bahre ihres langjährigen Mitarbeiters. Friede seiner Asche! — Welch trostlose Zustände oft im religiösen Leben kleiner Gemeinden herrschen, mögen folgende Thatsachen illustriren. In Aken a. d. Elb e, Regierungsbezirk Magdeburg, besteht seit langen Zeiten eine Gemeinde, deren jetzige Größe vom statistischen Jahrbuch des D. I. G. B. auf 40 Seelen angegeben wurde. " Die in derselben Quelle erwähnten neun Kinder erhalten aber keinen Religionsunterricht, und dieses etwa nicht seit den letzten Tagen, sondern seit einer Reihe von Jahren nehmen die jüdischen Kinder am ch ristli chen Religionsunterricht Theil. An Vorschlägen und Anregungen und kleinen Opfern für . die Ertheilung jüdischen Religionsunterrichts hat es von betheiligter Seite nicht gefehlt. ^Bochum, 11. September. In den letzten Tagen wurde die restaurirte und erweiterte Synagoge unter Theilnahme der städtischen Behörden und der Bürgerschaft feierlich, ein geweiht. Die Bauleitung lag in den Händen des Architekten Seche. Die innere Ausschmückung in neuem Maurischen Stil, dem Aenßeren entsprechend, ist von dem Maler S. Cohn-Köln entworfen und gemalt und gewährt einen prächtigen Anblick. Am meisten fesselt das Allerheiligste, das, von röthlichem Licht Überflossen, von einer weiß-goldenen, auf schlanken ciselirten Marmorsäulen ruhenden Kuppel überdacht ist. Am Schluffe der Einweihungsfeier flehte oer Prediger der Synagogengemeinde, Herr Laub heim, den Segen herab ans den Kaiser, die Kaiserin, die Kaiserin Friedrich und alle Angehörigen des königlichen Hauses, auf unser Vaterland und unsere Stadt, ihre Behörden und ihre Bürger, insonderheit auch auf die Festversammlung und die jüdische Gemeinde. 3E Bocholt, 13. September. In der hiesigen Gemeinde werden augenblicklich große Vorbereitungen zu einer Festlichkeit getroffen, um am 29. September d. I. das 50jährige Dienstjubiläum des Herrn Lehrers.. Spier würdig zu begehen. Der Jubilar tritt dann gleichzeitig in den wohlverdienten Ruhestand, obgleich derselbe sich noch großer Rüstigkeit erfreut. Fast 30 Jahre hat der p. Spier der hiesigen Gemeinde seine hervorragenden, segensreichen Dienste als Lehrer und Kantor gewidmet, dankbare Anerkennung und die besten Wünsche für sein ferneres Wohlergehen begleiten denselben ins Privatleben. Auch durch die Gründung des Vereins „Esraß Kefufim" (zinslose Darlehen an unbemittelte Familienväter) hat der Jubilar sich ein großes Verdienst um die ganze hiesige Gegend erworben. Zum Nachfolger ist der Lehrer L. Nußbaum, früher in Merzig a. d. Saar, einstimmig gewählt worden, hoffentlich findet derselbe auch die Bestätigung einer Königlichen Regierung. T Karlsruhe, 13. September. Bei den Festen zu Ehren des 70. Geburtstags des Großherzogs von Baden haben sich die Juden unseres Landes selbstverständlich mit vollem Herzen betheiligt. Es ist Ihnen bekannt, daß schon vorher eine israelitische Landessiechen-Anstalt „Friedrichsheim" .zur Feier dieses Tages begründet wurde. Der Oberrath der Israeliten brachte auch am >9. d. M. die Huldigung der badischen Judenschaft dar in einer künstlerischen Adresse und einer geschmackvoll ausgeführlen Kassette, in der die Photographien sämmtlicher unter der

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